Ersatzbank:
Doch, ich hatte vor Jahren, als ich die Mannschaft meines ältesten Sohnes übernahm, die gleichen Probleme. F -Jugend Dorfverein. 2 Kinder älterer Jahrgang, Rest junger Jahrgang und G - Jugend. Ein herausragendes Talent war damals nicht erkennbar. Ansonsten vom sportlichen Kind bis zum "dicken Paul" alles dabei. Punktspiele Hinrunde alles überwiegend sehr hoch verloren. Rückrunde irgendwann zum Ende hin ein Unentschieden und das erste gewonnene Spiel. Gleiche Elternprobleme gehabt. Unzuverlässige, die die Kinder nicht brachten oder nicht pünktlich abholten, ihre Kinder nicht abmeldeten und die meisten waren sehr auf Mannschaftssiege fixiert, wie ich damals auch. Bei einigen ging dieser Siegeswille so weit, dass sie manchmal lieber ihr eigenes in ihren Augen untalentiertes Kind als Zuschauer gesehen hätten, damit der Rest der Mannschaft Erfolg hat. Da gab es auch welche, die haben das im Beisein der Kinder gegenüber Trainer und anderen Eltern vorgebracht.
Wie muss sich ein Kind fühlen, dessen Vater oder Mutter vor allen Leuten äussern, dass ihr Kind zu schlecht ist, um mitzuspielen ?
Später, - ich glaube 3 Jahre, haben wir mit dieser Mannschaft, die im Kern zusammengeblieben war ohne die beiden damaligen Altjahrgänge eine Altersklasse höher gespielt, auch wieder gegen Widerstände der meisten Eltern, die lieber gesehen hätten, wenn wir in der passenden Altersklasse von Sieg zu Sieg geeilt wären und vielleicht sogar die so wichtige Kreismeisterschaft gewonnen hätten.
Das einzige, was ich damals von Anfang an wollte : Den Kindern gerechte gleiche Spielzeiten gewähren, weil ich vorher zur Genüge enttäuschte Kinder sehen musste, die immer voller Begeisterung beim Training waren und dann nicht eingesetzt wurden und enttäuschte Eltern, die die Kinder regelmäßig zu den Auswärtsspielen gefahren haben und deren eigene Kinder kaum spielen durften, nur weil sie nach Einschätzung des damaligen Trainers nicht so gut waren.
Diese gleichen Spielzeiten habe ich dann auch ohne Kompromisse durchgezogen. Niemand wollte den Job machen. Ich war einer der wenigen, der seine Kinder auch sofort ohne zeitliche Probleme in einen anderen Verein hätten bringen können. Und ich war nicht mehr Anfang Zwanzig und hatte soviel Selbstbewusstsein diese Argumente auch gegenüber Eltern und Verein auszuspielen.
Das Forum kannte ich damals noch nicht. Gab es vielleicht auch noch nicht und ansonsten war ich anfangs auch ein Brüllaffe und Joysticktrainer. Ich habe es natürlich gut gemeint. Trotzdem war es Schei.. .
Ich persönlich denke, auch auf Grund von Beiträgen in diesem Forum, dass sich viele Trainer in Abhängigkeit von Eltern und Verein sehen und deshalb Kompromisse eingehen, die sie von ihrer persönlichen guten Einstellung her eigentlich ablehnen müssten.
Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Leute brauchen Euch und sind von Euch abhängig.
Wenn ihr die Zeit habt, Trainingseinheiten vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten, dann hättet ihr alternativ auch mehrheitlich die Zeit, Eure eigenen Kinder in einen anderen Verein zu bringen. Das darf man auch so äussern.