Ich blicke ja nun auf ein Jahr D-Jugend zurück, mit einer ambitionierten und durchaus fähigen Truppe, in der aber durchaus noch erkennbare Leistungsinhomogenitäten vorhanden sind. Und so muss ich auch sagen, dass man kein System spielen sollte, mit dem die Mannschaft nicht zurecht kommt.
Wir haben die meisten unserer Spiele im 4-3-1 bestritten, nachdem wir Ende letzter Saison die ersten paar Testspiele mit dem jetzigen Kader im 3-2-3 probiert hatten. Als Informations- und Inspirationsquellen dienten uns einerseits die Infos des DFB (http://trainermedien.dfb.de/index.php?id=733&tx_ttnews[tt_news]=493&cHash=fec564087184b6bb992abadad8eb01ed), andererseits aber die bereits erwähnten Videos der Münchner Fußballschule sowie die Überlegungen zur D9-Taktik von Martin Hasenpflug (http://www.abwehrkette.de/taktik-d-jugend/). Letztlich fand ich eine Kombination der Überlegungen von Hasenpflug und MFS am schlüssigsten, in einem anderen Thread habe ich das auch schon mal erklärt. In Stichpunkten:
- Da bei uns i.d.R. über die volle Platzbreite gespielt wird, reichen drei Verteidiger nicht aus, um den Bereich zwischen Außenlinie und langem Pfosten entsprechend dicht zu besetzen.
- Außenverteidiger sollen offensiv agieren, es sollten aber zwei Verteidiger zwecks Absicherung (und Spielverlagerung) zurück bleiben. Bei drei Verteidigern muss das situativ gehandhabt werden, während mit vier Verteidigern die Außenverteidiger typischerweise jeden Angriff mit gehen können, so lange die Kondition reicht. Meiner Erfahrung nach fällt jungen D-Junioren die Abstimmung untereinander aber noch recht schwer, so dass sich die drei Verteidiger nur selten in die Offensive einbringen.
- Am gefährlichsten und am Anfang auch noch am häufigsten sind gegnerische Angriffe durch die Mitte. Da tun sich zwei Innenverteidiger deutlich leichter als ein einziger letzter Mann. Außerdem lernen gerade diese beiden Spieler so sehr schnell das Verteidigen zu zweit.
Hier noch eine URL, die vielleicht interessant ist: http://training-wissen.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=260&tx_dfbnews_pi4[cat]=12
Für schwächere Mannschaften, die Schwierigkeiten beim Umschalten von 4-3-1 in 2-3-3 und umgekehrt haben, könnte aber das 3-3-2 besser sein, gewährleistet es doch, dass in der Defensive der Raum gleichmäßig besetzt ist. Als unsere Mannschaft 3-2-3 spielte, wurde daraus hingegen oft ein 2-1-5, weil sowohl ein Mittelfeldspieler als auch ein Verteidiger mit stürmten, den Weg zurück aber nicht fanden. Das war dann sehr konteranfällig und vorne auch zu eng.
Neulich haben wir aber gegen einen schwächeren Gegner wieder 3-2-3 gespielt, das sah tatsächlich viel besser aus als früher. Mehr dazu später.
ich antworte mal als F-Jugend-Trainer und Sofa-Bundestrainer, der kaum Ahnung davon hat, was D-Jugend-Spieler zu leisten imstande sind, aber sich aber schon für die taktischen Analyse des Profi-Fussballs begeistern kann (spielerverlagerung.de
).
Ich versuche mal, deine Beobachtungen mit eigenen Erfahrungen anzureichern.
Ich habe mit zuletzt zwei Spiele unserer vereinseigenen D1 und D2 angeschaut. Beide spielen unterklassig, im oberen bzw. unteren MIttelfeld. Beide spielen mit Viererkette. Aufgefallen ist mir zum einen, dass die Viererkette relativ statisch spielt und sich meist darauf beschränkt zu verteidigen und auf einer Linie zu stehen. "Vorne" hat man dann meist Unterzahl und überlässt vieles dem Zufall bzw. Einzelaktionen. Fand ich schade, kann aber - wie gesagt - schlecht beurteilen, was in dem Alter möglich ist.
Ich kann deine Beobachtungen insoweit bestätigen, dass die statische Viererkette tatsächlich dazu führt, dass der Punch für die Offensive fehlt, weil man da eben, wie du sagst, zwangsläufig in deutlicher Unterzahl agiert. Machen die Außenverteidiger jedoch mit, so baut man viel Druck auf. Es hängt also entscheidend davon ab, wie lauffreudig und spielintelligent die AV agieren. Wenn man in seinen Reihen zu viele Spieler hat, die eher abwartend agieren und nicht so viel Initiative zeigen, ist eine Viererkette wohl eher nicht angeraten.
Meiner Erfahrung nach brauchen auch gerade die Außenverteidiger viel Aufmerksamkeit des Trainers, um ihre Rolle geeignet ausführen zu können, weil sie eben ständig zwischen offensiver und defensiver Spielweise hin- und herpendeln müssen. Und ihr Laufpensum ist auch nicht zu unterschätzen.
Zudem ist mir die Sechserposition aufgefallen. Der jeweilige Spieler musste enorm große Räume bespielen, enorm viel laufen, wurde oft überspielt und hat dadurch doch wenig Zugriff aufs Spiel bekommen. Hier hätte ich mir einen zweiten Spieler gewünscht. Hinzu kam mit Sicherheit auch das relativ lineare Verhalten der "Außen", die kaum ins Zentrum gezogen sind (selbst wenn der Ball auf der anderen Seite war).
Du sagst es: wenn die Mittelfeldaußen ihre Positionen zu offensiv interpretieren, und zu wenig nach hinten helfen, hat es der Sechser unheimlich schwer. Das Problem hatten wir auch, haben es in einem gewissen Maße auch noch. Inzwischen haben wir unsere ZDM aber recht deutlich angewiesen, sich in der Defensive nicht nach außen ziehen zu lassen, sondern eher im Zentrum zu bleiben. Das Doppeln auf der Außenbahn ist Sache des Mittelfeldaußen, verlässt der Sechser seine Position, so entsteht oft ein Loch im brandgefährlichen Raum zentral vor dem Tor. Eine Doppelsechs könnte da helfen, diese Spieler können sich aber auch im Angriff 'auf den Füßen stehen' und in der Defensive zu sehr wie ein einziger Spieler agieren. Als wir, wie ich oben anriss, neulich mal im 3-2-3 spielten, funktionierte es ganz gut, aber da spielten auf der Doppelsechs auch zwei Spieler, die sich sehr gut verstehen.
Meine persönlichen Schlüße: Wenn Viererkette, dann mit hochgezogenen Außenverteidigern und/oder öfters zentral einrückenden offensiven Außen. Zwei relativ statische Außen pro Seite finde ich bei neun Kindern einfach zu viel, gerade im Bezug auf die Entwicklung des modernen Fussballs.
Absolut. Und, wie du schon sagst, die Mittelfeldaußen müssen recht flexibel spielen, sie sind keine reinen Flügelspieler. Stattdessen müssen sie lernen, den gemeinsamen Angriff mit dem Außenverteidiger und den weiter innen befindlichen Mitspielern zu suchen.
Besser fänd ich - zumindest theoretisch - nur mit einem Außen zu spielen, das Zentrum zu stärken und von dort situativ die Außen doppelt zu besetzen, wobei das natürlich eine hohe Laufbereitschaft und Spielintelligenz voraussetzt. Wenn man bis zu E viel rotiert hat, sollte das aber umsetzbar sein.
Ich mache mal den Schlaumeier: mit hoher Laufbereitschaft und Spielintelligenz spielt sich jedes System leichter und besser. Tatsächlich habe ich auch erlebt, dass die Spieler, die aus meiner alten Truppe kamen, in der viel mehr als in den zwei anderen Mannschaften, aus denen sich unser jetziger Kader rekrutiert, rotiert und in kleinen Teams gespielt worden war, mit der geeigneten Interpretation der verschiedenen Positionen deutlich leichter taten als die anderen, welche bereits ein paar Jahre Spezialisierung hinter sich hatten.
Aber dein Wunschsystem habe ich noch nicht verstanden. Du schreibst davon, nur mit einem Außen zu spielen und das Zentrum zu stärken. Wie meinst du das? Wäre es mit einem 3-2-3 oder einem 3-4-1 schon getan?
Aber - wie gesagt - das sind nur die Schlüsse aus zwei beobachteten Spielen, vielleicht ist das gar nicht repräsentativ....
Das kann auch gut sein, es hängt auch immer vom Gegner und der Tagesform ab, wie gut eine Mannschaft mit einem System klar kommt. Hat der Gegner z.B. starke Flügelspieler, so kommen die eigenen AV in der Offensive natürlich weniger zum Zuge, so dass hauptsächlich MA, ST und ZDM angreifen müssen. Da kann es dann schnell so aussehen, als würde zu wenig über außen angegriffen und als würden nur Entlastungsangriffe gesetzt. Gegen ein starken Gegner, wohlgemerkt. Spielt man gegen schwächere Teams, so kann es aber auch vorkommen, dass die AV nur beim Anstoß in der eigenen Hälfte spielen. Wenn man beurteilen möchte, wie gut das Team und einzelne Spieler mit einem System zurecht kommen, muss man sich mehrere Spiele ansehen. Nicht zuletzt, weil auch die Spieler eine Weile brauchen, um sich zu entwickeln. Und taktisch ist der Schritt vom 7er- zum 9er-Fußball durchaus nicht zu unterschätzen.