Alles anzeigenDas ist aus meiner Sicht der wichtigste Punkt: eine langfristig ausgelegte Ausbildung und deren (oft schwierige) Durchsetzung. Ich denke, dass man die Eltern und auch Trainer nur mit Beispielen bei denen es geklappt hat überzeugen kann, hat noch wer einen positiven Erfahrungsbericht hierzu?
Was mich aber auch wieder wundert: in anderen Sportarten, z.B. Leichtathletik geht man auch langfristig vor, erst wird das Fundament gelegt - Vielseitigkeit (Koordination, Laufen, Werfen, Springen) - dann, zum Ende der Pubertät, wird erst spezialisiert. Hier käme kein Elternteil oder Trainer auf die Idee die Spezialisierung vorzuziehen.
Warum ist das im Fußball anders? Warum wird oft der (kurzfristige) ergebnisorientierte Erfolg vor die fundierte Ausbildung gelegt?
Ich denke, dass es im Fußball anders ist, weil sich mehr Leute auskennen, bzw. meinen, sich auszukennen. Die kennen dann den Profisport und haben eine vage Vorstellung davon, wie es da läuft und meinen, man müsste möglichst früh alles genau so machen, wie es dort ist. Im Dialog mit Eltern spielt dann die eigene Erfahrung eine Rolle. Sehr viele Väter haben früher selbst im Verein gespielt und kennen von damals eine gewisse Vorgehensweise. Wenn das heutige dann davon abweicht, dann ist man erstmal skeptisch, weil einem das Bekannte zunächst mal immer näher liegt als das Unbekannte. Diesen Erwartungen stellen wir dann im Fußball, so zumindest mein Eindruck, im Durchschnitt schlechter ausgebildete Trainer gegenüber als in anderen Sportarten. Durch die schiere Masse an Kindern, die Fußball spielen, werden so viele Trainer im Jugendbereich gebraucht, dass es eben nicht nur die machen, die von vornherein Begeisterung für die Tätigkeit aufbringen und die dann auch so bekloppt sind, sich in der Freizeit noch jede Menge Fachwissen anzueignen, sondern eben auch welche, die dann so reinschlittern. Nicht wenige davon beschäftigen sich dann auch intensiv damit und setzen Neues, was sinnvoll erscheint, um, aber viele machen es eben auch nur ungefähr so, wie sie es von früher kennen und/oder wie sie es im Erwachsenenbereich sehen oder aus der eigenen Spielerzeit kennen. Aber es braucht eben einige Beschäftigung mit dem Thema und dann nochmal, in der Regel, eine gewisse Zeit, bis man sich ggf. davon überzeugen lässt, dass eine andere Vorgehensweise als die althergebrachte sinnvoll sein könnte. Bis der Prozess dann durch ist, sind die meisten - insbesondere die Vatertrainer - dann schon wieder aus dem Trainingsbetrieb draußen, oder zumindest aus der Altersklasse, für die es besonders wichtig ist.
