USA Stipendium - wer hat Infos?

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  • Hallo Leute,


    ich lese schon seit Jahren regelmäßig immer mal wieder bei euch mit. Jetzt wende ich mich mit einem Anliegen an euch.
    Mein Sohn, Jahrgang 96, möchte sich gerne für ein Fussballstipendium in den USA bewerben. Da gibt es Firmen/Organisationen,
    die zum professionellen Training einladen, Sichtungsspiele organisieren - bei denen Uni Trainer anwesend sind, Videos zusammenstellen,
    Spielerprofile einrichten usw.
    Diese 'Organisationen' machen das natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern wollen auch Geld damit verdienen.
    Der Kontakt kam schon vor längerer Zeit über Facebook zustande. Mein Sohn wurde von einem Organisator angeschrieben, ob seinerseits Interesse besteht.
    Im letzten Jahr wurde aber nichts daraus, da kam eine Verletzung dazwischen. Jetzt ist die Sache gerade brandaktuell und ich bin ehrlich gesagt
    etwas überfordert. Habe keinen Schimmer, was ich ihm raten soll, welche Fragen ich stellen soll, wie sowas abläuft und ob das seriös sein kann.


    Wer von euch kann mir einen Einblick verschaffen, ob - und wenn ja, welche - Firmen seriös sind?
    Ich gönne meinem Sohn diese Erfahrung von Herzen. Aber ich möchte ihn natürlich wenn möglich vor einer Enttäuschung bewahren. Zusätzlich kostet das Ganze ja im Vorfeld auch ne Menge Geld.


    Vielen Dank im Voraus.


    Binchen

  • Ich kenn mich ehrlich gesagt nicht wirklich damit aus,
    aber für mich klingt das ein wenig nach einem Fußballferiencamp nur halt im Ausland - und wie hier - zum Beispiel bei der Madrider Fußballschule - wird damit geworben das die besten gesichtet werden und nach Madrid dürfen. Ehrlich gesagt für mich klingt das ein wenig nach Geld machen. Wenn man sich das amerikanische Sportsystem anschaut, wird man schnell feststellen das die "vor Ort" auch viele Talente haben und das das dortige Bildungssystem auch viel auf Stipendien beruht. Und wenn (vor allem in Basketball und Football) der ein oder andere Deutsche ein Sportstipendium bekommt mit anschließenden Draft in einen Verein so ist das eher die Ausnahme als Regel.


    Sollte das wirklich bei deinem Sohn akut sein und er eine Begeisterung dafür entwickelt, würde ich schauen ob ich über das Internet soviel wie möglich Informationen über den Anbieter herausfinde (und das nicht nur über die Homepage) und besonders nach Erfahrungsberichten und Kritiken suchen.


    Eventuell bietet sich ja auch ein Auslandsjahr / Austauschjahr an. Viele Unis und Schulen unterhalten ja Partnerschaften mit Einrichtungen in den USA. Wenn es über sowas klappt kann dein Sohn auch ein sportliches Profil einschlagen und dort auf sich aufmerksam machen. Zumal die dortigen "Punktspiele" ein anderes Erlebnis sind, da sind teilweise die Ränge voll und nicht wie bei uns Zwei Drei Eltern neben dem Platz.

  • @Karotte


    Dafür, das du dich nicht auskennst, hast du aber schon jede Menge nützlicher Infos gegeben. Zwar läßt sich das nicht ganz mit der "Fussballschule von Madrid" vergleichen, aber im Grunde genommen geht es beim USA-Angebot auch darum, ausländische Spieler in denen Fussball Volkssport ist, zu holen, um damit Werbung zu machen um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Neben den USA gibt es weitere Nationen, in denen der Fussball eine Randsportart ist und über diesen Weg an Bekanntheitsgrad gewinnen soll.


    Ansonsten kann man das Fussball-Vereinsmodell in Deutschland gar nicht mit dem in den USA vergleichen. Dort läuft der Fussball meistens gar nicht über Vereine, sondern über Schulen und Universitäten. Deshalb war dein Rat es über Schüleraustausch zu probieren schon genau richtig. Beim Angebot gibt es auch sehr große Unterschiede in den einzelnen Bundesstaaten. Mancherorts wird Fussball gar nicht angeboten und in einigen Schulen wird Fussball nur deshalb angeboten, weil man dafür weniger Geld für Equitment ausgebeben muß als für Basketball, Eishockey oder Football. Denn die Schulen müssen ihren Sportetat ausschließlich aus das Sponsoring von Wirtschaftsunternehmen beschaffen. Zwar gibt es auch dort Sportlehrer, die eine Fussball-AG leiten. Aber sehr oft sind es Honorar-Trainer, deren Arbeit von den Eltern der Kinder bezahlt werden müssen. Die Trainerausbildung ist ebenfalls nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. So ist für die einfachste Coachlizenz lediglich ein Wochenendseminar erforderlich und die längste Ausbildung dauert gerade einmal einen Monat. Deshalb werden die dort gemachten Lizenzen hier in den Vereinen entweder gar nicht oder entsprechend dem Ausbildungsniveau gestuft anerkannt.


    Um Eltern und Kinder bei Laune zu halten, gibt es im Rahmen der Highschool-Wettbewerbe für alles Mögliche Ehrungen und Medaillen. Das bekommt selbst der Dicke Paule eine Ehrung, weil er sich in fast jedem Spiel in den Bauch oder ins Gesicht schießen läßt und so für das Amüsement der anderen unfreiwillig beiträgt.


    Nun würde ja die Frage nach der Qualität gestellt? Es gibt einige Universitäten, in denen unter den gleichen professionellen Bedingungen wie hier in Deutschland gearbeitet wird. Doch dorthin kann man sich genau wie hier nicht mit Geld allein kaufen, sondern man muß über Ausscheidungen und Sichtungen dorthin eingeladen werden. Dieser Prozeß dauert über mehrere Jahre.


    Auch nur dort wird Taktik auf allerhöchstem Niveau geschult. Darunter gibt es bereits die Teams, in denen die Trainer in der Lage sind, solide technische Fähigkeiten zu trainieren, aber an Taktik fast ausschließlich das gegnerorientierte Spiel vermittelt wird.


    Man kann zwar als Austauschschüler das große Glück haben, bei einem Trainer in dessen Familie zu wohnen, aber bezahlt werden muß jedes Extra, was übers Schüleraustausch-Stipendium hinaus geht. Und das kann manchmal schon ins Geld gehen. Denn die USA ist um einiges größer als Deutschland und die Reisen, häufig verbunden mit Übernachtungen können schnell mal ins Geld gehen.


    Die USA ist sicher eine Reise wert und kann mit etwas Glück eine fussballerische Bereicherung sein. Das hängt jeweils von den Möglichkeiten im Heimatverein sowie den Talentanlagen und Erwartungen ab. Kombiniert man es mit der Verbesserung von Sprachkenntnisse und der Erweiterung des persönlichen Horizonts in Richtung späterer Studien- oder Berufswahl, dann ist es empfehlendswert.


    Wenn du spezielle F'ragen hast, dann kannst du mich per P.N. schreiben. Denn manches ist sicher so privat, dass es nicht in den öffentlichen Teil des Forums gehört.

  • Danke für eure Antworten. Ich werde das jetzt erstmal sacken lassen und mich dann privat melden. Geht das mit der pn hier über email senden auf deinem Profil?

  • Nein, PN sind persönliche oder private Nachrichten, so hieß das, was seit dem Relaunch des Forums "Konversationen" genannt wird. In der Kopfzeile, welche den übrigen Inhalt semitransparent überlagert, findest du diesen Punkt zwischen "Benachrichtigungen" und "Folge uns".

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