Feedback für Trainer

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  • Ich lese hier zwar schon seit langen mit, aber selber geschrieben habe ich noch nie was, also so langsam wurde es mal Zeit. :thumbup:


    Ich bin seit drei Jahren Trainer, aber dennoch noch relativ jung (18 Jahre). Meine erste Mannschaft war damals eine U 15, allerdings Mädels, die ich nach der Hinrunde übernommen habe und am Ende noch vor dem Abstieg bewahren und ins sichere Mittelfeld führen konnte. Danach war erst mal Abitur, Führerschein etc. angesagt, weshalb ich in der Zeit "nur" als Spielertrainer bei meiner eigenen A-Jugend unterwegs war, da konnte ich immer viel abgeben, weil die Mannschaft sich schon seit
    Jahren kannte und wir ohnehin seit der C-Jugend ohne Trainer waren. Inzwischen bin ich aber wieder zurück als richtiger Trainer, wieder beim alten Verein, diesmal in der neu gegründeten U 13, wieder Mädchen.


    Nun ist diese Mannschaft komplett neu, gestartet sind wir mit 6 Spielerinnen, haben dann aber über die Sommerferien und die Vorbereitung den Kader auf inzwischen 15 Mädels hoch arbeiten können. Ich habe halt immer wieder erklärt, dass doch bitte jede ihre Freundinnen mitbringen soll, mal reinschnuppern tut ja keinem weh. Dementsprechend war das Training am Anfang sehr locker, wir haben viel Technik gemacht, viel gespielt, jede sollte einen Eindruck davon bekommen, wie man Fußball spielt. Wir haben uns 2-3 Mal Spiele unserer Herrenmannschaft angesehen, haben ein Sommerturnier gespielt. Jetzt haben wir zwar eine gut besetzte Mannschaft, eine tolle Trainingsbeteiligung, super engagierte und nette Eltern, aber es gibt doch noch ein paar Probleme, weshalb ich einfach mal nach Feedback fragen wollte, das bekommt man ja als Trainer in diesem Bereich nur sehr schwer.


    Die Mannschaft spielt in der U 13, Gruppe, Kleinfeld. Dafür sind die Altersunterschiede extrem, meine Jüngste ist 7 Jahre alt, die Älteste 12, im Grunde spiele ich mit einer halben E-Jugend in der D-Jugend. Meine Startidee war dementsprechend
    relativ simpel: Laufen kann jede, völlig losgelöst von den fußballerischen Fähigkeiten. Deshalb habe ich die Kapitänin zum Libero gemacht, davor eine Dreierkette und zwei Stürmerinnen. Wir spielen sehr hohes Pressing, gehen sehr früh drauf und haben uns bisher gegen jeden Gegner defensiv extrem gut geschlagen, teilweise beim Tabellenführer nur 0:1 verloren, gegen die Mannschaft mit der besten Offensive sogar einen 1:0 Sieg geholt. Nach ein paar Startschwierigkeiten, die aber zum Glück noch in den Freundschaftsspielen waren, stand die Formation, die taktische Bewegung war sehr gut. Ich wollte erst mal ein System zu schaffen, das einigermaßen Erfolg verspricht und damit auch Spaß bringt,die Technik und das Verständnis für das, was wir da machen, sollte dannim Laufe der Saison passieren.


    Wir trainieren zweimal in der Woche, Mittwochs wird immer viel Wert auf hohe Wiederholungszahlen gelegt, alle sollen alles sauber ausführen, da wird wirklich oft unterbrochen, korrigiert, ich will da saubere Technik sehen. Am Freitag ist es dann viel entspannter, viele Spielformen, wir probieren viel aus, da kann es dann auch mal eine halbe Stunde Fallrückzieher-Training geben, einfach weil die Mädchen es mal machen wollten. Nur beim Abschlussspiel ist wieder ernst dabei, ich achte darauf, dass alle richtig stehen, dass keine Haufenbildung entsteht, dass sich alle wirklich reinhängen. Das Problem dabei ist aber, dass bei 4-5 der Mädchen (die Älteren also 11-12) auch jetzt zum Ende der Hinrunde absolut kein Trainingseffekt zu sehen ist. Taktisch verhalten sie sich sauber, aber spielerisch haben sie sie nicht weiterentwickelt. Sie gehörten davor schon zu denen, die ab und zu schon mal draußen mit Brüdern oder Eltern gekickt hatten. Dagegen ziehen vor allem die Jüngeren extrem an, meine Zweitjüngste zähle ich inzwischen zu den technisch besten Spielerinnen der Mannschaft. Jetzt frage ich mich natürlich, woran das liegt. Werden diese Mädels unterfordert, muss da vielleicht erst mal das Gesamtniveau der Mannschaft ansteigen?


    Ich habe eine ausgearbeiteten Trainingsplan, das Training läuft meist gleich ab, aber vielleicht findet ihr ja Sachen, die ihr anders machen würdet: Wir beginnen mit einem ganz kurzen Aufwärmen, etwa 5 Minuten. Da gehören meist Handballspiele auf Ballbesitz, einfach Pässe, Bewegung im freien Raum, aber auch mal Warmlaufen und Lauf-ABC dazu. Danach gibts ein 10-15 Minuten den altbekannten Kreis mit 2 Spielerinnen in der Mitte. Das habe ich mir mal von meinem alten Trainer abgeschaut. Alle stehen im Kreis, man kann noch ganz ruhig quatschen, sich vielleicht bisschen über das letzte Spiel unterhalten, auch mal lachen und Schmarrn machen. In der Zeit können auch noch verspätete Spielerinnen dazustoßen. Danach geht's dann am Mittwoch in eine einfach Übung (angepasst an das, was im Trainingsplan steht: Flache Zuspiele, hohe Bälle, Dribbling, etc.), danach eine größere mit Torabschluss und anschließend die komplexeste ebenfalls aufs Tor und praktisch aus einer Spielsituation genommen. Zum Schluss wird immer mit bestimmen Vorgaben gespielt, also meinetwegen bei einer Pass-Einheit zählen Tore nach 5 Pässen am Stück doppelt. Am Freitag machen wir das gleiche Aufwärmprogramm, machen danach aber nur eine komplexe Übung und spielen anschließend relativ lange, 30-45 Minuten. Konditionstraining gibt es nicht, Koordination versuche ich in die Übungen mit einzubauen, etwa durch Skippings vor einem Doppelpass. Die Vorgabe ist auch immer klar: Im Training mit viel Spaß, jede darf mal alles, jede spielt überall, nurdie Keeperin hat ihre feste Rolle.


    Am Spieltag ist es dann aber schon viel ernster. Wir treffen uns immer relativ früh, etwa eineinhalb Stunden vor Spielbeginn. Dann geht es in die Kabine, wir hören ein bisschen Musik, unterhalten uns. Das habe ich am Anfang nicht gemacht,
    habe aber gemerkt, dass die Mädels immer total angespannt waren, weil soviele Zuschauer da waren. Etwa eine Stunde vor Anpfiff wird sich dann Umgezogen, danach gibt's eine kurze Erklärung, wie wir spielen wollen und natürlich die Aufstellung. Wobei ich da immer am Überlegen bin, ob ich den Ersatzspielerinnen immer erklären soll, weshalb sie heute nicht in der Startformation stehen. Ich empfand das selbst immer als unangenehm, wenn der Trainer vor gesammelter Mannschaft alles erklärte und dann sagte du bist heute nicht von Start an dabei, weil....
    Aufwärmen etc. kennt man ja anschließend alles.


    Nun
    aber zum Problem, dass wir beim Spielen haben. Unsere Defensive ist extrem sattelfest, aber wir schießen kaum Tore. Das bringt das Problem mit sich, dass die Mannschaft meist 60 Minuten Vollgas geben muss, weil es Unentschieden steht oder wir knapp zurückliegen. Die Idee war es eigentlich, durch das hohe Pressing Fehler zu erzwingen und anschließendkurze Wege zum Tor zu haben, aber im Spiel sind sie immer sehr hektisch, vergessen das Abspielen und versuchen es meist alleine. Dann läuft es Spiel für Spiel gleich: Die Luft ist irgendwann raus, die vielen Wechsel (ich will, dass jede ungefähr eine halbe Stunde spielt - abgesehen von der Kapitänin/Libero, die spielt jedes Mal durch, macht aber auch nur sehr wenig Laufarbeit) bringen das System durcheinander. Dann wird sich immer wieder angezickt, plötzlich ist immer jemand anderes Schuld, wir geraten in Rückstand und die Mannschaft kann nicht mehr zurückkommen oder fällt sogar auseinander.


    Vor zwei Wochen spielten wir erst beim Tabellenvorletzen, waren die komplette erste Hälfte besser. Zur zweiten Hälfte wechselte ich dann die wohl mit Abstand schlechteste Spielerin ein, sie spielt erst seit wenigen Wochen und ist praktisch auf dem Feld nicht existent, aber auch sie soll ja spielen und hat durchaus ihren Spaß daran. Die vorwurfsvollen Blicke gab es da schon in meine Richtung, es kam wie es kommen musste, unsere zweite Stürmerin spielt zur Eingewechselten, die verliert den Ball, es gibt den Konter und wir liegen 0:1 zurück. Danach ist die Mannschaft komplett auseinander gegangen, da halfen alle Beruhigungsversuche von mir nichts. Am Ende haben wir mit 0:5 verloren, das erste Spiel, dass wir mit mehr als 2 Toren Differenz verloren haben. Die Keeperin patze plötzlich, die Stürmerinnen liefen nicht mehr. Ich habe versucht alles ruhig zu halten, keinen Druck zu machen und nach dem Spiel nur ganz knapp in der Kabine erklärt, dass so etwas passieren kann, dass sie sich nicht ärgern sollen. Als ich dann aber raus ging, damit sie sich umziehen können, habe ich noch mehrere Sachen gehört, die so definitiv nicht zu einer guten Atmosphäre in der Mannschaft beitragen, etwa: "Wegen dir haben wir das Spiel verloren, du hast diesen Zweikampf verloren, du hast diesen Ball nicht rausgeholt."


    Anschließend gab es beim nächsten Training wieder Ärger, eine aus der Mannschaft wollte nicht kommen, wenn die Keeperin kommt, die Torhüterin selbst wollte nicht in der Mannschaft mit einer anderen sein. In der Situation habe ich dann etwas überhastet reagiert und einfach klar gestellt, dass sich jetzt entweder alle zusammenreißen oder sie beim nächsten Spiel zu Hause bleiben können. Danach war zwar Ruhe und es gab die ein oder andere zerknirschte Entschuldigung, aber wirklich zur Entspannung trägt das auch nicht bei. Wie würdet ihr da reagieren? Ich will die Eltern nicht unbedingt mit rein nehmen, das habe ich als Kind (bin ich ja praktisch immer noch ;)) schon selbst gehasst. Ich will es auch nicht groß thematisieren, weil sich der Großteil der Mannschaft absolut korrekt verhält. Das Training danach war wirklich nicht angenehm, total angespannt und giftig - überhaupt nicht so, wie ich es haben will. Es soll ja immer Spaß dabei sein.

  • "Nur" 10.00 Zeichen erlaubt? Oha. :D


    Das Spiel am Wochenende hätten wir auch locker gewinnen können, aber wieder haben das Gezicke und die Streitereien eine konzentrierte Leistung verhindert, weshalb wir unsere 2:0 Führung noch hergegeben haben. Das Ganze hat sich in der ersten Halbzeit schon angedeutet, weshalb ich in der Pause zum ersten Mal einen dieser Motivationskreise gemacht habe und alle noch einmal daran erinnert habe, dass sie eine Mannschaft sind. Ich hab dann anstatt irgendwelches Zeug durch die Gegend zu schreien lieber alle Spielerinnen ihre Hand auf meine in der Mitte legen lassen, um irgendwie eine Art Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Danach habe ich mich ein bisschen geärgert, weil ich das Gemecker eigentlich ignorieren wollte, in der Hoffnung, dass damit diese Aufmerksamkeitshascherei (so kommt es mir manchmal vor) einfach verschwindet.


    Jetzt ist das Ganze hier doch etwas lang geworden, ich hoffe aber doch mal, dass es einer liest und mir vielleicht auf die Fragen antworten kann. Wäre auf jeden Fall super mit 18 lernt man ja auch ständig dazu und ich kann irgendwelche
    Rückmeldungen echt gut gebrauchen. Das Feedback meiner Spielerinnen ist zwar sehr direkt, aber nur selten distanziert. Vor drei Jahren war halt vor drei Jahren, damals hatte ich zwar eine ältere Mannschaft, aber die haben nie etwas gegenüber mir offen gesagt, ich hab das immer nur über Ecken erfahren. Bei meiner A-Jugend damals belief es sich immer auf: "Super, dass du das machst." und die Eltern sind meist auch nicht sonderlich bewandert, sondern finden einfach alles toll, solange die Mädchen Tore schießen. Also immer her mit den Meinungen!

  • Dani2,


    zunächst mal Hut ab vor dieser Aufgabe. Ein Altersgefälle von 7-12, dazu viele neue 'Quereinsteiger', die bislang keinen Fußball gespielt haben und erst einmal heran geführt werden müssen, das ist schon ne Hausnummern.


    Du trainierst also vermutlich eine Mannschaft mit einem sehr großen Leistungsgefälle. Da kann ich Dir zunächst nur raten, die Wechsel so vorzuplanen, dass die Mannschaft möglichst durchgehend gleichstark besetzt auf dem Platz steht. Also keine 'beste 6' zu Beginn auf den Platz, wenn Du dann anfängst zu wechseln kann es ja nur bergab gehen. Bei großer Spieleranzahl lieber möglichst gleichstarke Dreierketten bilden, die gleichzeitig gewechselt werden und auch durchgehend jeweils ca. 15 Minuten pro Halbzeit auf dem Platz sein sollten, damit das Spiel ruhig läuft. Immer wieder einzelne Spieler ein- und auszuwechseln ist denke ich die schlechtere Alternative. Das würde ich auch konsequent vorplanen und durchziehen, auf Spielstände und -verläufe kann man dann keine Rücksicht nehmen.Grundsätzlich sollte man einen Wechselplan für das Wochenendspiel genauso vorgeplant haben wie einen Trainingsplan, finde ich. Vielleicht solltes Du auch eine Rotation für die Spieltage einführen, mehr als 11 Spieler sollten im Kleinfeld eigentlich nicht am Start sein.


    Das die stärkeren Spieler mosern, wenn durch die schwächeren das Spiel verloren wird, ist zunächst normal. Man muss einfach versuchen, zu vermitteln das es jetzt am Anfang um die Entwicklung der Mannschaft geht, nicht um das Gewinnen einzelner Spiele. Ist natürlich schwierig, Erfolgserlebnisse sind schon wichtig. Ob man Kindern in diesem Alter wirklich ein Verständnis dafür vermitteln kann, weiß ich nicht. Aber sie gewöhnen sich schon dran, wenn sie merken dass konsequent eine Linie verfolgt wird.


    Zum Spielsystem fällt mir auf, das Du Deine vermutlich mit Abstand beste Spielerin (nehme ich mal an, spielt hinten als Absicherung durch schreibst Du) ganz hinten als Abfangjäger hinter einer Dreierkette versteckst. Vielleicht solltest Du hier etwas mutiger sein und diese Spielerin einen Platz vorziehen und direkt in der Mitte in der hinteren Dreierkette spielen lassen. Da kann sie immer noch viel ausputzen und Du hast eine Verteidigerin frei, die Du mit nach vorne schieben kannst, statt 1:3:2 könntest Du dann ein 3:3 oder 3:2:1 spielen lassen. Sorgt vielleicht für etwas mehr Druck nach vorne.


    Viel Spaß weiterhin !

  • Ich finde, dass du grundsätzlich bestimmt einen guten Job machst und dabei geplant und gezielt vorgehst.


    Das Leistungsgefälle in der Mannschaft ist natürlich ein Problem. Die älteren (11-12 Jahre) Spielerinnen müssen sich im Training gegen viel jüngere Spielerinnen oder totale Neulinge nicht sehr anstrengen und verbessern sich daher vielleicht nicht so sehr. Aber das Problem wird sich in der nächsten Spielzeit verringern, wenn die Ältesten in die C wechseln und du jüngere, bereits von dir ausgebildete Spielerinnen hast. Da arbeitet die Zeit für dich! 8)


    Zum Zickenkrieg beim Einwechseln von Anfängerinnen. Das ist in der Tat bei Mädchenmannschaften ein Problem: du hast Anfängerinnen in der D und nicht wie bei den Jungs bei Bambinis und in der F. Da würde ich auch zu blockweisen Wechseln raten. Da kann man prima rotieren: Offensive 3er Reihe raus, definsive nach vorn und neue defensive Reihe rein. Da wird prima rotiert und keine Einzelwechsel sind notwendig.


    Zu deinem Sturmproblem: lass doch deine "Libera" mal vorne spielen. In der D kann man zwar langsam mal Positionen bestimmen, aber deine Mädels spielen noch nicht so lange und da würde ich eher wie bei einer Jungen E vorgehen. Gerade auf dem Kleinfeld. Rotiere kräftig und hoffe, das sich da noch das ein oder andere Offensivtalent zeigt.

  • Dani2


    Erst einmal ein großes Lob für dein Engagement und dein prima Training. So, wie du es machst, gewinnen die Mädchen Spaß am Fussball! Weiter so ..! Wenn du noch keine Betreuerin oder Ko-Trainerin hast, dann such dir eine! Damit geht es dann auch in der Kabine jederzeit ordentlich zu! Denn du hast dort ja als Mann eigentlich nichts zu suchen! Ich würde dir auch empfehlen, deine Mannschaftsansprache außerhalb der Kabine zu machen!


    Bei den Wettkämpfen solltest du jedoch deine Erwartungen ein Stück zurück schrauben, sonst kommt es, wenns nicht klapp, wie ein Bumerang auf dich zurück. Denn auf der einen Seite vermittelst du den Mädchen, dass ein Sieg sehr wichtig ist und auf der anderen Seite verstehen sie dann deine Wechsel nicht!


    Eine U 13 Mädchen-Mannschaft ist normalerweise sehr "pflegeleicht"! Doch ihr Gerechtigkeitssinn ist sehr sensibel. Ich finde es richtig, dass du diese Spielerin eingesetzt hast. Allerdings solltest du mehr Wert darauf legen, den Mädchen zu erklären, dass es nicht darum geht, wer besser oder schlecht spielt, sondern das alle Spielerinnen gleichermaßen das Vertrauen genießen, ihr Bestes auf den Platz zu zeigen und dass schließlich der Spaß und nicht das Spielergebnis im Mittelpunkt stehen soll. Wie sonst sollen sie lernen, dass Fussball weitmehr als ein 1 : 0 ist?


    So, nun zur Taktik! Das Angriffspressing fordert sehr viel Laufarbeit und die Effektivität ist gering. Denn selbst, wenn man den Ball erobert, steht der Gegner häufig immer noch hinter den Ball, so dass das runde Leder durch einen Fehlpaß oder ein Dribbling meistens gleich wieder weg ist. Wenn man jedoch den Gegner ein wenig kommen läßt und abwartet, bis dessen Angreifer und Mittelfeldspieler höher stehen, dann lohnt sich ein Pressing eher. Denn dann ist der Weg zum Tor nach Ballgewinn meistens frei! Dein Offensivpressing würde ich als Gegenpressing verändern. D.h. nur im Moment des Ballverlusts sofort nachsetzen. Zunächst einmal nur im Zentrum, weil man von dort aus sehr gute Torabschlußmöglichkeiten hat.


    Hat der Gegner genügend Platz zum passen, soll sich deine Mannschaft fallen lassen, den Raum nach hinten hin verengen, das eigene Zentrum gut zustellen und den gegnerischen Fehlpaß provozieren.


    Abschließend ein paar Worte zur Mannschaftsführung einer Mädchenmannschaft. (Bezogen auf deine Frage, ob es Sinn macht, diejenigen, die nicht spielen vor der Mannschaft zu erklären, warum sie nicht spielen!) Es ist einfacher Leistungen zu loben als Leistungen zu kritisieren! Durch einen sensiblen Umgang mit Lob (mal wenig, mal mittelmäßig, mal viel) motivierst du dein Team wesentlich mehr, als wenn du (wohlmöglich noch vor versammelter Mannschaft) Kritik an den Leistungen einzelner als Grund zur Nichtberücksichtung im anstehenden Wettkampf übst. Das ist auch gar nicht nötig, denn bei der Verteilung von Lob hat sie schon so gemerkt, dass sie sich noch etwas mehr anstrengen sollte. Mädchen nehmen diese Kritik nicht sportlich, sie nehmen sie persönlich! Selbst, wenn du das Gefühl in der Situation hast, das Mädchen hat es genauso aufgenommen, wie du es gemeintt hast, bekommst du es einige Zeit später als "Bumerang" zurück!


    Wichtig ist aber auch, dass du dir selbst genügend Zeit gibst, um Trainererfahrungen zu sammeln. Auch du hast das Recht Fehler zu machen, um daraus lernen zu können. Deshalb besteht die eigentliche Stärke deiner Traineraufgabe darin, auch mal eigene Fehler zuzugeben. Solange die Mädchen das Gefühl haben, bei dir Spaß am Fussball erleben zu dürfen und es gerecht bei dir zugeht, werden sie für dich durchs Feuer gehen!


    Ich hoffe, das Feedback hat dir ein wenig helfen können?

  • Danke für eure Antworten erst mal. :)


    Das Leistungsgefälle ist gar nicht so groß, wie es erscheinen mag. Auch die Älteren haben davor nicht im Verein gespielt, jede Spielerin ist erst dieses Jahr eingeschrieben worden. Es gibt lediglich eine Spielern, die sehr krass abfällt und eine, die deutlich heraus sticht. Nur körperlich sind logischerweise massive Unterschiede vorhanden.


    Einen Wechselplan hatte ich mir ebenfalls schon überlegt, musste allerdings feststellen, dass der kaum funktioniert, weil ich eigentlich mit keiner Spielerin (abgesehen von der Kapitänin) fest planen kann. Dafür gibt es viel zu viele kurzfristige Absagen. Dementsprechend hab ich mich immer am Training orientiert und versucht, nach Trainingsbeteiligung aufzustellen. Angefangen habe ich recht oft mit den etwas schwächeren Spielerinnen, um dann im Verlaufe des Spiels praktisch besser zu werden. Die Idee mit den Blockwechseln finde ich aber interessant, das werde ich definitiv mal ausprobieren. Ich war bisher immer davon überzeugt, dass so ein Wechsel noch mehr Unruhe rein bringt, als einzelne Spielerinnen Stück für Stück auszutauschen.


    Das Gestreite konzentriert sich gar nicht so stark auf die "Schwächeren", sondern viel mehr auf Spielerinnen im gleichen Alter. Die vier 2001er scheinen sich untereinander nicht wirklich abzukönnen, da jede beschuldigt dann immer die Anderen. Die einzige die sich heraushält ist, mal wieder, die Kapitänin. Die ist für ihr Alter schon extrem weit, sehr ruhig, redet nicht viel, aber wenn dann sehr überlegt. Die Jüngeren werden meist gelobt und ich habe immer so das Gefühl, dass jede diese auf ihre Seite ziehen will.


    Meine Libera, überragendes Wort übrigens ;), ist bei weitem nicht die beste Spielerin. Aber sie ist sehr zweikampfstark und hat als einige von wenigen auch das Talent dafür, das Spiel zu beruhigen, es mal zu beobachten und so viele Pässe abzufangen oder Situationen zu bereinigen, bevor es gefährlich wird. Ich habe sie schon öfter mal am Ende nach vorne geschickt und hinten jemand anderes absichern lassen, aber offensiv wirkt sie auf mich immer etwas verloren, weiß irgendwie nicht so recht, wo sie stehen muss und verliert sehr viele Bälle, weil sie unter Druck immer überhastet reagiert. Diesen Druck hat sie ganz hinten nur äußerst selten. Meine so gesehen stärkste Spielerin spielt im Mittelfeld und ackert sich da wirklich Spiel für Spiel ab, ist aber auch unsere beste Torschützin.


    Überhaupt habe ich im Mittelfeld eigentlich nur eine Spielerin, die für diese Position wirklich geeignet ist. Ich versuche immer viel Positionswechsel, dass jede mal überall spielt, aber wirklich aufgefallen ist mir noch keine, die die richtigen Voraussetzungen für diese Position mitbringt. Entweder wir haben Stürmerinnen, die dann vorne stehen bleiben oder Verteidigerinnen, die nicht mit nach vorne rücken. In den Sturm wollen dagegen alle, die Außenspielerpositionen sind so oder so recht gut besetzt.


    TW-Trainer


    Gerade eben erst gelesen. ;)
    So ein Feedback hilft mir auf jeden Fall, ich versuche sowieso immer alles aufzusaugen, was ich so zu hören bekomme.


    Eine Co-Trainerin habe ich, aber die soll auch immer draußen bleiben (wollen die Mädchen selbst). Finde ich auch besser so, meine Trainer waren bisher auch nie mit in der Kabine. Die Ansprache werde ich mal draußen probieren, aber da ist es schwer, irgendetwas aufzuzeichnen und damit arbeite ich immer recht gerne, weil ich das Gefühl habe, dass sie es dann besser verstehen.


    Ich versuche eigentlich überhaupt keinen Druck zu machen. Auch das habe ich von einem super Jugendtrainer, der hat uns praktisch nicht von Spiel zu Spiel schauen lassen, sondern irgendwie von Training zu Training. Also immer daran erinnert, wo wir besser geworden sind und welche Auswirkungen das Training schon hatte. Der Typ war echt super, war aber leider nach einer Saison schon wieder weg. :pinch:


    Ich hatte bisher immer den Plan, dass wir uns nach einem Tor zurückziehen. Aber die Idee mit dem Gegenpressing finde ich super, da ist aber nur die Frage, wie das umgesetzt werden kann. Probieren werde ich es auf jeden Fall mal. Das Problem dabei ist nur, dass der Mädchenfußball in unserer Liga wirklich nur als Ballverlusten zu bestehen scheint. Das ist teilweise ein Rumgestolpere vom anderen Stern, aber vielleicht wird es ja durch genau diese Methode besser.


    Soll ich deiner Meinung nach dann eher einzeln mit den Mädchen sprechen, wenn sie nicht verstehen, wieso sie nicht aufgestellt sind? Ich hatte das jetzt schon öfter, dass ein oder zwei recht traurig schauen, weil sie am Anfang draußen waren. Das Prinzip mit der Trainingsbeteiligung ist jeder klar, aber ich glaube, sie verstehen oft nicht, warum ich mit einer Schwächeren anfange, obwohl beide im Training waren und sie offensichtlich "besser" wären.

    2 Mal editiert, zuletzt von Dani2 ()

  • So jetzt haben wir zwei Spiele hinter uns gebracht, aber wirklich Besserung zeigt sich nicht. Es wird eher noch schlimmer. Am Mittwoch haben wir zu Hause gegen einen deutlich besseren Gegner noch aus einem 2:0 ein 2:2 gemacht und alles war super - Problem war aber, dass ich das Spiel kaum anführen kann als positives Beispiel, weil die zwei Problemmacherinnen nicht da waren und wir sie durch zwei Aushelferinnen aus der älteren Jugend ersetzt haben. Das hat aber erstaunlich gut funktioniert, die beiden haben dem Team oft geholfen, auch wenn es meistens nicht durch fußballerisches Können sondern einfach durch Erfahrung passiert ist.


    Gestern war aber leider wieder ein Rückschritt, wenn nicht sogar die negative Krönung der Saison. Wir führen 1:0, bekommen dann den Ausgleich und wieder geht es von vorne los. Es wird gemeckert, die Stürmerinnen hören auf zu laufen (wir konnten nicht wechseln, waren nur zu siebt angereist), meine taktischen Anweisungen wurden komplett ignoriert. Etwa 20 Minuten vor Schluss hat mich dann ein Mädchen alle paar Sekunden gefragt, ob sie endlich ausgewechselt wird, ich habe ihr erklärt, dass wir dann in Unterzahl spielen und sie soll bitte einfach weiterspielen. Sie war nicht körperlich am Ende, das würde ich schon erkennen, sie hatte einfach keine Lust mehr. Das Ergebnis war dann ungefähr folgender Trialog: Torhüterin: "Es hat wieder keiner aufgepasst vor dem Spiel!" Stürmerin: "Halt die Fre-undsoweiter, ich geh jetzt raus." Ich: "Komm ihr seid ein Team, reißt euch zusammen, es sind nur noch 10 Minuten, danach haben wir Zeit, über so etwas zu diskutieren." Stürmerin: "Nein ist mir egal, das Team ist mir völlig egal." Dann geht sie raus, wird von ihrem Vater nach Hause gefahren und ist einfach weg. Das Ergebnis: Aus einem 1:1 wird ein 1:5 beim Vorletzten, wir machen die 20 Gegentore in den letzten 6 Spielen voll, davor hatten wir in 5 Spielen gerade mal 6.


    Was würdet ihr denn machen? Der Vater hatte mich schonmal gefragt, ob die Spannungen an seiner Tochter liegen, das merken inzwischen auch die Eltern. Ich habe damals noch gesagt, dass zu einem Streit immer mehrere dazugehören und das Ganze sich mit der Zeit schon entspannen wird, aber so kann es nicht weitergehen.