Die Übungen sind prinzipiell ok, wobei ich hinten wie gesagt niemals (!) bei der Umstellung auf ballorientiertes Spiel mit einer Dreierkette arbeiten würde. Das ist ein absoluter Albtraum. Immer wenn ich Dreierkette gespielt habe, habe ich Kopfschmerzen gekriegt beim Zusehen, wie viele wahnsinnig große Lücken da entstehen - und das war mit Mannschaften, die seit drei Jahren ballorientiert gespielt haben.
Du gehst es aber viel zu schnell an. Was du den Spielern abverlangst würde ich frühestens nach 4-5 Einheiten sehen wollen.
Wie haben die Spieler die Umstellung denn generell angenommen? Wissbegierig? Erfreut? Ablehnend? Das spielt natürlich auch eine große Rolle.
Als erstes musst du ihnen beibringen, dass sie gemeinsam agieren und nicht mehr jeder für sich. Die Orientierung an den Nebenspielern ist entscheidend. Stell eine Viererkette in eine flache Ausgangsposition, etwa acht Meter zwischen die einzelnen Spieler. Stell ihnen genau gegenüber, etwa 8 Meter entfernt, 4 Gegenspieler mit einem Ball. Die Gegenspieler passen sich den Ball ganz, ganz langsam, nur auf deine Anweisung, immer eine Station weiter, hin und her. Die "Kette" muss nun lernen, dass sie mit angemessenem Tempo den Spieler stellt und wenn er querspielt eben nicht quer dem Ball hinterherläuft, sondern sich wieder fallen lassen.
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Für mich ist das immer der allererste Schritt. Draufgehen - Fallenlassen. Draufgehen - Fallenlassen in die Formation. Achte darauf, dass die Spieler nur teilaktiv angreifen und korrigiere, wenn sie zu schnell oder zu langsam draufgehen und vor allem, wenn sie sich zu langsam wieder in die Formation fallenlassen. Diese Übung kannst du in mehreren Gruppen durchführen. Geh dann dazu über, dass die Spieler von sich aus den Ball schneller laufen lassen können und dass sie auch mal 2 oder 3 Stationen nach links/rechts spielen dürfen. Dann Aufgabenwechsel.
Der nächste Schritt ist es, die Angreifer mit Ball über die gesamte Breite des Feldes zu verteilen. Wieder dürfen sie den Ball nur eine Station immer in eine vorgegebene Richtung spielen., lassen den Ball ganz langsam hin und her wandern. Du erklärst je nach Stellung des Balles, wie die Kette nun verschiebt, welche Formationen (Sichel, Dreieck) eingenommen werden und warum und korrigierst, wenn jemand schlecht steht und verschiebt. Um das ganz klar auszudrücken: Das ist extrem langsam und führt vor allem am Anfang dazu, dass der Ball eine einzige Station wandert, dann sofort wieder eingefroren wird und 15-20 Sekunden geredet. Dann wieder eine Station. Einfrieren. Reden. Wenn es einigermaßen läuft, gibt den Ball frei, gib aber vor, dass er nach wie vor nur eine Station von links nach rechts durchwandern darf, während die Kette verschiebt, draufgeht, fallenlässt usw. Friere das Spiel ein, wenn dir etwas nicht zusagt und korrigiere es. Der nächste Schritt besteht darin, dass du den Angreifern nun erlaubst, frei mit dem Ball zu spielen, also auch mal 2 oder gar 3 Stationen, den Ball gerade wieder zurückprallen zu lassen an den Spielern, von dem man ihn bekommen hat usw.. Die Kette schiebt, du wirst hier wieder etwas mehr eingreifen müssen, da das Tempo nun deutlich höher wird, als vorher und die Lücken größer sind.
Der nächste Schritt besteht im Agieren als Mannschaftsverbund. Besetz deine Mannschaft in Ausgangsstellung so auf das Feld, wie du es dir ungefähr vorstellst. Positionen können auch doppelt und dreifach besetzt sein, diese Spieler sollen dann quasi hauteng aneinander laufen. Über das Spielfeld verteilt sind 6-12 verschiedenfarbige Hütchen (ich habe z.B. mit großen und kleinen Hütchen gearbeitet). Der Trainer ruft dann die Farbe eines Hütchens, z.B. "rot klein" oder "gelb groß", dies ist jeweils die Position des Balles mit Gegner. Je nachdem soll sich die gesamte Mannschaft bewegen und verschieben und die richtigen Positionen einnehmen. Langsam anfangen, einfrieren, erklären wer wieso falsch steht. Zwei bis drei Meter können hier oft entscheidend sein.
Stell eine Viererkette 22 Meter vor das Tor. Fang bevorzugt mit den vier an, die bis jetzt den besten Eindruck gemacht haben. Lass 5 oder 6 Offensivspieler im Wechsel angreifen, freies Spiel mit Abseits. Wechsele alle 5 Minuten oder alle 10 Minuten die vier Spieler, die in der Kette sind. Du wirst Ketten haben, die die kompletten 5 oder 10 Minuten lang kein Tor fangen. Frage die Spieler, ob sie vorher erwartet hätten, dass bei so und so vielen Angriffen (10 oder 20) in Überzahl (5:4 oder 6:4) kein einziges Tor/nur eines fallen würde. Frag sie, ob sie denken, dass mit Libero nicht mehr Tore gefallen wären.
Je besser deine Kette wird, desto mehr Spieler kannst du in die Überzahl stecken. Im vorletzten Training habe ich meine "Start-Zehn" (ohne Torwart) für das kommende Testspiel gegen den "Rest" antreten lassen. Der Rest wurde im System 4-1, also Viererkette und ein Sechser, aufgestellt, der Torwart ging ganz normal ins Tor der Fünfer-Mannschaft. Wir reden also von 10:5+1. Ein Tor der zehn Spieler ist einen Punkt wert, ein Überdribbeln der Mittellinie der Fünfermannschaft ist ebenfalls einen Punkt wert. In ca. 20 Minuten siegte die Fünfermannschaft mit 2:0. Allerdings war das Offensivspiel des Zehnerteams auch nicht besonders gut.
Als Spielform bietet sich auch gut an, dass man 4:4 auf einem relativ breiten Feld spielen lässt und jeder Mannschaft zwei kleine Hütchentore außen auf ihrer Grundlinie hinstellt.
Ich weiß, dass einige dieser Übungen eher trocken sind. Ich versuche das wie folgt zu verkaufen: Den Spielern erkläre ich, dass der gesamte professionelle und mittlerweile auch höherklassige Fußball auf diesen Grundlagen basiert. Dass sie nie höherklassig spielen können, wenn sie das nicht verstehen. Dass sie, wenn sie es richtig verstehen, mehr Ahnung von Fußball haben, als 90 % der Erwachsenen (das zieht meistens :D). Und last not least: Dass sie bei mir nicht spielen werden, wenn sie das nicht umsetzen können. Das kriegen auch 12-Jährige ohne Zweifel von mir gesagt: Wer das will, kann es auch! Wer es nicht will, ist hier in der falschen Mannschaft.
