Beiträge von tobn

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    die Palette der Kommunikation im Spielfeld ist anscheinend sehr vielfältig in ihren Möglichkeiten.
    [...]
    Da wünscht man sich ja direkt eine Richtlinie zu!


    Etwas in der Art wäre mein Ziel. Deine Liste finde ich da schon nicht schlecht. Über Details kann man natürlich diskutieren, so denke ich z.B., dass "Hintermann!" auch schon in der E möglich sein sollte. Wie schon gesagt, von der Systematik her würde ich wohl auch versuchen, den Kindern in jungen Jahren nichts zu empfehlen, was später unerwünscht ist, und solche Kommunikationsformen, sollten sie spontan auftreten, auch sanft einzudämmen versuchen, wenn sie mir zu sehr Überhand nähmen.

    Meiner Erfahrung nach fordert ein Kind im G, F und E Alter den Ball nicht, was für mich halt wiederum mit dem möglichen Entwicklungsstand zu tun hat.


    Ja, da gebe ich dir Recht, wenn man die Kinder nicht dazu anhält, werden sie es in den jüngeren Jahrgängen nicht tun. Aber es ging ja hier im Thread gerade darum, ob es sinnvoll ist, die Kommunikation der Spieler bereits im KiFu-Alter zu fördern, und, wenn ja, wie. Und ich habe durchaus einige Spieler erlebt, denen vermutlich außerhalb des Trainings beigebracht wurde, dass sie den Ball auch verbal fordern sollen, das haben sie dann auch schon in der E-Jugend getan.


    Aber auch diese Spieler mussten sich das [die nonverbale Kommunikation, Anm. des Verf.] erst erarbeiten und haben klein angefangen. Das scheint mir eine Entwicklung über zunächst verbaler Kommunikation bis hin zur Entwicklung der Spielintelligenz durch Lösungsansätze, die der Trainer unter Einbeziehung der Spieler erörtert, zu sein.


    Hmm, vielleicht, das klingt zumindest schon plausibel. Ich denke auch, dass es sinnvoll ist, die Kinder in F und E auch schon zur Kommunikation anzuregen. Die Frage ist nur, welche Kommunikation fördert man und welche nicht? Dass man allgemein Lob untereinander fördert und gegenseitige Schuldzuweisungen unterbindet setze ich voraus, darüber brauchen wir IMHO nicht zu reden. Mich interessiert tatsächlich der Bereich des gegenseitigen Coachings, der gegenseitigen Unterstützung bei der Wahrnehmung der Gesamtsituation und der aktuellen Optionen. Da denke ich im Moment, dass es nicht sinnvoll ist, den Kindern beizubringen, dass sie sich akustisch bemerkbar machen sollen, wenn sie bereit sind, den Ball zu bekommen, denn das müsste man ihnen später wieder abgewöhnen. Hingegen wäre es sinnvoll, dass sie sich gegenseitig vor Gegenspielern warnen, die der jeweils andere Spieler nicht sehen kann. Inwieweit taktische Tipps bereits in F und E möglich sind, weiß ich nicht, da bin ich eher skeptisch, ich denke, dass die allermeisten Spieler auch noch in der E noch nicht in der Lage dazu sind, das Spielgeschehen entsprechend zu überblicken.


    Und dazu fällt mir dann wieder Horst Wein ein.


    ... der aber kein Wort zur verbalen Kommunikation schreibt, oder? Es ist jetzt schon eine Weile her, dass ich sein Buch gelesen habe, aber an entsprechende Inhalte kann ich mich nicht erinnern..

    Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass solche Spielberichte (mit Resultaten, Kritik am Gegner etc, etc.) im Rahmen der FPL verpönt, wenn nicht sogar verboten sind. Sehe ich das falsch ?


    Bei uns gibt es die FPL nicht, insofern kann ich zur konkreten Umsetzung nichts sagen. Die Möglichkeit, Feedback über den Gegner zu geben, habe ich vorgeschlagen, das gibt es so, soweit ich weiß, bisher nicht. Das sollte übrigens durchaus auch positive Kritik sein, so in der Art, wie Fragebögen oft gestaltet sind. Beispielfrage: "Wie bewerten Sie die Fairness der gegnerischen Spieler?" und dann gibt es fünf Stufen, von toll bis mies. Im Moment gibt es bei uns (ohne FPL) nur die Möglichkeit, eine Beschwerde auf dem Spielbericht einzutragen. Das erzeugt aber dann gleich eine Riesenwelle, weshalb es praktisch nie vorkommt, obwohl man sich in Trainerkreisen doch immer wieder einig darüber ist, welche Teams die unangenehmen sind...


    Was Resultate übrigens anbelangt, so fände ich sie auch in einer FPL durchaus für die für die Organisation des Spielbetriebs Verantwortlichen interessant, können sie sie doch nutzen, um für das Aufeinandertreffen ähnlich starker Mannschaften zu sorgen. Denn es ist ja nicht so, dass man sich in der FPL krasse Ergebnisse wünscht. Ich träume ja immer noch davon, dass in den FPL-Jahrgängen alle Teams eines Kreises in einer einzigen (nicht veröffentlichten) Liga nach Schweizer System spielen würden. Es würde mich sehr interessieren, ob und wie gut das funktionieren würde.

    Ab und an kann ich während des Trainings meines Sohnes ein Trainingspiel der Profis auf dem Feld nebenan beobachten. Dass da permanent gerufen wird, fällt sehr auf. Ich muss nochmal stärker druaf achten, WAS gerufen wird. Aber mein bisheriger Eindruck ist: In aller Regel wird dem Ballführenden signalisiert, was hinter ihm passiert, d.h. wie viel Zeit er hat, den Ball zu halten (oder halt nicht).


    Genau das ist auch mein Eindruck und auch das, was ich mir wünsche: dass die anderen Spieler demjenigen, der am Ball ist oder zu dem der Ball gespielt wird, signalisieren, was er nicht wahrnehmen kann, für ihn aber unmittelbar von Bedeutung ist.


    Bei dem Training anderer Profis (du kannst dir denken, welche ich meine, Don Quijote) habe ich aber auch schon egoistische Hinweise erlebt, allerdings nur vereinzelt. Auch dort überwiegt das von dir beschriebene Verhalten. Der Trainer steht aber neben dem Spielfeld und nicht mittendrin, und zwar auf der Seite, auf der er sich die Zuschauer verbeten hat. =)

    Auf die Frage nach den F1-Spielern bin ich ja gar nicht eingegangen. Da ist mein Standpunkt der, dass ich Niemandem zum Vorwurf mache, er agiere unfair, solange er die Bestimmungen befolgt. Manches mag da zwar gegen meine persönlichen Überzeugungen verstoßen, aber ich kann diese ja nicht eigenmächtig zum Maßstab erheben. Nein, das ist die Aufgabe der Verantwortlichen. Und wenn dieser Einsatz von älteren Spielern erlaubt war, dann ist das in Ordnung, dann beschwere ich mich auch nicht darüber. Ich mag zwar über mögliche Motive die Stirn runzeln und mir meinen Teil denken, aber ich muss anerkennen, dass der andere Trainer im Recht ist und die Konsequenzen akzeptieren. Wenn ich fest zu stellen meine, dass die Regeln entweder in signifikantem Maße missbraucht werden oder gar zum Missbrauch einladen, dann würde ich mich um eine entsprechende Änderung dieser Regeln bemühen oder das weitere Regelwerk so umgestalten, dass der Missbrauch sich nicht mehr lohnt.

    In den überwiegenden Fällen habe ich falsche Zurufe beobachten können. Fast immer resultierten die Zurufe aus dem Egoismus des Ballfordernden heraus, selten ergab sich aus der Situation ein Vorteil für die Mannschaft ergab. Die Egoisten brüllen selbst dann, wenn sie in diesem Moment unter Gegnerdruck stehen! Aber selbst dann, wenn die nicht der Fall ist, geben sie so dem Gegner einen rechtzeitigen Hinweis, wohin der Ball gespielt werden soll. Damit ist es für ihn ein Leichteres, sich in den Passweg zu stellen. Schlußendlich schränkt die Ruferei die Variabilität der einzelnen Spieler und damit auch der Mannschaft ein.


    Genau, das habe ich bisher bis zur D-Jugend auch noch oft beobachten können -- mit älteren Spielern habe ich noch keine Erfahrung. Deshalb meine ich auch, dass das verbale Fordern des Balles auch in den jüngeren Jahrgängen eher ein Fehler ist. Ich habe auch schon bei Profis mitbekommen, wie da permanent kurze "Ja"-Hinweise kamen, die dem ballführenden Spieler den optimalen Zeitpunkt zum Zuspiel signalisieren sollten. Aber das waren stets nur Angebote und keine Anweisungen. Und es ist, wie du sagst: angenommen, der Ball befindet sich auf der linken Spielfeldseite und der Gegner hat verschoben, so dass unser Rechtssaußen oder der RAV völlig blank steht. Dann sollte er doch auf keinen Fall rufen, sonst macht er den Gegner ja auf sich aufmerksam. Vielmehr sollte sowas ein Mitspieler erkennen und dann den Hinweis geben, am besten noch so, dass er für den Gegner nicht direkt zu durchschauen ist, also z.B. indem der Name des RA/RAV gerufen wird, à la "zu Sebi!"


    Vielleicht mag sich im unteren Jugendfussball mal ein Vorteil ergeben. Doch je älter die Jungs werden, je cleverer reagieren sie auf die Ruferei des Gegners.


    Ich bin auch im Kinderbereich eher skeptisch, denn da gewöhnen sich die Spieler ja gewisse Handlungsmuster an, und ich beobachte in der D (U12 und U13), dass vor allem die selbstbewussten Spieler den Ball fordern und die schwächeren, die sich sowieso nicht so viel zutrauen, auch was die Beurteilung der Situation anbelangt, dieser Forderung auch bereitwillig nachkommen. Da ist es dann schon richtig schwer, den starken Spielern zu vermitteln, dass ein erheblicher Teil ihrer bisher praktizierten Kommunikation Mist ist und gleichzeitig die schwächeren dazu zu bringen, sich auch zuzutrauen, die anderen zu coachen und egoistische Forderungen zu ignorieren.


    Wenn ich neue Spieler bekomme, die vorher in ihrem Heimatverein das lautstarke Ballfordern gewöhnt waren, dann gewöhne ich ihnen als erstes das Rufen ab. Statt stehend oder joggend zu rufen, sollen sie sich so bewegen, dass sie für die ballnahen Mitspieler auch gut anspielbar sind.


    Genau. Sie müssen für den Passempfänger sichtbar sein, d.h. sie dürfen sich insbesondere nicht im Deckungsschatten befinden. Und sie sollen den Ball nur dann fordern, wenn sie ihn werden ohne Druck annehmen können. Dann sollen sie Handzeichen geben.


    Ja, ich weiß: man liest hin und wieder noch in DFB-Unterlagen Begriffe wie: ein Talent soll ständig den Ball fordern. Das meint jedoch nicht, dass er permanent lautstark seine Mitspieler zum Abspiel auffordern soll, sondern er soll permament für sie anspielbar sein.


    Genau. Er soll sich in den Lücken anbieten. Das ist übrigens auch nicht damit zu verwechseln, weiter und weiter auf den ballführenden Mitspieler zuzulaufen, wenn dieser dem Angebot nicht sofort nachkommt. Dieses 'Zulaufen' des ballführenden Spielers sieht man ja leider auch häufig. Aber das ist nicht Thema dieses Threads.


    Gehören aber nicht beide Themen zum Oberbegriff "Spielintelligenz"?

    Es ist richtig, dass die FPL kein Allheilmittel ist. Und leider kommt sie auch nicht dagegen an, wenn bei einem Team der Fisch vom Kopf her stinkt, d.h. wenn der Trainer ein fauler Apfel ist, der die Prinzipien des Fair Play mit Füßen tritt und die Abwesenheit des Schiedsrichters als Gelegenheit dazu begreift, alle Hemmungen fallen zu lassen und seine Spieler dementsprechend zu beeinflussen. Das darf man von ihr nicht erwarten. Aber die Verantwortlichen sollten es nicht hinnehmen. Es liegt an ihnen, den KiFu und seine Prinzipien sowie die zu seinem Wohle eingesetzten Mechanismen zu erklären, die Regularien, d.h. insbesondere den Spielbetrieb, entsprechend zu gestalten, und Verstöße zu sanktionieren. Wenn man das wirklich wollte, so ginge das auch, meine ich. Ich fände es z.B. nicht schlecht, wenn es für Trainer möglich wäre, eine Bewertung über das Verhalten der jeweils anderen Mannschaft abzugeben, ohne dass das gleich eine Beschwerde ist, der nachgegangen werden muss. Da könnten dann die Verantwortlichen aber recht bald erkennen, wer die faulen Äpfel sind und dann einfach mal unauffällig ein oder zwei Spiele dieser Mannschaft besuchen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Wenn sie dann fest stellen, dass da tatsächlich gegen den proklamierten Geist des KiFu verstoßen wird, so können sie dann aktiv werden.


    In diesem Zusammenhang wichtig ist aber auch, dass eben das Verständnis für den KiFu und den Sinn des Spielbetriebs proklamiert wird. Dazu sollte es, wie ich meine, eine Pflichtveranstaltung geben. Und ich würde auch ein Pamphlet mit den, sagen wir mal, zehn Geboten des Kinderfußballs (und der FPL) aufsetzen, das dann von einem Verantwortlichen jeder Mannschaft, die am Spielbetrieb teilnimmt, unterschrieben werden muss.

    Stimmt, Andre, wenn ich es mir nochmals ansehe, sind mir die Dienstagselemente auch alle zu kraft- und konditionslastig und haben zu wenig mit dem Ball zu tun. Da habe ich offenbar nicht genau genug gelesen. Man kann auch mal was Anstrengendes ohne Ball machen, das sollte aber schon eher die Ausnahme sein und den Kids Spaß machen. Aus der Ferne würde ich dazu raten, ins Dienstagstraining auch vermehrt Spielformen einziehen zu lassen.

    Ich trainiere zusammen mit zwei anderen "Co Trainern" eine 20 köpfige E2 alle Jahrgang 2004, da wir immer jahrgangsrein spielen.


    OK, Ihr seid also ein reines Jungjahrgangsteam. Wie sieht das mit den Gegnern aus, auf die Ihr trefft, wie alt sind sie und wie groß im Vergleich mit Euren Spielern?


    Unser Training ist wie folgt strukturiert: [...]


    Das Training hört sich grundsätzlich nicht verkehrt an. Vielleicht könntet Ihr es etwas auflockern, es klingt nämlich so, als sei die Struktur schon ziemlich fest gefahren.


    Zu unserem Problem. All die tollen Spielformen und das ganze durchgeplante Training fruchtet Null! Was im Training schön umgesetzt wird ist im Spiel vergessen. Zweikämpfe gehen zu über 70% verloren. Stures Dribbling an der Linie gerade aus, als hatten die Spieler scheuklappen auf und könnten nicht nach links oder rechts sehen.
    Dann die Körpersprache... wir sind auf den Spielen eigentlich immer zwei Trainer. Ich halte uns für vernünftige Trainer und wir versuchen unsere Mannschaft vor jedem Spiel zu motivieren inkl. Schlachtruf etc. Aber aufs Spielfeld laufen sie dann mit hängenden Köpfen und eingefallenen Schultern, wie die Lämmer zur Schlachtbank und so wird dann auch gespielt.


    OK, OK, nun mal langsam. Du hast dir das offensichtlich schon eine Weile angesehen und dein Frust ist stetig gewachsen. Und nun scheint einfach alles sch**e zu sein, um es mal deutlich zu sagen. Die Körpersprache und das Verhalten auf dem Platz legen die Vermutung nahe, dass es mit dem Selbstbewusstsein bei Euren Spielern nicht zum Besten steht. Die verlorenen Zweikämpfe sind ja vermutlich zu einem nicht unerheblichen Teil einem alibihaften Verhalten geschuldet, der Spieler gibt den Zweikampf von vornherein verloren. Und die Einzelaktionen und Scheuklappen sind, wie ich vermute, ein Zurückfallen auf die Verhaltensmuster, die früher funktioniert haben, wozu der Spieler greift, weil er sich andere Lösungen nicht zutraut, ja, weil sie ihm nicht mal in den Sinn kommen.


    Wir haben die letzten vier Punktspiele ganz klar verloren. Ohne Vorbehalte würde ich behaupten, dass die Gegner nicht besser waren als wir. Nur unsere Jungs spielen so als ob es ihnen sch.... Egal wäre ob sie gewinnen oder verlieren. Die ärgern sich hinterher noch nicht mal...


    Es würde mich nicht wundern, wenn das eine Schutzreaktion ist, um mit den Niederlagen und dem schlechten Selbstbewusstsein klar zu kommen, sie flüchten sich in eine Position der Nichtverantwortlichkeit, sie sind einfach überfordert.


    Kann mir einer von euch einen Tip geben? Ich weis langsam nicht mehr weiter. Vielleicht ist es nach 5 Jahren auch Zeit die Mannschaft abzugeben ? Oder sollten wir unser Training dem Spiel der Kinder anpassen und die einfach nur noch kicken lassen und gut ist? Nach dem letzten Spiel am Samstag hätte ich am liebsten vor Frust geheult. Von 8 Mannschaften 6. Platz :(


    Ganz wichtig als erster Schritt: Druck von der Mannschaft nehmen. Lass die Tabelle Tabelle sein, gucke nicht mehr drauf, spielt keine Rolle! Schaue als nächstes nicht auf die anderen Mannschaften und höre auf zu vergleichen, sondern schaue auf deine Spieler. Frage dich: wie ist die Stimmung im Training, wie im Spiel? Was kann ich dafür tun, dass die Stimmung in Training wie Spiel steigt? Nimm eventuell etwas Druck aus dem Training raus, gib darauf acht, es nicht zu voll zu packen, versuche das Training so zu gestalten, dass die Kinder dabei mehr Spaß empfinden. Überprüfe das Training hinsichtlich der Frage, ob die Kinder sich ausprobieren können, anstatt sich permanent überwacht und bewertet zu fühlen. Achtet im Training und im Spiel auf die kleinen Fortschritte und lobt sie. Übt nie Kritik, ohne eine umsetzbare Alternative anzubieten. Übt Ihr individuell Kritik, dann bezieht Euch auf eine konkrete Aktion, ein konkretes Verhalten, das so kurz zurück liegt, dass der Spieler sich auch noch daran erinnern kann. Versucht dabei, dem Spieler keinen Vorwurf zu machen, sondern ihm ein Angebot zu machen, wie es besser gehen kann. Meiner Erfahrung nach gibt es nur wenige Kinder, die wirklich unwillig oder desinteressiert sind. Deine größte Aufgabe ist es, in ihnen die Begeisterung zu wecken sowie die Überzeugung, dass sie etwas schaffen können, wenn sie es versuchen und dann auch dran bleiben. Dann kommt die Weiterentwicklung mehr oder weniger von selbst, du musst dann 'nur noch' geeignete Übungs- und Spielformen finden sowie geeignet steuernd eingreifen.


    Beachte bitte, dass ich aus der Ferne überhaupt nicht beurteilen kann, ob und inwiefern meine Vorschläge angebracht sind. Es handelt sich dabei um Prinzipien, an denen ich mich selbst orientiere und anhand derer ich mein Verhalten immer wieder überprüfe.


    Außerdem könntet Ihr Freundschaftsspiele gegen schwächere Mannschaften vereinbaren, damit Eure Spieler auch mal wieder in einem Spiel gegen ein anderes Team ein Erfolgserlebnis haben.

    Ich würde auch zu einem persönlichen Gespräch mit völlig offenem Ergebnis raten. Darin kannst du dem Spieler ja sagen, dass du der Meinung bist, dass er deutlich mehr könne, wenn er sich auch entsprechend reinhängen würde. Aber ich würde darauf aufpassen, daraus keine Forderung an ihn abzuleiten. Es geht nicht um dich, sondern um ihn. Wenn er mehr erreichen möchte, dann muss er es auch wollen. Sollte das nicht der Fall sein, so musst du das einfach akzeptieren.

    meine Kleine meldet sich immer, wenn sie den Ball haben möchte *g*


    Ja, völlig normal, aber dazu stehe ich nicht ganz unkritisch, zeugt es doch nicht unerheblich von Egoismus. Das ist auch völlig normal, aber halt nicht gänzlich das Verhalten, das ich als Trainer sehen möchte. Es ist, wie gesagt, schon OK, aber von mir z.B. eher unerwünscht, wenn der Spieler, der den Ball fordert, eindeutig schlechter steht als der Ballführende oder z.B. gedeckt ist. Eine entsprechende Einschätzung der eigenen Situation gegenüber der des ballführenden Spielers wünsche ich mir eigentlich schon bei F-Junioren, zumindest beim älteren Jahrgang. Später wünsche ich mir dann, dass sie dem Ballempfänger oder -besitzer Hinweise geben, die ihm helfen, also den Hinweis auf den für ihn unsichtbaren Gegenspieler ("Hintermann!") oder darauf, wo er hinspielen könnte. Bei letzterem freue ich mich, wenn das dann nicht "Hier, hier!" lautet, sondern "Links raus", "Steil" oder "hinten rum", wenn also der Spieler, der den Hinweis gibt, im Kontext von Ballbesitzer und Spielsituation denkt. Sowas können Bambini und F-Junioren natürlich aber noch nicht.

    Sollten auch schon Kinder in der G-Jugend auf dem Platz miteinander reden ? Ich denke schon, dass das manchmal ganz hilfreich ist. Ich weiß, dass meine Große das oft tut und dass das nicht immer gut ankommt (Trainer). Ich denke, es kommt darauf an, WIE man miteinander spricht.


    Die richtige Kommunikation ist sicher nie verkehrt, aber von G-Junioren kann man meiner Meinung nach noch nicht besonders viel an sinnvoller Kommunikation erwarten. Wie du schon richtig feststellst, ist das Wie sehr wichtig, der Ton macht die Musik. So muss es eigentlich immer darum gehen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen und nicht darum, sich gegenseitig fertig zu machen oder Dampf ab zu lassen. Ich mag es überhaupt nicht, wenn Kinder sich auf dem Platz gegenseitig anmotzen, das führt nämlich nie zu einer Besserung, viel eher ist das Gegenteil der Fall. Ich finde, dass es eine wichtige Aufgabe für einen Kindertrainer ist, seinen Schützlingen zu vermitteln, dass sie sich am besten gegenseitig helfen, indem sie positiv motivieren und Tipps dazu geben, wie der andere Spieler etwas besser machen kann. Wobei ich dann ggf. den einen oder anderen mit seinen Tipps wieder ein wenig bremsen würde, denn das ist noch überwiegend meine Aufgabe. Die Spieler können Situationen häufig noch nicht so gut einschätzen und geben ihren Mitspielern gar nicht so selten auch falsche Hinweise.


    Noch gilt das Gesagte nur für die Kommunikation in Spielpausen, d.h. wenn der Ball nicht im Spiel ist. Im Thread ist bisher eher von der Kommunikation der Spieler, während der Ball im Spiel ist, die Rede. Da ist in den meisten Fällen der Spieler am Ball der Adressat, ihn möchte man mit akustischen Hinweisen unterstützen, so dass er nicht alleine auf seine visuelle Wahrnehmung angewiesen ist. Daneben gibt es zwar noch Anweisungen an die gesamte Mannschaft oder Mannschaftsteile, also z.B. Verschiebekommandos oder die allseits bekannten "DRAUF!", "RAUS!" oder "ZURÜCK!", diese sind aber im KiFu entweder noch kein Thema oder recht elementar. Die taktische Kommunikation unter den Spielern ist hingegen gar nicht so einfach. Denn einerseits möchte man sie als Trainer fördern, denn sie kann nur praktiziert werden, wenn die Kameraden des Ballbesitzers mit denken und sich in seine Lage versetzen. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass sie sich selbst dann auch so verhalten, dass sie ihm bestmöglich helfen. Andererseits müssen die Spieler begreifen, dass sie dem Ballbesitzer keine Anweisungen zu geben haben, sondern lediglich Hinweise und Angebote. Ich möchte auch nicht, dass fünf Spieler gleichzeitig "Hier! Hier!" rufen und den Ball haben wollen, das irritiert den Ballführenden nur. Auch sollten hilfreiche Hinweise, wie z.B. "Wechsel!" nur dann erfolgen, wenn der Ballführende dazu in der Lage ist, also nicht, wenn er sich mitten im Zweikampf befindet. Das zu lernen halte ich für gar nicht so einfach..

    Kombinationsspiel war früher die Stärke meiner Mannschaft. Nun scheint das alles in einer anderen Welt zu sein. Von der F-Jugend in die E-Jugend raufgerückt bekommen wir jetzt laufend die Hucke voll. Pässe werden blind nach vorne verteilt ohne vorher zu schauen ob da jemand ist. Keiner sucht und nutzt die Freiräume mehr. Ich kann es den Spielern nicht mehr vermitteln.


    Wenn deine Spieler früher besser kombiniert haben als jetzt, dann würde ich dir raten, zunächst heraus zu finden, woran das liegt. Das ist nicht leicht, der Fußball ist sehr vielschichtig, daher denke ich, dass du deine einzelnen Spieler und die gesamte Mannschaft mal sehr genau und möglichst nüchtern beobachten solltest, um dann ggf. auch verschiedene Erklärungsansätze zu haben. Aus der Ferne scheint mir auch die Erklärung am naheliegendsten, dass Ihr jetzt einfach gegen stärkere Gegner spielt als in der Vorsaison. Diese setzen Eure Spieler wahrscheinlich stärker unter Druck und beeindrucken sie durch gekonntes Spiel, so dass sie sich einerseits nicht so entfalten können wie früher und sich darüber hinaus noch weniger zutrauen und so ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Das ist völlig normal.


    Kann mir jemand ein Link einer guten Trainingseinheit zum Kombinationsspiel in der gegnerischen Hälfte geben, oder mir eine gute Übung erklären?


    Der Tipp mit Horst Wein ist schon mal sehr gut. Versuche aber nicht, den Rückstand zu schnell aufzuholen, indem du zu viel instruierst, es geht bei Horst Wein tatsächlich darum, dass die Spieler begreifen und verstehen sollen, wann der beste Zeitpunkt für das Abspiel ist, wohin und wann man sich am besten freiläuft, usw. Das will auch alles seine Zeit haben, verschiedene Spieler sind damit, diese Themen zu verstehen, auch unterschiedlich schnell. Und dann kommen ihre persönlichen Vorlieben ja noch dazu. Nicht zuletzt um diese auszuschalten ist es sinnvoll, auch in Kleinstmannschaften zu spielen, d.h. vom 2:2 bis zum 4:4, denn da klappt es einfach nicht, wenn ein oder zwei Spieler nur vorne oder hinten bleiben.


    Neben der Spielintelligenz ist aber natürlich auch die Technik von entscheidender Bedeutung. Wenn ich den Ball schnell unter Kontrolle bringen kann, habe ich einfach mehr Zeit, um mich auf den mich attackierenden Gegner einzustellen. Umgekehrt hat er es am leichtesten, wenn er mich bereits bei der Ballannahme stören kann. Daher ist es wichtig, das Ballgefühl und die Koordination zu trainieren. Koordinations- und Dribbelübungen gehören also auf jeden Fall ins Programm -- ich würde es als Fehler betrachten, wenn du dich hauptsächlich auf die Passtechniken konzentriertest. Sie gehören auch dazu, keine Frage. Aber mindestens ebenso wichtig wie der gute Pass ist die gute An- und Mitnahme, und für letztere braucht man vor allem Koordination und Ballgefühl.

    Andre, hier fällt es halt schwer, die Situation geeignet aus der Ferne einzuschätzen. Sicherlich finde ich auch, dass Zwang nicht zum Repertoire des Trainers gehören sollte, aber Überzeugungsarbeit sollte er, wie ich finde, durchaus leisten dürfen. Dazu gehört selbstverständlich in einem solchen fall, dass er aktiv und intensiv daran arbeitet, dass die Lütte ihre völlig überhöhten Ansprüche an sich selbst überwindet. Wie gesagt, bei mir hatte es gut funktioniert, dass jeder Spieler mal ins Tor ging. Davon waren sicher einige weniger begeistert, aber auch dadurch, wie ich mit ihnen in diesem Zusammenhang umging, hat es jeder psychisch einwandfrei überstanden. Du sprichst davon, dass Spieler, die nun mal nur auf einer Position spielen wollen, sich diese dann halt teilen müssen. Grundsätzlich finde ich solche Konsequenzen auch in Ordnung, sehe sie aber im Hinblick auf den Mannschaftsgedanken nicht ganz unkritisch. Gehe ich mal davon aus, dass ein Spieler normalerweise zu jeweils 50% vorne und hinten spielen sollte. Nun gibt es da ein Früchtchen, das nur vorne spielen will, so dass es zeitweise zu einer Doppelbelegung kommt. Teile ich die Spielzeit dann zwischen diesen zwei Spielern auf, so hat der kooperative Spieler insgesamt 75% Spielzeit, davon 50% hinten und 25% vorne. Das egoistische Früchtchen spielte genauso lange, aber ausschließlich auf der von ihm favorisierten Position. Und ein dritter Spieler käme auf mehr Spielzeit als der kooperative, der sich die Offensivposition mit dem Früchtchen teilen musste, nämlich auf 100%. Das finde ich ungerecht gegenüber dem Spieler, der zugunsten des Egoisten verzichten musste.


    Anders sieht die Sache natürlich aus, wenn ich mehrere Egoisten habe, die sich dann die Einsatzzeiten teilen können. Das finde ich von der Gerechtigkeit her OK. Aber da geht mir schon noch auf den Keks, dass sie die Extrawurst bekommen. Und es stört mich, dass sie sich z.B. weniger in ihrem Defensivverhalten verbessern als die anderen.

    Ja, das stimmt, im organisatorischen Bereich ergäben sich durchaus Herausforderungen. Die jetzigen Organisationsformen müssten dabei auch ziemlich umgekrempelt werden, da aktuell ja namentliche Meldungen vorgenommen werden, d.h. ein Spieler ist zu Saisonbeginn fest einer bestimmten Mannschaft zugeordnet, die sich, bis auf Ausnahmen, bis zum Saisonende auch nicht verändert. Für kleinere Vereine mit ihren typischerweise geringen Jahrgangsstärken wäre es sicher schwierig, alle Mannschaften im Spielbetrieb zu halten. Eigentlich würde der Sinn der Spielzeiten auch ein Stück weit ad absurdum geführt, die Erfolgsgeilen brächten sicherlich wenig Verständnis dafür auf, wenn sie auf ihre Meisterschaftsgaranten in der Rückrunde verzichten müssen, weil diese eine Altersstufe hoch rutschen... Der Spielbetrieb müsste sich also auch anpassen, wenn dieses Modell flächendeckend eingeführt würde. Das wäre sicher ein ziemlicher Kraftakt.


    Hingegen dürfte es einzelnen Vereinen, die von vornherein sehr breit aufgestellt sind oder die recht problemlos auf weitere Spieler zugreifen können, nicht sonderlich schwer fallen, sich einen Kader zusammen zu stellen, mit dem sie das Tottenham-Modell praktizieren könnten. Mit den zweitgenannten Vereinen meine ich auch solche, die mit Tottenham vergleichbar sind, also Profivereine und regional bekannte Kaderschmieden, die lange Wartelisten haben.

    Das ist ein interessanter Ansatz! Wechselnde Teams schaffen allerdings wieder neue Probleme...


    Ich finde die Idee auch interessant. Die Grundschule, die ich (im Ausland) besuchte, hatte einen ähnlichen Ansatz: es gab Trimester und jede Klasse war dreigeteilt, so dass man, je nach Fortschritt, ein bis drei Trimester in der Klasse verbrachte, wobei die längste Verweildauer auch der Regel entsprach. Im Unterricht erhielten die drei Gruppen mal gemeinsame, mal unterschiedliche Aufgaben. ich weiß nicht mehr, ob es so war, aber grundsätzlich wäre es in diesem Modell auch denkbar, dass ein Kind der ersten Gruppe, das in Mathe besonders stark ist, in diesem Fach bei der zweiten Gruppe mitmacht.


    Da du sie befürchtest: welche Probleme siehst du bei Tottenhams Ansatz entstehen?

    Hmm, klingt so, als habe es ihr leider keinen Spaß gemacht. Wenn Sie von der Abwehr im Stich gelassen wurde, kann man das ja auch verstehen. Nun ist die Frage, wie Ihr und sie mit diesem Erlebnis umgeht. Sie hat ja einige Bälle gut gehalten, das müsste der Fokus sein. Und dass es der Torhüter naturgemäß schwer haben muss, wenn er alleine dem oder gar den Gegenspielern gegenüber steht. Als Trainer würde ich sie, wie alle anderen Spieler, durchaus nochmal ins Tor stellen. Bei ihr würde ich wahrscheinlich versuchen, den nächsten Einsatz in einem Spiel zu tätigen, in dem sie es voraussichtlich nicht so schwer haben wird. Außerdem würde ich versuchen, ihr eine stabile Abwehr dazu zu stellen.