Powerzwergenpapa. Die Schuld wurde zwar nicht ausdrücklich den U-Teams zugewiesen, allerdings indirekt der Jugendarbeit, wenn die Analyse des WM-Scheiterns fast nur auf Verbesserung der Jugendarbeit abstellt und nicht auf die Fehler, die im Team der Nationalmannschaft von den Verantwortlichen gemacht wurden.
Ergebnisse bei Hallenrunden oder Jugendturnieren, wo irgendwas zwischen 10 und 20 Minuten gespielt wird, sind nicht unbedingt repräsentativ. Da ist es immer möglich, dass ein stärkeres Team mal gegen ein schwächeres verliert. Da kann eben nicht bzw. viel weniger taktiert werden und es bleibt keine Zeit, Fehler wieder auszubügeln. M.E. nicht auf die WM Spiele mit mind 90 Minuten Spielzeit übertragbar.
Constantin. Den Ballbesitzfußball entschlüsselt man wie jedes andere System. Nämlich durch Beobachtung und Herausfiltern der sich schemenhaft wiederholenden Verhaltensweisen. Für Deutschland hat das verantwortlich schon länger Urs Siegenthaler gemacht und Korea, Schweden und Mexiko werden das auch gemacht haben. Was es denen besonders leicht gemacht hat, war die Vorhersehbarkeit. So haben die Mannschaften nahezu komplett darauf verzichtet, überhaupt einen eigenen Spielaufbau zu machen und sich fast ausschließlich auf Tiefstehen und Konterangriffe fokussiert. Da Kimmich eher als Außenstürmer als Verteidiger fungiert hat (das mag als Einzelmaßnahme Sinn machen, um Überzahl vorne herzustellen, aber nicht wenn es ständig kommt), war klar, dass Deutschland die Konter schlecht verteidigen kann. Sicher kann man da noch weiter ins Detail gehen, ich bin kein Fußballlehrer, aber soviel Erkenntnis drängt sich einfach auf.
Fußball auf dem Niveau ist im Gegenteil viel mehr ein ein Coaches Game als in unteren Liegen oder dem Jugendfußball, jedenfalls soweit damit gemeint ist, dass Taktik eine dominierende Rolle spielt. Nicht zuletzt sind die besten Trainer vor allem gute Taktiker. Tuchel hat das auch ganz klar angesprochen. Ich empfehle dazu mal seinen Vortrag, den man auf youtube hören kann: "Thomas Tuchel Rulebreaker" Dort erläutert er genau, dass sein Erfolg bei Mainz ganz wesentlich auf die Gegneranalyse und die Abstimmung des eigenen Spielsystems auf den jeweiligen Gegner zurückzuführen war.
Und bei allem Respekt für Deine Erfahrungen in jungen Jahren. Natürlich gibt es einen Schlüssel gegen Deutschlands Spielweise, jedenfalls dann, wenn sie voraussehbar ist und das war sie. Wenn natürlich die Spielerüberlegenheit erdrückend ist, dann nützt das beste System dagegen nichts, da gebe ich Dir Recht, aber auf dem Niveau sind nun mal die Unterschiede nicht so groß und da sind wir dann wieder dabei, dass Taktik eben doch eine sehr wesentliche Rolle spielt. Sehr erhellend finde ich dazu z.B. auch die Seite Spielverlagerung.de