Heute erst wieder mit einer Mutter diskutiert: Ich solle doch bitte die Kinder "die noch nicht so weit sind" nicht auf Turniere mitnehmen. Habe dann gefragt wie ich das begründen soll, da alle den gleichen Beitrag zahlen und wie die dann Erfahrung sammeln sollen um besser zu werden? Das kam natürlich nicht an, denn besagt Mutter sieht die Entwicklung des eigenen Kindes in Gefahr, wenn er mit so schlechten spielen muss und sich kein Spiel entwickelt weil ihm Spielpartner fehlen.
Ich beharre nach wie vor darauf alle gleich spielen zu lassen und keine festen Positionen vorzugeben. Entwicklung first!
durch das permanente auf die Fresse bekommen und abgeschlachtet werden musste ich jedoch Änderungen durchführen. Motivation sank bei allen merklich. Die Kinder gewinnen eben doch gerne und es stimmt nicht, dass das Ergebnis nach dem Spiel vergessen wird. Das stimmt nur wenn man ab und zu auch gewinnt.
Nach wie vor lasse ich den Gegner außer acht und solche 1-Spieler-Erfolgsstrategien sollen die ruhig machen. Ich lasse nun aber die Kinder mehr darauf achten, dass wir nicht so leicht Tore kassieren.
Oft haben wir Tore kassiert wenn ich einzeln wechsle oder Blockwechsel mache. Wir waren da zu unsortiert.
Oft haben wir Tore kassiert wenn der Gegner allein durchbricht.
Oft haben wir Tore kassiert wenn keiner sich für etwas zuständig fühlte.
Oft haben Tore kassiert wenn wir einfach zu viele schwache Spieler auf dem Platz hatten.
Seither habe ich folgende Änderung eingeführt:
In jedem Spiel bekommt ein Spieler seitdem nämlich die Spielführerbinde! Der Spielführer bekommt von mir Verantwortung übertragen und dafür die Garantie, dass er durchspielen darf. Die Aufgabe des Spielführers ist schlicht dafür zu sorgen, dass kein Gegner alleine mit dem Ball vor unserem Torwart auftaucht. Ich erkläre ihnen, was ein Spielführer so für Aufgaben und Verantwortungen hat und das ich nun damit beginnen möchte das auch sie diese Rolle lernen sollen zu spielen.
Seitdem haben wir immer Ordnung auf dem Feld beim wechseln. Und es fallen weniger Tore. gleichzeitig gewinnen wir spiele und schießen Tore. Dabei ist es egal wer dieser Spielführer ist. Ich biete es den Kindern an diese Rolle zu übernehmen und es zeigt sich, dass gerade die schwächeren sich verweigern. Dadurch habe ich eine minimale Verschiebung der Spielzeiten zugunsten der stärkeren Spieler, die jedoch von allen Eltern absolut akzeptiert wird. Die meisten meiner Minispielführer sind stolz wie bolle mit der binde und strengen sich dann doppelt an. Und bisher ist keiner wie festgenagelt hinten stehen geblieben, sondern orientieren sich eben mit ein wenig mehr Sorgfalt nach vorne. Die Superstars der anderen kommen weniger zur Geltung.
Die Spieler fragen zwar oft "darf ich auch vor und Tore schießen?" - Und ich sage: "Natürlich, das sollst du sogar!"
Dieser "Streich" klappt bei unserer Mannschaft hervorragend.
Ach ja: und ich stelle keinen totalen Fliegenfänger mehr ins Tor, weil die Mannschaft das einfach nicht mehr zulässt. Die Jungs wissen genau, wenn ich einen von 2 extremen Blümchenpflückern ins Tor stellen will, dass wir verlieren werden - egal wie gut wir spielen. Und ich habe einfach keine Trainerargumente mehr dagegen. Denn ich kann den Kindern nicht sagen ich will das wir absichtlich verlieren nur damit X oder Y mal im Tor steht. Die Jungs haben gelernt wie wichtig der Torwart ist und akzeptieren das nicht mehr im Turnier. Torwartrotation im Turnier nur noch innerhalb der Gruppe der 22 Spieler die auch sensomotorisch in der Lage ist einen Ball der auf sie zukommt abzuwehren. Die anderen 5 spielen nur noch im Feld. Und das genügt ja auch erst mal um Erfahrung zu sammeln.
Die Kinder haben ihren Siegeswillen. Natürlich: Was mache ich wenn sie die Fliegenfänger auch auf dem Feld nicht mehr wollen? Schließlich bin ich Trainer und nicht die Kinder. Wer hat das Sagen? --> Das passiert insofern nicht, weil die Kinder einen guten Gerechtigkeitssinn haben und sich untereinander doch mögen und die Kinder fänden es selbst unfair wenn einer gar nicht spielt!
Langer Rede kurzer Sinn: Die One-Man-Show der anderen ist mir egal, ich nehme darauf keine Rücksicht und wenn ein Gegner so spielt sind wir nun mit einem Spielführer gewappnet, jedoch ohne Manndeckung und habe dadurch eine Reihe weiterer Positiver Nebeneffekte.
