Beiträge von Dirk Coerverfan

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    Ich war letztes Jahr auf meiner Lizenzverlängerung. Dort hat ein Referent mein Weltbild ein wenig durcheinander gebracht.

    Auf meine ersten Trainerlehrgängen 1989, 1990 und 1993 wurde uns immer erzählt, dass man genetisch so vorprogrammiert ist,

    das man entweder ein Ausdauertyp (längs gestreifte Muskulatur) oder ein Sprintertyp (quer gestreifte Muskulatur) ist.

    Weiterhin ist uns immer gesagt worden, dass wir aus einen Ausdauer- keinen Sprintertypen und umgekehrt machen können.


    Auf dem Lehrgang wusste der Referent zu berichten, dass man es doch kann.

    Ich habe ihn gefragt, ob er schon bei Kindern damit Erfahrungen sammeln konnte, bzw. ob es wissenschaftliche Untersuchungen darüber gibt.

    Er kennt keine wissenschaftlichen Untersuchungen für den Kinderbereich und er hat es noch nicht bei Kindern versucht.


    Hat jemand von euch schon einmal ein Studie im Internet gesehen (Kinder 6-10 oder12 Jahre) oder kennt ihr jemanden, der so etwas schon einmal ausprobiert hat?

    Oesi81

    vor dem selben Problem wie von Dir geschildert steht wohl fast jeder Trainer am Anfang seiner Laufbahn.

    Das erste mal, durfte ich vor fast genau 35 Jahren als F-Trainer (ohne Ahnung) bei einem Trainer-Drop-Out einspringen. Schon damals gab es Eltern, die sich stark und andere Eltern, die sich gar nicht engagierten. Da ich auf dem Dorf lebte/lebe, konnten/können wir auf keinen Spieler/Spielerin verzichten. Ja richtig, wir spielten und spielen immer noch in gemischten Teams bis zur B-Jugend einschließlich.

    Mein damaliger 1. Vorsitzender sagte zu mir, dass ihn die Ergebnisse und Tabellen egal sind. Für ihn sei es wichtig, dass wir keine Spieler verlieren, denn dann müssten die Mannschaften abgemeldet werden. Er sagte, es spiele für ihn keine Rolle wie gut die Spieler ausgebildet werden. Es schaffen jedes Jahr sowie so nur 2 bis 4 Spieler den Sprung in die erste Mannschaft. Und jetzt kam sein ABER, "denke daran, die anderen Spieler die den Sprung nicht schaffen, müssen immer mit Spaß trainiert werden, denn sie werden die neuen Schiedsrichter, Vorstandsmitglieder, Platzwarte, Trainer, Betreuer, Zuschauer, passive Mitglieder usw. unseres Vereines.

    Jedes Kind zahlt Beitrag und hat somit das Anrecht auf das "Angebot" der gleichen Trainingszeit, der gleichen Trainings(Ausbildungs)qualität und der gleichen Wettkampfspielzeit und vor allem auf ein Training, dass ihnen ermöglicht lebenslang Spaß am Fußball zu haben.

    Diese HALTUNG meines damaligen Vorsitzenden hat mich bis heute geprägt und ich habe sie "eins zu eins" übernommen.

    Vor 23 Jahren hatten wir auch einen neuen Vorsitzenden, der den Kinderfußball leistungsorientiert (hahaha Leistungsbereich fängt laut DFB in der B-Jugend an) sehen wollte. In dieser Zeit musste ich massiv für den kinderorientierten Fußball werben/kämpfen. Heute ist er dankbar dafür, dass ihn jemand die Augen geöffnet hat. 7 Vereine im Umkreis von 15km haben den Spielbetrieb in der Zwischenzeit eingestellt oder mussten Spielgemeinschaften melden weil es ihnen nicht gelungen ist, die Kinder bis in den Seniorenbereich an den Verein zu binden.

    Tipp Nr. 1: Du hast nicht das Glück so eine Vereinsführung zu haben. Deshalb solltest Du dafür im Verein für Verständnis werben, bzw. dafür kämpfen.

    Tipp Nr. 2: Baue dein Training so um, dass die Kinder extrem viel Spaß am Training haben. Dann wollen sie auch zum Training kommen und werden ihre Eltern unter Druck setzen.

    Tipp Nr. 3: Rede noch einmal mit dem Trainer der "A" Mannschaft, dass ihr eventuell alle Spieler gemeinsam trainiert/ausbildet.

    Meine langjährige Erfahrung im Grundlagenbereich (F- u. E-Jugend) hat mir gezeigt, dass das Lehrntempo einer heterogenen Gruppe viel höher als das einer homogenen Gruppe ist. ACHTUNG an alle Kritiker, das gilt nur im Grundlagenbereich. Im Aufbaubereich (D- u. C-Jugend) sehe ich es schon etwas anders.

    LsadNo

    lch denke, dass es einfach nur Schutzbehauptungen der LAZ Leiter sind.

    Wer so ein völlig dooofes Argument bringt sucht nur nach einer Ausrede, warum Dein Junge kein Spieler für das LAZ oder für den Stützpunkt ist.


    Warum es eine Schutzbehauptung ist kannst Du selbst ganz leicht Anhand folgender Fragen, die auch Bestandteil der Lizenzprüfungen sind, beantworten.


    Wann ist eine Mannschaft im Angriff?

    Wann ist eine Mannschaft in der Verteidigung?


    Was ist zeitaufwendiger?

    1. einen Angreifer auzubilden

    2. einen Verteidiger auszubilden


    Begründe Deine Antworten.

    dschibi

    Sieg, Niederlage und Untentschieden sind für Deine Sportarten das "Salz in der Suppe"

    Es ist im erwachsenen Alter ein Millardengeschäft und wir Zuschauer lieben es und als Amateurspieler ist es genauso wichtig, wenn wir auch total unterbezahlt sind.

    Kinder ab ca. F-Jugend meistens eher E-Jugend wollen sich auch immer mit anderen Teams messen und herausfinden wer der Beste ist.

    Kinder in G- und teilweise F-Jugend leben im "hier und jetzt". Sie freuen sich über ihren geglückten Torschuss oder über die geflückte Blume. Das Gewinnen ist hier noch überhaupt nicht wichtig, sondern die Erlebnisse.


    Ein pädagogischer Trick für Alle:

    Damit könnt ihr Kinder von der extrinsisch gesteuerten Motivation (Belohnung von außen) zur intrinsichen Motivation (Belohnung durch mich selbst) bringen.

    Lobt nicht die Leistung, sondern lobt die Anstrengung.

    Beispiel:

    " Ihr habt heute im Training wieder toll gespielt"

    Viel besser:

    "Toll wie ihr euch heute wieder angestrengt habt"


    Provokative These von mir:

    Pokale sind eine extrinsische Motivation ähnlich wie "Komm Junge hier hast Du 1,-€ für Dein Tor"

    Mittelfeld#6

    Ja, die Kinder haben es immer selbst gemacht. Ich habe die Jungs seit der F-Jugend trainiert. Es waren die Eltern, die es anfänglich kritisiert haben. Die Trainings-Abschlussturniere (2 gegen 2 bis 4 gegen 4) habe ich niemals reglementiert. Die Kinder sind damit immer konfrontiert worden und haben es auch somit nie hinterfragt. Jedes Kind hat somit immer, je nach dem Stand der aktuellen personellen Besetzung, seinen Platz auf dem Feld gefunden. Da ich die Knäulbildung, die es bei Anfängern in den jüngsten Alterstufen immer gibt, bewusst zugelassen habe, fühlte sich jeder Spieler auch in der D-Jugend noch für das ganze Spiel verantwortlich.

    Ja es gab auch Ausnahmen. Unser weitentwickeltester Spieler hat sich immer für die Defensive entschieden. In der D-Jugend habe ich ihm 3x gesagt, wenn er nach dem Anstoß noch einmal in der eigenen Hälfte bleibt, werde ich ihn sofort auswechseln. Es hat funktioniert. Später hat er sich auch in der Offensive wohl gefühlt.


    ParkerS

    Das gleiche Problem hatte ich tatsächlich 7 Jahre später. Als ich meine 2002er bis 2005er in der F-Jugend übernahm. Sie kannten aus der G-Jugend schon ein sehr strenges Positionieren. Durch ständige Kleinfeldspiele in unterschiedlichen Tor, Feld und Mannschaftsgrößen, konnte ich das innerhalb von 6 Trainingseinheiten auflösen. Maximal 3 gegen 3 aber hauptsächlich 1 gegen 1; 1 gegen 2 und 2 gegen 2 bringen Kinder dazu sich für das ganze Spiel verantwortlich zu fühlen. Mein Vorteil war damals, das mir ein Elternabend reichte, da die Eltern wussten welche individuellen Erfolge meine erste Mannschaft, die ich so habe spielen lassen, erreicht hat.

    Achso auch beim zweiten Mal hat es extrem gut funktioniert. Man muss sich als Trainer nur trauen und immer an seinem Ausbildungsschwerpunkt festhalten.


    dschibi

    Wie genial ist das denn. der Text steht zum ersten Mal 2007 im Forum.

    Und Du hast diesen Fehler als Erster entdeckt. :thumbup: :D


    "Spieler Nr. 1 Du bist der Torwart und passt auf, dass kein Ball ins Netz geht. In der zweiten Halbzeit spielst Du draußen.

    Spieler Nr. 2 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 3 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 4 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 5 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 6 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 7 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche"

    LW7

    Das geniale ist ja, dass es funktioniert hat.

    Für die Tabellenbefürworter(damals gab es sie noch):

    Wir sind ein Dorf mit ca. 700 Einwohner. Also eine echte Dorfmannschaft manchmal aufgefüllt mit 2 Mädchen.

    F-Jugend weiß ich nicht mehr aber im ersten Jahr hat es auch mal 0:26 und 0:18 gegen uns gestanden.

    E-Jugend junger Jahrgang ich denke es waren genauso so viele Niederlagen, wie Siege und wie Unentschieden

    E-Jugend alter Jahrgang, Qualifikation ohne Niederlage gewonnen und in die stärkste Gruppe des Kreise einsortiert.

    In dieser Staffel gab es viele Niederlagen und die letzten beiden Spiele haben wir ein Unentschieden und eine Sieg eingefahren.

    Bei den Hallenkreismeisterschaften haben wir die Endrunde der besten 6 erreicht.

    D-Jugend junger Jahrgang Qualifikation gewonnen in der Endrunde 4 geworden.

    Hallenkreismeisterschaft 3ter

    D-Jugend alter Jahrgang Qualifikation gewonnen in der Endrund 2 geworden

    Hallenkreismeisterschaft 2ter


    Ich habe auch in der D-Jugend genau so aufgestellt und die selben Anweisungen gegeben wie oben beschrieben.

    Das Spiel auf Linien habe ich wieder eingestellt, weil es viel zu früh war.

    Noch einmal zu Musiala.

    Warum er vielleicht so erfolgreich wurde.

    Musiala: In England gelernt, „mit Freiheit zu spielen“ – Mit 7 Colwill in den Schatten gestellt
    Mit einem Marktwert von 130 Millionen Euro gehört FC Bayerns Jamal Musiala zur Top-10 der wertvollsten Spieler weltweit. Doch auch er fing einmal klein an.
    www.transfermarkt.de


    Hier meine bis heute gültige mannschaftstaktische Spielidee bis einschließlich D- Jugend. Vielleicht meinte er das mit der "Freiheit zu spielen":

    Leider konnte ich es nicht als Zitat (aus dem Jahre 2009) einfügen, deshalb jetzt "copy and paste"


    Für alle die sich nicht trauen den Ansichten und Argumenten von Andre zu folgen, habe ich noch einmal einen Auschnitt meines

    Posting von vor 2 Jahren hierher kopiert.

    Es ist noch extremer als was der DFB emfiehlt.

    Diesen Text habe ich schon einmal vor fast genau 2 Jahren gepostet:


    Hier die Aufstellung und die Taktik meiner E-Jugend 2x98er(F-Jugend), 2x96(alter Jahrgang) und 5x97er(junger Jahrgang)


    Spieler Nr. 1 Du bist der Torwart und passt auf, dass kein Ball ins Netz geht. In der zweiten Halbzeit spielst Du draußen.

    Spieler Nr. 3 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 4 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 5 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 6 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 7 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche.

    Spieler Nr. 8 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche. Nach 2 Minuten wirst Du eingewechselt

    Spieler Nr. 9 Du verhinderst hinten Tore und schießt vorn welche. Nach 4 Minuten wirst Du eingewechselt. In der zweiten Halbzeit gehst Du ins Tor.

    Wir wechseln alle 2 Minuten durch.

    Bis auf die Ankündigung des Wechsels, gebe ich keine Anweisungen von der Linie. Es wird nur gelobt. Die Eltern wissen, dass sie nur zum Anfeuern und Loben da sind.

    .............Taktikschulung fängt bei mir mit der Einzeltaktik an und die werde ich erst frühestens in der D-Jugend schulen. Vorher dürfen sich die Kinder ausprobieren.

    Ich weiß, dass ich ziemlich extrem denke und das diese Denkweise auch nicht jedem liegt.

    Aber wie heißt es so schön: Viele Wege führen nach Rom.



    Heute (junger Jahrgang 7er D-Jugend) arbeite ich immer noch fast genauso. Somit sind die Kinder annähernd 6 Jahre lang von mir taktisch so instruiert worden. :)

    Mittlerweile versuche ich den Kinder das Spiel auf 2 Linien näher zu bringen.

    In der nächsten Saison werde ich dann noch die 3 Linie hinzufügen (unser Kreis hat das 9 gegen 9 endlich verbindlich eingeführt). Natürlich beginne ich dann auch mit der Schulung der defensiven Individual Taktik.


    Aus der heutigen Sicht würde ich sagen, dass ich es genauso wieder machen würde. Die anfänglich massiven Widerstände der Eltern konnten

    durch Aufklärung (Einzelgespräche und Elternabende) überwunden werden.


    Vorteile:

    -Wenn ein Spieler krank wird, sich während des Spiels verletzt oder aus irgenwelchen Gründen nicht spielt, kann jeder seine "Position" sofort einnehmen.

    -Beidfüssigkeit wird ständig neu von der Spielsituation gefordert, da sich die Kinder fast frei auf dem Spielfeld bewegen.

    Dadurch auch eine hohe Akzeptanz während des Trainings für die Schulung des schwächeren Fußes.

    -Bis auf 2 Spieler kann jeder im Tor spielen. Vorgabe von mir: Jeder Spieler muss während der Saison mindestens 4 Halbzeiten ins Tor.

    -Es wurde noch niemals ein Torwart von den Feldspielern angemeckert, weil er eine Gurke durchgelassen hat. Alle wissen aus eigener Erfahrung wie schwer es der

    Torhüter hat.

    -Erst jetzt (D-Jugend) kristallisiert sich in dieser Mannschaft ein Torspieler heraus.

    -Alle Spieler spielen extrem ballorientiert.

    -Kein Spieler entzieht sich der Verantwortung für das gesamte Spiel.

    Typischer Spruch von Positionsidioten in der D-Jugend: Damit habe ich nichts zu tun, das ist nicht meine Seite

    -Durch das ungebundene, ballorientierte Spiel haben die Kinder viel mehr Situationen die sie Lösen müssen.

    Jede dieser Lösungen können sie ihren taktischen Erfahrungsschatz hinzufügen.

    Je größer ihr taktischer Erfahrungsschatz ist, desto einfacher können sie später Situationen antizipieren (Vorausberechnung der möglichen weiteren Spielverläufe) .


    Die letzten beiden Aufzählungen sind für mich auch die Hauptgründe warum wir von dem unsäglichen 11er Feld im D-Jugenbereich wegkommen müssen.


    Die restlichen Vorteile findet man in dem Posting von Andre.

    Uwe

    das ist sehr schade. Man, man waren das anfängliche heftige und sehr kontroverse Diskussionen zwischen uns beiden.

    Bis er irgendwann auf das kindgerechte Fußballspielen ungeschwenkt ist.

    Wahnsinn wie er sich um 180° gedreht und sich anschließend extrem für den kindgerechten Fußball engagiert hat.

    Darf ich die Magisterarbeit in das Forum kopieren?

    Ganz kurz hast du Thomas0815-2 den Flyer über die Unfallgefahren gelesen, den ich hochgeladen habe.

    Eingeschränktes Gesichtsfeld und begrenzte Hörfähigkeit. Warum darf er sich nicht ohne Erwachsene Entscheidungen treffen?

    Das ist auch ein Teil des Straßen- oder Schulhoffußballs. Kein Erwachsener mischt sich ein. Ich darf aus meinen Fehlern selbst lernen und kreative Lösungen finden.

    Gute Nacht

    Uuups, was ich vergessen habe.

    Wenn ihr neu als Trainer seid und so ein Training veranstaltet, dann braucht ihr schon eine starke Haltung.

    Der Gegenwind in der Elternschaft ist anfänglich schon extrem groß.

    Ich kann mich noch sehr gut an das Jahr 2003 erinnern als ich mein erstes Training so durchgeführt habe. Mein Vereinsvorsitzender wollte mich nach einer Bedenkzeit (Bewährung) von 4 Wochen entlassen

    Die Eltern sind wirklich auf die Barrikaden gegangen. Zwei Spieler wurden sofort aus der Mannschaft abgemeldet einer kam nach 2 Wochen wieder. Das war bis heute auch meine größte Niederlage im Kinderfußball. Erst ein Elternabend, natürlich viel zu spät, konnte die Eltern überzeugen.

    Thomas0815-2

    Meine praktischen Erfahrungen haben mich total von diesem Straßenfussballeraspekt überzeugt.

    Ich liebe heterogene Gruppen. Ich finde es genial, wenn die weiter entwickelten Kinder den noch nicht so weit entwickelten Kindern fußballerisches "KnowHow" beibringen. In diesem Straßenfußballmilieu sehe ich mich als den Inspirator für neue Ideen.

    Natürlich reicht es nicht ab einem gewissen Alter den Ball einfach reinschmeißen und spielt mal schön Fußball. Du musst dir natürlich methodische Schritte einfallen lassen. Welches Ziel habe ich und wie komme ich dahin. Es fängt schon damit an, dass Du dir eine Ausbildungsplan machst. Aber in der F-, E-, und in der D-Jugend reicht das 1 gegen1 völlig, aus um die Kinder zu schulen.

    Es ist einfach ein unglaublich ehrliche Art um Fußball zu erlernen. Jeder persönliche Fehler wird bestraft. Es gibt keine Ausreden mehr(die anderen haben nicht aufgepass usw.) Koordinativ ist es eines der komplexeste Trainingsformen die man sich wünschen kann

    Zurzeit baue ich gerade wieder ein Fußballschule mit G- u. F-Jugendliche auf.

    Mein Training in der Halle sieht zur Zeit wie folgt aus.

    20 Minuten 1 gegen 1 in der Championsleague. Spielzeit 90 Sekunden Pause 45 Sekunden. Feldgröße 10m lang und ganz eng am Nachbarsfeld (die Tellertore sind 2 Meter groß und stehen maximal 2 Meter vom nächsten Feld entfernt. Es gibt kein Seitenaus. Somit herrscht immer ein Gewusel und damit Gegner-, Raum- und Zeitdruck.

    15 Minuten Speed und Koordinationsspiele.

    10 Minuten Ballgefühl- und Ballbeherrschungsübungen

    30 Minuten Turnier entweder 2 gegen 2 oder 3 gegen 3


    Und das 1 gegen 1in der Championleaque Spielform ziehe ich bis einschließlich D-Jugend durch.

    Später, wenn wir wieder draußen trainieren, werde ich das Fintentraining mit einbauen

    und sporadisch das Passen, und die Ballan- und Mitnahme.


    Beckenbauer nicht besser als heute 3. Liga. Da hast Du absolut recht.

    Der Fußball hat sich rasant seit dieser Zeit weiterentwickelt. In den Spitzenvereinen ist das körperliche Training, das taktische Training, das technische Training und das mentale Training um Quantensprünge verbessert worden. Deine Fragestellung müsste lauten: Was wäre wenn die oben genannten Spieler unter den heutigen Bedingungen trainiert hätten?


    3. Blick in die Nationalmannschaft: Das bräuchten wir jetzt eine Statistik-Freak und Datensammler. Ich behaupte einmal, dass es sie gibt.

    Der DFB hat schon seit Jahren verstanden, dass die Spätentwickler die Spieler sind, die die Profimannschaften suchen. Aussage 2006 von Ralf Peter auf einem Talentsymposium des HSV.

    Goodie

    vielen Dank für deine Thread.

    Ich habe mal in meinen Unterlagen gesucht und zum Glück auch gefunden.

    Es gibt eine geniale Magisterarbeit aus dem Jahre 1996 wie die Einführung der D-, E,- F- und G-Jugend sich im Senioren bereich ausgewirkt hat. Leider finde ich sie nicht mehr im Internet.

    Uwe

    Ich habe hier einen Auszug der Magisterarbeit eingefügt. Wenn es nicht erlaubt ist, lösche es bitte. Ich möchte die komplette Magisterarbei als Datei (ca. 400kB) hinterlegen, natürlich nur wenn es rechtlich keine Bedenken gibt.

    Hier also der Auszug aus einer Magisterarbei aus dem Jahre 1996. Der Autor hat sich leider nicht in den Dokumenteneigenschaften zu erkennen gegeben.


    Nach dem Motto “ was den Alten gut tut, kann den Jungen nicht schaden “ wurde in den 60er Jahren damit begonnen, ein akzentuiertes Konditionstraining auch schon im Kinder - und Jugendbereich einzuführen. Zusätzlich wurde in den 70er Jahren auf Drängen der Fachverbände, die den Sport nach unten ausbreiten wollten, im Fußball eine D - Jugend und in den 80er Jahren sogar eine E - und F - Jugend eingeführt. Dadurch wurde die Ausbildungszeit um 6 Jahre erhöht und somit verdoppelt. Um noch früher Kinder an die Fußballvereine anzubinden und damit im Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten zu bestehen, begann man in den 90er Jahren, schon für Kindergartenkinder das Bambini - Training (unter 6 Jahre) einzurichten.


    Der Verfall der Spielkultur verlief demnach parallel zur Vorverlegung des Wettkampfalters. Diese Frühspezialisierung - nicht, wie etwa angenommen, geburtenschwache Jahrgänge - war und ist der Auslöser für spielerische und taktische Defizite der Spieler. Nicht die Quantität der Spieler war und ist entscheidend, sondern die Qualität der Spieler und somit deren Ausbildung. Inhaltliche Konzepte und Überlegungen zur Ausbildung der F - E - und D - Jugendspieler waren zu Beginn dieser Entwicklung nicht gegeben oder nicht für nötig befunden worden.


    Unberücksichtigt blieb die eigentliche Stärke des deutschen Fußballs in der Vergangenheit - die Ausbildung auf der Strasse. 6 Jahre StrassenFußball eines 12jährigen konnten durch den frühen Eintritt in einen Verein nicht kompensiert werden. Früher wurden in 6 Jahren auf der Strasse nahezu fertige Spieler geformt, die dann bei einem Vereinseintritt ihre eigenen technischen Fertigkeiten nur noch durch mannschaftstaktische Absprachen ergänzten. Eine Spielkultur entstand aus der Auseinandersetzung der Spieler mit den häufig wechselnden Situationen der verschiedenen Fußballspiele. Ein 12jähriger hatte gelernt, sich gegen Ältere und Gleichaltrige in verschiedenen Spielräumen mit wechselnder Spielerzahl durchzusetzen und sich so eine ganzheitliche Spielfähigkeit durch diesen Straßenfußball angeeignet. Er musste also bei einem Vereinseintritt nicht erst Fußball spielen lernen, sondern hatte schon vielfältige Erfahrungen gesammelt und somit unbewusst oder bewusst taktische Handlungen vollzogen. In der weiteren Ausbildung hatte der Trainer nun eine solide Grundlage taktischer Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung.


    Nach der Vorverlegung des Eintrittsalters kam folglich diese Ausbildung dem Verein zu, der ihr jedoch nicht gewachsen war. Unzureichend ausgebildete Übungsleiter übertrugen Erwachsenentraining, das auf eigener Erfahrung beruhte und, wie ich oben schon anführte, einen falschen Schwerpunkt ( auf Konditionsschulung ) hatte, auf den Schülerbereich und richteten dort noch mehr Schaden als bei den Erwachsenen an. Es wurde kein Ersatz für fehlende Spielerfahrung gegeben und zusätzlich noch ein traditionelles Konzept benutzt, das wenig für den Kinder - und Jugendfußball geeignet war. Das Wettspiel am Samstag in für diese Altersstufen zahlenmäßig zu großen Mannschaften führte zu der Annahme, auch im Training mit derselben Größe spielen zu müssen. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass Kinder des Grundschulalters das Spiel auf kleinen Feldern und in kleinen Gruppen bevorzugen. Die Spieler der unteren Altersklassen können wegen ihres Entwicklungsstandes und der zumeist fehlenden Spielerfahrung ihre Rolle in einem großen Mannschaftsgefüge erst gar nicht erkennen. Das Spiel sollte sich also auf einen kleinen Rahmen beschränken.


    Cool was die Wissenschaft schon 1996 herausgefunden hat... oder?

    Wie lange hat der DFB, bzw die Landes und Kreiverbände gebraucht um diese Ideen durchzusetzen?

    Für mich war und ist diese Magisterarbeit immer noch der Leitgedanke meiner Ausbildung.

    Thomas0815-2

    Bis zur D-Jugend aufs Dribbling konzentrieren.

    Bei mir geht es immer um die altersgerechte Ausbildung. Hier kann ich auch mal daneben liegen.

    Es gibt im Kinder und Jugendbereich sogenannte Sensible Phasen, wo ich was trainieren kann. Diese Phasen sind sportartübergreifend Trainierbarkeit, sensible Phasen & goldenes Lernalter im Sport - Kindersport Wissen

    Hier gibt es auch unterschiedliche Meinungen aber dieses Model, bzw. ein ähnliches hilft mir beim Erstellen meines Jahrestrainingsplan.

    Beim DFB unterscheiden wir 5 Technikschwerpunkte: 1. Dribbeln, 2. Torschuss, 3. Passen, 4. Ballan- und Ballmitnahme, 5. Kopfball

    Technikschwerpunkte heißt auch immer Lernziele setzten.

    Da aus meiner Sicht, dass Dribbling die koordinativ anspruchsvollste Techik ist werde/habe ich sie bis einschließlich 12 Jahren in meiner Jahresplanung zu meinem Trainingsschwerpunkt gemacht. In der B-Jugend (2. goldenes Lernalter) habe ich den Fokus noch einmal auf das Dribbling gelegt, jetzt aber auf die absolute Präzision und das taktisch richtige Verhalten.

    Die anderen Techniken habe ich natürlich auch trainiert aber nachrangig. Jahrestrainingsplan F-Jugend bei mir 50% Dribbling; 20% Ballgefühl und Ballbeherrschung; 20% Torschuss (Torschuss und Passen ist für mich die gleiche Technik) 10% Ballan- und Mitnahme.

    Zum Verständnis: Es geht nur um die Techniken, die Gruppentaktiken habe ich niemals trainiert und werde es auch in Zukunft niemals bis einschließlich D- oder sogar C-Jugend machen(nach dem Motto: lass es mich selbst erfinden und ich beherrsche es). Mit der Individualtaktik Offensiv habe ich erst in der D-Jugend begonnen. Mit der Individualtaktik Defensiv erst ab der C-Jugend.


    Leg den Ball quer: Ich habe niemals reingerufen, was die Kinder zu machen haben, die Entscheidung liegt immer bei dem Kind. Wir Menschen lernen extrem gut aus Fehlern.

    Deine Situation mit den 3 Gegenspielern habe ich nach dem Spiel so kommentiert. "Toll, dass Du so mutig warst. Beim nächsten Mal klappt es bestimmt"

    Warum ich das mache.

    Wenn mein Trainingsschwerpunkt das gegnerüberwindende Dribbling ist, dann möchte ich das auch im Spiel sehen. Ich darf doch den Kindern nicht sagen: "Ich bringe euch das Dribbling bei aber im Spiel dürft ihr es nicht anwenden".

    Das wäre methodisch und pädagogisch eine Katastrophe.

    Thomas0815-2

    Prima, dass Du diesen Thread eröffnet hast. Wir sind in dem Anderen zu weit abgeschweift.

    1. Ja, dass Dribbeln sollte das Erste sein, nachdem die Kinder koodinativ in der Lage dazu sind, was sie erlernen sollten.

    Es passt einfach von den körperlichen Merkmalen und dem geistigen Entwicklungsstand sehr gut.


    2. Musiala D-Jugend Querpass. Wer bringt wo solche Argumente?

    Übrigens hat Musiala eine beeindruckende Anzahl an Assists.

    Warum? Meine Erklärung dazu: Er kann Dribbeln und dabei immer die Augen aufs Spielfeld richten, weil er den Ball nicht mehr sehen muss, sondern ihn riechen, schmecken, hören und fühlen kann.


    3. reduzierte Sichtweise, Hype. Es geht um die altersgerechte Ausbildung. Es ist kein Hype. Kimmich, Rüdiger, Tah, Andrich sind auch alles exelente Dribbler. Sie haben ihre Stärken im Laufe ihrer fußballerischen Entwicklung an anderer Stelle ausgeprägt.


    4. Das Dribbling sollte die Grundlage der fußballerischen Ausbildung sein. Es wäre ja völlig verrückt zu sagen, dass wir unseren Kindern ab der D-Jugend das Abspielen als gruppentaktisches Mittel (Doppelpass, Pass über den Dritten, Steilpass usw.) nicht beibringen. Technisch kann man auch schon im F-Jugendbereich mit dem systematischen Erlernen des Passes anfangen. Ein Pass beihaltet ja auch immer die Ballan- u. Mitnahme beim Passempfänger. So kann man die Kinder technisch an das Passpiel heranführen.


    5. F-Jugendspieler animieren um sich ohne Ball richtig zu bewegen. Das ist eine Überforderung in diesem Alter. Es gibt auch hier immer wieder Ausnahmen durch weit entwickelte Kinder.


    6. Einseitige Fokussierung. Ja die existiert immer noch, allerdings auf das Passen, bei nicht ausgebildeten Kinder- u. Jugendtrainern. In Deutschland wurde früher immer nur Wert auf das Passen, den Torschuss, die Ballan- u. Mitnahme und evtl. auf den Kopfball gelegt. Was ja auch verständlich ist. Wer kann denn schon das Dribbling ( gegnerüberwindendes, tempo, ballhaltendes) richtig ausbilden. Den Kindertrainern wurde es ihn ihrer aktiven Fußballerlaufbahn auch nie beigebracht. Hier können sie also nicht auf ihren Erfahrungsschatz zurückgreifen.

    Das hat sich zum Glück seit 2003 (Einführung der neuen Ausbildungsphilosophie des DFB) geändert. Es ist leider immer noch nicht zu 100% an der Basis der Kindertrainer angekommen.


    Mmmh, ohne Musialla 4x Weltmeister geworden.

    Ich kann einfach mal eine anderer These aufstellen:

    Mit Musialla und Wirtz wären wir 1982 und 1986 Weltmeister geworden.