bestmögliche Entwicklung

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  • Hallo Liebe Trainerkollegen,


    ich bin zwar bereits seit längerer Zeit im Forum, allerdings war ich eher weniger aktiv :sleeping: ... Deshalb bin ich mit den Forum-Gegebenheiten noch nicht so ganz vertraut, verzeit mir daher bitte Fehler =).


    Kurz zu meiner Person: Ich bin noch ziemlich jung, ein mittelmäßiger Kreisliga B Spieler ( ;( ) und habe mich schon ziemlich frühzeitig für die "Trainer-Laufbahn" entschieden.
    Ich trainiere eine U9, (wenn man es so nennen darf) auf "Leistungsniveau", d.h. wir spielen bei den "großen Clubs" mit und ärgern diese auch regelmäßig.
    Ich absolviere momentan die C-Lizenz Leistungsfussball. Natürlich
    versuche ich mich auch nebenbei noch ständig weiter zu entwickeln und
    Erfahrungen zusammeln.


    nun zum eigentlichen Thema: die Trainer-Ausbildung ist ja auf das Top-Niveau im Amateurfussball ausgelegt. D.h. Oberliga im Senioren-Bereich und Verbandsliga im Junioren-Bereich. Dementsprechend sind
    natürlich auch dort die Schwerpunkte gelegt. Ich beschäftige mich momentan damit die Inhalte der Lehrgänge für die Kleinen "herunterzubrechen".
    Mein Ziel ist, wie in der Überschrift genannt: die bestmögliche Entwicklung der Jungs.

    als ich so im Internet vor mich hin surfte, viel mir ein Zitat von Yohann Cruyff auf :


    Es interessiert hier nicht, wie kräftig ein Junge ist, wie lange er
    rennen kann.
    Es interessiert nur: was kann er mit dem Ball.
    Darauf ist
    die ganze Ausbildung ausgerichtet: technisch einmalige Spieler
    hervorzubringen .Barça lehrt, nicht kräftig, sondern intelligent zu
    sein.


    Dieses Zitat beeindruckte mich total. Ich denke, dass es im Jugendfussball viel zu selten vorkommt, dass Wert auf die Intelligenz gelegt wird.


    Wenn man schaut, welche Jungs in den NLZ Deutschlands spielen; durch die Reihe: große, kräftige, athletische Spieler. Dies beginnt bereits in der Sichtung, so waren 4 Jungs aus
    meiner Mannschaft über Wochen im Probetraining bei einem Bundesligisten. Doch wurde dort keiner genommen, weil sie alle eher kleine und schmächtige Jungs sind.


    Vorbild von jedem NLZ ist im erweiterten Sinne wohl Barcas: La Masia



    Doch was macht diese Intelligenz aus ?


    Sie wird meines erachtens nur darüber definiert, richtige Entscheidungen auf dem Spielfeld zu fällen. Klappt dies, so sprechen alle von der Genialtität eines Spielers.
    Aber kann man diese Intelligenz nicht auch erzeugen, in dem man Spielern ganz klare Strukturen auf dem Spielfeld aufzeigt ? Ganz klare Lösungsmöglichkeit für einzelne Situationen?
    So gibt es bei Barca ganz klare Regeln für jeden Spieler: - "Spiele den Ball nur in den Raum, den du einblicken kannst."
    - " Geschlossene Spieler müssen jeden Ball klatschen lassen"
    - usw.


    Es geht wohl noch weiter, so werden für jeden Spieler, in jeder Situation feste Lösungsmöglichkeiten entworfen. Die Intelligenz zeigt dann ja also nur, ob ein Spieler es schafft,
    " die richtige Wahl" zu treffen" oder ?


    Nun stelle ich mir die Frage: Wie schaffe ich es, diese richtigen "Lösungsmöglichkeiten" für die jeweiligen Situation herauszuarbeiten, bzw. diese den Jungs kindgerecht zu erklären.
    Natürlich wird dies ein Prozess über viele Jahre sein, aber so sollte ja die bestemögliche Entwicklung, das Ziel jedes Trainers zu sein.


    So nun hoffe ich, dass mein erste Beitrag nicht ganz so Doof ist wie ich in gerade finde :rolleyes: =) und vielleicht hat ja der ein oder andere erfahrene Coach was Interessantes dazu-


    mit sportlichem Gruß
    Kicker1994 :)

  • hol dir das buch von horst wein ….spielintelligenz im fussball kindgemäss trainieren…. dies wurde für den spansichen verband gemacht und ins deutsche übersetzt…. darin geht es vor allen dingen die kinder durch aufgabenstellung und gezieltes fragen die spielintelligenz entwickeln zu lassen….
    besonders in den jungen jahren geht es darum net fernzusteuern , sondern zu fördern und den kindern die möglichkeit zu geben wirkliche spielintelligenz zu entwickeln, net lösungen konditioniert zu bekommen….

  • Guten Morgen,


    *Spielintelligenz können wir fördern, wenn wir, wie oben angedeutet, unseren Mund halten. Bei F-Jugend schon, können wir die Jungs und Mädels "alleine" lassen bei ihren Entscheidungen, in dem wir nicht so oft reinrufen.
    *Spielintelligenz können wir fördern, wenn wir den Kindern verschiedene Situationen, verschiedene Spielregeln, verschiedene Spielfelder, verschiedene Spielkameraden, verschieden Positionen, verschiedene Gegner, verschieden Böden ermöglichen.
    *Natürlich brauchen die Kids eine gutes Ballgefühl dabei, wenn sie etwas Kreatives mit dem Ball machen wollen auch ein Auge. Da kommen "verschiedene Bälle" in Frage. Ich habe öfters -auch bei F-Jugend- Raum- und Ballgefühl Übungen machen lassen, in dem die Kinder beobachten und ausprobieren durften, wie der Ball dann fliegt, wie schnell dann der Ball fliegt, wo soll ich dann stehen, wo fällt der Ball hin, welcher Körperteil wäre jetzt besser, etc.


    Gruß,
    Uzunbacak

  • Kann mich der Empfehlung für das Buch von Horst Wein nur anschließen. Der beschäftigt sich mit genau dem, worüber du dir Gedanken machst und das auf eine für mich sinnvolle Weise.


    Was ich aber jetzt bei den beiden Beiträgen über mir etwas überbewertet fand, oder zumindest missverständlich, war das "Mund halten". Sicher ist es sinnvoll, im Spiel nicht ständig reinzuschreien, genau so ist es sinnvoll, nicht schablonenhaft Lösungen vorzugeben. Aber Lösungsmöglichkeiten aufzeigen muss man natürlich trotzdem; zu extrem verstanden führt das sonst zu kaum noch Anleitung, was ich auch wieder nicht als sinnvoll erachte.

  • hi fak,


    "Lösungsmöglichkeiten aufzeigen" tue ich bei den Trainings. Da kann man das Spiel stoppen, aufzeigen, Möglichkeiten aufzählen, Fehler ansprechen, bessere Variationen aufzeigen, etc. Bei einem echten Wettkampf tat ich es sehr selten. Und mit der Zeit ist is immer weniger geworden, am Ende habe ich fast nichts mehr gesagt, außer "aufpassen", "gucken", etc. Ein Wettkampf ist ja da, damit die Jungs "das Erlernte" -selbstständig- umsetzen. Oder?


    Gruß,
    Uzunbacak

  • "Lösungsmöglichkeiten aufzeigen" tue ich bei den Trainings. Da kann man das Spiel stoppen, aufzeigen, Möglichkeiten aufzählen, Fehler ansprechen, bessere Variationen aufzeigen, etc.


    Vielleicht machst du es ja auch so und hast dich nur verkürzt ausgedrückt, aber noch besser ist es, wenn man in einem solchen Fall die Kinder selbst darauf kommen lässt, was nicht so gut war, welche Alternativen es gab, und welche davon aus welchen Gründen die beste gewesen wäre. So begreifen und verinnerlichen sie es viel besser. Es dauert aber länger, als wenn der Trainer nur einen Monolog hält, also kann man das nicht so häufig machen, weil sonst überhaupt kein Spiel zustande kommt. Das würde ich aber eher als Vorteil sehen, denn ich finde, dass man das Spiel nur dann anhalten sollte, wenn es um eklatante Fehler geht, und nicht um Optimierungen.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • hi tobn,


    genauso schauts aus: Natürlich war immer wieder diese Frage dabei: wie würdest Du....., was wäre, wenn Du es so/anders machen würdest....., etc. Bereits bei der Vorstellung der Übung habe ich öfters nach Sinn der Übung gefragt (wahrscheins die Kinder auch :p ).
    Monologe habe ich auch gehalten. Natürlich gibt es kaum Zeit, alles während des Spieles zu besprechen. Das war der Grund der Monologe.


    Gruß,
    Uzunbacak

  • Es ist richtig vor allem bei dem Jüngsten an den individualtechnischen, koordinativen Fähigkeiten zu arbeiten. Nicht umsonst spricht man da vom Golden Age. Beginnt man zu spät, ist zwar Vieles theoretisch immer noch nachholbar aber mit einem viel grösseren Zeit- und Motivationsaufwand verbunden, der in älteren Leistungsteam anderen Trainingseinheiten vorbehalten sein muss.
    Intelligenz hat aber mit dieser "Technik" nur insofern zu tun, als dass die Technik dem Spieler überhaupt Zeit für die Wahrnehmung, die Analyse, das Denken und die Wahl der besten Möglichkeit zu lässt. Zweitens hilft Technik aus einem grösseren Lösungsrepertoir schöpfen zu können um damit kreativer und letztendlich überraschender spielen zu können (was sich in Bezug auf die Kollektivintelligenz dann wieder relativiert).
    Was Intelligenz in diesem Alter vor allem braucht sind KOGNITIVE und MENTALE Grundfähigkeiten wie Multitasking, peripheres Sehen, Informationsfilterung, räumliche Wahrnehmung, Resilienz, Stressbewältigung, etc. DARAUF geht Wein nur am Rande ein, obwohl die alles VORAUSSETZUNGEN sind um aus Weins Methodik ein Maxiumum herauszuholen.
    Dieses Setting im Umfeld vom Mental- und Kognitionstraining ist nichts was man auf die Stelle man so aus einem Buch vorturnen kann. Dieses Trainingsformen müssen ausserdem zwingend auf der individuellen Ebene erfolgen wo die kognitiven Fähigkeiten - gerade bei Leistungsmannschaften - oft viel weiter auseinanderklaffen als die rein technischen (wo man ja durch Selektion eine gewisse Homogenisierung erreicht hat) .
    Zudem müssen die Familien der Kids miteinbezogen werden, da solches Tun doch schon mal nah an die Psyche geht, oder von Eltern als solches wahrgenommen wird. Zudem ist es erforderlich dass Kids auch zu Hause üben (Bälle jonglieren, Multitasken, Reaktionstests machen, etc.).
    Zu guter letzt: Wenn man so arbeitet wird man ein ganz neues Problem kriegen: Die Kids werden an ihren noch unzureichenden technischen Fähigkeiten verzweifeln weil es ihnen nicht gelingt das zu spielen was der Kopf schon könnte. Dies schafft dann auch im Technischen einen sehr starken Reiz und motiviert x-mal mehr, als wenn Technik nur um der Technik willen geübt wird und dann nicht mal im Kollektiv umgesetzt werden kann weil die hierzu notwendigen mental/kognitiven Fähigkeiten noch hinterherhinken.

  • Hallo Kicker1994,


    zunächst einmal gefällt mir, daß du neben den Trainerkursen auch auf eigene Wahrheitssuche gehst.
    Du hast erkannt, daß Kinderfußball anders sein muß als Erwachsenenfußball um eine optimale Entwicklung zu erreichen.
    Eine gute Bestätigung hast du ja mit Yohan Cruyff selbst gefunden.
    Der spätere Jahrhundertfußballer Cruyff spricht hier sozusagen aus Erfahrung am eigenen Leib.
    Als Kind und Jugendlicher war er zunächst körperlich schwach. Das konnte aber später, als der richtige Zeitpunkt dafür war, aufgeholt werden. Er hatte neben seinem eigenen Ehrgeiz damals das Glück, daß er auf Trainer stieß, die sein Talent trotzdem erkannten.
    Deine eigene Entwicklung ist ja noch nicht abgeschlossen. Deine Erinnerung ist noch frisch, was hast du selbst für Erfahrungen gemacht?
    Ich denke du bist auf dem richtigen Weg und wirst die Informationen die dir weiterhelfen in Büchern (Horst Wein, DFB,...) und Websites (dieses Forum, Soccerdrills,....) schon finden. Bleib "wach" und interessiert.


    Du fragst nach Tipps: suche hier im Forum nach "wie ist der ideale Fußballtrainer"


    schöne Zeit! ^^


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.