Wichtig ist ja das Wort Werde-Gang: wer geht, selbst gehen darf, der kann auch wer werden! Bei uns liefen Dorftrainer immer herum u. sagten schon 7-jährigen: von euch wird es nie einer in die Bundesliga schaffen. Ich opponierte stets: dies hätte zwar immer ein äußerst geringe Wahrscheinlichkeit, aber viele Leute spielen auch ihr Leben lang Lotto, obwohl da die Wahrscheinlichkeit viel gen Null geht. Vor allem aber läge es zu 100% nicht an diesen Trainern, das zu beurteilen, da sie keine Ahnung davon hätten, wer dies wie o. warum schaffe, die BuLi nur von außen betrachten u. zudem sicher jeder der Jungs auch stolz auf sich sein würde, mal RL o. OL zu spielen. Reaktion: Lächeln o. Spinner-Urteil (daher gefiel mir der gleichnamige Song der Revolverhelden so: Spinner sind Gewinner...) Interessant aber ist die Frage: Was geschieht mit, in Kindern, wenn sie früh über viele Jahre solch Leuten als scheinbar fachkompetent ihnen Maßstäbe setzenden Trainern ausgeliefert u. durch ihr Bashing mental geprägt sind, wo es anderorts positivere Ermutigung, Positionsrotation zwecks spielerischer Selbstfindung wie Flexibilität im Lernen o. Motiv-Erweiterungen gibt?
Hautnah, innerlicher u. reell kann man dies ja als Eltern am Beispiel der eigenen Kids beobachten. Man muss auch sehen, wie einer auf dem Klo scheisst, vor allem: wie oft vorm entscheidenden Spiel. Bisher ging ich davon aus, dass sie so fußballerisch, aber auch zwischen-menschlich einfach relational zugrunde gehen müssen. Unser Ältester hat sich mir gegenüber dann mit 12, 13 Jahren darauf versteift, dass er nur(mehr) zum Spaß Fußball spielen wollen, der ambitioniertere Papa nicht mit zu Spielen kommen dürfe etc. So war er dann auch im Schulteam nicht vorgesehen, im Gegensatz zum 1,5 Jahre jüngeren, so schon etwas schwächeren Bruder. Da für jenen dies innerlich demütigend empfunden werden muss, rief ich mal frech den Sport-FBL der Schule an, fragte nach den Kriterien etc., behauptete, der Ältere sei - trotz 7 Monaten Verletzungen im letzten Jahr - besser, auf Auswahlniveau - und schupps siegte der Trainer-Ehrgeiz, der Ältere gehörte ohne jede Sichtung o. Auswahl-Zugehörigkeit (wie bei den meisten: er war wg. Hemmungen o. Nervosität da früher immer gleich als "untalentiert" rausgefallen) unbekannterweise zum bereits feststehenden Team. Wohl das ganz normale Unrecht beim sog. Selektieren, wo eben - so mein von der Praxis stets neu bestätigtes Vorurteil - in Wahrheit meist Erwachsene die Haupt-, Kinder die Nebenrolle spielen. Nach dem 2:0-Sieg gratulierte ich, fragte mit schlechtem Gewissen/Unsicherheit nach, ob sich das Risiko der Blanko-Aufstellung gerechtfertigt worden sei, er mitgespielt habe. Zwar kein Dank, aber er hatte durchgespielt, sei der Beste gewesen u. ohne ihn hätte das Team gegen die höherklassig besetzte Nachbarschule nicht gewonnen. Das nun erstaunte selbst mich sohnfixierten Optimisten: wollte ja nur, dass auch er mal bei so einem Event dabei sei, da die Erinnerung daran immer bleibt...
Nun muss man bedenken, dass jene Auswahlspieler alle in höherklassigen Vereinen mit echten Trainern sind, wo 3- bis 4-mal sowie auch in den Ferien trainiert o. jedes WE gespielt wird, plus die Impulse durch Auswahltermine o. Fußball-AG, wo unser 14-jähriger auch nie war. Er hatte außer mir praktisch nur ihrerseits sohnfixierte Nichtfußballer (bei einem dürfte nur dessen Sohn u. ein anderer aufs Tor schießen, alle anderen mussten abspielen, auch zurück, wenn sie 3 Meter vorm freien Tor waren...) o. Aggro-Schreihälse. Was jetzt mit dieser Überraschung anfangen? So ganz untalentiert, wie die hohen JLZ-Scouts o. auch DFB-Sichter mit ihrem oberflächlichen Daumen-hoch-runter-Sichten stets meinten, kann er wohl doch nie gewesen sein. Er selbst tat das Spiel wie stets gleich ab als Glück u. guten Tag, aber jeder Fußballer weit doch, dass es zwar schlechte Tage o. Formschwächen für Fußballer geben kann, aber nie einer, der nichts kann, alle anderen plötzlich überragen kann: wer das tut, könnte dies auch stabilisieren, durch neue bessere Trainingsimpulse noch weiter über sich im vermeintlichen Endstatus hinauswachsen. Die Türen der L-Vereine o. gar Stp sind aber ja längst zu, nach unten in unseren Kreisklassen-Alltag schaut von denen nie wer u. bei Sichtungs- o. Probe-Events versagt unser Sohn sowieso stets, da er - durch seine Intelligenz - zuviele Optionen im Kopf hat, zu viel sieht, wie er selbst abwehrend sagt: den Tunnelblick lehnt er ab, da er ihm nicht entspricht, er gern mehr im Ganzen, nicht nur sich wahrnehmen will. Obwohl solch Spieler eben m.E. das wichtigste Talent in sich tragen: weltoffenen Blickes im u. als Team spielen zu können, müssen sie unter für sie unerträglich fremdbestimmenden Druck eben versagen. Daher grüble ich seit Jahren - Hoffnung stirbt zuletzt, wie man solch Kindern den Weg in höherklassigen Fußball eröffnen, die geistige Beschränktheit der als Gatekeeper fungierenden Trainer in deren Fokussiertheit u. Erbsenzählerei bzgl. sog. Leistungsstärken aufheben könnte... Unmöglich, da sie den Sinn von Fußballspiel einfach nicht erfassen, so unabänderlich die spielintelligentesten Jungs verkennen u. als unfähig aussortieren müsse, dabei per arroganter Selbstzuschreibung jedes Fragwürdige am eigenen Tun nur abwürgen können? Weil sie nicht authentisch in Werde-Gängen zu denken bereit sind, nur Ist-Zustände registrieren, daher auch bedenkenlos heute Jungs ein- u. dieselben nach ihrer Förderung morgen wieder aussortieren, so idiotisch dies jedem zum Zweifel an diesem erdrückenden Top-down-System fähigen Außenstehenden erscheinen muss?
Wenn du deinen guten Betrag also ernstnimmst, guenter, was sagst du zu meinem konkreten Fallbeispiel: wo sind noch Wege, die ein am Fußball zwar stark zweifelndes, aber noch nicht verzweifeltes Talent zwecks Werden gehen könnte? Meinerseits ist dies kein Zwang, für meine Frau gar ne Bedrohung für die schulische Laufbahn, da sie nicht versteht, das womit-auch-immer ausgefüllte Zeit (bei gewisser Selbstbestimmung) stets besser als das viele Abhängen sonst im Alltag ist, aber jeder lebt nur einmal: daher sollte man alles versuchen, sich in seinem Sein-Können nicht vorschnell aufgeben, oder? Mit 24 ist es zwar sicher prima, noch in die RL wechseln zu können, sollte dies riskieren, aber ein Talent ist man in diesem Alter ja nicht mehr, Scheitern wohl wahrscheinlich, daher die Verbindung mit dem Beruf viel wichtiger. Bis 18, 19 Jahren aber finde ich es nicht verkehrt, alles auf eine Karte zu setzen: wenn es der eigene Sport, man eigenmotiviert ist - dies bleibt mental der Schlüssel zum Erfolg, ohne den i.d.R. alles vergebens ist! Daher ist eingangs nachzuprüfen, inwiefern er passt, bevor man über Jahre sinnlos sich selbst verfehlt: Da Talent der geringste Anteil an Karrieren bleibt (wiss. 10%), dh von viel zu früh fürs eigene Ich profilneurotisch selektieren wollende System-Followern extrem überbewertet wird, so mein Urteil nach jahrelanger Beobachtung dieser oft Kinder ihrer selbst entfremdenden, sie daher in eigenen Motiven verheizenden "Förder"-Praxis Mentale Stärke aber kann jeder auch noch spät erlernen, sie ist dann meist Ursache bei sog. Spätstartern: sie wurden nur früher übersehen u. in ihrem Selbst übergangen, in ihren Talenten fremdbestimmt, dh belastet o. beschädigt. Sobald dies - von innen her - abzublocken gelernt ist u. aufhört, folgen dann Leistungssprünge u. die Karriere beginnt erst richtig wie aktuell bei einem A.Hahn, der noch vor kurzem im Fußball aufgeben wollte, aufgehört hätte, wäre er nicht zum Glück nach Augsburg gewechselt, nun Nationalspieler ist: an solch seidenen Fäden hängen Karrieren in Wahrheit, mit Talent hat sie letztlich wenig zu tun, oder? Das meine Überzeugung... 