Tips für den Start im Mädchenfussball

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  • Hallo erstmal ;)


    Ich bin seit 2 Wochen Trainer unserer B-Juniorinnen. Sie waren bisher nicht sehr erfolgreich und ich soll sie jetzt erstmal übernehmen bis wir mit ihnen in einem Jahr ne Damenmannschaft aufmachen wollen. Nun meine Fragen:


    1. Welches Spielsystem würdet ihr bevorzugen wenn ihr kaum gute Verteidiger zur verfügung habt?


    2. Gibt es beim Umgang mit Mädchenmannschaften irgendwas zu beachten?


    3. Wie sollte das Training aussehen? Gibt nämlich ziemliche Konditons- und Taktikdefiziet :)

  • Mourinho für arme


    Zunächst einmal möchte ich dich zu dieser Herausforderung beglückwünschen.


    Weil die Mädchen vermutlich ebenso wenig Verfahrungen im Fussball haben wie du, könnt ihr zu Beginn auch noch so gut wie gar nichts falsch machen.


    Am einfachsten erlernt man den Fussball noch beim Fussballspielen, weil auch die besten Übungen der Fussball selbst schreibt. Versuche also möglichst viele Trainingstestspiele hinzubekommen. Das können auch ruhig C-Mädchen-Teams oder Jungenteam (max. D-Jugendkreisklasse) sein! Lass deine Spielerinnen auf alle Positionen spielen.


    Je nach dem, ob ihr als 11-er, 9-er oder 7-er Mannschaft spielen wollt, ergeben sich günstige Konstellationen, in der man entweder etwas defensiver, ausgeglichen oder etwas offensiver spielen kann. Jedoch allein das eigene Tor mit allen Leuten zu verteidigen, weil man sonst immer die Bude voll bekommt, bringt es auch nicht. Genauso wenig sollte man glauben, dass man sie möglichst nur in der gegnerischen Hälfte aufhalten sollte, damit der Gegner nichts von der schwachen Verteidigung mitbekommt. Das wird er vermutlich schon nach dem 2. Konter wissen.


    Bei den Mädchen ist die Kondition besonders wichtig, denn sie müssen mit ihrer geringeren Muskelmasse besser haushalten als ihre gleichaltrigen männlichen Kollegen. Man sollte bei jedem Training ca. 10 - 15 Minuten den Schwerpunkt auf Konditionsverbesserung und -erhalt legen. Dies jedoch nicht durch "ödes Rundenlaufen", sondern möglichst mit Ball am Fuss! Übungen mit Tempowechsel eignen sich besonders gut dafür. Wenn es sich jedoch um Neulinge handelt, sollte man zunächst einmal noch nicht soviele Übungen mit Tempo- und Richtungswechsel machen. Denn hierbei besteht die Gefahr von Bandverletzungen (Fussgelenk und Knie).


    Weil es (noch so gut wie) keine speziellen Übungen für Mädchen gibt, kann man bei einer Neulingsmannschaft Übungen von Schwierigkeitsgrad der E und D-Jugend im Internet suchen. Vielseitig und abwechselungsreich ist es dann, wenn du eine gute Mischung zwischen Einzel-, Partner- und Trainingsgruppen-Übungen hast, bei der das Dribbling wie auch das Paßspiel trainiert wird. Auch hier findest du reichlich Anregungen im hier im Forum oder auch in der Trainings-Online-Datenbank des DFB.


    Bei Mädchenteams besteht ein noch stärkeres Bedürfnis nach Harmonie als bei den Jungenteams. Harmonie ist nur dann vorhanden, wenn möglichst alle auf ihre Kosten kommen und gelegentliche Meinungsverschiedenheiten auf den im ca. 4-wöchigen Abstand gelegenen kleinen Mannschaftsfeten untereinander ausgeräumt werden können.


    Wenn du es dir nicht mit den Mädels vergraulen willst, dann achte darauf, dass du keine Verbindung zwischen Spaß und Spielergebnis ziehst! Denn für die Mädels zählt nur der Spaß! D.h. für dich eher antizyklisches Führen. Das bedeutet, wenn ihr mal einen Sieg eingefahren habt, kannst du mal kurz erwähnen, das "noch Luft nach oben" ist. Bei einer Niederlage solltest du den generellen Spaß am Fussball in den Vordergrund deiner Beobachtung setzen. Emothionale Aufforderungen, den Gegner härter anzugehen, sind bei den Mädels verpöhnt, weil sie eher das körperlose Spiel bevorzugen. Dafür sind die Mädels auf andere Ebene deutlich härter drauf wie die Jungen. Ich will jetzt die Schimpfworte für die Gegnerinnen nicht alle aufführen! Manchmal lohnt es sich wegzuhören, hin und wieder sollte jedoch vor weiterführenden und noch stärker herabwürdigenden Äußerungen gewarnt werden.


    Weil Mourinho ein Mann ist, solltest du nicht einfach so in die Mädchen-Umkleidekabine tapsen, sondern z.B. mit der Mannschaftsführerin vereinbaren, dass sie dich zur Mannschaftsansprache holt, sobald alle Spielerinnen umgezogen sind.


    Wenn ihr eine Frauen-Mannschaft daraus machen wollt, habt ihr schon mal ein prima Saisonziel, das da lautet: wir legen in dieser Saison die Basis, um in der nächsten Saison "anzugreifen"!

  • 1. Zum Thema verteidigen: http://www.abwehrkette.de/crashkurs-viererkette-tag-1/


    2. Man kann Mädchen nicht wie Jungs behandeln. Wie mein Vorredner schon geschrieben hat geht es den Mädels sehr viel um Spaß/Harmonie und etwas mit den Freundinnen zusammen zu machen. Außerdem musst du aufpassen: Kritik wird schnell persönlich aufgefasst, was nicht heißt, dass man nicht konstruktiv verbessern darf, aber ich denke man muss schon genauer auf Wortwahl und Tonfall achten.


    3. Bedenke, dass viele Mädchen erst spät anfangen Fußball zu spielen und in der Freizeit, anders als Jungs, wahrscheinlich nicht noch auf den Bolzplatz gehen. Außerdem gucken sie wahrscheinlich keine Fußballspiele. Fange also wirklich mit den grundlegenden Techniken an und lege nicht den Maßstab der Jungs an.

    „Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für Andere tun, tun wir auch für uns selbst.” - Thich Nhat Hanh

  • da ich hier vor Ort direkt den Unterschied der Tranings von B männlich zu B weblich vor Augen habe, kann ich dir nur raten
    dir mal das ein oder andere Trainng anderer Mannschaften mal anschauen.


    da bekommst du direkt vor Augen geführt über die wensentlichen Unterschiede, die TW hier auch schon des öfteren angesprochen hat.


    lies alles hier, was TW jemals über Mädchen und Frauenfussball so von sich gegeben hat. glaub nicht, dass du sonstwo einen besseren Einblick bekommst.


    Mädchen verlangen einen ganz anderen Trainertyp.


    gg

  • viel dank für die schnellen Antworten. Habe in de Eile völlig vergessen zu schreiben, dass wir auf dem Kleinfeld als 7er Mannschaft spielen :)


    Das alles oft persönlich genommen wird habe ich schon bei unser Torhüterin gemerkt die nach dem Spiel ohne sich zu verabschieden nach hause gefahren ist :)


    Die anderen meinten aber, dass sie eh sehr launisch ist :) Des weiteren habe ich n Problem: Wie bekomme ich meine Torhüterin dazu zu springen? :) Die will alles mit dem Fuss halten .....


    Wir haben starke Mittelfeldspielerinnen von daher würde ich glaube ich n 2-1-2-1 bevorzugen...

  • Wir haben starke Mittelfeldspielerinnen von daher würde ich glaube ich n 2-1-2-1 bevorzugen...

    So haben wir "damals am Anfang" :) auch angefangen, sind dann aber ziemlich schnell auf 2-3-1 umgestiegen.Nachteil beim 2-1-2-1 war immer das drei hinten standen und drei vorne geblieben sind. Das ganze war ziemlich statisch. Beim 2-3-1 müssen ja zumindest die beiden Aussen vor und zurück arbeiten, hat bei uns wesentlich mehr Tempo reingebracht. Die meisten Gegner kommen ja auch mit einem Stürmer und der bleibt dann meistens schon am zentralen Mittelfeldspieler hängen. Hat damals die Ergebnisse von zweistellig auf einstellig gedrückt ;)

  • Mourinho_für_arme


    Vor diesem Problem stehst nicht nur du allein, denn anfangs wollen die meisten Keeper einen flachen Ball mit dem Fuss abwehren und nur einen halbhohen oder hohen Ball fangen.


    Mal vorausgesetzt, sie soll keinen scharfgeschossenen, flachen Ball aus kurzer Distanz mit dem Fuss abwehren, kannst du deine Torhüterin das Abkippen und Hechten in folgender Prozedur vermitteln:


    1. Abrollen über die Hüfte üben: Torhüterin sitzt
    Trainer rollt der auf dem Boden sitzenden Torhüterin den Ball an die rechte bzw. linke Seite (ca. 1 m Abstand) zu. Dabei läßt sich die Keeperin ganz einfach seitlich fallen, streckt die Arme schräg nach vorne aus und fängt den Ball mit beiden Händen gleichzeitig.


    2. Abrollen über Oberschenkel und Hüfte üben: Torhüterin kniet
    anrollen des Balles wie unter 1., jedoch nimmt die Keeperin an der Seite, an der der Ball angerollt kommt, das Knie ein kleines Stückchen vor, bevor sie wie unter 1. sich seitlich fallen läßt und den Ball schräg vor dem Körper fängt. Dieser kleine seitliche Versatz des Rumpfes erleichert das Abkippen und verhindert dadurch ein dumpfes, evl. schmerzhaftes Auftreffen der Hüfte auf den Boden.


    3. Abkippen üben: Torhüterin begibt sich in Hockposition
    Du stellst dich mit einem Ball in den Händen (eine Hand liegt darauf, eine darunter) ca. 1 m vor deine Keeperin, die sich in Hockposition befindet. Auf Trainerkommando reckt sich die Keeperin vor, ergreift den Ball mit beiden Händen und rollt sich wie unter 1. und 2. beschrieben seitlich ab. Das richtige Abkippen wird nicht gleich beim 1. Versuch funktionieren. Jedoch ist die Verletzungsgefahr (z.B. Prellung) deshalb gering, weil aufgrund der Hockposition der Abstand zum Boden gering ist.


    3. a. dito, jedoch in tiefer TW-Grundstellung
    wie 3, jedoch macht die Keeperin einen Schritt in die Richtung des Balles. Die Fallbewegung erfolgt nun über die Fußspitze, erst in Schräglage eine kleine Drehung in Körperachse und zum Abschluß das Abrollen über Oberschenkel und Hüfte.


    4. Hechten (zusätzlicher, kurzer Sprung über die Fußspitze)
    Um der Torhüterin das Hechten gleich in die richtige Richtung zu vermitteln, sollte man in die spätere Hechtrichtung ein paar Hütchen plazieren, die schräg nach vorne aufgestellt sind.
    Zum Start der Hechtübung plaziert sich die Keeperin ca. 2 m neben dem Torpfosten. Auf Trainerkommando rennt sie zum Pfosten, stößt sich davon ab und rennt sofort schräg nach vorne in die andere Richtung. Dort steht der Trainer, der einen Ball ca. 50 cm über den Boden in Richtung Tor wirft. Diesen Ball soll die Keeperin über die in Pkt. 3 erlernte Hechtbewegung, aber mit kurzem Sprung über die Fußspitze und anschließender Abrollbewegung


    Mit etwas Geduld wird sie die Technik erlernen und nunmehr sogar Spaß daran haben, nach einem Ball auch dann zu hechten, wenn man ihn genauso gut hätte anders aufnehmen können.


    Weitaus schwieriger ist es da, einem Keeper, der das Abkippen und Hechten nicht über die Fußspitze, sondern durch seitliches Abspringen erlernt hat. Die wundern sich zwar, warum sie ihre Waden bei trockenem Untergrund aufschrammen und manchmal im Bogen über den Ball springen, können diesen erlernten Bewegungsablauf nur schwer korrigieren.