fußball ist bei uns immer noch "proletensport", was für die einfachen leute
siebener: Wo dem so ist, sollte man die Entwicklung wirklich mal bedenken: sich mehr öffnen, Kompetenzen abgeben, kritische Stimmen mehr erhören statt ausgrenzen. Doch wo ist ne Vereinsführung dazu mal bereit? Der Fisch stinkt immer zuerst vom Kopf, sagt der Volksmund. Professionelle Unternehmer müssen sich Konkurrenz ehrlich stellen, würden doch nie klagen und jammern, dass die Kunden als solche Grund seien, warum ihr Laden nicht läuft, oder? Man würde sich um diese Kunden bemühen, mehr um sie werben - und hat man keinen Erfolg, stimmt das eigene Produkt nicht, verschwindet man mangels Leistung für die realen Menschen im Wettbewerb mit anderen Angeboten vom freien Markt, was dann gut so ist. Alles andere wäre Ressourcenvergeudung und unsozial: Wozu massiv aus Steuermitteln der Gemeinschaft Vorteile weniger subventionieren, damit ein Laden überlebe, den objektiv kaum noch wer will? Jeder muss und kann sich bewegen, Kritik möglicher Kunden fair ernstnehmen, in ihrem statt dem eigenen Interesse agieren, Qualität obenan stellen...
So einfach ist es, wo Leistung zählt. Daher weine ich keinem eine Träne nach, der Mist macht u. sich ruiniert, ja, ich freue mich, sollte er weg sein, weil er mich ärgert, viel Geld öffentlicher Kassen bzw. Güter (Sportplätze, Hallenzeiten etc.) verschwendet. Am Ende gibt man ja oft noch Kindern selbst die Schuld, wenn's schlecht läuft: sie seien faul, unzuverlässig, lustlos, konsumfixiert etc. Umgekehrt: wer eine Fördergruppe von 12 Talenten hat u. irgendwo, gar im Winter in der Halle trainieren will, der wird ausgelacht, da aus Tradition alles Vereinen gehört u. zukomme; neue Initiative hat da Null Chance! Grund: Protektion für die Platzhirsche!? Doch immer nur da entsteht eine Chance für Neues, das läuft, wo etwas Altes, Überholtes verschwindet, das nicht rund läuft. Denn Platz ist nie für alle, nur begrenzt da. Sind Vereine heute vielleicht überholt? Wer noch existiert, aber rückständig ist, hat die Option, sich zum Besseren zu verändern, er muss dies aber auch ernsthaft und aufrichtig wollen, neu denkende Leute ins Boot lassen. Aber: Jammern verboten! Belässt man Fußball vor Ort bei dem Image, das du benennst, muss man sich nicht wundern, wenn ganze gesellschaftliche Gruppen ihre Kinder lieber zu Golf, Judo, Tanzen, Ballett, Schießen, Musik-, Kunstschulen, Fitnessstudio oä schicken, vom klassischen Sportverein nichts wissen wollen. Konkurrenz gibt es nämlich nicht nur intern durch Bessere, die man rauskickt. Echte Reformen täten Not, nicht das, was ich hier oft selbstbezogen beschrieb, muss man ja nicht wiederholen... Ich gehe da auch von Notständen, einer Pleitewelle, einem Massensterben von Vereinen aus.
Soll aber diese Art Verein unverzichtbar sein? Freie Plätze für freie Bürger, indbesondere Kinder, statt quasi in "Privatbesitz" der Vereinsbosse: "Kinder an die Macht" eben, das Undenkbare zulassend - diese Entwicklung fände ich eine kinderfreundliche Alternative bei uns im Dorf, wo zwar viele gern Fußball spielen möchten, aber nicht im Verein. Wieso wird dieser ihnen als einzig mögliche Tür um Fußball aufgezwungen, wieso dürfen sie nicht einfach ihren Fußball spielen, wo doch auch der DFB früheren Straßenfußball - zurecht, da mehr eigene Entwicklung und Entscheidung gestattend - als beste Förderung lobt? Ich gestehe: ich war als Kind 3 Monate im Verein und fand es nur ätzend, das freie Spielen - heute unmöglich gemacht - auf der Wiese aber liebte ich über alles. Als es über die Jahre verschwand, fand man dazu keinerlei Zeitungsartikel, mangels Interessensvertreter (neudeutsch: Lobbyisten, die o.g. Artikel doch lancierten, um mehr Mittel aus öffentlichen Haushalten loszuschlagen, wie ich befürchte, nicht aber, um etwas zu verändern, zu verbessern)!? Oder was meinst du, siebener? Ich habe eine Riesensehnsucht: nochmal echt begeisterte Kinder auf wilden Wiesen wie in meiner Jugend frei und natürlich kicken zu sehen, dass sie das Glück, dass wir damals ohne jede Bevormundung und Einpferchung genießen dürften, auch wieder erfahren, - aber es wird sich wohl nie mehr verwirklichen lassen: ein Traum, für heutige Kids auf immer verloren? Da könnte ich echt heulen drüber, dass wir unsere spärliche Jugend so berauben, man nichts dagegen tun kann, sterbende Vereine aber, die lassen mich kalt, denn dies ist meines Erachtens gerechtfertigt, voll selbst verschuldet, mag man mich für dies ehrliche Urteil auch steinigen wollen: was nur in der Sache gar nichts nützt o. bewirkt!. Hier ist doch KiFu jenseits der Vereine oft schon gar nicht mehr denkbar, oder? Das zeigt aber nur, welch Macht Vereine über KiFu über die Jahre sich erarbeitet haben, oder? (Erwachsene hingegen haben viele Optionen: Bunte Liga, Betriebsport, freie Guppen, "Soccerland", Unisport u.ä., denn sie sind: mündig, mobil, finanzstark... Kinder aber sind heute fast total abhängig, ausgeliefet, das ist das Traurige.)