Bis zu einem gewissen Alter (E-/D-Jugend) halte ich gar nichts davon direktspiel einzufordern. Spieler sollen mutig Lösungen finden und sich nicht schnellstmöglich vom Ball trennen. Die Ballmitnahme als technische Fähigkeit ist deutlich komplexer und anspruchsvoller als der direkte Pass.
Im Großfeld ist diese Entscheidung stark an die Spielphilosophie geknüpft. Ein Team, welches (ähnlich wie Hoffenheim) sehr dominant auftreten will, nimmt eher mehrere Kontakte, da so eine sichere Ballzirkulation zu erreichen ist. Sehr vertikale Teams (->Frankfurt) spielen eher mit einem Kontakt (insbesondere im zweiten Drittel). Im Sinne der Ausbildung denke ich, ist eine auf Ballbesitz und Dominanz ausgelegte Spielweise zu bevorzugen. Ein Tor aus dem Ballbesitz zu erzielen ist fußballerisch anspruchsvoller, als einen Konter zu spielen.
In der Praxis würde ich mir erstmal Gedanken machen, ob ihr überhaupt die Qualität unter den Trainern habt um diesen Punkt mit Leben zu füllen. Denn es bringt wenig, wenn der Trainer zwar "zwei Kontakte" im Training fordert, ihm die situative Anwendung dieser Leitlinie gar nicht klar ist. Er also auch in unpassenden Situationen deren Einhaltung fordert.
Exkurs Ballmitnahme:
Oft wird sie unterschätzt, ist aber eigentlich die wichtigste technische Fähigkeit auf dem Platz. Einen geraden, unfallfreien Pass spielen, kann fast jeder. Einen harten Pass mit Vororientierung in die richtige Richtung mitzunehmen (so dass der Ball sofort wieder spielbar ist) ist eine ganz andere Hausnummer.
Die technische Ausführung ist so extrem vielseitig, wird aber leider zu oft nur stiefmütterlich behandelt. Also lasst eure Kids im Grundlagenbereich bitte mit mehr als einem Kontakt spielen.
