Spieler zur Selbstständigkeit erziehen

  • Ich habe mit Beginn ältere E begonnen, Aufgaben zu übertragen. Wochenweise wechselnd zum Beispiel Kabinendienst. Immer zwei Spieler waren für Sauberkeit zuständig und für das Einsammeln von vergessenen Gegenständen/Klamotten. Diese Klamotten wurden dem Kandidaten beim nächsten Training feierlich überreicht mit gleichzeitiger Verleihung der Würde des Kabinendienstes der folgenden Woche. Konnte er sich mit dem Kollegen teilen der es beim letzten Training nicht geschafft hatte, die Fußballschuhe vor der Kabine auszuziehen.


    Ab jüngere D habe ich den Eltern in einem Brief mit viel Ironie beschrieben, dass sie ihrem Nachwuchs auch noch mit 18 den Hintern abwischen, wenn sie ihnen weiter alles hinterher tragen. Keiner fühlte sich dabei auf den Schlips getreten, aber alle wussten was gemeint war. Nachdem die Jungs dann zuhause doch tatsächlich mal die Tasche selber packen mussten, weil Mama da kein Grund mehr für gesehen hat ( Alt genug, ist Dein Hobby ) kamen einige Experten zu Beginn ohne Fußballschuhe, Unterhose zum Wechseln usw. zum Training. Passierte selbst bei den "Hartnäckigen" nur zwei Mal, danach war Ruhe und Mütter begeistert. Väter hatte ich bereits durch das "Vatertraining" in der E im Boot.


    Bälle hat sich jeder Spieler vor dem Training aus dem Schrank geholt. Equipment habe ich getragen. Für die Ordnung im Geräteraum am Trainingsschluss war der Kabinendienst verantwortlich usw. usw.


    Trotz dieser Sachen lief auch bei mir nichts alles zu 100% ohne x-te Ansprache. Sind halt noch Kinder. Also LadTorres hab Geduld, aber fange an, den Spielern mehr Verantwortung zu übertragen

  • Trotz dieser Sachen lief auch bei mir nichts alles zu 100% ohne x-te Ansprache.



    Möglicherweise liegt in diesem Satz bei einigen (oder vielen?) das Problem, einer an sich ganz einfachen Sache.


    frühzeitig, schrittweise vorgehen, zwar mit einer gewissen Konsequenz, aber doch keine 100 % Erfüllung erwarten.


    es ist gewiss immer ein gewisser Balanceakt zwischen dem , was ich als Trainer will, was die Kids schon bringen können, und den
    folgenden Konsequenzen.


    Konsequent ja, aber man muss nicht immer allles sehen, auch mal ein Auge zudrücken können, also mit mehr Lockerheit
    an das Thema herangehen, und vor allem mehr Geduld aufbringen. Neues brauch auch seine Zeit.


    Möglicherweise haben hier Vater/Muttertrainer den Vorteil, dass sie aus dem Elternhaus her kennen, was man Kinder der jeweiligen
    Alterstufe abverlangen kann und was nicht..


    Grundsätzlich ist es aber, und das bestätigt dein letzter Beitrag und auch meine Erfahrung ziemlich einfach, Verantwortung zu übertragen.


    Verantwortung neben dem Platz überträgt sich dann automatisch auf die Verantwortung auf dem Platz.
    Disziplin in der Kabine und Disziplin auf dem Platz sind nicht trennbar.


    gg

  • Wo soll da der Fehler liegen?


    Es geht mir hier nicht GRUNDSAETZLICH um falsch und richtig, sondern nur darum welche Faktoren Selbständigkeit fördern und welche eben nicht.
    Im Breitensport wird sich Selbständigkeit weniger auf die Resultate auswirken, als auf die Motivation des Trainers. Und auch da gibt es wieder verschiedene Trainertypen. Ob einer die Kindermächenrolle mag oder nicht ist wohl Veranlagung und irgendwie ja auch schön.
    Es kommt vermutlich auch auf den Verein an. Bei uns läuft es z.B. am Mittwochnachmittag im Minutentakt. Da kann, aus rein organisatorischen Gründen, keiner trödeln, weil die Garderoben 100% ausgelastet sind, und nachfolgende Mannschaften die Trödler schlicht und einfach aus der Garderobe schmeissen (und dann sieht man dann halt ab und an mal den ein oder anderen sich im Gang oder im Freien fertig anziehen).

  • Nachdem mein Co und ich vor einigen Wochen eine Ansprache vor der Mannschaft gehalten haben, klappt das mit den Kids jetzt schon viel besser.


    Bei jedem Spiel ernennen wir einen "Zeugwart" der Herr des Trikotkoffers ist und die Klamotten an seine Teamkameraden verteilt, später dafür sorgt, dass alles wieder dabei ist und die Trikots zum Waschen mit nach Hause nimmt. Das funktioniert wunderbar und jeder übernimmt mal die Verantwortung. So gehen wir nur noch zur Verkündung der Aufstellung in die Kabine und können schonmal das Aufwärmen vorbereiten oder noch mit Eltern sprechen.


    Nach dem Spiel machen wir noch eine kurze Nachbesprechung, entweder in der Kabine oder im Kreis auf dem Platz, dann duschen alle und ziehen sich um. Das läuft mittlerweile auch ohne Ansage. Wir sind dann schon wieder draußen und füllen den Spielbericht aus etc.


    Bei Heimspielen ernennen wir zudem noch zwei Leute, die Kabinendienst haben und dafür sorgen sollen, dass alles wieder sauber und ordentlich ist.


    Vor jedem Training bauen sich die Kinder, die schon da sind, in einer Ecke des Feldes ein Viereck auf und spielen darin 4 gegen 2 bis es losgeht.


    Außerdem haben wir noch ein paar Regeln aufgestellt an die sich die Kinder halten sollen. So soll jedes Kind zB beim Training und am Treffpunkt seine Mitspieler, die Eltern und uns Trainer mit Handschlag begrüßen. Früher blieben einige (bei Auswärtsfahrten) einfach in Mamas Auto sitzen und haben sich erst in der Kabine blicken lassen.



    Wie Steini schon gesagt hat muss vieles aber trotzdem noch x mal wiederholt werden. Es sind halt noch Kinder :rolleyes: