Hattet Ihr / der Gegner in beiden Spielen jeweils dieselben Spieler auf dem Platz?
Genau das kann ich mir auch nicht vorstellen. Selbst mit bestem Training schlägt nicht eine Mannschaft eine eben noch ebenbürtige andere Mannschaft zweistellig.
Ich halte es für einen Trugschluss, dass die Viererkette zwangsläufig mehr defensive Stabilität gewährleistet, nur weil nominell ein Spieler mehr auf der letzten Linie agieren soll.
Exakt, tatsächlich ist diese Annahme (defensive Stabilität da einer mehr hinten) der völlig falsche Grundgedanke bei Installation einer Viererkette. Die Kettenbildung ist zum ballorientierten Verteidigen eingeführt worden, d.h. in Ballnähe soll Überzahl erzeugt werden und der jeweils ballführende Spieler mit Ball bekommt soviel Gegnerdruck, dass er nichts Gefährliches mit dem Ball unternehmen kann. Keinen Pass in gefährliche Räume, kein Dribbling um gefährliche Meter zu machen. Er soll im Prinzip nur in ungefährliche Räume seitlich/nach hinten spielen können, wo die eigene Kette dann sofort wieder Überzahl in Ballnähe erzeugt.
Damit ist die Kettenbildung ein Instrument, mit dem vorne (auf Ballhöhe) verteidigt wird. Schon da sollen gefährliche Aktionen des Gegners unterbunden werden. Die Anfälligkeiten der 'hinteren' Kette bzw. letzten Kette werden in Kauf genommen, da sich insgesamt das ballorientierte und nicht mehr mannorientierte Spiel als erfolgreicher gezeigt hat. Auf einer Ebene allerdings wo dies mit sehr viel Zeitaufwand trainiert werden kann.
Denn wenn Kette gespielt wird, muss die ganze Mannschaft Kette spielen. Es geht um die Herstellung von Abständen aller eigenen Feldspieler zueinander um den Druck auf den jeweils ballführenden Mann immer wieder blitzschnell herzustellen. Es ist damit eine ständige Positionsrotation innerhalb der Mannschaft erforderlich. Die Kette, das sind die Abstände aller Feldspieler einer Mannschaft zueinander, um das Spielziel (Druck auf den Ball) zu erreichen.
Wenn man Beispielsweise die Viererkette als eigenständige Kette ansieht, die unter sich funktionieren muss und dann passt das schon, dann hat man ein starres System, das nichts mit dem Grundgedanken der Kettenbildung in einer Mannschaft zu tun hat. Vereinfacht gesagt der LV bleibt LV, ob er gerade weiter vorne oder hinten ist. Das gilt auch für alle anderen Positionen. Man kann die Kette aber nicht als positionsstarres Gebilde spielen. Dann erzeugt man durch zu weites Vorrücken bsp. des LV einen Leeraum dahinter, wo nicht einmal abgestimmt ist wie dieser Leeraum abgesichert wird. Will man diesen Leeraum nicht erzeugen, wird die 4-Kette dann eben defensiver gespielt und es passiert genau das, was in den Beiträgen oben angesprochen wurde: Man bringt sich im Mittelfeld durch das Stellen einer vom Rest der Mannschaft 'abgesonderten' 4-Kette im Mittelfeld in Unterzahl und der Gegner kann im Mittelfeld immer wieder relativ unbedrängt auf die 4'Kette zumarschieren. Dann braucht es nur einen guten Passgeber und einen schnellen Stürmer der weiß wann er gehen muss und 2 Leute können auch eine 8'er Kette aushebeln, dann ist es zu spät.
Spielt die ganze Mannschaft Kette würde der Vorstoß der AV (um mehr Druck in Ballnähe zu generieren) z.B. durch ein Zurückfallen eines 6'ers ausgeglichen werden und die IV werden zu AV. Klingt simpel, sind aber
LV wird Mittelfeldspieler
RV wird Mittelfeldspieler
linker IV wird LV
rechter IV wird RV
6'er wird IV
5 Positionsentscheidungen, die blitzschnell und gleichzeitig von den Spielern getroffen werden müssen. Und dazu kommen noch 5 weitere Entscheidungen der Spieler davor, um die Gesamtkette herzustellen. Nur mal als ein Beispiel.
Ganz ehrlich: trainierst Du nicht im leistungsorientierten Bereich und hast Trainingszeit und eine Trainingsbeteiligung im entsprechenden Bereich, dann Finger weg von dem Begriff Kette.
Mein Rezept wäre da z.B. eine Dreierabwehr (nicht Kette nicht Kette nicht Kette) mit einem IV der ruhig hoch verteidigen darf und kein Libero alter Schule sein muss und 2 AV die mannorientiert spielen. Davor zwei 6'er, einer etwas tiefer einer etwas höher justiert. Das sollte deutlich mehr Druck abhalten als 4 Leute auf relativ einer Linie, die alles andere als eine echte Kette sind.