Schlechtes Stellungspiel

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  • Hallo, bin Trainer einer U12.


    Bräuchte Tipps wie ich das Stellungspiel meiner Jungs verbessern kann. Meine damit beim gegnerischen Angriff wird der Gegenspieler ausen vorgelassen und eher alles nur richtung Ball gedacht.


    So dass sich 3 meiner Verteidiger auf den Ballführenden konzentrieren und in der Mitte der Gegner frei steht.


    Hab versucht meine Jungs es zu erklären auch im Trainingsspielen unterbrochen und auf Stellungsfehler hingewiesen, aber es fruchtet nicht.


    Leider hab ich in der Mannschaft auch keinen der in der Abwehr das Spielverständniss hat und auch die Charaktereigenschaft, sich seine Vorderleute einzuteilen.


    Habt ihr vlt. Tipps oder wie lehrt Ihr das Abwehrverhalten?

  • Ja das ist doch super, ...statt den Mann altertümlich zu decken, verschieben die schon ballorientiert und das offensichtlich, weil sie intelligent sind...besser gehts nicht.


    Vielleicht ist es ja eher das Problem, dass du dabei ein Loch im Mittelfeld hast?


    Einer geht zum ballführenden Gegner -und zwar der naheste von deinem Team-. Genau der rennt dem ballführenden Gegner im optimalsten Fall den Ball gem. 1:1 in der Defenive ab. Die anderen lauern auf den Pass vom Gegner...den der dann jeweils Ballnaheste wiederum abfangen sollen. Klappt das nicht und der gepasste oder geflankte Ball kommt beispielsweise auf die andere Feldseite....ist zügiges VERSCHIEBEN....angesagt. Datt machen deine doch...sogar selbständig.


    Bei einer solchen oder ähnlichen Situation, sollten (in der U 12 noch kein ...MÜSSEN!)...die Mittelfeldspieler hier fleißig mitmachen und das gilt auch für die Stürmer.


    Damit das möglichst häufig so passiert, spielen wir/mein D z.B. (9èr Team auf dem Kleinfeld) ein 3:2:3 (zwei 6èr).


    Also bloß nicht auf Manndeckung spielen lassen, sondern genau das was sie jetzt tun in "Bahnen" lenken und fördern, jedoch nicht abverlangen...so sehe ich es.


    Ferner würde ich mich an deiner Stelle hinterfragen. Frage wäre, ..ob du selber als Trainer das worum es geht....ballorientiertes modernes Spiel...verstanden hast. Viele ...alte....Trainer...und auch viele neue Trainer....tun so als wenn sie es verstanden haben. Haben sie aber nicht! Daran kann man arbeiten...z.B. drüber lesen und sich schlau machen. Dazu müßte man danach noch wissen, was die Ausbildungsthemen der D sind und beides verbindet man dann ;) Ob das nun auf dich so zutrifft, weiss nur einer...und ich bins nicht :):) ...ist nur ehrlich und nicht böse gemeint :thumbup: ...hoffe das das richtig überkam. Gr. Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Bin hier bei Andre - mach dir doch dein "problem" zu nuten und trainiere ballorientiertes Spiel. Von da an kannst du auf 4er Kette aufbauen. Das ist natuerlich langfristig - kurzfristig wirst du Rueckschlaege in Kauf nehmen muessen, auch werden die Ergebnisse in der U12 nicht wahnsinning berauschend sein, aber..


    ...das sollte es dir wert sein :] - es geht ja nur um die beruechtigte Ananas :D - langfristig hast du bestimmt Vorteile!!

    "...for the love of the game!"

  • Vorab: ich hatte gestern den ersten Teil dieser Antwort geschrieben, bevor Andre und TomTom ihre Beiträge verfassten. Letztlich schlage ich aber in die selbe Kerbe:


    Grundsätzlich ist es ja erst einmal nicht verkehrt, dass sich deine Spieler am Ball orientieren. Ich muss bei einigen meiner Spieler (jüngere D, ist das auch U12?) noch die Neigung zur Manndeckung, die sie in anderen Teams oder von ihren Eltern anerzogen bekommen haben, bekämpfen... Mein Hauptargument dabei ist, dass es erst ein Gegentor ist, wenn der Ball in unserem Tor ist. Gegenspieler ohne Ball sind daher grundsätzlich ungefährlicher als derjenige, der den Ball führt, also muss dieser vorrangig attackiert werden, und zwar von demjenigen Spieler, der ihm am nächsten steht. Spannend wird es, wenn diese Grundforerung bereits erfüllt ist, d.h. die Frage, wie sich die übrigen Spieler verhalten sollten. Das ist dann erst einmal Thema der defensiven Gruppentaktik, angefangen beim Thema "Verteidigen zu zweit". Da wiederum muss man unterscheiden in die drei Fälle:

    • Verteidigen in Überzahl
    • Verteidigen in Gleichzahl
    • Verteidigen in Unterzahl


    Angelehnt an Horst Weins würde ich versuchen, den Spielern zu vermitteln, welche Verhaltensweise in welcher Situation die sinnvolle ist. Siehe zur ballorientierten Verteidigung übrigens den entsprechenden Info-Abend des DFB. Ich würde mit der Gleichzahl oder der Überzahl beginnen, da hier das gegenseitige Absichern zum Tragen kommt: der ballnähere Verteidiger rückt ja heraus, um den Angreifer zu stellen, der andere Verteidiger postiert sich so, dass er seinen Mitspieler absichern kann, d.h. den ballführenden Angreifer gleich unter Druck setzen kann, falls er seinen Mitspieler überwindet. Das Verteidigen in Unterzahl eignet sich übrigens besonders gut, um die Manndeckung auszutreiben, sie klappt da nämlich nicht. :)


    Das Verhalten der übrigen Mannschaft kommt dann eigentlich erst später. Ich würde als erste Maßgabe die Prämisse verkünden, dass alle Spieler bei Ballbesitz des Gegners hinter den Ball kommen müssen. Wenn sie das tun, dann wird auch das Zentrum automatisch besetzt. Das würde mir fürs erste reichen. Man kann auch mit den Kindern erarbeiten, welches der torgefährlichste Raum ist, nämlich eben das Zentrum vor dem Tor. Und auf diese Erkenntnis aufbauend kann man dann auch dazu kommen, dass es immens wichtig ist, dass dieser Raum schnellstmöglich besetzt wird.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Das Verhalten der übrigen Mannschaft kommt dann eigentlich erst später. Ich würde als erste Maßgabe die Prämisse verkünden, dass alle Spieler bei Ballbesitz des Gegners hinter den Ball kommen müssen. Wenn sie das tun, dann wird auch das Zentrum automatisch besetzt. Das würde mir fürs erste reichen. Man kann auch mit den Kindern erarbeiten, welches der torgefährlichste Raum ist, nämlich eben das Zentrum vor dem Tor. Und auf diese Erkenntnis aufbauend kann man dann auch dazu kommen, dass es immens wichtig ist, dass dieser Raum schnellstmöglich besetzt wird.


    Der Schlußteil/Absatz ist besonders schön erklärend formuliert.....denn er sagt....das das Zentrum dann automatisch besetzt wird und genau das ist die Essenz des Ganzen...prima.


    Der Weg ist das Ziel...denn dahin zu kommen, das ist das Thema einer U12 bis 15, sprich die individualtaktischen.-und gruppentaktischen Ziele die sich in der gesamten Bandbreite daraus ergeben. Ich kann das nur unterstreichen -ohne hier der große Fachmann dafür zu sein/ich mache hier selber möglicherweise einige Fehler....die ich vermutlich nicht erkenne/nie erkennen würde, wenn ich mich nicht schlau lesen würde und hinterfragen würde und selbstkritisch wäre. Übrigens finde ich den Hinweis auf Horsti auch richtig toll, weil -ohne Spielintelligenz des Einzelnen- wird hier weniger heraus kommen können, als es das der Fall wäre, wenn sie nur auf Anweisung handeln (stimulieren statt ständig instruieren!)


    Der Threadinitiator scheint hier auf einem guten Weg zu sein! Gr. Andre


    P.S.tobn...an dich noch eine Frage von mir


    ...du sagst...alle hinter den Ball bekommen...habe ich im Grunde so verstanden....dennoch die Frage: Kommen/sollten bei dir Alle hinter den Ball...also auch der/die Stürmer...und das auch dann, wenn der Ball z.B. vom Gegner bereits 10 Meter hinter der Mittelinie ist? Ich habe hier gedacht, dass das eher die Frage der Art des Pressings ist und das theretisch richtig und wünschenswert ist, ABER....vorraussichtlich zu schwierig für eine U 12./sehe ich das falsch? Gr. Andre

  • Hallo Andre,


    ich mische mich mal ein, weil ich das Thema "hinter den Ball kommen" bei meiner D1 (wir spielen 7er, hatten aber auch gerade ein Pokalspiel, wo dann alle 11 als 11er-team ranmussten) aktuell habe bzw. an den Spieltagen anspreche - ohne bisher im Training gezielte Übungen dazu anzubieten.


    Der/die Stürmer hat/haben bei mir 2 Maßgaben:
    1.
    der/ein stürmer soll dann hinter den Ball, wenn ein Mittelfeldspieler weit aufgerückt ist und der Stürmer den kürzeren Weg "hinter den Ball" hat.
    2. Ansonsten müssen sie nicht grundsätzlich hinter den Ball, sollen aber zumindest im Rücken der ballführenden Mannschaft Druck auf
    den Ball/ballführenden Spieler (besonders die Verteidiger) ausüben, um Ballverluste oder Fehlpässe zu provozieren.


    Den Rest - wie weit gehen sie tatsächlich zurück? - überlasse ich ihnen erstmal selber und warte ein paar Spiele ab, wie sich das Grundprinzip verfestigt.


  • P.S.tobn...an dich noch eine Frage von mir


    ...du sagst...alle hinter den Ball bekommen...habe ich im Grunde so verstanden....dennoch die Frage: Kommen/sollten bei dir Alle hinter den Ball...also auch der/die Stürmer...und das auch dann, wenn der Ball z.B. vom Gegner bereits 10 Meter hinter der Mittelinie ist? Ich habe hier gedacht, dass das eher die Frage der Art des Pressings ist und das theretisch richtig und wünschenswert ist, ABER....vorraussichtlich zu schwierig für eine U 12./sehe ich das falsch?


    Gute Frage, Andre. Tatsächlich muss ich hier auch zwischen dem Spiel im Training oder dem 6+1:6+1 und dem bei meinem Team ja inzwischen in Pflichtspielen vorgesehenen D9 unterscheiden. Die Maßgabe, dass jeder eigene Spieler sich bemühen sollte, bei gegnerischem Ballbesitz schnellstmöglich hinter den Ball zu kommen, wende ich hauptsächlich im Training und im 7er-Fußball an. Mir geht es dabei vor allem darum, dass die Kinder merken, dass sie viel weniger Gegentore bekommen, wenn alle schnell auf Abwehr umschalten und sich hinter den Ball begeben, dass es dadurch für den Gegner eng und dadurch schwierig wird, zu unserem Tor zu kommen. Das hat in einem Training sehr endrucksvoll geklappt, ich hatte selbst auch mit gespielt. Mein Team bekam in den ersten zehn Minuten des Kicks drei oder vier Gegentore aus Überzahlsituationen des Gegners. Das reichte mir dann und ich habe dann von allen Spielern in meinem Team gefordert, dass sie bei gegnerischem Ballbesitz pronto hinter den Ball zu kommen haben. Die nächsten zehn Minuten bis zum Spielende kassierten wir kein einziges Tor mehr. Das war dann natürlich eine Steilvorlage für die Frage- und Antwortrunde in der anschließenden Trinkpause. Ich hatte das Ganze nicht geplant, aber ich glaube, es war gerade bei dem einen oder anderen, der sich mehr für die Offensive interessiert und sich aber auch seiner Defensivqualitäten unsicher ist und auch deshalb den Rückwärtsgang ein wenig scheut -- Stichwort: es könnte ja schief gehen --, die Augen dafür geöffnet hat, dass auch im Fußball der Beitrag jedes Einzelnen für das Team wichtig ist.


    Diese Episode stammt noch aus der letzten Saison, inzwischen trainiere ich eine Mannschaft, die zu zwei Dritteln aus Spielern besteht, die sie nicht erlebt haben und die (nicht nur) in der letzten Saison deutlich positionsfixierter gespielt haben als meine Schützlinge. Die Saison ist noch nicht so alt, die Mannschaft und das Trainerteam finden sich noch. Aber mittlerweile glaube ich, auch die mir neuen Spieler einigermaßen einschätzen zu können, so dass wir inzwischen Umschaltvorgänge zum Thema machen können und wissen, auf welche Spieler wir dabei wie stark achten müssen. Grundsätzlich möchte ich, dass jeder Spieler verinnerlicht, dass bei Ballverlust des Teams schnell der Rückwärtsgang eingeschaltet werden muss, d.h. es muss unverzüglich die persönliche Offensivaktion abgebrochen werden. Wenn sie am Ende der Entwicklung angekommen sind, können die Spieler dann schnell beurteilen, ob sie z.B. überhaupt noch eingreifen können (die die gegnerischen Verteidiger weit zurück drängende Sturmspitze kann bei einem Ballverlust des Sechsers im Spielaufbau z.B. nur noch ganz wenig bis gar nicht helfen..) oder, als weiteres Beispiel, dass das eigene Team in Ballnähe weiterhin in Überzahl ist und so die Balleroberung wahrscheinlich ist, so dass ein Zocken auf einen eigenen schnellen Angriff vielversprechend erscheint. Aber so weit sind meine Spieler, d.h. junge D-Junioren noch nicht. Nach meiner Erfahrung schleicht sich bei Kinder auch das Positionsdenken ein, wenn man als Trainer nicht aktiv dagegen arbeitet. So ist bei den mir neuen Spielern in unserem Team die Denke verbreitet, dass fast nur die Abwehr und der Torhüter für das Verhindern von Gegentoren zuständig ist. Um dem entgegen zu wirken, gibt es jetzt im Training erst mal die Vorgabe, dass alle Spieler die Umschaltvorgänge mit machen sollen, wir üben das zur Zeit noch über Belohnung und Bestrafung in Form von mehr oder weniger zählenden Toren bei Spielern in gegnerischer bzw. eigener Hälfte.


    Im Pflicht- oder Neunerspiel sieht die Mannschaftstaktik aber durchaus anders aus. Wir haben zur neuen Saison das 4:3:1 von http://www.abwehrkette.de/taktik-d-jugend/ ausprobiert und für gut befunden (mehr werde ich dazu noch in dem alten Thread von Aufstellungen im D9 schreiben). Da wir irgendwann zum Pressing kommen wollen, möchte ich dem Stürmer nicht mühevoll anerziehen, sich in die Abwehrarbeit einzuschalten, um es ihm irgendwann wieder mühevoll austreiben zu müssen. Da möchten wir also, dass sich bei Ballverlust sieben Spieler so schnell sie können hinter den Ball begeben, der Stürmer bleibt dabei außen vor. Er hat aber die Aufgabe, sich eine möglichst vielversprechende Lücke zu suchen, wo er als Anspielstation nach der erhofften Balleroberung zur Verfügung steht. Er soll tatsächlich zusätzlich nicht viel weiter zurück kommen als bis zur Mittellinie, um die gegnerische Abwehr zu binden und dem Gegner es zu erschweren, das Mittelfeld richtig dicht zu machen. Das ist alles schon ziemlich viel, ich weiß, wir fordern das auch nicht ein, sondern regen eher dazu an. Aber das ist quasi das Ziel: mit sieben Mann (bzw. bei uns auch oft mit sechs Mann und einer Frau) gegen den Ball arbeiten, während einer für die anschließende Entlastung sorgt.


    Für das mannschaftliche Defensivverhalten ist, wie gesagt, erst einmal das Ziel, dass alle Spieler das schnelle Umschalten in die Defensive erlernen und sich daran gewöhnen, es zu beherzigen, und zwar auch dann, wenn die Beine anfangen, etwas schwerer zu werden und das erste Adrenalin verfolgen ist, wenn sich also der innere Schweinehund zu manifestieren beginnt. Wenn das klappt, ist schon viel gewonnen, wie ich meine. Und dann gucken wir mal weiter.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)