Abwehrverhalten trainieren -wann fängt man damit an und wie setzt man es um ?

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  • Hallo,


    in dieser Rückrunde fällt mir verstärkt auf, dass sich unsere Mannschaft dadurch eher selbst schlägt als dass es der Gegner tut, weil sie schlecht verteidigen bzw. abwehren. Beispiel von gestern abend:
    drei Leute bei einem Gegenspieler, zwei andere können frei aufs Tor zulaufen.


    Wie trainiert man so etwas und ab welcher Altersklasse ?


    Danke für Tipps - mir tut es immer so leid, wenn die Kinder vorne Tore machen und nicht dafür belohnt werden...

  • Moin Betreuer....einer G!


    1. Bin ich der Meinung, dass du schon viel weiter bist, als es die meisten sind, weil du dein derzeitiges und zukünftiges Tun hinterfragst, das ist wichtig und gut.


    2. Bin ich der Meinung, dass du das Wissen darum, was das Ziel ist bestenfalls heute schon hast, damit du weisst was Du demnächst


    a) besser läßt


    oder/und


    c) tun solltest


    um dieses Ziel zu erreichen.


    3. Das Ziel ist das Spiel im Raum (Verschieben...Kette usw.) am Ausbildungsende. Dieses Ziel wird über das was die Kids als einzelne Person (Individualtaktik F und E)...als auch über die Gruppentaktik (so ab der D/C), als auch über die Mannschaftstaktik (ab der B)....erreicht. Fehlen die einzelnen Elemente, wird da oben nicht das rauskommen, was herauskommen würde, wenn man es ausreichend und ausreichend wiederkehrend geschult hätte. Um es zu schulen, muß ich als Trainer das Wissen um die gesamte Sache haben...womit ich auf Punkt 2 verweise. Ich muß wissen, was zeitlich richtig ist und was noch nicht.


    4. In der G ist es nicht wichtig, ob sie wirklich verteidigen. Für mich hiese das...spielen lassen. Sie sollen einfach mal vertrauen und den Kitzel am Spiel mitnehmen...mal einen Ball stoppen können, den Ball vortreiben dürfen ohne abspielen zu müssen und einfach nur lernen, wie ihr Körper so reagiert, wenn man dieses oder das tut.


    Viele Trainer versuchen bereits hier die Spieler in Positionen zu zwängen, um das Korset des "Wie funktioniert der Fußball der Erwachsenen" möglichst sofort aufzustülpen. DAS ist SCHEISSE!...jedoch fast überall zu sehen. Ich bin hier absolut anderer Meinung und würde das anders tun.


    5. Die Spieler der G rennen alle hinter dem Ball her. Derjenige der am nahesten zum Ball steht, geht ...gefolgt vom Rest des "Teams" bei Ballbesitz des Gegners mit voller Macht auf den Ballführenden...gefolgt vom Rest.


    Frage ist, was das ist? Was ist das taktisch gesehen? Erinnert es Euch an was?


    Richtig...sie verschieben im gröbsten Sinn und tun das in gröbster Form, was später das Ziel ist.


    GENAU HIER...beginnt der Fehler von uns Trainern, denn man gewöhnt es ihnen -für die Zwangsjacke/das Korsett- des "richtigen" Erwachsenenfußballs ab.


    Versucht wird, das Spiel auf Manndeckung zu entwickeln, richtig?


    Ich setz noch eins drauf und sage, dass das taktische Mittel "Manndeckung" einige von uns als den Zweikampf übersetzen...diesen Eindruck habe ich im Verlauf der letzen Jahre immer mal wieder gewonnen.


    6. WAS wäre zu tun?


    Ganz einfach...ebend nicht auf Manndeckung spielen lassen und ihnen ihren anscheinend natürlichen Trieb (alle gehen in Richtung des ballführenden Gegners) abzugewöhnen zum "Vorteil" der Manndeckung, ...sonders es im Bereich der G zu tollerieren (spielen lassen!) und ab der F in "geordnete Bahnen" zu lenken. Hierbei erinnere ich an die Strategie von Horst Wein...."stimulieren statt instruieren".


    Also...nach meiner Auffassung -abseits von Horst Weins sonstigen Trainingsmethoden-....nun den Spieler dazu -über entsprechende Übungsformen-


    dazu bekommen, das


    - es Sinn macht, dass der Ballnaheste auf den Ballführenden geht
    - das es Sinn macht, dass die Mitspieler ihm grob folgen (Verschieben) und darauf lauern, den vom nun so unter Druck stehenden ballführenden Gegner wahrscheinlich abgespielten Ball....abzufangen.
    - sie über die Spielformen im Training zu diesen Erfahrungen geleiten und über Fragestellungen und sparsam dotierten Situationseinfrierungen zu von ihnen erarbeiteten Antworten zu geleiten.


    ohne dabei die Perfektion des Spiels als Ziel zu haben.


    Dabei kommen dann -auf dem Weg dahin- die üblichen Trainingsthemen der entsprechenden Jugend zum tragen


    -Ballannahme, Mitnahme
    -Torschuss
    -Dribbeln
    -"normaler" Zweikampf (F und E)
    -später ab der D (taktischer Zweikampf in der Defensive...Ballablaufen usw.!!!!!!!!!!!!!!!)
    -technik beim Passen...später Passpiel ab der E/D (Gruppentaktik)


    Die Überschrift von ALLEM wäre: WIR wollen Tore schießen und Tore verhindern!


    WIR, weil alle bei Ballbesitz angreifen und alle bei Ballbesitz des Gegner deren Tore verhindern wollen. Verhindern geht im Sturm los.


    Ziel ist es...sie später...für mich so ab frühestens der D...in Räume -FB hat sie mal Quadranten genannt- spielen zu lassen. Unterschied zu vielen Trainerstimmen wäre es bei mir...das SIE/die Spieler ...bestimmen, was sie sich das von ihrem Entwicklungsstand leisten möchten...wenn sie dazu ..auf Grund von gemachten Erfahrungen + der Tatsache, das sie geistig und körperlich dazu in der Lage sind umzusetzen....ab da dann auch so machen. Vorher nicht, denn sonst wäre es die Zwangsjacke die Spielintelligenz verhindert und Dinge machen läßt, die einzwängt, ...sie keine Erfahrungen machen lassen...Dinge tun, die sie zu diesen Zeitpunkten noch überfordern...die dann deshalb Angst machen und so die benannte Spielintelligenz unterdrücken würden...in den allermeisten Fällen jedenfalls.


    Fazit


    Das was ich geschrieben habe ist mein heutiges Denken. Diese Denke und die Erkenntnis darauf titulierte einst der hier damals kurz im Forum aufgetauchte PETER SCHREINER als sehr interessant. Ich fände es sehr interessant, diese Philo ab der G mal einmal ganz bis zur B o.ä....zu vollziehen. Du Betreuer72 hättest nun die Chance darauf ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • drei Leute bei einem Gegenspieler, zwei andere können frei aufs Tor zulaufen.

    mahlzeit,


    ich würde das nicht prinzipiell zu einer 'philosophiefrage' erheben, sondern mich freuen, das drei deiner spieler schon mal erkannt haben, das es einen ballführenden gibt, der in irgendeiner form gestoppt werden muss :) :thumbup:


    in der altersklasse ist ja die möglichkeit der räumlichen wahrnehmung noch nicht voll (und sehr unterschiedlich) entwickelt und so wird sich erstmal auf das 'naheliegende' konzentriert, in dem fall den ballführenden (oder oma und opa am rand, die blumen auf dem rasen, oder die vögel am himmel ;) ).
    da ja die spielfelder im vergleich zu früher heute viel kleiner sind, ist auch das spielgeschehen räumlich begrenzter und die möglichkeit 'rudelbildung' folglich wahrscheinlicher..............also alles ganz normal.


    wenn du die jungs einfach spielen lassen möchtest, so musst du einfach damit leben.
    wenn du die situation so einschätzt, das es deine jungs mit dieser art des spieles nicht weiter bringt, so musst du von aussen hinweise geben und einzelnen spielern mögliche gegenspieler, die grade angelaufen kommen zuweisen. das führt dann sogar dazu, das du mehr echte zweikämpfe im spiel hast und keine "drei, oder vierkämpfe". wo du da die grenze ziehst liegt allein in deiner einschätzung, denn du bist der, der die jungs und mädels am besten kennt.


    richtig trainieren kannst du das in der altersklasse noch nicht, jedoch kannst du viele reine 1gegen1 spiele ins training einbauen, mit und ohne ball, mit und ohne torschuss.
    um die umsichtigkeit der kids etwas zu schulen eignen sich so ganz einfache spiele wie 'fangen', 'feuer-wasser-sturm', 'kettenfangen' usw, oder abwurfball mit schaumstoffbällen.
    eine weitere anregung im training sind auch staffelwettbewerbe mit drei oder vier staffeln, da die kids dann immer schon von alleine zur seite schauen, da sie wissen wollen, wo sie nun grade in bezug auf die andern sind.


    richtiges abwehrverhalten würde ich in einfachen spielformen als 1gegen1 erst ab der älteren f, bzw der e-jugend üben, jedoch vorstufen immer wieder ins training mit einbauen.



    gruss

    Einmal editiert, zuletzt von DSV ()

  • in dieser Rückrunde fällt mir verstärkt auf, dass sich unsere Mannschaft dadurch eher selbst schlägt als dass es der Gegner tut, weil sie schlecht verteidigen bzw. abwehren.


    Lasse die Ergebnisse mal lieber ein wenig mehr außer acht..


    Beispiel von gestern abend: drei Leute bei einem Gegenspieler, zwei andere können frei aufs Tor zulaufen.


    Wo war denn der Ball? Wenn der Gegenspieler, den Eure drei Spieler angriffen, den Ball führte, war das doch in Ordnung. Welches Verhalten hättest du dir gewünscht?


    Wie trainiert man so etwas und ab welcher Altersklasse ?


    Jedenfalls nocht nicht in der G. Die Frage ist aber: welches Verhalten strebst du am Ende an? Heutzutage wünscht man sich für gewöhnlich nicht, dass Manndeckung in Reinkultur gespielt wird, also in Eurem Beispiel nur ein Spieler den ballführenden Gegner angegriffen hätte, während die anderen zwei Spieler die anderen zwei Gegenspieler eng gedeckt hätten. Ich versuche, das Grundprinzip meinen Spielern mit den Regeln zu erklären, auf denen das ganze Spiel beruht: es gibt ein Gegentor, wenn der Ball im eigenen Tor landet. Deshalb ist immer der Spieler mit dem Ball der gefährlichste, ihn muss man angreifen, um den Ball selbst zu erobern. Wenn das die Kids konsequent und mutig tun, bin ich erst einmal froh über diesen ersten Schritt. Danach versuche ich zu erreichen, dass sich alle Spieler an der Abwehrarbeit beteiligen, d.h. bei deinem Beispiel auch die anderen drei Spieler hinter den Ball zurück kommen, so schnell sie können. Dann werden wahrscheinlich auch die beiden Angreifer nicht mehr gefährlich werden können. Das Verteidigen in der Gruppe ist eigentlich erst Thema ab der D, ich habe Teile davon in der E schon mal behandelt, wenn es sich anbot. Aber in der G hat das noch nichts verloren.


    Danke für Tipps - mir tut es immer so leid, wenn die Kinder vorne Tore machen und nicht dafür belohnt werden...


    Wieso werden sie denn nicht belohnt? Sie haben doch ihre Tore gemacht.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Zitat von »betreuer72«
    Danke für Tipps - mir tut es immer so leid, wenn die Kinder vorne Tore machen und nicht dafür belohnt werden...



    Wieso werden sie denn nicht belohnt? Sie haben doch ihre Tore gemacht.


    (wahrscheinlich) weil die mannschaft am ende das spiel verloren hat..................


  • (wahrscheinlich) weil die mannschaft am ende das spiel verloren hat..................


    Nur zählt für ein Kind im G- und F-Alter das selbst geschossene Tor doch mindestens genau so viel, meiner Erfahrung nach eher noch mehr, als ein gewonnenes Spiel.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Zitat von »betreuer72«
    Danke für Tipps - mir tut es immer so leid, wenn die Kinder vorne Tore machen und nicht dafür belohnt werden...



    Wieso werden sie denn nicht belohnt? Sie haben doch ihre Tore gemacht.


    Nur zählt für ein Kind im G- und F-Alter das selbst geschossene Tor doch mindestens genau so viel, meiner Erfahrung nach eher noch mehr, als ein gewonnenes Spiel.

    wo sich mir dann die frage stellt was wichtiger ist, der individuelle erfolg eines spielers, oder der erfolg des teams, des kollektivs, der mannschaft...............


    gruss

  • wo sich mir dann die frage stellt was wichtiger ist, der individuelle erfolg eines spielers, oder der erfolg des teams, des kollektivs, der mannschaft...............


    Der individuelle Erfolg aller einzelnen Spieler ist in G und F wichtiger als der Erfolg des Teams. Als Trainer versucht man, beides in Einklang zu bringen, und man kann sich dabei durchaus ganz geschickt anstellen. Wenn beides aber nicht gemeinsam erreicht werden kann, so sind die einzelnen Erfolgserlebnisse der Spieler wichtiger als der Sieg des Teams. D.h. z.B. dass ich nicht darauf verzichte, einen schwächeren Spieler, den ich mit genommen habe, lang genug einzusetzen, auch wenn dadurch meine Mannschaft schwächer ist. Geschickterweise setze ich diesen Spieler bereits recht früh ein, so kommt er vor der evtl. heißen Schlussphase des Spiels auf seine Kosten.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)