Ja, ein gelungener Beitrag, Gratulation!
Vielleicht kann ich auch einige Dinge dazu ergänzen, da Schimanski diese Frage gestellt hat. In einem Leistungszentrum ist der Druck groß, aber die Empfindung der Kinder bis ca. D-Jugend ist als quasi indirekt zu beschreiben. Man muss sich vorstellen, dass es innerhalb der Mannschaft zu Gruppenbildungen kommt und teilweise auch zu Lästereien. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass einige Spieler sehr oft gar nicht zum Einsatz kommen und auf der anderen Seite ihr Können im Vergleich gar nicht so richtig abschätzen können.
Eine Sache verstehen die Kinder dennoch, sie gehören zu einem kleinen Personenkreis, der das Ergebnis der Auswahl aus Tausenden darstellt. Richtig erkannt, ja, sie sind kleine Stars. Zu viel Lob kann hier negative Ergebnisse liefern. Trotzdem hört man oft Lob in der Form "gut gespielt".
Die Zugehörigkeit zu einem Profiverein hat aber teilweise auch beängstigende Facetten. Viele Spieler werden aufgefordert eine Schule mit sportlicher Ausrichtung zu besuchen. Dort wird immer wieder verständnisvoll weggeschaut, wenn die schulischen Leistungen nicht stimmen, oder wenn der Unterrichtsbesuch aufgrund z.B. eines Auswärtstourniers ausfällt. Und übrigens, in einer derartigen Schule kommt auch sehr viel Fußball vor. Teilweise geht der Unterricht am Morgen um 7:45 mit...Fußball los. Zunächst wird es 2 Stunden trainiert, anschließend eine Pause eingelegt und danach kommen noch Schulfächer dran. Zwei mal pro Woche Fußball, ein Mal Koordination, Gymnastik, Kondition und ein Mal Reserve.
In der C- und B-Jugend kommen manchmal sogar Vorschläge, dass das Gymnasium gegen einen Hauptschulabschluss oder gegen eine Lehre ausgetauscht werden soll, da man ja die Perspektive auf einen Profivertrag unter die Nase geschoben bekommt. Die Eltern der Kinder sollten ganz genau abwägen, worauf sie sich hier einlassen. Die Tragweite kann schnell unbeherrschbar werden.
Noch ein Mal zurück zu dem Druck. In der Regel sagen die Trainer nicht direkt, dass andere Kandidaten draußen warten. Es geht aber hart zu. Manchmal tauchen irgenwelche 2...3 Spieler von außerhalb, die Probetrainings absolvieren. Den eigenen Spielern ergeht es wie den Mäusen, wenn man ihnen die Katze zeigt. Die Leistung steigt urplötzlich oberhalb dessen, was man für sich selbst als natürliche Grenze geglaubt hat. Die Angst macht sich breit. Werde ich erstzt nun, oder wie?
Ein weiterer Aspekt sind die Strafkolonien. Es ist gar nicht so lange her, da mussten die Kinder einer D-Jugend nach dem Spiel Strafrunden im Regen leisten, da das Spiel mit einem Unentschieden auf dem eigenen Gelände ausgegangen ist. In Ruhe, mit hängenden Köpfen, total durchnässt, bei Wind und 10°C, halbe Stunde mit 2Minuten für Trinkpause dazwischen. Ich bezweifle, dass es hier wirklich um Spaß ging. An solche Maßnahmen kann ich mich selbst daran erinnern. Haß, Tränen und Erbitterung, aber leise!
Bis zum Anfang der D-Jugend ist das alles noch nicht so kritisch. Es gibt tatsächlich Kinder, die neben dem Fußball in einem Profiverein auch zum Gymnasium gehen. Es ist schwer eine Statistik zu machen, aber vielleicht hat jemand hier Lust darauf, dies abzuchecken. Ab der C-Jugend werden Gymnasium und Fußball bei vielen zu einem mächtigen Problem.
Es gibt wiederum Spieler, die in der Schule schon so schlecht sind, dass sie gar keine andere Wahl haben. Wehe aber, dass sie eines kalten Tages aussortiert werden. Für sie und deren Familien bricht dann eine Welt zusammen.
Asoziale gibt es auch jede Menge. Sie müssen sich aber zügeln, da ansonsten der Flug einen großen Bogen markiert. Es sei denn sie sind ausgesprochen seltene Talente. Für solche Fälle wird dann aber umgehend der eigene Psychologe bemüht.
Wenn überhaupt, zeigen diese Kinder die Zähne versteckt. Wie ich schon sagte, durch Lästerein und Kleinigkeiten. Selten, ich habe das aber zumindest erlebt, leistet ein Spieler Körperverletzung im Training gegen einen Kameraden...mit Absicht, damit er an seiner Stelle spielen kann. Bei so etwas hat der anschließende Skandal dann schon Proportionen genommen. Ich hoffe, so etwas kommt heute gar nicht vor!
Apropos, Lob in der Kabine. Das gibt es eher nicht. Maximal die trockene Aussage "das Training war heute ok, Paule bleib bitte noch 5 Minuten, wir müssen uns unterhalten". Wenn man das hört, brennt der Kopf und das wissen die Trainer auch. Die Stimme ist gemäßigt, aber bestimmt: "Paule du musst deine Leistung etwas erhöhen. Komm, du kannst es".
In der Regel reicht das aus für eine längere Zeit, denn solche Unterredungen deuten auf nichts gutes hin. Abgesehen davon, wenn man zu oft auf dem Kicker sitzt, sollte man schon damit rechnen, dass der Flug den oben genannten Bogen in nicht allzu ferner Zukunft beschreibt.