Seit langem bin ich radikal hinter die Kulissen schauender Systemkritiker: da mir ein anderer, freierer Fußball vorschweben würde, da Systeme immer die in ihrer möglichen Selbstbestimmung konkret menschlichen Menschen zu verschlingen suchen. Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, aber in deren 'sozialer' Scherenentwicklung ein extremes! Ganz unten, im KiFu gibt es kein Honorar, keine Qualitäts-/Leistungskontrolle oder offenes Klima bzgl. der Anbieterseite: wer Glück hat findet für seine Kinder einen der letzten hochengagierten Idealisten als Betreuer, sonst läuft es mehr o. weniger suboptimal. Denn mal ehrlich: im Ausgleich gegen kostenloses Tätigsein genießt man als Trainer relative Narrenfreiheit, darf willkürhaft u. für Dritte (Eltern wie Kinder) fast unhinterfragbar verfahren, wie man lustig ist: der eine nutzt den KiFu als private Schreitherapie o. für den eigenen Ehrgeiz, will mal irgendwo das Sagen, Macht haben, sich im Kleinen profilieren, andere wollen ihr Kind protegieren, ihre sozialen Kreise im Vereinsheim pflegen. Also: nur wer KiFu zu "seinem" Hobby erklärt, eigene Interessen hat u. verfolgt, wird sich vom System honorarfrei ausbeuten lassen. Davon gibt es immer weniger, folglich sinkt mangels Angebot das Niveau reeller Be-treuung. Von wegen "echte Profis"! Herrschen verdrängt als Denkansatz immer öfter das soziale Dienen, und es gilt: Hauptsache, wir finden irgendwen Dummes, der diesen Job macht, sich fraglos ins System eingliedert etc. Der Rest, Betreuungsqualität: fast egal, aber wehe dem, der sie zu hinterfragen, für Kinder, die Kleinen da unten mehr zu wollen wagte!
Ganz oben aber lebt man in ner grundlegend anderen Welt. Da verdient man nebenbei Millionen wie jüngst Götze 3,7 Mio.,10% seiner Ablöse. Ein ungeheurer Sieger- bzw. Ich-Kult herrscht vor. Verlierer aber führt man gnadenlos am Nasenring durch die mediale Arena. Loser werden wie Abfall behandelt. Trainer wie grad beim HSV müssten unter massiven Schleudertraumen leiden, bekommen hier entsprechend viel Schmerzensgeld wie Über-Gewicht. Man hält es nur aus, weil es zuerst nüchternes Geschäft, nicht menschlich Bewegendes mehr bedeutet? Als mutmaßliche, per Erfolg vorbildhaft wirkende 'Vereine' entstehen Retortenclubs durch 1 Mann wie in Hoffenheim o. Firmen wie in Wolfsburg. Auch zur WM fährt man nicht nur für die Ehre, will neben allen Werbewert noch direkte Geldprämien, falls man Erfolg hat. Doch wer bemerkt, welch vom Sportsgeist weg abgedrehter Wahnsinn dies alles ist? Worum geht es da?
Dies hat aber Methode, ist kein Zufall! Und das System duldet niemand, der ausschert, etwa von Herzen Kindern etwas mehr als das ihnen Zugedachte geben wollte: seit 8 Jahren versuche ich, ein wenig selbstbestimmt freieren Fußball für Kinder zu initiieren wie mit den Coolen Kidz, Team unter Freunden, Klassenspiele o. ein einst unter Vereinsdruck dann vor Ort verbotenes Schulturnier für 1.- u. 2.-Klässler. Man wird als "nicht normal" o. - was hier gar nicht der Denkansatz war - "nicht besser wie alle anderen" angegriffen, es wird gedroht: wenn sich meine" Spieler da verletzen, dann wirst du dein blaues Wunder erleben, dann passiert was... Mangels Nerven für so etwas rundum hatte ich dies Engagement für kindgerechteren Fußball denn auch fast eingestellt. Aber der Eindruck bleibt: die unten, Kinder sind für sich selbst genommen praktisch nichts wert. Und wer nichts wert ist, der kann schnell sehr wütend werden, wenn er groß geworden, dann evtl. Verlierer ist, sich unbewusst wieder ganz unten fühlt, aufm Platz zudem u.U. noch ungerecht behandelt, 'verpfiffen' u.ä. Denn der eigentliche Schmerz reicht ins Frühkindliche zurück, ist für ihn rational nie erreichbar: unbesiegbar! Klar, das System hat da seine Antwort: raus, abstrafen, weg mit denen, ihrer Wut im wie auf "den Fußball" - unter sich bleiben als die Guten. Plötzlich beklagt man gar, dass es keine Grenzen mehr gebe? Wo die Politik dies doch grad stets als schöne neue Welt fordert und will!? Alles eine Lebenslüge? Aber auch darüber redet man nicht, das darf niemand hinterfragen, es rutscht nur mal so in solch notgedrungenem Brief heraus...
