"Lizenz-Meierei" durch DFB-Stützpunktkoordinatoren

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  • Ich halte das Stützpunkttraining für sehr sinnvoll und gut für die Spieler aus den kleinen Vereinen und so sind auch die Rückmeldungen von Spielern und Eltern.
    Mir scheint, da gibt es einige Unterschiede zwischen den Landesverbänden, zumindest lese ich das hier heraus.

    Interessantes Thema. Wir haben einen Stützpunkt, der zum Teil ziemlich verufen ist. Dort möchte man nur Spieler ausbilden, welche auch dem Verein angehören - wo der Stützpunkt ist. Ein SP Trainer sagte einmal: Warum soll ich Spieler für einen fremden Verein xyz ausbilden?? So war es zum Teil nicht verwunderlich, dass von knapp 30 Kindern 24 vom gleichen Verein waren. ... Ein Schelm wer böses denkt.


    Als ich auf DFB Lehrgang (C-Lizenz) war, riet man mir ab, bei diesem Stützpunkt meine Hospitation zu machen. Warum sind dem Verband / DFB da die Hände gebunden??

  • Interessantes Thema. Wir haben einen Stützpunkt, der zum Teil ziemlich verufen ist. Dort möchte man nur Spieler ausbilden, welche auch dem Verein angehören - wo der Stützpunkt ist. Ein SP Trainer sagte einmal: Warum soll ich Spieler für einen fremden Verein xyz ausbilden?? So war es zum Teil nicht verwunderlich, dass von knapp 30 Kindern 24 vom gleichen Verein waren. ... Ein Schelm wer böses denkt.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich hier um einen der offiziellen DFB-Stützpunkte handelt.

  • Daniel78


    Wie du schon schreibst, gibt es bei euch keine 2-jährige Kreisauswahl. Das ist schon mal der erste Unterschied. Kein Unterschied besteht jedoch darin, dass scheinbar auch bei euch nur solche Spieler gesichtet werden, die auch von den Vereinen dafür entsandt werden. Zwar sieht das DFB-Konzept vor, dass die Stützpunkttrainer immer auf den aktuellen Leistungsstand in ihrem Gebiet im Bilde sein sollen, dass ist jedoch schon deshalb schon häufig reine Theorie, weil die Stützpunkttrainer in den meisten Fällen weitere Traineraufgaben haben und Spieler eher zufällig, statt durch systematisches Scouting auffallen. Natürlich sollte es eine Durchgängigkeit geben, aber meistens ist es eine Talentverwaltung. Denn nur in Ausnahmefällen erscheinen in späteren Zeitpunkten Trainer mit Talenten. Das hat viele Ursachen. Meistens sind die Stützpunkttrainer für die "normalen Heimattrainer" irgendwelche Exoten, die zu bestimmten Terminen mal auftrauchen. Ähnlich ist es mit Talenten, die zum Sichtungszeitpunkt aus unterschiedlichen Gründen nicht an der Stützpunktsichtung teilnehmen können. Es kann doch kein gutes System sein, wenn ein Talent nur durch einen Zufall (Stützpunkttrainer und Trainer der Gastmannschaft eines Punktspiels kannten sich) ein Tipp gegeben wird. Das Talent hatte wegen einer Verletzung nicht an der Talentsichtung teilnehmen können. Der Heimattrainer konnte oder wollte das Talentpotenzial nicht richtig einschätzen. Die Eltern waren Fussball-Laien. Um es kurz zu machen: das Kind durfte nur aufgrund dieses Zufalls nach ca. 1 2/2-jähriger Förderung unlängst beim DFB vorspielte. Wenn es um die Eliteförderung gehen soll, dann darf es doch kein Zufall sein, ob diese Talente durchs Raster fallen oder nicht.


    Was vom Talentstandard aus den DFB-Stützpunkt zu halten ist, wurde bereits in anderen Themen begründet. Dort hieß es: die Talentqualität wird zu hoch angesetzt, woraus sich auch die letzendlich geringe Quote zusammen setzt. Die Auswahl der Talente ist ja auch deshalb so schwierig, weil nicht nur die 2 - 4 besonders hoch veranlagten Talente gesichtet, sondern bis zur Mannschaftstärke aufgefüllt wird. In wenigen Ausnahmen mag dies durch eine spätere, besonders günstige Entwicklung begründet sein. Aber in den meisten Fällen ist es fürs Trainingsniveau nicht günstig, wenn Übungen und Spielformen immer wieder deshalb nicht funktionieren, weil Spieler aus Sympathie-, statt aus Leistungsgründen dort aufgenommen werden. Gerade diese Spieler sind es dann auch, die wenig Spaß am Fördertraining erleben, weil es für sie zu schwierig ist. Zusätzlich haben sie das Gefühl, auch im Verein besonders im Fokus zu stehen. "Der muß doch das Tor machen. Der Spiel doch in der Auswahl", heißt es da oft. Die Zahl der aufgenommenen Talente sollte sich nach der Anzahl der Kinder orientieren, die den gewünschten Talentmerkmalen entsprechen. Man kann besser mit mehreren Jahrgängen gleichzeitig trainieren, als mit einem "aufgefüllten Jahrgang"! Gerade die Kleingruppen bieten die Möglichkeit, auf jeden Einzelnen besser eingehen zu können. Ein weiteres Thema ist sicherlich die immer noch nicht vorhandenen Torwarttrainer. (Kurios ist, dass man sich bereits Torleute aussucht, diese jedoch aufgrund fehlendes Personals und eines fehlendes Budgets keine Ausbildung erhalten!)


    Zwar gibts die Stützpunkttrainer-Fortbildungen, aber von einer Konzept-Ausbildung ist das noch ein gutes Stück entfernt.


    So ist zu beobachten, dass je nach Heimat des Stützpunkttrainers auch die Talente vermehrt aus diesem Gebiet stammen. Wechselt der Stützpunkttrainer, kommen auch die Talente aus anderen Gebieten. Allerdings gibt es hiervon auch Ausnahmen, die jedoch meist dann eintreten, wenn die Auswahltrainer ausschließlich mit dieser Aufgabe betraut sind und aufgrund mehrjähriger Erfahrungen ihr Zuständigkeitsgebiet bereits besser kennen. Denn sonst trifft man sich gelegentlich, aber jeder macht seinen Krempel!


    Unstrittig ist das Fördertraining ansich. Jedoch sollte es zu denken geben, dass Spieler, die gar nicht oder nur kurz auf den Stützpunkten spielten, ab der B-Jugend verstärkt die Plätze in den Vereinen einnehmen, die eigentlich durch die Frühförderung der Talente ihre Dominanz finden sollten. Natürlich kann das vorkommen, aber es erklärt sich nicht allein durch eine spätere Entwicklung. Es erklärt sich auch dadurch von Schwächen des aktuellen Systems, in der es kein aktives Scouting gibt. Obwohl die Teilnahme am Sparkassencup eigentlich eine Pflichtveranstaltung ist, nehmen nur ca. 30 % aller Jahrgangsspieler daran teil. Eine weitere wesentliche Schwäche ist die Übertragung der Verantwortung an die Vereine, selbständig über die Talentmerkmale zu entscheiden, weil ja nur die Spieler entsandt werden sollen, die nach Meinung der Heimattrainer über genügend Talentpotenzial verfügen.


    Wenn du selbst Stützpunkttrainer bist, dann kennst du sicher auch die nicht endenwollenden Diskussionen darüber, was nun die wichtigsten und was die weniger wichtigen Talentmerkmale sind!


    Im wesentlichen hängt die Qualität der Stützpunktarbeit von den dort tätigen Trainern ab. Dort, wo man sich die Klinke in die Hand gbit, kommt meist nicht viel Gutes dabei heraus. Weil jedoch meist der "Fisch am Kopf anfängt zu stinken", liegt es auch em DFB-Koordinator, der aufgrund seiner Auswahl, Unterstützung und Kontrolle sein Zuständigkeitsgebiet aktiv steuern oder aber auch nur verwalten kann. Leider reagiert der DFB hier besonders träge bei der Wahl geeigneter Kandidaten, wenn DFB-Koordinatoren trotz vermehrter Kritik immer noch in Amt und Würden sind.


    Die deutsche Eliteförderung ist ein Meilenstein gegenüber dem Zeitraum vor 2000. Aber es gibt noch zu große Lücken in der Druchgängigkeit der Kommunikation von der DFB-Zentrale bis nach Unten und dementsprechend zu wenig Kontrolle darüber, ob flächendeckend aus neutraler Leistungsbewertung die gewünschten Talente eine Förderung erhalten. Ich würde mir wünschen, dass aufgrund der Impulse durch die gewonne WM noch mehr Aufmerksamkeit den heimischen Talenten zu schenken. Da ist noch einiges an Luft nach oben vorhanden, wie ich aus meinen Beobachtungen in der Talentförderung unserer Nachbarländer erkennen konnte. Ich denke, es war kein Zufall, dass die Niederlande, Belgien und die Schweiz im Vergleich zum vorhandenen Potenzial aus den aktiven Spielern eine besonders gute Rolle gespielt haben.