Der Libero ist außerhalb Deutschlands tot, auch und schon lange im Jugendfußball.
Nun haben entweder alle anderen Länder keine Ahnung, oder... nunja, die Antwort mag sich jeder selber geben.
Ich verstehe aus diesem Grund auch nicht, wenn ich immer höre, dass "unsere" Jugendspieler zu dumm/schlecht/langsam/dick sind oder zu blonde Haare haben, wenn überall sonst Jugendmannschaften mit Viererketten in der Abwehr spielen können respektive ballorientiert verteidigen.
Oft ist es - und das stelle ich in genauen Gesprächen immer wieder fest - vor allem der Trainer, der nicht in der Lage ist, eine Viererkette zu verstehen oder gar zu vermitteln.
Prinzipiell ist es ja nicht damit getan, dass wir vier Jungs auf eine Linie stellen und sagen "So, nun spielt mal Viererkette." Genau so machen das aber die "Nichtwissenden". Das geht natürlich furchtbar schief. Schuld ist dann "die Viererkette". Oft wurde dabei nicht mal die Rolle des Mittelfelds und der Stürmer verstanden.
Das Spielsystem mit Libero ist bei gleichstarken Mannschaften in 9 von 10 Spielen ohne Chance. Mit Libero öffne ich wahnsinnig große Räume für den Angriff des Gegners, die ich bei einem ballorientierten System nicht mehr zur Verfügung stelle. Abseits ist viel leichter aufgehoben. Nach vorne bin ich unflexibler und in der Regel viel defensiver, usw.
Es ist gut möglich und sogar sehr wahrscheinlich, dass sich gerade im D-Jugendalter auf dem Großfeld mit einem Liberosystem größere Erfolge erzielen lassen. In einer idealen Welt wäre mir das völlig egal: Ich würde meine Mannschaft in der D-Jugend mit einem 4-4-2 mit zwei Linien auflaufen lassen, ohne sie daran groß zu schulen, da die Schwerpunkt in dem Alter woanders für mich wären. Innerhalb der zwei Jahre würden die Jungs ein lockeres Verschieben zum Ball sicher lernen und sich auch untereinander ganz ordentlich abstimmen.
Da wir aber z.B. mit der D-Jugend in der höchsten Spielklasse vertreten sind und die auch gerne halten würden, müsste ich dabei aber Abstriche machen. Ich würde also in der Vorbereitung rudimentär erklären, warum man wann wo den Gegner stehen lassen kann und "verschiebt", das ganze mit kindgerechten Übungen (kein Trockenes Verschieben ohne Ball) üben und dann spielen lassen. Das dürfte aber reichen, mehr Zeit würde ich dafür nicht aufwenden.
Warum die Dreierkette der bessere Übergang sein kann, ist mir nicht schlüssig. Eine Dreierkette ist, wie schon beschrieben wurde, sehr gut durch Diagonalpässe auszuhebeln. Der Raum kann mit drei Spielern nur sehr schwer vernünftig abgedeckt werden (Großfeld). Außerdem ist sie in der Vorwärtsbewegung sehr unflexible und defensiv. Ich hab nur eine mögliche Erklärung für die Beliebtheit der Dreierkette: Sie wird in der Realität ja oft einfach als Libero mit zwei Manndeckern gespielt.