Da kann man noch so viele Preise dafür vergeben wie man möchte und noch so viel Lobhudeln, für mich ist das die Folge aus einem Notstand und hat tatsächlich etwas von diesem "Gruppenkuscheln" aus dem Titel.
Ich habe doch schon die URL genannt, auf der du nachlesen kannst, wie und warum die FPL entstanden ist. Anlass dafür war, wie man unter http://fairplayliga.de nachlesen kann, dass Ralf eine Zunahme von Konflikten bei und allgemein hitziger werdende Fußballspiele im Kinderbereich wahrnahm und im Dezember 2005 "einen Presseartikel über einen Spielabbruch wegen Zuschauerausschreitungen bei einem Kifu-Spiel" las. Anlass war wohl eine Schiedsrichterentscheidung. Es gab also einen Schiedsrichter, demnach also keinen Notstand.
Und mit Gruppenkuscheln hat die FPL überhaupt nichts zu tun, ich erwarte von meinen Spielern, dass sie fair spielen und die Wahrheit sagen, egal, ob sie zu ihrem Vorteil oder dem des Gegners gereicht. Dazu sollen sie den Mumm haben, genau wie ich auch. Wenn dann mal ein Spielergebnis zu Gunsten desjenigen ausfällt, der meint, die Prinzipien des Kinderfußballs und des Fair-Play mit Füßen treten zu können, dann sei es so, das ist mir sowas von egal. Da halte ich es mit dem Zitat von Zodiak, was die Sinnlosigkeit von Diskussionen mit Idioten anbelangt. Natürlich muss ich vorher dem aus meiner Sicht aber auch völlig falschen Drang nach der Bestätigung des Handelns sowohl meiner Schützlinge als auch meiner eigenen Person in Form von Ergebnissen abgeschworen haben. Soweit scheint Jonas übrigens noch nicht gewesen zu sein, als er den Thread eröffnete -- beachtet bitte, dass ich das nicht als Vorwurf meine.
einen Presseartikel über einen Spielabbruch wegen Zuschauerausschreitungen bei einem Kifu-SpielFußball ist Wettbewerb, ein Sport in dem es zwei Gegner gibt. Dieses Fairplay-sich-selbst-einigen führt am Ende zu einem der dümmsten Statements, die es so gibt: Der Klügere gibt nach.[/quote]
Es ist dann doof, wenn immer nur einer nachgibt und sich dadurch unterbuttern lässt. Ich würde, wenn es darum geht, im Zweifel nachzugeben, durchaus den ersten Schritt machen, vielleicht auch noch einen zweiten. Wenn mein Gegenüber sich beim dritten mal nicht revanchiert, würde ich freundlich aber bestimmt darauf hinweisen, dass ich bereits zwei mal nachgegeben habe, und es nun ein letztes mal tue. Beim nächsten mal würde ich dann ggf. in den Sitzstreik treten.
Ich denke wir als Trainer sollten Respekt vermitteln, Fairplay sicher auch, aber auch die Ellbogen, die man im Alltag ebenso braucht.
Sicher muss man darauf achten, dass man nicht generell übervorteilt wird. Ich beklage allerdings, dass das heutzutage bei vielen Personen zu der Meinung führt, der Egoismus sei legitim, wenn nicht sogar notwendig. Das halte ich für eine schwerwiegende Fehlentwicklung unserer sowie der globalisierten Gesellschaftsordnung, in der sich in den letzten Jahrzehnten das Diktat des Kapitals und der Wirtschaft immer stärker durchsetzen. Ich halte das für wider eines erheblichen Teils der Natur des Menschens, der zwar mit und auch innerhalb seiner Gemeinschaft durchaus schon immer mit anderen Gruppen konkurriert hat, aber dennoch eines der sozialsten Lebewesen ist, das diesen Planet bevölkert. Und gerade weil unsere Gemeinschaft mittlerweile so groß geworden ist, dass wir eigentlich permanent überfordert sind (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Dunbar-Zahl, beachtet, dazu die deutlich umfangreichere englische Fassung des Artikels), wird von uns noch deutlich mehr soziale Interaktion und dementsprechend auch Kooperation gefordert, als es unserer Natur entspricht. Das führt mich dazu, dass es geboten ist, Kindern eher zu mehr Gemeinsinn, Rücksichnahme, Respekt und Kooperation zu erziehen als zu einem höheren Maß an Egoismus und Ellenbogenmentalität.
Und wenn ich mir (wie vor ein zwei Jahren tatsächlich geschehen) im ersten Spiel der Rückrunde als Tabellenletzter einen 1:0-Sieg beim Ersten hole, in dem ich eine 4-2-0 Formation auf den Platz geschickt habe, meine Spielerinnen ab der 40. auf Zeit gespielt haben [...]
Dagegen habe ich überhaupt nichts, beachte aber meine Anmerkungen zu aus meiner Sicht zulässigem sowie unzulässigem Zeitspiel weiter oben.
[...]und wir wahrscheinlich die einzigste Mannschaft der letzten 20 Jahre Mädchenfußball-Geschichte waren, die in einem Spiel mehr als 2 gelbe Karten bekommen haben, dann bin ich zufrieden.
Wenn das heißt, dass ihr bewusst übertrieben hart gespielt habt, so finde ich das wiederum nicht in Ordnung. Aus der Ferne kann und möchte ich es aber nicht beurteilen.
Denn ich habe gesehen, wie glücklich meine Mädels danach waren. Manche sind völlig erschöpft auf den Boden gefallen, als der Schiedsrichter gepfiffen hat, manche haben der Torhüterin gratuliert. Am Ende gab ordentlich Musik in der Kabine, einen Ausflug zum McDonals und einen richtigen tollen Teamgeist in den nächsten Monaten.
Verstehe mich bitte nicht falsch: ich erlaube meinen Spielern unbedingt, sich über einen Sieg zu freuen und sich nach einer Niederlage zu ärgern oder auch traurig zu sein. Aber ein gewonnenes Spiel ist nicht automatisch ein gutes Spiel gewesen, ebenso wie ein verlorenes nicht unbedingt schlecht war. Und wenn wir unglücklich verloren haben, so finde ich das zwar schade, hege aber keinen Groll gegenüber dem Gegner. Ebenso wie ich hoffe, dass er mir gegenüber keinen Groll hegt, wenn wir mal glücklich gewinnen. In solchen Fällen würde ich mir aber wünschen, dass meine Spieler aus Respekt vor dem Gegner in seiner Anwesenheit nicht übermäßig feiern. Und allgemein mag ich keine Gesänge oder andere Ausdrucksformen, die den Gegner abwerten, also z.B. das allseits bekannte "so sehen Sieger aus".
Das gehört für mich genauso dazu, wie wenn ich nach dem Spiel dem Trainer der Gegner die Hand schüttle, die Torhüterin der Gegner kurz aufbaue, weil sie gepatzt hat und sie für die tolle Hinrunde lobe. Wäre ich erster gewesen und der Gegner letzter, hätte ich doch das Gleiche getan. Ich war nicht immer der, der mit Zeitspiel eine Führung über die Ziellinie gerettet hat, ich war auch mal der Betroffene und sage: Es gehört dazu.
Hier sind wir allerdings einer Meinung.
Und schöne Diskussion übrigens!
Finde ich auch, schön, dass du es auch so siehst.
