Als Trainer einer Jugendmannschaft auf dem Dorf kann ich mich nicht für alles verantwortlich zeichnen, was rund um den Platz am Spieltag passiert. Diese Verantwortung kann ich nicht tragen. Ich kann mich selbst ruhig verhalten, dass ist schon mal sehr wichtig. Dazu kann ich noch versuchen, auf die 'eigenen' Eltern Einfluß zu nehmen. Schon das ist mitunter schwierig, da hilft nur immer wieder reden.
Schon der Wille, auf Eltern/Betreuer des anderen Teams mäßigend einzuwirken, kann genau das Gegenteil bewirken. Ich habe Gott sei Dank noch keine Begegnung gehabt, wo es zu körperlicher Agressivität gekommen ist. Ich denke aber dass die Mechanismen zur Gewaltentwicklung zu unkontrollierbar sind, um jede Situation mit dem bloßen Willen zur Deeskalation in den Griff zu bekommen. Wenn eine geringe Frustationstoleranz gegeben ist und die Bereitschaft, einen Disput nicht nur verbal zu lösen, dann wird man enorme Probleme bekommen.
Was also tun ? Breitensport komplett abschaffen, da kein flächendeckender Einsatz von Polizei- und Ordungskräften beim bundesweiten F- und E-Jugend Spielbetrieb möglich ist ? Ich denke, dass ein Platzverbot -u. deren konsequentes Durchsetzen durch Rufen der Polizei, falls diese doch zum Spiel erscheinen- für Zuschauer, die durch gewalttätiges Auftreten in Erscheinung getreten sind, absolut geboten ist. Spieler ausschließen, deren Eltern gewaltätig geworden sind ? Das würde in der Tat Sippenhaft bedeuten, und das ist mit Rechtsstaatlichkeit nicht vereinbar. Da gebe ich Kicker Recht, wenn ich auch die sonstige Argumentationskette, die aus den handelnden Tätern mal wieder Opfer macht, die wir als Gesellschaft vorher einfach zu schlecht behandelt haben, sehr kritisch sehe.
Gerade bei 'alteingesessenen' türkischen Familien, die jetzt in der 2-3 Generation hier sind, staune ich immer wieder, das offenbar eine komplette Parallelgesellschaft ohne Berührungspunkte entstanden ist. Selbst der gemeinsame Schulbesuch der hier aufwachsenden Kinder scheint oftmals wenig daran zu ändern, dass ein echter privater Kontakt zu eingesessenen Schulfreunden und deren Familien nicht zustande kommt. Ich habe wie früher schon mal geschrieben auch beruflich mit der Materie zu tun. Und die Schuld für den mangelnden Kontakt und das einander nicht verstehen (bzw. nicht einmal miteinander etwas zu tun haben wollen) immer nur beim Gastland zu suchen, dazu habe ich gerade aus meinen beruflichen Erfahrungen heraus keine Lust mehr. Schon mal von ähnlichen Problemen mit italienischen oder spanischen Gastarbeiterfamilien gehört ? Tschuldigung, dass es in eine Ausländerdiskussion abrutscht, aber die Auseinandersetzungen zweier türkischer Familienclans am Spielfeldrand haben für mich wenig mit KIFU-Strukturen zu tun. Hier den Verein oder die Trainer anzugreifen halte ich für falsch. Da sollte sich mal jeder überlegen, wie er so eine Eskalatian wohl hätte verhindern sollen. Im Breitensport nicht möglich, man kann nicht alles von oben kontrollieren wollen, wie soll das denn gehen, ich bin froh wenn ich als Trainer meine Mannschaft vernünftig trainiert und organisiert kriege, da kann ich nicht auch noch als Puffer für soziale Probleme herhalten. So größenwahnsinnig bin ich nicht, den Einfluß habe ich nicht.