Der Schlüssel zum erfolgreichen Positionsspiel ist doch, dass die Kinder verstehen, dass sie 2:1 Überzahl schaffen/erzeugen müssen.
Wenn eure Kinder das verstehen und gleichzeitig die Wahrnehmung so weit entwickelt ist, dass sie Gegner und sich selbst in Raum entsprechend einschätzen können, dann positionieren sich die Jungs von selbst sinnvoll.
Wenn ich hier im Thread den Bezug zur F-Jugend (junger Jahrgang) setzte ist doch der Begriff Überzahl schaffen schon viel zu hoch aufgehängt. Natürlich gibt es einzelne Kinder die über eine Wahrnehmung verfügen welche das möglich macht, der Großteil wird aber spätestens beim erhalten des Balles alle um sich herum ausblenden.
Daher finde ich den Ansatz von Goodie sehr gut wenn sie schreibt zum ersten reicht es wenn die Kinder in ruhigen Phasen wieder an die Vorgaben denken.
Taktische Vorstellungen und Begrifflichkeiten der Kinder sind meist eine unreflektierte Wiedergabe der aufgeschnappten Thesen der Eltern und Trainer.
Ob die Kinder nun etwas lernen oder nicht. Genau diese Eindrücke und Vorstellungen der Eltern führen doch dazu das die Kinder von sich aus meinen ein Abwehrspieler steht hinten.
Genau aus diesem Grund bin ich im KiFu kein Freund von bekannten Begrifflichkeiten. Warum machen wir uns das Leben selbst schwer und arbeiten gegen diese verfestigten Vorstellungen anstatt den Aufgaben innerhalb der Mannschaft eigene Namen zu geben? Ähnliches habe ich hier bereits ausgeführt.
Wenn ich zu einem Kind sage du bist Abwehr kann es entweder gar nichts damit anfangen (hier sogar positiv) und macht was es immer macht, oder es hat eben jene Vorstellung und bleibt fix hinten kleben. In diesem Fall arbeite ich gegen das was das Kind aus der BuLi mit nimmt, was Papa und Opa sagen, usw.
Nenne ich selbiges nun z.B. "Angriffsreihe zwei" begrüßen mich erst einmal fragende Augen. Es gibt daher auch keine vorgefertigten Muster in den Köpfen. Und an diesem Punkt kann ich meine Vorstellung der Aufgaben ansetzten. "Die zweite Angriffsreihe geht so weit mit nach vorne dass sie einen weg geschlagenen Ball aufs Tor schießen kann!" oder anderes. Im Falle meiner damaligen F Jugend hatte ich dann wieder alle Kinder fast am Strafraum.
Aufgrund der von dir angesprochenen Muster und Vorstellungen in den Köpfen der Kinder finde ich es enorm wichtig auch den Nutzen und die Möglichkeiten von Begrifflichkeiten und Benennungen mit in die Überlegungen einzubeziehen.
Erwachsenentaktik hat unberücksichtigt ihrer Qualität, meist veraltert, im Kifu wenig bis gar nichts zu suchen.
Taktische Vorstellungen verfestigen sich und entwickeln falsche Automatismen.
Zugegeben sehe ich mich in deinem Beitrag etwas ertappt. Als ich letztes Jahr kurzfristig als D-Jugend Co-Trainer eingesprungen bin habe ich genau diese Fehler an mir selbst bemerkt. Wenn auch immer wieder gemixt mit einer Komponente Robben (starker Fuß innen) hatte ich zu Beginn eben diese Taktik aus meiner Zeit in der D.Jugend im Kopf. Wir waren ja damals auch erfolgreich.
Erst mit der Zeit habe ich dann begonnen mehr und mehr taktisches Wissen, welches mir dann angeeignet habe, einfließen zu lassen. Und selbst diese wahr und ist wohl noch sehr rudimentär im Vergleich zu manchen Experten hier.
Dennoch sehe ich deine Ausführungen nicht wirklich tauglich für alle Teams und Trainer. Natürlich sollte das Ziel sein, dass Kinder selbst entscheiden und variabel agieren können. Aber was wenn die Kinder dazu (noch) nicht in der Lage sind? Ihnen das Selbstvertrauen fehlt?
Und hierbei müssen noch nicht einmal große Fehler im Training zuvor stattgefunden haben. Unsere Spieler hatten alles im Koffer was es braucht. Aber gerade im ersten Jahr der D-Jugend konnten Sie es schlicht noch nicht umsetzen. Daher bin ich dann wohl in einer ähnlichen Situation wie wir hier für die F-Jugend diskutieren.
Einerseits möchte ich möglichst dass alle selbst entscheiden und handeln und eben dieses nicht Einbremsen. Gleichzeit hilft ein Gerüst an Aufgaben und Positionen aber dabei eben dies zu entwickeln. Die Wahrheit liegt wohl für jedes Team irgendwo in der Mitte. Das heraus zu filtern ist aber für viele Hobbytrainer (wir reden über KiFu) nicht immer möglich. Aus diesem Grund sind viele Systeme wohl einfach zu starr in deiner Wahrnehmung.
Gruß
Torsten