(forts.)
Genau das sehe ich wieder komplett anders. Sie hat in dieser Situation vielleicht moralisch falsch gehandelt, aber mein Gott sie ist elf Jahre alt.
Eben. Sie ist erst elf, sie stand unter Druck, da war es für sie der einfachste Ausweg. Aber sie hat bewusst gelogen und damit im Spiel betrogen. Sie hatte ganz offensichtlich ein schlechtes Gewissen, deshalb hat sie dir ja auch nach dem Spiel die Lüge gebeichtet, sie hat damit ihr Gewissen entlastet, sie möchte von dir wissen, wie sie hätte handeln sollen.
Sie hat schnell geschaltet und für ihr Team das Beste getan. Alles andere wäre für mich der Dolch im Rücken ihres eigenen Teams gewesen, das setzt die Kinder doch unter Druck.
Siehst du, und genau hier offenbarst du, dass dir die Interessen deines Teams, welche gleichzusetzen sind mit deinen eigenen Interessen, wichtiger sind als die Ideale des fairen Sports. Das ist die Einstellung, dass die Regeln für die anderen mehr gelten als für einen selbst, und man sie ruhig übertreten darf, solange man sich nicht erwischen lässt. Nein, eine ehrliche Antwort hat nichts mit Dolchstoß oder so einem Unsinn zu tun, es ist schlicht und einfach die Weigerung zu lügen. Sie war zu spät am Ball und musste zu einem unfairen Mittel greifen. Sie hat die Gegenspielerin wahrscheinlich nicht absichtlich verletzt, sie hat gehofft, eher am Ball zu sein, das hat aber nicht geklappt. Die aus meiner Sicht richtige Konsequenz wäre jetzt, dass sie lernt, in einer solchen Situation nicht mehr mit solch hohem Risiko hin zu gehen. Entweder sie ist tatsächlich früher da und kann die Situation fair klären. Oder sie zieht halt nicht voll durch, sondern lässt die Gegenspielerin an den Ball, verkürzt aber die Distanz und lenkt sie zur Seite. Taktisches 1:1 des Torhüters halt. Sie hat gelogen und kam so optimal aus der Situation raus, dabei lernt sie aber nicht, wie sie den ähnliche Situationen Regeln entsprechend lösen kann. Wenn du sie dafür nun auch noch lobst, dann wird sie doch so weiter machen und es wird eher wieder Verletzte geben als dass das Risiko dafür sinkt.
Wenn sie es zugibt, wird sie vielleicht in der Kabine von den eigenen Leuten angemault, dann sind wir wo, wo wir nie hin wollten.
Das zu verhindern ist deine ureigene Aufgabe als Trainer. Du gibst die Werte vor, du lebst sie sogar vor. Und da wird es einfach nicht toleriert, dass jemand dafür, dass er die Wahrheit sagt, kritisiert wird.
Wenn das Ganze jetzt auf dem Bolzplatz passiert, da ist mir das egal, da gebe ich es zu. Kein Problem, aber im Spiel?
Spiel ist Spiel, egal ob auf dem Bolzplatz oder im WM-Finale. Sicher mag es einem in einem vermeintlich wichtigen Spiel schwerer fallen, unangehme Konsequenzen hinzunehmen. Aber darin zeigt sich doch wahre Größe.
Ich stehe nicht immer, aber schon öfter zu meinen Fehlern (
), aber ich wüsste nicht, wie ich das in der Situation behandelt hätte.
Wie meinst du das? In welcher Position siehst du dich in der letzten Aussage, also der zur Behandlung der Situation?
Allerdings glaube ich, du hast meine Ansicht eines taktischen Fouls nicht ganz verstanden. 85. Minute, eine 1:0 Führung für deine Mannschaft, der Gegner rennt dir weg.
Dann hast du zu riskant gespielt, standest zu hoch und hast nicht geeignet abgesichert. Nun wirst du dafür bestraft, einfach nur durch das geschicktere, aber völlig regelkonforme Verhalten des Gegners. Ist es dann nicht nur gerecht, wenn er dann ausgleicht? Hast nicht du dich einfach nur zu doof angestellt?
Da halte ich halt einmal am Trikot, vielleicht zweimal. Irgendwann hab ich ihn, der Schiedsrichter pfeift, es gibt Gelb für mich. Wo ist das Problem? Es ist nichts passiert, niemanden ist etwas zu Schaden gekommen.
Du hast die Regeln gebrochen, weil du nicht bereit warst, die Konsequenz für deinen Fehler zu akzeptieren, du hast stattdessen bewusst betrogen, weil du die Strafe für den Betrug hast eher akzeptieren wollen als die Konsequenz deines Versäumnisses. Ich empfinde das als unehrenhaft.
Eine Notbremse war es nicht, ein böses Foul schon gar nicht. Ich schwäche mich selbst, vielleicht opfere ich mich sogar für das Team.
Ach, hör doch auf mit dem Getue und der Mär vom Opfer für das Team. Tut mir leid, dass ich jetzt so deutlich werde, aber diesen Unfug kann ich überhaupt nicht leiden. Mit diesem Unsinn machst du den Täter, dich, zum Opfer. Nein, Opfer ist der Spieler, den du auf regelwidrige Art daran hinderst, den ehrlich herausgespielten Vorteil zu nutzen. Du nimmst die Strafe in Kauf, das tust du aber nur, weil du ein Gegentor mehr fürchtest und sein Eintreffen für durchaus wahrscheinlich hältst.
Wenn der Gegner den Freistoß schnell ausführt, dann schaue ich erst recht in die Röhre.
ich fange gleich an zu heulen.. Ich muss sagen, diese Aussagen wirken auf mich ziemlich scheinheilig. Und wir wissen doch beide, wie man den schnellen Freistoß verhindert, da stellt sich einfach ein Mannschaftskamerad vor den Ball oder hebt ihn auf oder was auch immer. Wenn Ihr schon mit den Trikotzupfern so routiniert seid, gehört das ja wohl auch zum eingeübten Repertoire, oder?
Das ist ein Spiel mit dem Feuer, dass vielleicht nicht jeder kann, aber wenn man es kann, ist es extrem hilfreich.
Du gleitest langsam in die Glorifizierung ab. Ich muss diese ablehnen und ihr vehement widersprechen. Das taktische Foul ist und bleibt eine Unsportlichkeit. Du kannst so viel herum reden, wie du willst, es lässt sich nicht anhand des Regelwerks rechtfertigen.
Dafür sind doch Schiedsrichter da, oder nicht?
In der FPL nicht, da obliegt den Trainern diese Aufgabe.
Dann brauche ich mir keine Gedanken über einen Spielabbruch (überlege mal, was du da vorschlägst!) machen, sondern habe jemanden, der die Situation einfach beurteilt. Das verkompliziert doch alles.
Du scheust also die Verantwortung und möchtest sie lieber an den Schiedsrichter abgeben. Siehst du, genau dieses Verstecken hinter dem Schiedsrichter erlaubt dir die FPL nicht mehr. Du musst als Trainer Verantwortung übernehmen, es liegt an dir, ob das Spiel funktioniert und die Kinder ihren Spaß haben oder nicht. An dir und deinem Kollegen.
Unser Schiedsrichter hat ihn einmal verwarnt, dann war zumindest Richtung Schiedsrichter Ruhe. Das die Eltern ihn nicht dabei ausbremsen, ihre Kinder anzugehen, steht dann auf einem anderen Blatt.
Falscher Ansatz. Wir sind alle mündige Erwachsene, wir sollten alle die Reife besitzen, uns geeignet zu verhalten, d.h. kooperativ, respektvoll und freundlich. Und wir sollten alle in der Lage dazu sein, den Wert des gemeinsamen Spiels höher einzustufen als unsere egoistischen Einzelinteressen. Wer dazu nicht in der Lage ist, ist im Kinderfußball fehl am Platz.
Und ja, ich weiß sehr wohl, was ich da vorschlage. Ich kenne aber auch die Altersklasse und weiß daher, dass ein solcher Spielabbruch ungeheuer selten sein dürfte und dann aber auch sinnvoll zum Schutz der Kinder wäre. Wenn du den Fall meinst, dass man aufhört, weil die andere Partei bewusst unfair spielt und sich unkooperativ verhält, so lernen sie daraus, dass man sich nicht alles bieten lassen darf. Würde man weiter machen, so hätten die anderen, die 'Bösen' ja bis zum Schluss ihren Spaß. So kann man ihnen wenigstens diesen nehmen. Sollen sie doch untereinander spielen, da können sie die Regeln machen, wie sie wollen.
Hier das Gleiche: Wenn, wenn, wenn. Steht da ein Schiedsrichter gibt es kein Problem.
Nein, das stimmt nicht. In der F-Jugend pfeift bei uns der Heimverein. Wie gesagt, ich habe da schon oft erlebt, dass der Schiri eben nicht unparteiisch war. Es geht nicht um versehentliche Fehlentscheidungen, es geht darum, dass ein Schiri, der eine Beziehung zu einer der beiden Mannschaften hat, sich eben schwer damit tut, unparteiisch zu pfeifen. Das ist einfach so, das ist so ähnlich wie es schwierig ist, als Vatertrainer das eigene Kind genauso zu behandeln wie seine Mannschaftskameraden.
(Fortsetzung folgt)