Hochinteressant das Thema - gerade und vor allem jetzt auch für mich. Eigentlich hatte ich mich mit meinem Beitrag nicht in das Forum getraut - jetzt gibts aber doch einen - sicher wohl kontroversen - Beitrag von mir hierzu:
Ich bin ja auch Jugendleiter in unserem Verein. Wir spielen mit allen Einsermannschaften (D1, C1, B1, A1) höherklassig und auch die 2er-Mannschaften sind durchgängig mit leistungsstarken Spielern besetzt. Wir haben bisher nicht die finanzielle Möglichkeit, auch nur einem unserer Trainer einen Cent an Aufwandsentschädigung pro Monat zu zahlen und haben nicht mal genug Geld, um jede Saison neue Bälle für jedes Kind besorgen zu können. Ich fürchte, dass wir unsere sehr gute Basis in der Jugendarbeit zerstören, wenn wir nicht bald mehr Finanzmittel zur Verfügung haben. Es wird auch von Jahr zu Jahr immer schwieriger, Trainer zu finden, die bereit sind, umsonst eine Jugendmannschaft zu trainieren, die 3 Trainingseinheiten und 1 Spiel pro Woche hat.
Wir haben nun beschlossen, uns als Jugendfußballabteilung innerhalb des Vereins selbstständig (unabhängig vom Seniorenfußball) zu machen und unsere Beiträge ziemlich radikal zu erhöhen.
Bisher zahlt ein Spieler bei uns 6,50 Euro im Monat. Davon landen letztendlich nur 2,50 Euro in der Abteilung, der Rest geht für allgemeine Kosten des Vereins drauf. Macht also ca. 7.000 Euro im Jahr, die wir an Beitragseinnahmen haben. Das entspricht in etwa dem, was wir jährlich im Jugendfußball an Heizungskosten, Stromkosten und Wasserkosten haben. Dann haben wir noch keinen Ball gekauft, keine Hütchen, keine Schiedsrichter und erst Recht keine Trainer bezahlt. Wir betreiben also von Jahr zu Jahr Mängelverwaltung vom Allerfeinsten. Wir machen pro Jahr 20.000 Miese im Jugendbereich und bezahlen dabei keinen Trainer und haben kaum Geld für neues Material.
Um den Rahmen des Forums nicht zu sprengen: Wir planen nun, die Beiträge für (Verein+Abteilung, also das, was die Leute zahlen müssen, die Leute interessiert ja nur die Gesamtsumme, nicht wieviel davon an die Abteilung geht) F+G-Jugend auf 10 Euro pro Monat und für E- bis A-Jugend auf ca. 16 oder 17 Euro monatlich anzuheben, das würde unseren Etat pro Jahr um ca. 30.000 Euro erhöhen.
Auf den ersten Blick mag sich das wahnsinnig anhören. Wir haben auch alle selber ein bisschen Angst :tongue:
Das sind unsere Leistungen dann:
- Wir können bezahlte Trainer einstellen, was sich mittelfristig positiv auf die Trainingsqualität auswirken wird.
- Wir können anständiges Trainingsmaterial besorgen.
- Wir können endlich die kaputten Kleinfeldtore, die teilweise sogar schon gefährlich sind, ersetzen, anstatt sie immer und immer wieder zu flicken.
- Jeder Spieler erhält eine Ausrüstung vom Verein, die z.B. einen eigenen Ball (zum Training mitzubringen), eine Tasche, einen Trainingsanzug, Sweatshirt u.ä. erhält. Geht der Ball kaputt, wird er vom Verein sofort ausgetauscht - ist er verloren, ist ein neuer Ball vom Spieler zu zahlen.
Das sind unsere Argumente:
- Warum eigentlich darf Fußball nichts kosten? Das ist nur in Deutschland so. In den USA kostet ein Monat Fußball etwa 50 $, in England etwa 25 - 35 Euro, auch andere Sportarten hier in Deutschland kosten deutlich mehr Geld, was anstandslos bezahlt wird.
- Ein Verein, der mit unserer Größe und Spielklassen in etwa vergleichbar ist, nimmt ca. 140 Euro im Jahr, bietet dafür aber keine Ausrüstung an. Ein anderer, vergleichbarer Verein, hat zwar einen Mitgliedsbeitrag von 4 oder 5 Euro im Monat, nimmt aber z.B. in der E-Jugend den Kindern vor der Saison 200 Euro ab, um diverse Ausrüstung und Ausgaben der gesamten Saison zu decken. Profivereine haben relativ niedrige Beiträge, aber dort muss man Ausrüstungen von 150, 200, 250 Euro vor der Saison kaufen. Der JFC Frankfurt, eine Neugründung (http://www.fussballtraining.com/index.php?id=105&tx_ttnews[tt_news]=149&cHash=3b48e7485c) nimmt pro Monat von seinen Spielern 30 Euro. Die haben zwar tolle Trainer und tolle Rahmenbedingungen, aber für 30 Euro pro Monat pro Spieler kann ich auch eine ganze Menge bewegen...
- Wir wollen ca. 140 Euro mehr im Jahr von den Eltern der älteren Spieler. Das ist das, was ein Fußballcamp kostet, in dem ca. 25 Stunden Fußball geboten werden und es wird von vielen Eltern ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt. Wir bieten pro Jahr ca. 500 bis 700 (!) Stunden betreuten Fußball an. Das Argument zog eigentlich in einigen Probegesprächen mit Eltern bisher immer.
- Für sozial schwache Familien wird es Ausnahmeregelungen (Solidarprinzip) geben.
- Zuletzt: Wer bei uns im Umkreis selbst in der 7. oder gar 8. Liga im Seniorenbereich kickt, kriegt pro Monat schon zwischen 100 oder 200 Euro. Innerhalb eines (maximal zwei) Jahres Seniorenfußball hat man das Geld für die gesamte Ausbildung der Jugendzeit schon wieder hereingeholt.
Die nächsten Wochen steigen die Elternabende, an denen wir unsere Eltern hiervon überzeugen möchte. Wir sind gespannt...