Beiträge von Chris

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    Naja, ganz so kann man das bei mir nicht sagen. Am Anfang gabs auch schon mal Situationen wo ein paar Jungs am Treffpunkt standen und hatten sich nicht gekümmert und es war dann kein Platz für sie. Wenn man aber konsequent ist, lernen die schnell damit umzugehen. Das gab einen tobenden Trainer, der einen Anschiss verteilte, warum diese Jungs sich denn bitte nach der klaren Ansage nicht gekümmert haben oder dem Trainer Bescheid gesagt haben, wenn sie niemand gefunden haben und ich glaube ein mal auch einen Trainer, der diese Spieler einfach wieder nach Hause geschickt hat.


    Da wir viele Vorbereitungsspiele machen, war das alles noch in der Vorbereitungsphase und da waren wir teilweise mit 20 Mann auf den Spielen - also kein Problem, wenn ich da 2-3 weniger hatte. Bis Punktspielstart hatte das jeder dann verinnerlicht...

    Ich habs anders gelöst, allerdings immer C-Jugend oder älter trainiert.


    Die kriegen in dem Alter (ab C-Jugend) ganz erstaunliche Dinge geregelt, z.B. wer mit wem wann auf welche Party im 15 km entfernten Dorf fährt und wie sie wieder nach Hause kommen. Da können sie sich auch um die Orga ihrer Auswärtsfahrt kümmern, anstatt dass wieder der Trainer der Dumme ist, der arbeitet.


    Mein Credo: Du bist selber verantwortlich, dass du dich drum kümmerst, wie du zum Auswärtsspiel kommst. Frag deine Mitspieler, ob sie dich mitnehmen können. Wenn du die ALLE durchgeackert hast, und DANN immer noch keinen hast, der dich fährt, kannst du dich gerne an mich wenden, dann sehen wir, wie wir weiterkommen. Meistens nehm ich dann diejenigen mit oder ruf doch noch mal bei jemand zu Hause an. Aber: Wenn du einfach ohne Absprache zum Treffpunkt kommst und es ist kein Platz frei, bleibst du vielleicht stehen und spielst nicht mit. Effekt: Es entstehen abwechselnde Fahr-/Mitnahmegemeinschaften, um die ich mich keinen Millimeter kümmern muss und die funktionieren.


    @Treffen am Zielort: Da meine Spieler sternförmig um unseren Sportplatz herum wohnen (Entfernung bis 25 km) gibt es immer zwei Treffpunkte: Einen am Sportplatz, einen am Zielort.

    Toller Beitrag Ranwie... Seh ich auch so.


    Ich bin beruflich in einer ähnlichen Situation wie du. Was mich auch furchtbar aufgeregt hat vor kurzem: Es gab mal ein Denkmodell, dass Kinderlose (bin ich zurzeit noch) im Vergleich zu Eltern für irgendeine Finanzierung (ich glaub es ging um Schulen oder sogar Sportstätten) wieder verstärkt zur Kasse gebeten werden sollen. Tenor: "Die tun nichts für die Gesellschaft". Da bin ich bald geplatzt...

    Ich reagiere mal auf den Beitrag von Tom:


    Ich glaube, dass du fast allen Leuten mit deiner Vermutung ("würden gerne mehr Geld haben") Unrecht tust. Ich denke, den meisten geht es wie bei uns: Sie wollen einfach eine gesunde finanzielle Grundlage für ihren Lieblingssport schaffen, in den sie so viel Zeit und Engagement stecken. Wenn du bei all der Zeit auch noch immer wieder gefrustest wirst, weil das Geld nicht für Stutzen oder ein paar Bälle reicht, macht das einfach keinen Spaß mehr. Von unserem neuen Etat z.B. sind weniger als 20 % für die Trainerentschädigungen vorgesehen. Dafür aber über 50 % für Spielerausrüstungen und Gerätschaften.


    Auch mit unserer neuen Struktur werden Trainer bei uns kaum etwas "verdienen", sondern lediglich ihre Unkosten herausbekommen. Kann mir jemand plausibel machen, warum ich oder andere Trainer ihre Zeit opfern sollen UND NOCH GELD MITBRINGEN sollen, für Leute, die in 5er-BMWs, Porsche Cayennes oder A6 vorgefahren kommen? (Nein, hier spricht kein Sozialneid, ich fahre selber ein schönes nagelneues Auto mit 4 Ringen). Mir tut das Geld, das ich mitbringe, nicht wirklich weh - aber ich sehe es einfach nicht mehr ein.

    Ich will gern noch ein paar Fragen beantworten:


    4 Euro pro Mitglied pro Monat wandern bisher und auch in Zukunft in den Verein. Wir sind aufgrund eines Anbaus relativ hoch verschuldet, und auch Hausmeister, Versicherungen usw. müssen gezahlt werden. Daran ist nicht zu rütteln.


    Unser zukünftiger Etat für den Jugendfußball setzt sich nicht nur aus den hohen Beitragszahlungen der Eltern zusammen. Dieser macht dann etwa 53 % aus. Hinzu kommen Sommer- und Hallenturniere (8 %), Zuschuss des Vereins (14 %), Zuschuss der Fußballsenioren (18 %) und Verkauf von Kaffee und Kuchen während der Heimspiele (8 %).


    Wir haben uns zusammengesetzt und versucht, erst einmal alle Ausgaben aufzulisten. Da wir einen Minimalbetrieb betreiben, haben wir die Ausgaben so erhöht, dass wir in Zukunft gute Verhältnisse haben, denn wir wollen einen Rahmenbetrieb anbieten, der den Spielklassen angemessen ist.


    Unser Konzept steht ohne jeden Sponsor. Wir wollen die Minimalanforderungen abgedeckt haben, so dass wir überleben können, auch wenn ein Sponsor - den wir zurzeit ohnehin nicht haben - abspringt. Wir werden uns dann verstärkt auf Sponsorensuche begeben und sind optimistisch, mit diesem neuen Konzept auch Sponsoren zu finden. Wir hoffen, dass die Wirtschaftswelt das größere Engagement der Eltern würdigt und sich mit so etwas gerne verbinden wird.


    Ich denke, wir hätten keine Chance, wenn wir keine Spielerpakete beschaffen würden, denn wenn wir mehr verlangen, müssen wir auch mehr bieten.
    So kamen wir letztendlich auf den Beitrag, den die Leute zahlen müssen.


    Die höheren Spielklassen sind das Pfrund, mit dem wir wuchern wollen. Fakt ist: Wer höherklassig spielen will, kann das hier im Umkreis bei ziemlich vielen Vereinen und das dann für deutlich weniger Geld als bei uns. Aber auch dort wird er dann eben in der Regel für Ausrüstung etc. zur Kasse gebeten. Deutlich weniger Vereine bieten aber durchgehend höhere Spielklassen an, so wie wir. Da sind die drei Profivereine Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach und FSV Frankfurt - wer aber dort hingehen kann, macht das sowieso, da spielt unser Beitrag keine Rolle. Und wer dort spielt, muss pro Saison ohnehin mehr Geld investieren (Fahrtkosten, weite Turniere, Ausrüstung, usw.), als das bei unserem neuen Konzept der Fall wäre. Andere Vereine, die durchgehend höherklassig spielen, haben entweder eine Sozialstruktur, die vielen unserer Mittelklasse-Eltern und Spielern nicht gefällt, oder sind dann doch schon wieder etwa 30 Minuten Fahrtzeit entfernt. "Echte", mit uns vergleichbare Konkurrenten gibt es vielleicht 1 oder 2. Wir denken, dass unser Risiko somit kalkulierbar (aber immer noch verdammt hoch) ist.


    Ich sehe es auch so wie Pietro - klar kann man noch andere Veranstaltungen machen. Wir haben aber schon 2 Turnierwochenenden im Jahr. Wir freuen uns jedes Mal über den guten Erlös. Ich habe nur auch schon mal errechnet: Wenn ich jedem Helfer nur 8 € die Stunde zahlen würde, würde ich im Minus landen. Also auch wieder: Arbeiten umsonst für andere, die sich drücken und viel erwarten. Ich absolviere pro Jahr locker 600-800 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Es ist nicht an uns, weitere Einnahmequellen zu eröffnen, die noch mehr ehrenamtliche Arbeit von den anderen Trainern und mir erfordert.


    Ich bin es satt, diese Anspruchsmentalität so zu unterstützen. Meiner Meinung nach muss im Fußball wirklich ein Umdenken her. Es ist wirklich auch so, dass hier die Leute aufgrund der niedrigen Beiträge viel mehr mitreden wollen und viel eher eine "ach, heute geh ich nicht hin" Mentalität herrscht (bei uns ist das aufgrund der höheren Klassen nicht so, aber ich kenne das noch von anderen Vereinen in denen ich war).


    Andrés Vorschlag der sozialen Staffelung von Beiträgen fände ich klasse, sowas kann aber kein Verein alleine stemmen denke ich.

    Hochinteressant das Thema - gerade und vor allem jetzt auch für mich. Eigentlich hatte ich mich mit meinem Beitrag nicht in das Forum getraut - jetzt gibts aber doch einen - sicher wohl kontroversen - Beitrag von mir hierzu:


    Ich bin ja auch Jugendleiter in unserem Verein. Wir spielen mit allen Einsermannschaften (D1, C1, B1, A1) höherklassig und auch die 2er-Mannschaften sind durchgängig mit leistungsstarken Spielern besetzt. Wir haben bisher nicht die finanzielle Möglichkeit, auch nur einem unserer Trainer einen Cent an Aufwandsentschädigung pro Monat zu zahlen und haben nicht mal genug Geld, um jede Saison neue Bälle für jedes Kind besorgen zu können. Ich fürchte, dass wir unsere sehr gute Basis in der Jugendarbeit zerstören, wenn wir nicht bald mehr Finanzmittel zur Verfügung haben. Es wird auch von Jahr zu Jahr immer schwieriger, Trainer zu finden, die bereit sind, umsonst eine Jugendmannschaft zu trainieren, die 3 Trainingseinheiten und 1 Spiel pro Woche hat.


    Wir haben nun beschlossen, uns als Jugendfußballabteilung innerhalb des Vereins selbstständig (unabhängig vom Seniorenfußball) zu machen und unsere Beiträge ziemlich radikal zu erhöhen.


    Bisher zahlt ein Spieler bei uns 6,50 Euro im Monat. Davon landen letztendlich nur 2,50 Euro in der Abteilung, der Rest geht für allgemeine Kosten des Vereins drauf. Macht also ca. 7.000 Euro im Jahr, die wir an Beitragseinnahmen haben. Das entspricht in etwa dem, was wir jährlich im Jugendfußball an Heizungskosten, Stromkosten und Wasserkosten haben. Dann haben wir noch keinen Ball gekauft, keine Hütchen, keine Schiedsrichter und erst Recht keine Trainer bezahlt. Wir betreiben also von Jahr zu Jahr Mängelverwaltung vom Allerfeinsten. Wir machen pro Jahr 20.000 Miese im Jugendbereich und bezahlen dabei keinen Trainer und haben kaum Geld für neues Material.


    Um den Rahmen des Forums nicht zu sprengen: Wir planen nun, die Beiträge für (Verein+Abteilung, also das, was die Leute zahlen müssen, die Leute interessiert ja nur die Gesamtsumme, nicht wieviel davon an die Abteilung geht) F+G-Jugend auf 10 Euro pro Monat und für E- bis A-Jugend auf ca. 16 oder 17 Euro monatlich anzuheben, das würde unseren Etat pro Jahr um ca. 30.000 Euro erhöhen.


    Auf den ersten Blick mag sich das wahnsinnig anhören. Wir haben auch alle selber ein bisschen Angst :tongue:


    Das sind unsere Leistungen dann:
    - Wir können bezahlte Trainer einstellen, was sich mittelfristig positiv auf die Trainingsqualität auswirken wird.
    - Wir können anständiges Trainingsmaterial besorgen.
    - Wir können endlich die kaputten Kleinfeldtore, die teilweise sogar schon gefährlich sind, ersetzen, anstatt sie immer und immer wieder zu flicken.
    - Jeder Spieler erhält eine Ausrüstung vom Verein, die z.B. einen eigenen Ball (zum Training mitzubringen), eine Tasche, einen Trainingsanzug, Sweatshirt u.ä. erhält. Geht der Ball kaputt, wird er vom Verein sofort ausgetauscht - ist er verloren, ist ein neuer Ball vom Spieler zu zahlen.


    Das sind unsere Argumente:
    - Warum eigentlich darf Fußball nichts kosten? Das ist nur in Deutschland so. In den USA kostet ein Monat Fußball etwa 50 $, in England etwa 25 - 35 Euro, auch andere Sportarten hier in Deutschland kosten deutlich mehr Geld, was anstandslos bezahlt wird.


    - Ein Verein, der mit unserer Größe und Spielklassen in etwa vergleichbar ist, nimmt ca. 140 Euro im Jahr, bietet dafür aber keine Ausrüstung an. Ein anderer, vergleichbarer Verein, hat zwar einen Mitgliedsbeitrag von 4 oder 5 Euro im Monat, nimmt aber z.B. in der E-Jugend den Kindern vor der Saison 200 Euro ab, um diverse Ausrüstung und Ausgaben der gesamten Saison zu decken. Profivereine haben relativ niedrige Beiträge, aber dort muss man Ausrüstungen von 150, 200, 250 Euro vor der Saison kaufen. Der JFC Frankfurt, eine Neugründung (http://www.fussballtraining.com/index.php?id=105&tx_ttnews[tt_news]=149&cHash=3b48e7485c) nimmt pro Monat von seinen Spielern 30 Euro. Die haben zwar tolle Trainer und tolle Rahmenbedingungen, aber für 30 Euro pro Monat pro Spieler kann ich auch eine ganze Menge bewegen...


    - Wir wollen ca. 140 Euro mehr im Jahr von den Eltern der älteren Spieler. Das ist das, was ein Fußballcamp kostet, in dem ca. 25 Stunden Fußball geboten werden und es wird von vielen Eltern ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt. Wir bieten pro Jahr ca. 500 bis 700 (!) Stunden betreuten Fußball an. Das Argument zog eigentlich in einigen Probegesprächen mit Eltern bisher immer.


    - Für sozial schwache Familien wird es Ausnahmeregelungen (Solidarprinzip) geben.


    - Zuletzt: Wer bei uns im Umkreis selbst in der 7. oder gar 8. Liga im Seniorenbereich kickt, kriegt pro Monat schon zwischen 100 oder 200 Euro. Innerhalb eines (maximal zwei) Jahres Seniorenfußball hat man das Geld für die gesamte Ausbildung der Jugendzeit schon wieder hereingeholt.


    Die nächsten Wochen steigen die Elternabende, an denen wir unsere Eltern hiervon überzeugen möchte. Wir sind gespannt...

    Für mich gibt es auch nur einen einzigen Grund, warum man in der D-Jugend mit festen Positionen spielen sollte: Weil man bessere Ergebnisse erreicht. Alles andere sind für mich nur "Entschuldigungen".


    Wenn ich das nötige Durchsetzungsvermögen habe, kann ich auch einem C-Jugendlichen dann klarmachen, dass nun eben X, Y und Z passiert. Nur weil das bei einem 11/12-Jährigen vielleicht mit weniger Konflikten verbunden ist als bei einem 13/14-Jährigen, ist das doch kein guter Grund, es nach vorne zu legen. Ich bin absolut der Meinung, dass ein D-Jugendlicher davon profitiert, wenn mit so wenig Leistungsdruck wie möglich und so wenig Ähnlichkeit zum Seniorenfußball wie möglich gespielt wird.


    D-Jugendliche sind echte Kinder. Punkt. Ich würde diese Definition auch auf die meisten C-Jugendlichen ausdehnen - das sind "große Kinder", wie Andre auch sagt. Aber bleiben wir mal bei den D-Junioren.


    Unsere D-Jugend spielt seit 2 Jahren nun in der höchsten Spielklasse. Nun stecken wir ein wenig in einem Dilemma. Wir wollen diese Spielklasse unbedingt halten. Sie erhöht unsere Attraktivität sehr, sichert uns einen großen Zulauf in dieser Altersstufe, was als Basis für unsere Jugendstruktur sehr wichtig ist. Nicht zuletzt ist es auch wirklich so: Kinder, die höherklassig spielen dürfen, vollziehen einen unfassbaren Leistungssprung, das lässt sich einfach nicht leugnen.


    Auf der anderen Seite aber sehe ich in diesen zwei Jahren viel Negatives: Mal abgesehen davon, dass wir 11:11 spielen, was in der D-Jugend einfach fehl am Platz ist, hat diese D-Jugend zu allem Überfluss auch noch die brutalste Abstiegsregelung. Von 14 Vereinen steigen am Ende der Saison fünf ab, umgerechnet auf die Bundesliga wären das 6 oder 7 Absteiger in einer 18er-Liga. Wahnsinn. Der Effekt ist: Es geht in unserer D-Jugend nur noch um Ergebnisse und nur noch ums gewinnen. Insofern muss ich Andre hier ein wenig widersprechen: Wenn wir munter rotieren würden, würden wir nicht ein "paar Prozent" Leistung verlieren, sondern wären völlig chancenlos.


    Dieses Jahr hat unsere D1 zu Anfang schwer Probleme gehabt und wochenlang nicht gepunktet, was Kindern und Eltern schwer aufs Gemüt geschlagen ist. Ich habe einige interessante Dinge beobachtet: Es gab einige extrem bittere Niederlagen (1:2-Niederlage nachdem man 1:0 führte und das 2:0 hätte machen müssen, dann 2 Gegentore in 3 Minuten, 2:3-Niederlage durch 2 Torwartfehler obwohl man eindeutig besser war usw), doch trotzdem hatten die Kinder eigentlich sehr schnell nach dem Spiel wieder gute Laune und haben weitergekickt. Draußen standen dann ein paar Eltern, die nicht nachvollziehen konnten, wie man so kurz nach so einer "entscheidenden" Niederlage schon wieder mit Lachen am Kicken sein kann. Als nach mehreren Spielen immer noch kein Punkt eingefahren war, wurden die Kinder immer unsicherer, was ganz klar von Außen reingetragen wurde. Im Gespräch mit den Kindern, die ich ab und zu auch trainiert habe, habe ich immer wieder festgestellt, dass sie natürlich gewinnen wollen, aber ihnen jeglicher Realitätsbezug in dem Alter fehlt. Selbst nach den zahlreichen Niederlagen hatten sie eigentlich noch eine positive Einstellung und waren der Meinung, "Ok, dann gewinnen wir eben nächste Woche" [gegen die D1 von Eintracht Frankfurt...], was angesichts des Gegners völlig illusorisch war. Die Unsicherheit und Angst wurde durch die Eltern reingetragen, die ihre gewohnten Erwachsenenfußballverhaltensweisen übertragen haben.


    Interessant war für mich auch schon vor der Saison, wie unserer Trainer sich in dieser Saison entwickeln würde. Er ist ein herausragend guter Kinderfußballtrainer, der die Jungs (mit Unterbrechung) seit der G- oder F- trainiert hat, einen Trainerschein hat und im letzten Jahr in der D2 munter hin und her rotiert hat und jedem Kind gleiche Spielzeiten verschafft hat. Die Stimmung war top, obwohl das Team auch damals als jüngerer Jahrgang in der zweithöchsten Spielklasse gespielt hat und nicht viel zu bestellen hatte. Bei ihm haben die kleinen dicken Spieler (fast) genau so lang gespielt wie die Leistungsträger. Wir haben dann vor der laufenden Saison ein Gespräch gehabt, indem ich als Jugendleiter ihm sagte, dass für uns als Verein der Klassenerhalt sehr wichtig sei, die Platzierung am Ende aber egal, solange wir drin bleiben. Er sagte dann daraufhin, dass ihm das klar sei, und er wisse, dass er das nicht so machen könne, wie in der D2-Saison. Im Endeffekt ist er über das von mir unterschwellig geforderte hinausgeschossen:


    Er geht menschlich immer noch top mit den Jungs um, kein Geschreie, kein großer Leistungsdruck von ihm selbst, aber diese Anfangsserie an Niederlagen hat schwer an ihm genagt. Er wechselt nun aus, wie es in einer B1 oder C1 bei uns passiert, die Kinder haben fast alle feste Positionen und die Punkte stehen überall im Vordergrund. Unsere D1 spielt NUR leistungsorientiert. Es gibt sicher andere D-Jugenden, bei denen die Trainer noch extremer sind, aber ich finde es hochinteressant, wie die Strukturen (die Zahl der Absteiger, meine "Vorgabe", usw.) selbst solch einen Trainer so verändern können.


    Die Jungs haben sich mittlerweile berappelt, einige Punkte eingefahren, werden aber wohl bis Saisonende um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Trotzdem ist das, was sie im Moment durchmachen, einfach nicht ihrem Alter angemessen, da gibt es nichts schönzureden. Aber die Spielklasse hergeben wollen wir auch sehr ungern... Der große Fehler liegt hier einfach beim Verband: Würde dieser mit 2 Absteigern arbeiten, wären diese relativ schnell gefunden (es gibt immer 1-2 Teams, die in dieser Spielklasse gar nichts zu suchen haben), der Rest könnte dann einfach die Spiele auf hohem Niveau gegeneinander genießen, ohne allzuviel Druck auszuüben.

    Mir einen anderen Verein suchen, in dem ich mich wohl fühlen würde...


    Wobei ich zu Kübler zwei Dinge sagen möchte:


    1) Es bleibt nach wie vor toll, dass er sich hier gestellt hat und ich finde, dass er ZU hart angegangen wird. Man hat ein dankbares Opfer für die Dogmatik gefunden :)


    2) Ich glaube aber auch, nach dem was er hier geschrieben hat, dass er den Leistungsgedanken in der F-Jugend gut findet, und sich daher in seinem Verein auch wohlfühlt... Daher: für ihn kein Wechsel nötig...

    Genau das meinte ich auch. Für mich ist das ein Punkt, wo die Maßnahmen schon eindeutig zu weit gehen, weil die Kinder übersensibilisiert sind. Ich stells einfach mal so dar:


    Ist es normales Verhalten von Kindern, sich darüber zu wundern, wenn Trainer sich in der gleichen Kabine umziehen? Sicher nicht. Also geht das in meinen Augen eher in eine ungesunde, unnatürliche Richtung.

    Mir ist das alles ein wenig zu emotional.


    Die reine Kinderfußballlehre hier geht mir teilweise ein Stück zu weit, ihr seid zumindest hier im Forum dogmatischer als die katholische Kirche zu ihren besten Zeiten. Ich will da jetzt auch nicht ewig ins Detail gehen. Daher kurz von mir ein paar Stichpunkte:


    - meine Meinung ist, dass jeglicher Spitzenfußball und jegliche Leistungsorientierung in der F-Jugend keinen Platz hat. Egal in welchem Verein/Liga/Land/Kontinent/Planeten/Sonnensystem. In dem Alter - und darüber hinaus - ist das Spiel eine Freude an der Bewegung. Es sollte keine Freude an der Leistung sein. Der Begriff Leistung existiert für Kinder in dem Alter nicht, wenn, dann hat er immer exogenen Ursprung.


    - Die so oft verpönten Bayern machen, sofern ich das von außen beurteilen kann, eine hervorragende Jugendarbeit. Ich glaube, ich habe in diesem Thread hier schon über das Beispiel mit der Bayern-D-Jugend geredet, die als einzige bei einem Bundesligaturnier das Ergebnis als völlig nebensächlich erachtet hat und von ihrem Trainer ganz klar die Anweisung bekam, zu dribbeln und sich mit anderen, sehr guten Nachwuchsspielern im 1:1 zu messen. Am Ende wurden sie 4. oder 5., alle anderen haben sich gefreut darüber... es war aber die einzige Mannschaft, bei der ganz klar ein Konzept erkennbar war


    - Ansonsten stimme ich Uwe in seiner letzten Analyse zu: Viele bekannteren Vereine betreiben in der F/E-Jugend ein unsachgemäßes Training, weil es z.B. strukturell so gefordert wird. Offiziell wird man natürlich nie auf den Vereinshomepages lesen, dass Leistung eingefordert wird, intern gibt es aber meist einen Druck, der genau diese Ergebnisse schon in der F, E, D-Jugend erwartet. Ich kenne das sehr gut am eigenen Leib. Ich habe es auch so gemacht, auch wenn die Kids schon älter waren: Du willst sachgemäß und altersgemäß ausbilden, dann kommt aber ein latenter Druck, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Und genau den habe ich auch an die Kinder weiter gegeben. Im feinen Jugendkonzept auf der Homepage stand davon nichts... Und da muss ich auch TRPietro widersprechen: Nur dadurch, dass der Verein es explizit oder implizit einfordert, ist es noch lange nicht richtig, wenn man dem dann auch nachgibt.

    Zu den Spielberichten: Ich finds etwas schwierig, die Spielberichte so zu schreiben, dass sie dem Leitbild entsprechen. Ich hab mich das mal gefragt, weil unsere F1 und E2 (beide gewinnen recht häufig) dann auch immer Spielberichte drin haben wie "F1 gewinnt 12:1 gegen XXX", "E2 siegt 5:0 in YYY". Das stört mich eigentlich, da es in meinen Augen Scheiße aussieht. Dann folgt der Spielbericht, in dem steht, wer wann welches Tor geschossen hat usw. Sieht nach einem negativen Jugendkonzept aus, ganz eindeutig. Nun kenne ich unsere Trainer, weiß, dass sie recht gut arbeiten (evtl. wirklich einen Tick ZU ehrgeizig sind), aber wie soll sonst der Spielbericht aussehen:


    "F1 hat Spaß mit XXX"
    Unsere F1 hatte heute ein tolles Spiel gegen XXX. An das Ergebnis kann sich keiner mehr erinnern. Basti hat eine tolle Pirouette gedreht. Zwischedrin stürmten Michi, Kevin und Justin-Christian auf den Ball und eroberten ihn toll."


    Ich kanns mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.


    Allerdings hinterlassen die zitierten Spielberichte wiederum auf mich einen negativen Eindruck, der das doch ziemlich bestätigt, was viele hier vermuten. Hier wird der Eindruck eindeutig zu stark aufs Gewinnen gelegt. Das ist nach meinen Erfahrungen auch eindeutig bei ALLEN F/E-Jugendmannschaften der Großvereine der Fall, die ich gesehen habe. Ausnahmslos. Wirklich beeindruckt hat mich vor 10 Jahren mal die D1 von Bayern München. Es war ein (fast) reines Bundesligaturnier, alles was Rang und Namen hatte in Süddeutschland. Alle D-Jugenden kombinierten toll vor sich hin, inkl. VfB Stuttgart. Nur die Bayern nicht. Die waren fast nur am Dribbeln. Haben fast gar nicht abgespielt. Sind am Ende 5. oder so von 12 oder 14 geworden. Die Halle hat es bejubelt und sich darüber gefreut. Ich fands tief beeindruckend. Es war ganz eindeutig zu sehen, dass hier ein Konzept umgesetzt wurde, bei dem es völlig egal war, ob die Bayern-München-D1 bei irgendeinem "popeligen" D-Jugendhallenturnier den Pokal für Platz 1, 2, 3 oder 4 gewinnt.


    Zitat

    Dass ein Leistungs/Profiverein eine andere Außendarstellung und andere Anforderungen an die Spieler hat, dürfte auch jedem einleuchten.

    Ich gebe JM Recht, dass die Vorverurteilung gegenüber dem U8-Trainer hier vielleicht etwas übertrieben oder unfair ist. Aber genau dieses Statement halte ich für falsch. Wenn Profivereine in dem Alter andere Anforderungen stellen, so machen sie auch etwas verkehrt. Siehe damals den Bayern-Trainer. Das war einfach nur top. Ich habe nie wieder auch nur ansatzweise eine D-Jugend gesehen, die so konsequent einfach ein Ausbildungsziel verfolgt hat.

    Ich finde auch, dass die Bewertung dieses einen Trainers und dieser Mannschaft nur aufgrund von ein paar Videos unglaublich schwer ist. Fair kann sie gar nicht sein, dazu haben wir viel zu wenig gesehen, z.B. im Bereich Trainingsmethodik. Ich habe großen Respekt davor, dass er sich hier gemeldet hat. Schade, dass er jetzt schon wieder den Rückzieher macht.


    Klar ist aber auch: Eine F- oder E-Jugend sollte nirgends ein Leistungssportbetrieb sein. Viele Nachwuchstrainer in größeren Vereinen sehen das aber so, und das ist für mich ein grundlegender Fehler. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, dass ich generell nur stark davon abraten kann, in jüngerem Alter einem Profiverein anzugehören. Bevor die Neiddiskussion anfängt: Ich habe selber bei Bundesligisten trainiert. Bei weitem nicht alles, was dort gemacht wird, ist automatisch richtig, obwohl sich die Verhältnisse stark gebessert haben, seitdem ich dort war.


    Dass ein Bundesligist eine F oder E-Jugend unterhält, ist ziemlich sinnlos. Es ist statistisch nachweisbar, dass so gut wie kein Spieler den Sprung von der F- und kaum einer von der E-Jugend eines Profivereins dann auch in den Profifußball macht. Eine Ausnahme bilden die Torhüter, sie sind oft die "einzigen Überlebenden", was ich darauf zurückführe, dass in diesem Bereich im Profiverein tatsächlich bessere Trainingsmöglichkeiten bestehen, die so in den kleineren Vereinen oft eben nicht gegeben sind. Wozu muss man dann also ein Kind in dem Alter aus seinem nachbarschaftlichen Umfeld reißen und es in einem Profiverein kicken lassen? Mir fällt kein einziger guter Grund ein.


    Ich bin mittlerweile absolut überzeugt davon, dass das natürliche Spiel der Kinder in einer F-Jugend völlig anders aussieht, als "wir" erwachsene Trainer uns das so vorstellen...

    Ranwie und Siebener


    Ihr habt beide Unrecht :P


    Im Ernst: Ich kann nicht so ganz die Argumente nachvollziehen, warum die angesprochene erste Mannschaft auf die Viererkette verzichtet. Aber das nur am Rande.


    Nur noch unsinniger finde ich den anderen Vergleich von Siebener. Das beschriebene Verhalten aus der Schweiz finde ich auch furchtbar. Das ist aber nur am Rande interessant. Man kann doch nicht jedwede Entwicklung - egal in welche Richtung sie geht - als modern und richtig bezeichnen, und die, die eine andere Auffassung haben, als antiquiert sehen. Gerade bei gesellschaftlichen Entwicklungen finde ich das höchst problematisch. Von denen hat es schließlich schon zahlreiche gegeben, die auch wieder rückgängig gemacht worden sind (68er jetzt mal als Beispiel). Jede davon hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Es wünscht sich wohl kaum einer die Gesellschaft vor den 68ern zurück, doch wird wohl auch kaum einer die Gesellschaft wünschen, die den 68ern so vorschwebte. Ein bisschen ähnlich verhält sich das meiner Meinung nach hier: Es war gut, dass für dieses Problem, das früher zu sehr unter den Tisch gekehrt wurde, sensibilisiert wird. Es wäre vielleicht gut, wenn das Pendel jetzt aber auch wieder ein wenig in die andere Richtung schwingt.

    Wichtig ist die andauernde Bewegung, daher ist es ein Fehler (nicht böse gemeint), wenn der Trainingsplan zu dieser Jahreszeit Techniktraining vorsieht. Aber das hast du ja selber gemerkt und korrigiert.


    Es kommt auch ein wenig auf den euch zur Verfügung stehenden Untergrund an: Kunstrasen? Hartplatz? Trocken? Nass?


    Zum Aufwärmen würde ich hier vor allem auf Fangspiele oder große Parteispiele zurückgreifen, so dass sich wirklich jeder erst mal 15-20 Minuten intensiv bewegt. Wenn das passiert ist, braucht es nicht erheblich viel mehr an Kleidung als normal. Vielleicht ein extra Hemd untendrunter, Handschue und Mütze und evtl. dickere Socken, wenn es so bitterkalt ist wie jetzt gerade vielleicht zusätzlich zum Trainingsanzug noch eine dünne (Regen)jacke.


    Im Training selbst sollten noch weniger Pausen existieren als normal. Zweikampftrainingseinheiten (sehr intensiv), Ausdauer (fraglicher Zeitpunkt, wenn man eine Winterpause hat), das Spielen langer Bälle, Befreiungsschläge mit starkem und schwachem Fuß lassen sich bei schlechten Platzverhältnissen gut trainieren. Bei guten Platzverhältnissen kann man auch normale Trainingseinheiten durchführen, bei denen das Spielerische im Vordergrund steht, solange die Pausen kurz sind. Anschließend sofort heiß duschen und Wäsche wechseln.


    Turniere oder Turnierformen sind auch klasse. Motivation bleibt hoch, trotz nahender Pause und Bewegungsdichte ist auch gegeben.

    uF-Trainer?


    Ich finde schon, dass man mit 30 nicht vernünftig trainieren kann.


    Elternabend einberufen und klarmachen, dass sich jemand finden muss, der 15 Kinder als Trainer übernimmt, gerne auch 2-3 Leute zusammen, oder ihr schickt 15 Kinder weg.


    Ist radikal, ich weiß, aber anders geht es selten. Du findest kaum "Trainer", die eine G/F trainieren wollen, die NICHT aus dem Elternbereich kommen. Also müssen sie aus dem Elternbereich kommen. Daher: Eltern einberufen, und ihnen dies klarmachen.

    :rolleyes: :thumbup: :D :D


    Bestens. Mein Lieblingssatz war der mit der Spielverlegung.


    DAS hier aber ist durchaus einen eigenen Thread wert:


    Zitat

    Darf ich die Freundinnen meiner Spieler angraben und wie mach ich das am besten?

    Hey, ich trainier ne A-Jugend ;)

    Für mich gibts hier 2 Seiten:


    a) Dafür, die Regeln für einen Wettbewerb zu kennen, ist jeder Trainer/Verein selbst verantwortlich.


    b) Aber in diesen Altersstufen halte ich es für grundfalsch, wenn jemand wirklich auf die Durchsetzung dieser Regeln pocht. Ich würde da auch entschieden den Trainern in meinem Verein entgegentreten, wenn sie von Gegnern so etwas verlangen würden. Mir wäre doch völlig egal, wie viele Kinder der Gegner einsetzt, das ist doch seine Sache.