Was bedeutet hier Jahrgangstrainer? Ist es so zu verstehen, dass ein Trainer z.B. nur die E-Jugend trainiert? Wollt ihr eventuell auch die Mannschaften jahrgangsorientiert aufstellen?
Wenn das so gemeint ist, dass ein Trainer nur eine bestimmte Jahrgangsstufe immer wieder übernimmt, dann ist das an sich keine schlechte Idee. Mit der Zeit lernt der jeweilige Trainer alle Eigenheiten der jeweiligen Jahrgangsstufe, er sammelt Erfahrung und verbessert sich dabei. Die Qualität des Trainings nimmt zu. Das kenne ich auch so aus meiner eigenen Erfahrung. In meiner Jugend habe ich 7 Jahre lang eine Fußballschule besucht. Zusätzlich waren wir stets auch jahrgangsorientiert aufgestellt. Auch diese Idee hat einen gewissen Charme, allerdings geht es in solchen Fällen um Fußballfabriken, die Spieler züchten, um sie dann auch zu verkaufen. Eine derartige Aufstellung ist in gewisser Weise einheitlich, was den Körperbau und die dem Alter entsprechenden Fähigkeiten angeht. Wenn die Spieler im Vorfeld auch selektiert werden, dann gibt es in Kombination mit einem guten Trainer ungeahnte Möglichkeiten. Für Amateurvereine ist das mesitens aber nicht umsetzbar, also nehme ich hier einfach mal an, es handelt sich nur um Trainer, die nur eine Jahrgangsstufe trainieren. Ob diese damit einverstanden sind, steht es auf einem anderen Blatt. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass sich viele eher um das eigene Image kümmern als um die eigentliche "Wurst", die Kinder.
Wie auch immer ein Konzept am Ende aussieht, es muss von allen getragen werden. Aus diesem Grund ist es, wie eigentlich in jeder vernünftig funktionierenden Domäne, das Produkt der Zusammenarbeit, z.B. in Form eines "Brainstormings". Ich habe etwas recherchiert und einige Beispiele gefunden:
http://www.tsv-tettnang-jugendfussball.de/konzept1.htm
http://www.tv-unterboihingen.d…Jugend_Ausgabe_5_2011.pdf
Ich habe beide Konzepte etwas näher (nicht aber ausgiebig) betrachtet. Beim ersten Blick fällt auf, dass das Konzept von , das erste also, konzeptlos ist. Das ist schlichtweg Schrott! Ich wüsste z.B. nicht, was mich persönlich dazu bewegen könnte die Ausbildung eines Kindes einem solchen Verein anzuvertrauen. Hierzu möchte ich aber präzisieren, dass ich beide Vereine nicht kenne.
Das zweite Konzept, von Unterboihingen, sieht eher nach einem Konzept aus. Ab Seite 20 werden z.B. einzelne Fertigkeiten entsprechend der Jahrgangsstufe aufgelistet.
Beide Konzepte beinhalten teilweise identische Sätze. Das vermittelt mir persönlich den Verdacht, dass in die Erstellung des zweiten Konzeptes zwar eine Menge Arbeit gesteckt wurde, aber u.U. das ganze Ding nicht wirklich gelebt wird. Auch das habe ich öfters gesehen. Es kann sein, dass der Jugendleiter eine Menge Spaß damit im Hinterkämmerchen gehabt hat. Wenn er das aber ohne seinen Trainerstab geleistet hat, dann ist das ein gutes repräsentatives Ergebnis für die Schublade. Das muss in diesem Fall nicht zwangsläufig sein. Der Zweck ist nur, auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit hinzuweisen.
Wenn ich selber die Erstellung eines Konzeptes moderieren müsste, würde ich besonders viel Wert auf die Aufschlüsselung der einzelnen Fertigkeiten legen. Ich würde sowohl die DFB-Richtlinien betrachten, die ich bislang überhaupt nicht kenne,
als auch mit den einzelnen Trainern über deren Erfahrungen in der Praxis reden. Durch eine derartige Diskussion erwarte ich, dass die Schwächen entdeckt werden, die dann jahrgangsspezifisch zu beheben sind. Dazu werden im Konsens die Maßnahmen identifiziert und die Verantwortlichkeiten dazu definiert. Die Stärken können wiederum zum Vorteil der Spieler genutzt werden.
Jetzt komme ich wieder zu meiner Erfahrung aus de Fußballschule zurück. Das Training war in 3 Teile strukturiert: Aufwärmphase, individuelle Technik, Spiel/Taktik. Außerhalb dieser Einheiten gab es Koordinations-, Konditions- und Krafttraining (ältere Jahrgänge) mit den entsprechenden Sportlehrern und zwar gewichtet in Abhängigkeit von den Informationen, die aus dem Training gesammelt wurden.
Ein wichtiges Teil aus dem ganzen Konzept ist die individuelle Technik gewesen. Dazu gab es einzelne Stationen für die jeweilige Thematik: Passen, Stoppen, Kopfball, Schusstechnik, Flanken usw. Diese wurden jeweils von den Trainern betreut, die in den einzelnen Thematiken spezialisiert waren. Die Gruppenbildung innerhalb der Mannschaft war in der Grundlagenphase nach Schwächen sortiert. Es ist auch öfters passiert, dass teilweise auch Kinder von älteren Jahrgängen dabei waren, um bestimmte Übungen zu absolvieren. Das Problem hat hier immer zwei Seiten. Einerseits die Technik beibringen und andererseits das gelernte zu festigen/behalten.
Wichtig ist es, denke ich, wenn das Konzept erstellt wird, dass die Trainer ihr Senf dazu geben. Des Weiteren sollte auch die augenblickliche Situation berücksichtigt werden. Welche Kinder gibt es, mit welchen Fähigkeiten usw. Auch ist das Konzept ein lebendiges Leitdokument, zu jeder Zeit, so zu sagen, anpassungsfähig.
Ein letzter Punkt, was aber meinen persönlichen Geschmack darstellt, wäre die einzelnen Fähigkeiten mit Links zu entsprechenden Videoaufnahmen zu versehen, eventuell auch zu einer durchdiskutierten Übungsliste. Das versetzt jeden Trainer in die Lage, strukturiert zu arbeiten.
Wie auch immer letztenendes das ganze Thema betrachtet wird, solltet ihr wissen, dass komplexe taktische Übungen nur dann erfolgreich durchgezogen werden können, wenn die Spieler die Grundlagen beherrschen. Ist das nicht der Fall, so könnt ihr noch und nöcher die jeweiligen Übungen wiederholen, es läuft immer wieder schief. Man hört immer auf dem Fußballplatz "genauer passen"...was extrahiert ein Kind aus dieser Anforderung?