Ich weiß, dass wir mit dem Joystick wahrscheinlich ein besseres Ergebnis hätten erzielen können. Und der Erfolg gibt am Ende dem gegnerischen Trainer Recht!
Langfristig lernen Joystik Kinder vor allem "Befehle und aufgaben des Trainers umzusetzen" was nicht heißt das in dieser Schule noch nie gute Fußballer geboren wurden. Aber der Großteil wird eher auf Input warten als selbst möglicherweise einen Fehler zu machen.
Wie soll ich es den Eltern und meinem Trainer Kollegen schmackhaft machen, uns weiter an die FPL Regeln zu halten, wenn wir dann mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nur auf den Sack bekommen? Aus dem Gespräch heute ist eigentlich hervorgegangen, dass wir so nicht weiter machen KÖNNEN, wenn die Kinder in dieser Liga auch mal einen Erfolg feiern sollen. Ja.... ICH weiß es, dass man nicht erfolgsorientiert spielen soll.
Den Fokus auf die Ausbildung legen und das auch kommunizieren. Die Kinder nicht zu Leiten sonder zu unterstützen heißt ja nicht das du alles nimmst wie es kommt. Bereite dich auf Trainings und Spiele vor und notiere dir deine Gedanken. Hört sich blöd an, ich weiß. Aber du wirst sehen wenn deine Eltern sehen das du eine Idee verfolgst werden sie ruhiger. Und die Entwicklungsschritte der Kinder lassen in diesem Alter ja zum Glück nicht lange auf sich warten. Auch das sehen die Eltern (die meisten zumindest).
In meinem Fall ist es so dass ich zu Beginn ein paar mal den Schmierzettel mit dem Jahresplan (was wird wann trainiert) oben in der Tasche liegen hatte. Konnte jeder sehen. Ebenfalls habe ich immer einen Schmierzettel mit Notizen zum Spiel, zum geplanten Training, usw. dabei. Ob ich nun alles richtig mache sei dahin gestellt aber ich merkte dass das Vertrauen der Eltern immer mehr wurde. Ob dann im Training alles gemacht wurde was auch dem Zettel stand konnte eh keiner Beurteilen.
Du musst dir das so vorstellen, das es in unserem Landkreis eine große Stadt mit vielen Vereinen gibt. Die kämpfen alle um die Vorherrschaft im Jugendfussball. Dann komme ich mit unserem kleiner Dorfverein in ihre heilige Kreisliga und versuche mitzuspielen.
Mein Gedanke hierzu war auch das du wohl in der falschen Klasse spielst. Allerdings ist diese ja in der Regel ein Ergebnis der vorherigen Mannschaft, deren Trainer und des Vereins. Sonst hätte man ja den Aufstieg abgelehnt. Ich denke in diesem Fall ist ein Gespräch mit der Jugendleitung unausweichlich. Eine totale Fokussierung auf FPL, Ausbildung und Rotation kann eben sehr schnell mit dem Abstieg enden. Was für die Kinder ja nicht schlecht sein muss, aber der Verein sollte das Risiko mittragen. Andererseits stelle ich die Frage ob Ihr euch als Dorfverein dauerhaft unter den größeren Vereinen behaupten wollt und könnt? Ansonsten wäre dein Weg mit Fokus auf Breitensport usw. vielleicht eine mögliche Alternative.
Zum Thema wie du deine Kinder auf "Brüllaffen" vorbereitest, stehe ihnen bei. Rede darüber erklär auch warum das das nicht machst und das sie auch bei Fehlern deine Unterstützung haben. Natürlich wird es ein Lernprozess sein und nicht sofort beim nächsten Spiel alles gut sein. Aber die Kinder erfahren Sicherheit und werden sehr schnell erkennen das der Trainer nicht Ihr Problem ist.
Vielleicht kann ich dich aber ein wenig bestätigen:
Ich betreue meine jetzige E2 (junger Jahrgang) nun seit Beginn der F-Jugend und setze seit Beginn auf Ausbildung, Rotation, Lob und eigenständiges Entscheiden. Zusätzlich habe ich bewusst die Besten nur selten zusammen spielen lassen um den anderen mehr Spielgeschehen zu ermöglichen. Ähnlich wie in deinem Fall ist die Mannschaft alles andere als schlecht. Durch Rotation, Aushilfen in anderen Mannschaften usw. haben wir aber in den letzten Jahren nur wenige Spiele gewonnen.
Trotz FPL gibt es auch hier bei uns Brüllaffen, und ähnlich wie in deinem Fall lassen sich meine Kinder gerne davon verunsichern. Gegen ein solches Team haben wir in den letzten Jahren insgesamt 8 mal meist zweistellig verloren. Zum einen aufgrund meiner Rotation, zum anderen da es in diesen Spielen immer ziemlich laut wird (Trainer der Mannschaft und Eltern trotz Abstand). Davon haben sich meine Kinder noch jedes mal verunsichern lassen.
Gestern war es wieder soweit. Spiel auf deren Platz!
Obwohl ich meine Kinder "gewarnt" hatte fanden sie in der ersten Halbzeit nicht zu dem was Sie eigentlich können. Zur Halbzeit stand es dann auch 0:4. u.a. durch Tore bei denen ca. 5 Eltern im Zuschauer Bereich bereits beim Schuß der Bogenlampe zu schreien begannen und der TW dadurch verunsicherten und ähnliches.
Egal. In der Halbzeit habe ich Ihnen nochmal Mut zugesprochen und Sie ermuntert "einfach Fussball zu spielen". Ohne Angst und ohne Blich aufs Ergebnis.
ES HAT GEWIRKT! In der zweiten Halbzeit konnten wir das Spiel zum 4:5 drehen und der andere Trainer wurde immer lauter. Beim Stand von 7:5 meinte der dann sogar er wisse gar nicht mehr was er seinen Kindern sagen soll "die sind ja voll durch den Wind!". Ich konnte mir an dieser Stelle ein "am besten viel weniger!" nicht verkneifen.
Am Ende konnten wir zum ersten mal in drei Jahren gewinnen (8:9). Es war sicher alles andere alles ein schönes Spiel, aber ich was unendlich stolz auf meine Spieler. Und es war viel weniger das Ergebnis als das wie was mich stolz macht. Auch wenn das Ergebnis natürlich hinsichtlich der Eltern gut tat. Auch das der Trainer selbst nach dem Spiel noch mit Eltern diskutierte was er denn hätte sagen können trieb mir ein Lächeln ins Gesicht.
Ich weiß auch das diese Momente viel seltener sind als jene in denen man sich ärgert und auch selbst hinterfragt. Ich denke aber das man deshalb einen Weg von dem man überzeugt ist nicht verlassen sollte. Wenn dein Verein also hinter dir steht bleib dabei. Andernfalls bist du vielleicht falsch. Aber lass dich nicht verbiegen denn das erkennen auch die Kinder sehr schnell.
Gruß
Torsten
