Zitat von »Sir Alex« Kriterien bei der Talentauswahl für mich
So hatte ich mir das erhofft, danke!
Kicker, Du hattest an anderer Stelle bemängelt, es würde keine nachlesbaren Kriterien geben. Mit dem Link zeige ich Dir eine Stelle, wo das geht.
Wobei ich natürlich weniger auf das Übliche u. Äußerliche schiele, sondern daran interessiert war, wie man sich kindgerecht dem annähern kann, was nicht so einfach sichtbar bzw. messbar ist wie Schnelligkeit, die Physis, Technik, Teamgeist o. taktische Disziplin, also wie in der Schule Sozial- u. Arbeitsverhalten: doch welches hilft bei der Karriere - Anpassungfähigkeit o. eigener Wille etc. Beide ist irgendwie nötig, eine Art Mix. Und wie ist das zu berücksichtigen, was die für sich beanspruchte Visibilität behindert, eben irgendwann überwindbare Hemmungen, Ängste, psychosoziale Probleme. Ein Mensch funktioniert ja nicht nach Schema F, wie man ich das gern "objektiv" ausmalt... Und damit wird's schwierig, denn nun kann "Sichten" definitiv nicht maher Talenten als realen Kindern gerecht werden, da greift dein Punkt 5! Den würde ich ganz oben an stellen: man muss bereit sein, Talente als reale Menschen wirklich näher kennenzulernen, um sie fair beurteilen zu können. Wer über Jahre miserable Heimtrainer o. kontraproduktive bzw. gleichgültige Eltern als Leistungsbremen hatte, kann unter besseren Bedingungen im Vermögen plötzlich explodieren, der berühmte "Leistungssprung", den "man" sich nicht erklären kann, der sog. Spätentwickler, der zuvor eben unter Blockaden litt...
"Innere Werte" wie Fairness, Wille, Disziplin sind bei einer Sichtung ebenfalls wichtige Punkte, werden in den Kriterien von Verbandsseite auch aufgeführt. Nur, wie soll man Dinge bewerten, die man nicht sieht? Ein Sichter kann nur bewerten, was er sieht, und das ist eben auch noch individuell verschieden. Hängt natürlich auch it der Qualität zusammen. Bei dem Stützpunkt, den ich hin und wieder besuche, ist es aber auch nicht so, dass da nur große, körperlich starke Spieler rumlaufen.
All dies würde natürlich den Aufwand vervielfachen, all dies zu beachten, das ist wohl Ursache der Vereinfachung zulasten der realen Kinder, aber auch der hohen Fehlstreuung, d.h. Ineffizienz und Ressourcenverschwendung.
Will man wirklich alle ausführlichst sichten und warten, bis sich wirklich beim Letzten erwiesen hat, ob er ein Talent ist oder nicht, dann hätten wir Tausende von Stützpunkten, einen für jeden Verein. Das ist schon allein eine Frage der Logistik.
Zunächst kann u. muss man erstmal die eigene Schwierigkeit einsehen, mit etwa mehr Demut sich eingestehen, dass man kein Gott ist, Talente weder sichten noch machen kann, es mehr Probleme gibt, als man vor sich einräumen mag! Unbefriedigendes Ergebnis, sicher, aber ehrlicher als die übliche Praxis? Lesen wir im Link, dann sieht man, wie von oben herab "auf die Kacke" gehauen wird, man glaubt genau definieren zu können, was ein Spitzentalent ausmache: "Mit dem Talentförderprogramm setzt der DFB in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden ein Nachwuchskonzept in einer Dimension um, an die weltweit kein anderer Verband heranreicht. Die Zahlen sprechen für sich..." Ja, welch Zahlen denn, Erfolgzahlen? Nein: Teilnehmerzahlen, abgesehen davon, dass man nicht grundlos von Zahlen statt von Menschen prahlt! Einen vielfachen Olympiasieger Jesse Owens hätte da kein LA-Trainer mit dem A ansehen dürfen, da nichts aufs easy-looking-"Beuteschema" passte und doch war gerade er der geborene Siegertyp... Heute aber hätte er dank Förderer Null Chance, würde nur aussortiert u. es bliebe keine Option offen, sich selbst auszuwählen.
Meine Güte, das ist ein Verband, natürlich übertreiben die. Der Großteil weiß auch, dass sie keine Wundertaten vollbringen können. Die anderen Hansdampfe gibts aber in allen Bereichen. Sollen sie schreiben, wir sind der DFB, wir haben wenig Ahnung und mit Glück finden wir mal einen guten Fußballer? Wie Du drauf kommst, dass Jesse Owens durchs Talentsichten fallen würde, interessiert mich jetzt. Ich behaupte, dass er es heute leichter hätte.
Ich weiß, das ist schwer zu verstehen, wenn man nicht so indeterministisch wie ich etwa in Anschluss an den Neurobiologen Maturana denken mag (leider sehr komplex, vgl. www.maturanahaus.com). Muss nun leider schon pennen gehen, morgen geht die Denkarbeit weiter, um ein paar Dingen in dieer unfassbaren Welt ein wenig mehr auf den Grund zu kommen... Danke noch für die Eingeständnisse, wie wichtig Eltern doch bei der Talentsichtung/wahl sind, ohne dass wir nun streiten ollten, ob Kinder eher wegen nerviger Eltern o. fehlenden "Umschlägen" o. Vitamin B draußen bleiben müssen - im Prinzip fürs Kind im Ergebnis egal - oder die Irrelevanz eben möglicher Problemituationen (z.B. familiär) o. des o gern betonten "Fußballalters" (das, d.h. die Selbst-Entwicklungsfähigkeit, in der Praxis keinen kümmert, aber für mich am wichtigsten wäre, oder!?).
Umschläge? Ich fürchte fast, Du meinst es ernst.