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    Ich denke, dass es im Fußball anders ist, weil sich mehr Leute auskennen, bzw. meinen, sich auszukennen. Die kennen dann den Profisport und haben eine vage Vorstellung davon, wie es da läuft und meinen, man müsste möglichst früh alles genau so machen, wie es dort ist. Im Dialog mit Eltern spielt dann die eigene Erfahrung eine Rolle. Sehr viele Väter haben früher selbst im Verein gespielt und kennen von damals eine gewisse Vorgehensweise. Wenn das heutige dann davon abweicht, dann ist man erstmal skeptisch, weil einem das Bekannte zunächst mal immer näher liegt als das Unbekannte. Diesen Erwartungen stellen wir dann im Fußball, so zumindest mein Eindruck, im Durchschnitt schlechter ausgebildete Trainer gegenüber als in anderen Sportarten. Durch die schiere Masse an Kindern, die Fußball spielen, werden so viele Trainer im Jugendbereich gebraucht, dass es eben nicht nur die machen, die von vornherein Begeisterung für die Tätigkeit aufbringen und die dann auch so bekloppt sind, sich in der Freizeit noch jede Menge Fachwissen anzueignen, sondern eben auch welche, die dann so reinschlittern. Nicht wenige davon beschäftigen sich dann auch intensiv damit und setzen Neues, was sinnvoll erscheint, um, aber viele machen es eben auch nur ungefähr so, wie sie es von früher kennen und/oder wie sie es im Erwachsenenbereich sehen oder aus der eigenen Spielerzeit kennen. Aber es braucht eben einige Beschäftigung mit dem Thema und dann nochmal, in der Regel, eine gewisse Zeit, bis man sich ggf. davon überzeugen lässt, dass eine andere Vorgehensweise als die althergebrachte sinnvoll sein könnte. Bis der Prozess dann durch ist, sind die meisten - insbesondere die Vatertrainer - dann schon wieder aus dem Trainingsbetrieb draußen, oder zumindest aus der Altersklasse, für die es besonders wichtig ist.


    Ich spiele aktuell 3-3. Ich stelle aber fest, dass der mittlere vordere Spieler meistens durch den Gegner zugestellt ist und somit für den Außenspieler nicht anzuspielen ist. Deshalb werde ich mal das 3-1-2 ausprobieren. Der mittlere Spieler spielt also ein wenig "hängend" und soll zentrale Anspielstation sein. Das klappt in der Halle schon ganz gut und nun will ich es mal draußen probieren. Bei mir wird rotiert, jeder spielt mal hinten, vorne bzw. rechts, links. Ich stelle aber fest, dass die Kinder das gar nicht wollen. Logisch ist für sie ungewohnt und schwieriger. Dementsprechend ist dann auch die Einstellung und die Leistung (die ist mir ja noch schnuppe). Wie geht ihr denn damit um?


    Im übrigen stelle ich fest, dass im Kifu viele leistungsbezogen aufstellen und ihr System spielen. Hier kann man wirklich schon von System sprechen. Jeder hat mehr oder weniger seine Position und die spielt er. Oder es gibt die Bolzer, dort steht der Stürmer weit in unserer Hälfte, während wir im Ballbesitz sind. bei Ballverlust wird der Ball nach vorne gebolzt. Diese Tatsache macht es unheimlich schwer, seine Idee durchzuziehen. Weil wir entsprechend oft verlieren. Für mich ist das kein Problem, wenn die Einstellung stimmt und gekämpft und das trainierte gezeigt wird. Leider sehen das die Kinder nicht so. Die sind sauer, dass sie ständig verlieren und haben keinen Bock mehr (zumindest einzelne). Wie geht ihr damit um? Das muss ja einige betreffen, wenn sie das gepostete umsetzen.


    Zum Positionswechsel: sicher gefällt es dem ein oder anderen nicht, das war bei uns auch so. Aber wenn du das eine Zeit lang so durchziehst und kommunizierst, dass dir das wichtig ist (sowohl Kindern als auch Eltern gegenüber), dann wird das irgendwann für fast alle zur Normalität. Später erntest du dann die Früchte dieser Vorgehensweise, weil du Spieler hast, die die unterschiedlichsten Positionen bekleiden können und die auch grundsätzlich durch verschiedene Spielerfahrungen weitergekommen sind. Wir sehen das jetzt in der C-Jugend, dass viele unserer Spieler sehr flexibel sind. In den letzten Spielen hatten wir Ausfälle auf den AV-Positionen, da spielt dann halt einer, der sonst jetzt meist Stürmer spielt, auf AV und findet sich dort hervorragend zurecht (und zwar nicht nur individuell, sondern auch als Teil der Viererkette), weil er es schon mehrfach in der Vergangenheit trainiert und auch gespielt hat. Das geht hin bis zu Spielern, die wirklich jede Position in unserem Spielsystem vernünftig ausfüllen können.


    Mit dem ständigen Verlieren ist es ähnlich. Wir haben mit einem Jahrgang, der mittlerweile ein Drittel der Stützpunktspieler hier im Kreis stellt, in der F- und E-Jugend überwiegend verloren, weil die Mannschaften gemischt waren nach Stärke und weil alle gleichmäßig Spielzeiten bekommen haben (was meines Erachtens auch dazu führt, dass man auf Dauer mehr wenig talentierte Spieler im Verein hat, weil die bei anderen Vereinen aufhören, mangels Einsätzen). Das gab schon mal Unmut, aber eher wenig, weil wir ganz klar gemacht haben, dass es für uns gar keinen anderen Weg gibt. Ich wünsche dir dabei einen langen Atem, wenn schon mal Zweifel aufkommen, weil unsere Erfahrung definitiv zeigt, dass es sich lohnt. Der Jahrgang, mit dem wir konsequent so vorgegangen sind, ist der erste in unserem Verein, bei dem das so lief. Jetzt, in der C-Jugend, haben wir einen mehr als doppelt so großen Jahrgang wie sonst im Verein üblich und sind darüber hinaus auch mit der ersten von zwei Mannschaften so gut, wie schon seit langer Zeit keine Mannschaft in diesem Verein in der Altersklasse mehr war. Die Geduld lohnt sich.

    Wenn ich nichts überlesen habe, dann hat hier niemand gefordert, ohne Formation zu spielen. Es ist halt nur unwichtig in der F- oder E. Im Ausgangsbeitrag klang das so, als würde das enorm wichtig genommen.


    Ich finde es auch nicht beschämend, wenn hier deutlich reagiert wird, sondern verständlich. Es ist einfach ermüdend, immer wieder dasselbe zu diskutieren. Weil es halt schon diverse Diskussionen zu dem Thema hier gibt und es generell auch mittlerweile doch sehr viele Informationen zu dem Thema gibt. Darüber hinaus bin ich generell ein sehr ausgleichender, harmoniebedürftiger Mensch, halte es aber in manchen Fällen für durchaus hilfreich, von diesen Idealen abweichend zu kommunizieren.

    Wir haben auch in der Altersklasse im Training durchaus nach Können unterteilt, wobei wir da flexibel eingeteilt haben. Sprich: die Gruppe ist an sich zusammen geblieben, aber je nach Trainingsinhalt wurden die Gruppen unterschiedlich zusammengestellt. Wenn die Inhalte so sind, dass ein Spieler vom anderen abhängig ist, eher leistungshomogen eingeteilt, wenn das nicht so ist, auch anders. Diese Unterscheidungen gehen aber nur, wenn ihr a) genug Trainer habt, um Gruppen zu bilden und b) ohne wenn und aber dazwischenhaut, wenn sich aktuell stärkere aktuell schwächeren Spielern gegenüber respektlos verhalten. Wenn du dann auch noch als Trainer allen Wertschätzung entgegen bringst (und das klingt für mich jetzt so, als würdest du das tun), in Training wie im Spiel (da dann auch per Einsatzzeiten) dann kann es gut funktionieren, über Jahre hinweg je nach Inhalten durchaus nach Stärke zu trennen und trotzdem den Spaß und den Zusammenhalt unter allen beizubehalten.


    Puh...also wenn wir mit der Rheinlandauswahl auf den Regionalturnieren gegen Saarland und Südwest gespielt haben fand ich da schon manchen Dialekt recht schmerzhaft, in dem über den Platz gerufen wurde. Da hätte ich hochdeutsch schon zu schätzen gewusst :D .

    Zodiak : Es soll ja auch mehr eine Ausrichtung sein, kein konkretes System lediglich eine Vermeidung eines wild gewordenen Hühnerhaufen. ;) Und ich stell mir auch die Frage woher man erkennen oder wissen will wie ein Trainer in etwa aufstellt was er im Training den Kurzen beibringt.


    Es ging bei mir und ich denke bei anderen auch nicht darum, dass wir meinen, erkennen zu können, was du im Training machst. Es liest sich nur so, dass du dem "System" eine große Bedeutung beimisst, die es einfach in der F-Jugend nicht hat und haben kann und haben sollte. Daher mein Hinweis und die Hinweise anderer auf andere Trainingsinhalte, weil wir der Ansicht sind, dass darauf der Schwerpunkt in dem Alter gelegt werden sollte.


    Ich würde in der F-Jugend und E-Jugend eben genau eine feste Aufstellung spielen und die beibehalten. Denn - wenn wir schon über Systeme reden - es ist äußerst kompliziert, mehrere davon zu beherrschen. Ich betreue, gemeinsam mit jemandem, der über 20 Jahre Erfahrung als Trainer hat und unter anderem einige Jahre beim DFB bei Jugendnationalmannschaften im Trainerteam war, eine C-Jugend. Wir würden nie auf die Idee kommen, mehrere Systeme spielen zu wollen, einfach weil es viel zu kompliziert ist. Wir haben jetzt 9 Spiele in der C-Jugend hinter uns, die Saison ist für viele Spieler die erste auf dem Großfeld und das System funktioniert immer noch nur in Grundzügen, trotz sehr guter Ausbildung der meisten Spieler. Ausgehend von dieser Einschätzung, was bezüglich System so möglich ist, klingt es arg hochtrabend, wenn du bei einer F-Jugend vom Beherrschen von zwei Systemen sprichst.


    Da du von deiner jetzigen Ausrichtung als Grundlage für ein späteres System sprichst, wäre das vielleicht mein Anhaltspunkt für die jetzige Aufstellung. Wie lässt sich das nachher erweitern, was du jetzt aufstellst? Wenn du den Jahrgang weiter begleiten wirst und eine ungefähre Vorstellung davon hast, wie dann gespielt werden soll, dann kann das vielleicht schon in gewissem Maße eine Grundlage dafür sein, wie du die Aufstellung jetzt wählst. Wobei auch das nach wie vor eher zu vernachlässigen ist. Die Grundlagen, die jetzt geschaffen werden, werden durch Bewegungserfahrungen geschaffen und da ist es relativ egal, an welchem Ort auf dem Spielfeld die geschaffen werden und wo die anderen gerade stehen (oder im besten Fall laufen :) ).

    Wir haben in der F- und E-Jugend 2-3-1 gespielt. Dabei wurde bei den Positionen rotiert, mit der Einschränkung, dass in der Regel die schwächsten Spieler in der Mitte der Dreierreihe oder im Sturm zum Einsatz kamen. Durch die zentrale Positionierung haben wir vermieden, dass schwächere Spieler dann nur am Rand stehen und kaum am Spiel teilnehmen. In der Mitte kamen sie zwangsläufig immer wieder an den Ball.


    Ich finde das System in dieser Altersklasse aber absolut zweitrangig. Man gibt eine ungefähre Ordnung vor, aber dann sollen alle nach vorne wie nach hinten mit dabei sein. Was ich - sorry, relativ hart formuliert - ziemlich albern finde, ist, davon zu sprechen, dass man mit einer F-Jugend zwei Systeme eingespielt hätte. Die Kinder stellen sich vielleicht ungefähr in einer Ordnung auf, aber das ist ja noch kein System dann. Das geht auch in der F-Jugend gar nicht. Das klingt mir sehr danach, dass du dich am großen Fußball orientierst, vielleicht ein bisschen zu sehr. Wenn du die Kinder auf ihre weitere Fußballzeit vorbereiten willst, dann bring ihnen die Techniken mit beiden Füßen gut bei, lass alle viel spielen und am Spiel teilnehmen und fang am besten gar nicht erst damit an, sie auf Manndeckung zu trimmen. Eine Grundordnung kannst du schon vorgeben, aber die ist absolut unwichtig in der Altersklasse.

    Für Türkisch sollte sich doch ein Dolmetscher finden. Ich hatte sowas auch mal, dass ein Trainer meinte, meine Spieler mit "f... dich" auf Türkisch und ähnlichem belegen zu müssen. Finde aber schwierig, wie man dagegen vorgehen soll. Mir hat dann geholfen, dass mir ein ehemaliger Mitspieler das ein oder andere Schimpfwort auf Türkisch beigebracht hatte :).

    Max sass aber auf der Bank, ob nun vom Schiri geduldet oder übersehen sei dahingestellt. und ist auch durchaus nicht unüblich.


    Hatte ich so gelesen und ich weiß auch, dass es so üblich ist. Aber weil meines Wissens ein Spieler mit rot sich nicht mehr auf der Bank aufhalten dürfte würde ich vermuten, dass der Schiri, wenn er das dann in dem Moment merkt, ihn vom Platz schickt.


    Max darf nicht auf den Platz und durfte auch gar nicht auf die Bank, weil eine rote Karte gleichbedeutend mit einem Verweis aus dem Innenraum, sprich der näheren Umgebung des Spielfelds, ist


    fak


    ich habe D-Jugend beschrieben, da gibt es keinen 2. Innenverteitiger.


    Verteidiger habe ich bewusst nicht angesprochen, da es hier vorrangig um die Innenverteidigung ging.
    Aber warum sollen sich die Verteidiger auf die Höhe der Innenverteidigung fallen lassen, wenn die Aussenstürmer zurückgezogen spielen, und unter Umständern der Gegner nur mit einer Spitze spielt?


    Bei uns gab es den 2. IV schon, aber das ist wieder ein anderes Thema.


    Die AVs sollten sich auf Höhe der IVs fallen lassen, weil man nur so im Verbund und vernünftig nach vorne verteidigen kann. Wenn die AVs in Mannorientierung höher bleiben hat die letzte Linie wieder zu wenig Breite und gibt damit Räume preis, die der Gegner nutzen kann. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass das die allein selig machende Vorgehensweise ist, aber so ist nach meinem Verständnis die Logik des ballorientierten Verteidigens mit Viererkette. Selbstverständlich kann man das auch anders machen, auch mit Mannorientierungen. Oder auch das, was du beschreibst, das klingt im Prinzip für mich auch nicht schlecht. Entspricht halt nicht der "reinen Lehre" der Viererkette, wie sie meines Wissens aktuell ist.


    Beim spielbaren Flugball bewegt sich der IV natürlich nach hinten, aber nicht alleine. Mindestens der andere IV sollte sich ebenfalls absetzen bzw. eigentlich eher die ganze Kette meines Erachtens.


    Im Spielaufbau hast du natürlich Recht, da gibt es oft Situationen in denen ein Absetzen nach hinten Sinn macht, um vernünftig Passwege aufzumachen. ich hatte mich jetzt nur auf das Defensivspiel bezogen.


    Für mich der Beleg, dass wir bei Beschreibungen ein anderes Bild vor Augen haben, auch wenn du es als etwas übertrieben beschreibts, denn das habe ich garantiert nicht gemeint und davon halte ich auch nichts,


    Das klang wahrscheinlich so, als hätte ich es so verstanden, dass immer derselbe Spieler dauerhaft hinter den anderen steht. So habe ich es aber nicht verstanden. personalityX hat das ja aufgezeichnet und du hast ihm ja, so wie ich dich verstanden habe, beigepflichtet. Dabei ging es darum, dass sich ein Spieler (im Wechsel) hinter den anderen aufhält, um abzusichern. Das ist aber in meinem Verständnis von Viererkette eine Situation, die man nie haben möchte. Natürlich sind nicht ständig alle Spieler auf einer Höhe, aber das Heraustreten aus der Kette findet nach vorne statt, nicht nach hinten. Die andere Variante kann natürlich auch sinnvoll sein, ist aber, wie gesagt, dann meines Erachtens etwas anderes als eine Viererkette.

    An und für sich sehe ich, was die Ausbildung anbelangt, keinen großen Unterschied zwischen Mittelfeld- und Abwehrpressing, sie unterscheiden sich eigentlich nur in der Höhe der verteidigenden Mannschaft.


    Einerseits ja, andererseits nein. Richtig ist meines Erachtens, dass die beiden Sachen grundlegend dasselbe sind und derselben Logik folgen, Angriffspressing dagegen folgt meiner Ansicht nach einer anderen Logik und ist damit grundlegend verschieden. Trotzdem würde ich nicht unbedingt sagen, dass es was die Ausbildung anbelangt keinen Unterschied macht, weil beim Abwehrpressing Punkte wegfallen, die beim Mittelfeldpressing wichtig sind. Beim Abwehrpressing ist kein Absetzen bei spielbaren langen Bällen nötig und kein Anpassen der Höhe. Man vereinfacht das Verteidigen im Prinzip dadurch, dass das vertikale Verschieben in jeglicher Form unnötig wird, weil man grundsätzlich vom sicheren Abstand aus verteidigt. Ich vermute anhand deiner Äußerungen fast, dass dir das auch klar ist, wollte es nur nochmal dazu schreiben, weil es möglicherweise für Andere interessant ist. Also: Abwehr- und Mittelfeldpressing grundlegend gleich: ja. Aber Abwehrpressing reduziert deutlich die Komplexität des Verteidigens.


    für mich ist eine Viererabwehrkette, die immer auf einer Linie steht eine schlechte.


    Stimmt, aber eine, bei der ständig ein Spieler hinter den anderen steht, ist - überspitzt formuliert - gar keine. tobn hat das ja im Prinzip alles schon geschrieben, aber ich möchte mich ihm anschließen: der Sinn hinter der Viererkette ist ja genau der, das Spielfeld für den Gegner eng zu machen und Druck auf den Ball auszuüben, indem dem Gegner möglichst keine Tiefe gegeben wird. Wenn aber ein Spieler nach hinten weicht, dann passiert genau das wieder. Ich kann nicht beurteilen, ob das als Übergangslösung zum Erlernen sinnvoll sein könnte, weil ich es nicht ausprobiert habe. Aber mir erscheint es nicht sinnvoll, weil es genau gegen ein zentrales Prinzip der Viererkette verstößt.


    Bezüglich der Schiedsrichter und Abseits hast du natürlich Recht. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass sie das sehen (selbst richtig gute Schiedsrichter können alleine auf dem Platz in vielen Situationen gar nicht sehen, ob eine Situation Abseits ist). Aber - so formuliert es mein Trainerkollege immer recht gut, wie ich finde - wenn die Abwehr hinten auf einer Linie steht spielt man ja noch nicht auf Abseits, nur "mit Abseits". Auf Abseits spielen wäre in dem Sinne ein gezieltes Herausrücken und Abseitsstellen. Das halte ich im Profibereich für riskant, im Amateurbereich in aller Regel für ziemlich dämlich, weil es zu oft schief geht. Das Spiel "mit Abseits" wiederum, also die letzte Linie auf einer Höhe zu haben, ist grundlegender Bestandteil der Viererkette und meines Erachtens auch sinnvoll. Es besagt ja nur, dass man sich so positioniert, dass man nicht größere Räume im Rücken seiner Abwehrspieler präsentiert, in denen ganz klar niemand im Abseits steht, weil eben irgendwo 30m daneben noch der Libero steht. Dass es dann knappe Situationen geben kann, in denen ein Spieler im Abseits steht und mittels eines Steckpasses dann frei aufs Tor läuft, ist richtig. Aber die Kombination aus Druck auf den Ball ausüben, wenn kein Druck da ist, zurückfallen und dann aus der Kette nach vorne den Ball zu attackieren soll ja im Idealfall vermeiden, dass es überhaupt zu Steckpässen kommt, die nicht der Torwart vor jedem Angreifer erreichen kann. Das Vermeiden solcher Situationen klappt auch bei uns in der C-Jugend mittlerweile schon ziemlich gut. Im Gegensatz zu unserer Anfangszeit mit der Viererkette kommen strittige Schiedsrichterentscheidungen in dem Bereich inzwischen kaum noch vor, weil wir es schaffen, diese Situationen weitgehend zu vermeiden.

    Mit dem Problem bist du nicht alleine, in dieser Saison (auch C-Jugend) haben bislang ALLE Mannschaften, die gegen uns mit Viererkette gespielt haben, genau dieses Problem gehabt. Sehr hohe Kette, die bei fehlendem Druck auf den Ball nicht zurückweicht + Torhüter, der zu tief steht. Es nervt mich mittlerweile, weil wir eigentlich Fußball spielen wollen, aber im Prinzip mit langen Bällen sehr viel höhere Erfolgschancen haben aufgrund der lustigen Verteidigung der anderen Mannschaften. Ich bin großer Fan des ballorientierten Verteidigens, aber manchmal frage ich mich da schon, ob es so sinnvoll ist, wenn es dann so planlos durchgeführt wird. Aber gut, du hast das Problem ja erkannt und willst es ändern.


    Es ist zwar in Deutschland zur Zeit aktuell, möglichst vorne drauf zu gehen und dort schon Bälle zu erobern. Das macht auch einen gewissen Sinn und hat meine Sympathie, prinzipiell, aber um das Verteidigen zu lernen ist es meines Erachtens sinnvoller, mit einer tieferen Stellung anzufangen, weil dann die Räume hinter der Kette nicht so groß sind. Also Mittelfeldpressing; bzw. wir haben sogar mit ganz tiefem Verteidigen angefangen. Selbst wenn man aber prinzipiell vorne zustellen will, dann muss den Spielern klar werden, dass das zwar euer Grundgedanke ist, dass es aber Situationen gibt, in denen ihr davon abweichen müsst. Diese Situationen liegen immer dann vor, wenn ihr keinen unmittelbaren Druck auf den Ball machen könnt. Ein Spieler dribbelt frei nach vorne bzw. insbesondere es ist ein Flugball spielbar. Dann muss die Kette einschätzen lernen, ob sie noch die Höhe halten kann (= der Spieler wird es nicht schaffen, den Flugball über die Kette zu spielen) oder ob sie den Abstand zum Ball dadurch wahren muss, dass sie zurückweicht. Dafür kommt dann idealerweise ein Kommando "absinken", "absetzen" oder "fallen" oder was auch immer einem dafür gefällt. Wenn das Prinzip deinen Spielern noch unbekannt ist, kannst du es ihnen einerseits in der Theorie klarmachen und dann auch auf dem Platz üben. Vielleicht erstmal ganz trocken, indem du dich mit dem Ball in einem gewissen Abstand hinstellst, ihn dir dann wie zum Flugball vorlegst - in dem Moment muss die Kette dann einige Meter nach hinten weichen. Das wäre vielleicht ein erster Schritt. Dann kannst du vielleicht einige Angreifer dazu nehmen. Diese passen sich (zunächst mit vorgegebenen Positionen) den Ball zu, ab und an holt einer von ihnen zum Flugball aus und die Kette muss immer ihre Position anpassen (sowohl seitlich schieben als auch von der Höhe her - bei letzterem ist dann auch wichtig, dass sie, wenn keine Gefahr durch einen Flugball mehr droht, auch wieder hoch kommen und nicht hinten stehen bleiben). Im nächsten Schritt können die Angreifer dann den Angriff tatsächlich ausspielen - vielleicht gibst du vor, dass sie zunächst eine bestimmte Anzahl Pässe aus Grundpositionen heraus spielen müssen und danach dann in den Angriff gehen. Dabei kannst du die Angreifer dahingehend coachen, dass sie so angreifen, dass die Situationen, die du trainieren willst, entstehen.

    Aufgrund des intensiven Scoutings und der auch guten Ausbildung in weiten Bereichen glaube ich auch tatsächlich, dass so etwas seltener vorkommt als in früheren Zeiten. Es ist meines Erachtens kein Jugendwahn, dass momentan junge Spieler so gefragt sind; die sind einfach so gut. Nichtsdestotrotz gilt aber natürlich, dass sich Spieler unterschiedlich schnell entwickeln, das wird ja hier für den Jugendbereich auch regelmäßig diskutiert und ist denke ich einhellige Meinung unter denjenigen, die schon ein paar Jahre aktiv sind. Das kann sich nun auch bis in den Seniorenbereich hineinziehen, wobei es dann halt selten so eine Spitze mit einer Nationalmannschaftsnominierung erreicht. Aber es gibt ja immer wieder Spieler, die erst in höherem Fußballeralter zum Beispiel in die Bundesliga kommen.


    Ich denke bei der Thematik gerade an Oliver Kirch bei Borussia Dortmund, bei dem ich mich schon fragte, was Dortmund in der damaligen Situation mit ihm wollte. Und dann hat er einige richtig gute Spiele gemacht und wenn ich mich recht erinnere äußerte sich Klopp dahingehend, dass er noch nie einen Spieler in dem Alter gesehen hätte, der sich so massiv verbessert hätte. In jüngerem Alter wird einem halt von den äußeren Bedingungen her eher zugetraut und abverlangt, den Fokus auf Verbesserungen zu legen. In höherem (Fußballer-)Alter liegt es dann denke ich vor allem daran, wie der Spieler das sieht und sich dementsprechend verhält.

    Es ist halt ein Technik-Drill. Diese haben durchaus ihren Platz im Training neben den Spielformen.


    Einerseits das, andererseits kann man da auch andere Dinge mit einbeziehen. Ich hab mir gestern (ja, wir waren so bekloppt, sonntags zu trainieren :D) zum Beispiel für das Aufwärmen eine Passform überlegt, in der Elemente vorkamen, die wir auch im Spielaufbau haben wollen (Reihe überspielen, Außenspieler, der Anspiel entweder ins Zentrum klatscht oder je nach Kommando nach innen zieht). Wie andere auch schon geschrieben haben, denke ich auch, dass das bestimmte Abläufe schult. Aktuell geht es bei uns, aber wir hatten lange das Problem, dass immer der Ball 5m zum nächsten Spieler geschubst wurde. Wenn ich dann immer mal wieder eine Passform mache, bei der sich kurz anbietende Spieler überspielt werden, prägt sich denke ich schon etwas mehr die Idee ein, dass das ja auch geht, dass man nicht immer 5m weiter schubsen muss. Ähnliches gilt für das Gewöhnen an Kommandos wie "klatsch" und "dreh". Klar ist aber auch, dass bei diesen Dingen vor der Anwendung im Spiel dann noch eine Zwischenstufe per Spielform sinnvoll bzw. oft notwendig ist.