Unterfordertes Supertalent und Vereinswechsel - ab welches Alter

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  • Das Thema " Supertalent " hat mich nachdenklich gemacht.


    Thema Vereinswechsel.


    Ich habe jetzt schon so viele Meinungen gehört , ab welches Alter es sinnig wäre bei talentierten Kindern den Verein zu wechseln, wenn dem Verein Grenzen der Weiterentwicklung gesetzt sind.


    Da geht es schon laut Meinungen ab der F-Klasse los bis zur Meinung von Uli Borowka,der voriges Jahr bei uns das Camp geleitet hat ,erst mit 14 oder 15 Jahren.


    Welche Meinung habt ihr dazu?


    Gruß Andrea

  • Moin Frau Kollegin ;-),


    das ist eine Frage, die mich auch umtreibt und ich auch die verschiedensten Meinungen hören konnte.


    Erstmal gibt es die Maxime: "Jeder sollte dort spielen, wo er leistungsmäßig hingehört". Ich denke danach kann man sich erstmal schon orientieren. Andererseits gehört dann noch die Schule, das Umfeld etc. dazu, was bei einem Wechsel zu einem höherklassig spielenden Verein auch zu berücksichtigen ist. Da sehe ich persönlich die Gefahr des frühzeitigen Verheizens, also F-Jugend halte ich definitiv für zu früh, es sei denn der höherklassig spielende Verein passt mit Schule und Umfeld, sprich es entsteht kein übermäßiger Fahraufwand und der Freundeskreis ist nicht abgeschnitten.


    In meinem Fall (E-Jugend junger Jahrgang) habe ich Abwerbeversuche von höherklassig spielenden Vereine erstmal noch abgeblockt. Der Bursche kommt in die 5. Klasse (Sprung aufs Gymnasium), ein möglicher Wechsel auf das Sportgymnasium geht erst ab 7. Klasse. Er soll sich erstmal noch über das Stützpunkttraining weiterentwickeln und in der neuen Schule Fuß fassen, dann werden wir weitersehen. Im Idealfall klappt der Wechsel aufs Sportgymnasium mit der 7. Klasse, wenn er die Bedingungen hierfür erfüllt. Spätestens dann muss natürlich der Verein gewechselt werden.


    Ob das alles so klappt, wird die Zukunft zeigen. Ob ich es richtig mache, weiß ich auch nicht. Sollte er diese Richtung nicht einschlagen, wird die Welt auch nicht untergehen. Für dieses Jahr hoffe ich erstmal, dass wir den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffen ;-).


    Glück Auf

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    „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“
    Karl Lagerfeld

  • Die wesentlichen Kriterien hat Violet Hammer schon angesprochen.


    Was mir persönlich aber auffällt, ist, dass oftmals Kinder gesichtet werden, die nach Ansicht einer neutralen Person leistungsmäßig gar nicht geeignet sind, bei einem größeren Verein zu spielen (Profiverein). Ich habe es bereits mehrfach erlebt, dass Kinder aus meinem Verein zu einem Profiverein gewechselt sind, obwohl es bessere Spieler in dem jeweiligen Jahrgang gab. Dem Profiverein ist es egal, was mit dem Kind passiert. Der holt sich dann eben andere Spieler. Und so ist es dann auch passiert. Nach einem Jahr Frust und kaum Einsätzen sind die Kinder wieder zurückgewechselt, haben aber nie an Ihr altes Niveau angeschlossen. Hier fehlt mir auch oft das Vertrauen der Eltern, die nie nach einer reellen Einschätzung des Trainers bzw. des Heimatsvereins fragen.


    Thema Sportgymnasium bzw. Leistungssportklassen. Ich halte persönlich nichts davon, wenn ein Kind nur noch einen Tagesablauf hat, der ausschließlich aus Schule und Sport besteht. Es ist nicht mehr möglich, sich mit Freunden zu treffen und auch einmal eine Ruhepause einzulegen. Für mich ist es unheimlich wichtig, gerade in jungen Jahren (10-15) auch andere Dinge, die man eben in der Kindheit tut, kennenzulernen. Wir haben zwei Spieler in unserem Verein, die vor zwei Jahren in München in eine Leistungssportklasse aufgenommen wurden. Der Tagesablauf beginnt um 6.00 Uhr mit Aufstehen und endete um 17.00 Uhr mit der Heimkehr und dann noch zweimal Training im Verein und einmal am Stützpunkt. Beide Spieler waren in den letzten beiden Jahren (D-Jugendalter) mehr verletzt, als dass sie gespielt haben. Sehr ungewöhnlich bereits in diesem Alter so eine lange Zeit pausieren zu müssen. Das war alles eine Folge der Überlastung. Nun werden sie nach diesem Schuljahr wieder in die Schule an unserem Heimatort zurückkehren, worüber ich mich sehr freue. Ein Spieler, mit dem ich vor kurzem gesprochen habe, ist allerdings sehr frustriert, weil er denkt, dass dadurch seine "Fußballkarriere" zerstört wurde. Nun gilt es für uns, die Spieler wieder aufzubauen und ihnen die Lust am Fußball wieder nahe zu bringen.

  • Ich habe zu dem Thema eine ganz klare Meinung: Kein Wechsel vor der C-Jugend.
    Spieler, die schon zu früh wechseln und denen dauernd erzählt wird, wie toll sie doch sind, sind schnell "satt".
    Die Gefahr besteht, dass das Umfeld mehr aus ihm machen will, als es dem Jungen lieb ist. Außerdem verändern sich Kinder
    schnell und entwickeln sich oftmals doch in eine ganz andere Richtung als man das vorher gedacht hat. Wie schnell verlieren sie den Spaß am Fußball.


    Was man sehr wohl machen kann, ist dass man unterforderte Spieler im höheren Jahrgang mitspielen / -trainieren lässt.
    Allerdings bin ich auch der Meinung, dass starke Spieler in schwächeren Mannschaften halt die Leistungsträger sind und Woche für Woche auch starke Leistungen bringen können, das kann ebenfalls zu einer positiven Entwicklung beitragen.



    Man muss im Endeffekt halt doch von Fall zu Fall entscheiden, was sinnvoll ist.
    Der hiesige (jetzt leider nicht mehr) Zweitligist hat seine Jugendarbeit vor kurzem völlig umgekrempelt und führt jetzt keine Mannschaften mehr bei den Kleinen. Man fängt auch dort erst im C-Jugendalter an.