Ich bin jetzt nur noch betroffener Vater. Mein Sohn spielt nun 6 Jahre in unserem Verein. Am Anfang durfte er wenig spielen, da er ein Dezemberkind ist, und auch noch recht verträumt war. Fußball hat er schon immer geliebt. Zwischendurch gehörte er zu den Leistungsträgern der E2;E4 und durfte fast immer durchspielen. Jetzt haben wir wahnsinnig große D-Jugendmannschaften und er ist Bankdrücker (5-Minuteneinsätze). Jetzt in der D-Jugend haben schon viele Kinder aufgehört. Ich habe alle gefragt, warum. Viele kenne ich ja auch schon Jahre. Alle haben sie gesagt, weil sie eh nicht spielen dürfen. Viele 12 Jährige tun sich die Bankdrückerei nicht lange an. Mir tut es um jeden leid, der aufhört, denn ich weiß viele würden gerne Fußballspielen, wenn sie eben nicht immer nur Bankdrücken müssten. Jetzt spielen sie halt nur noch Videospiele. Klar müssten sich mehr Eltern engagieren, aber das ist auch keine Pauschalentschuldigug dafür, das ich die Schlechteren einfach auf der Bank sitzen lasse, da ich die eigentlich eh nicht brauch und eigentlich die eh nicht will und jetzt in der D-Jugend der Leistungsgedanke o.k. ist.
Wenn ich lese, dass Dein Sohn zwischendurch "Leistungsträger" in der E2, E4 war und fast immer durchspielen konnte, stellt sich mir die Frage, wie nachhaltig Deine Gedanken um alle Kinder in Eurem Verein wirklich sind. Denn wenn Dein Sohn fast immer durchspielen konnte, waren es entweder so wenige Kinder, dass dieser Umstand sich nicht nachteilig auf die Einsatzzeiten anderer Kinder auswirkte (was ich ehrlich gesagt nicht glauben könnte wegen der Verwendung des im E-Jugend-Bereichs suspekten Begriffs "Leistungsträger") oder ob nicht die - für mich durchaus nachvollziehbare - Sorge eines Vaters durchkommt, dass der eigene Sohn eben nicht mehr durchspielt, sondern sogar unterdurchschnittlich hohe Einsatzzeiten erhält. Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber ich nehme an, dass Du nicht protestiert hast, als Dein Sohn durchspielte, oder?
Ich bin aber grundsätzlich Deiner Meinung, dass das Ausgrenzen von Kindern bei Einsatzzeiten absolut daneben ist.
Weiteres Zitat House:
"Für mich hat ein gemeinnütziger Dorfverein die Aufgabe, allen Kindern, die Fußballspielen wollen, das vernünftig zu ermöglichen. Als Trainer muss ich schauen wie ich a l l e Kinder die ich habe, am Besten einsetzte. Viele Trainer in unserem Verein wollen hauptsächlich ihre Söhne gut platzieren und als große Meistertrainer dastehen (schon in der F-Jugend!!). Das ist aber meiner Meinung kein großartiges ehrenamtliches Engagement, wenn's mir nur um meine Söhne und das Siegen geht und nicht um alle Kinder. Ich möchte nicht, das so etwas auch noch steuerlich gefördert wird. Warum?"
Auch bei unserem Verein gibt es viele "Vatertrainer" (ohne die es nicht funktionieren würde). Ich kann definitiv für keinen dieser Trainer bestätigen, dass es denen nur um ihre Söhne geht. Ein Problem ist eher, dass auch in jungen Jahren wegen der Tabellen usw.. die Ergebnisse eine große Rolle spielen und das Training vielleicht nicht immer so vorbereitet wird, wie es für uns oder den DFB wünschenswert wäre. Das betrifft aber unterschiedslos viele Trainer. Aber immerhin: es findet Training statt und wird von Menschen ohne finanzielle Interessen organisiert.
Im übrigen ist es auch selbst für junge Trainer, die sich mit den DFB-Vorgaben auseinandersetzen, nicht ganz einfach, wenn - z. B. weil vorher nicht ausgetüftelt wurde, wie die gleichen Einsatzzeiten zu organisieren sind - im E-Jugend- oder D-Jugend-Punktspielbetrieb in engen Spielen bewusst die Entscheidung getroffen werden muss, ein Spiel zur Ermöglichung einer fairen Einsatzzeit auch zu verlieren. Ohne dahinter stehendes Vereinskonzept und ohne permanente Belehrung aller Eltern (die so viel theoretisches Zeug vielleicht gar nicht hören wollen?) erlebt man da schnell eine Revolution.
Zitat House:
"Das predige ich eigentlich schon seit 10 Jahren so in unserm Verein. Anfangs war ich selber Trainer und wurde echt von den anderen belächelt, als ich sagte, ich lasse alle Kinder gleich lange spielen. Völliges Unverständnis von den Meisten. Seit einigen Jahren bin ich selber kein Trainer mehr, da ich es einfach wirklich nicht mehr schaffe. Es gibt in unserm Verein immer noch Trainer, die Kinder nie zu Spielen mitnehmen oder nur 5 Minuten spielen lassen und auch noch klar zu Ihnen sagen: du bist einfach zu schlecht (auch zu 10 jährigen). Viele sagen aber inzwischen auch wir setzten die Kinder nach Leistung und Trainingsbeteiligung ein und jeder muss vernünftige Spielzeiten haben. Das sagen sie zwar dann, machen es aber trotzdem nicht. Die Guten, die wenig zum Training kommen, spielen trotzdem durch, die Schlechteren, die immer beim Training sind, bleiben trotzdem die Bankdrücker."
Mit anderen Worten gibt es eigentlich bei Euch keinen Trainer, der angemessene Einsatzzeiten verteilt. Ehrlich gesagt sind mir die Trainer, die behaupten, jeder müsse vernünftige Spielzeiten haben, dies aber nicht umsetzen, noch unsympathischer als die, die das klar kommunizieren.
Die Kinder merken das auch selber sehr schnell und hören dann halt oft ganz mit Fußball auf. In der Freizeit muss ich mir doch nicht auch noch negative Erlebnisse (Banksitzen) antun. Oder? Bin gespannt, wie lange das mein Sohn noch mitmacht.
Ob das immer und ausschließlich der Grund fürs Aufhören sein muss, ist nicht sicher. Bei uns im Verein gibt es Kinder, die unterdurchschnittliche Einsatzzeiten haben und trotzdem stolz und glücklich sind, dabei zu sein. Es ist zwar schlimm, wenn man vor Augen hat, wieviel mehr Spaß und Entwicklungsmöglichkeiten diese Kinder gehabt hätten bei mehr Einsatzzeit. Aber sie sind augenscheinlich so motiviert, dass dieser Umstand für sie nicht entscheidend ist. Genau so gibt es Kinder, die ausreichend Einsatzzeiten hatten und "trotzdem" aufhören (einfach keinen Spaß mehr haben).