Du fragst ja nach der Rotation. Ich habe da durchaus schon verschiedenes ausprobiert. Das von dir genannte Volleyballprinzip habe ich gerne immer mal wieder im Training im Abschlussspiel praktiziert, wenn wir da mal 6:6 bis 7:7 spielten. Wir haben dann alle zwei oder drei Minuten gewechselt, der Spieler vorne links ging ins Tor, der Torwart nach hinten links, alle anderen rückten eins weiter. Da hat das eigentlich recht gut geklappt. In einem Turnier oder beim Spiel gegen ein anderes Team würde ich aber wohl nicht so verfahren, sondern den Spielern mehr Zeit auf einer Position geben.
Einmal, das war gegen Ende der E2-Jugend, habe ich, wir spielten 3:3, die Spieler selbst entscheiden lassen, welche vier Spieler in der ersten Halbzeit vorne und welche hinten spielen. Es waren acht Feldspieler dabei, macht vier pro Reihe, wovon einer am Anfang draußen ist. In der zweiten Halbzeit sollte getauscht werden, d.h. die Spieler, die in der ersten Halbzeit vorne gespielt hatten, gingen nach hinten und umgekehrt. Ich habe die Wechsel so geplant, dass alle vier Spieler der beiden Reihen ähnlich viel spielten. Die Organisation klappte gut, aber die Einteilung der Kinder war ganz schlecht, da wurde offenbar, wie sehr viele von ihnen noch auch sich selbst fixiert sind, denn es kamen zwei sehr unausgeglichene Reihen heraus, das Spiel lief alles andere als gut. Ich habe es trotzdem durchgezogen, es danach auch mit den Kids besprochen, sie waren schon ziemlich enttäuscht, haben, glaube ich, aber am Ende doch verstanden, dass man aus solchen Erlebnissen lernt und dass es der Trainer auch nicht immer so leicht hat. Ab diesem Zeitpunkt habe ich die Reihen wieder zusammen gestellt.
Ich habe aber dann, und das halte ich für den geschicktesten Ansatz, mit insgesamt zehn Spielern den Torwart abgezogen und aus den verbleibenden neun Spielern drei Dreierreihen gebildet, nenne sie A, B und C. Am Anfang stand A vorne auf dem Platz und B hinten, C draußen. Nach einem Drittel der Gesamtspielzeit, also nach zwei Dritteln der ersten Halbzeit, wurde gewechselt: A kam raus, B rückte vor und C besetzte die hintere Reihe. Nach der Pause ging es so weiter, nach zwei Dritteln der Gesamtspielzeit (was einem Drittel der zweiten Halbzeit entspricht) kam B raus, C rückte nach vorne und A ging nach hinten. So spielten alle Kinder in jedem Spiel sowohl hinten als auch vorne und bekamen gleichmäßig 2/3 der Spielzeit. Die Kunst lag nun darin, die Reihen gut zusammen zu stellen, so dass die Reihen untereinander ausgewogen genug sind und auch innerhalb einer Reihe ein gewisser Ausgleich stattfindet. So muss man aufpassen, dass man keine ganz schwache Reihe bildet. Ich habe meine starken Spieler mehr oder weniger auf die drei Reihen aufgeteilt bzw. jeder Reihe einen der stärksten Spieler gegeben. Dann die schwächsten verteilt und schließlich das Mittelfeld. Die stärkeren Spieler landeten dabei häufiger auf der zentralen Position in den Dreierreihen, es wäre aber auch möglich, einem etwas schwächeren Spieler zwei stärkere Nebenleute zu geben. Ich würde die Reihen auch von Spiel zu Spiel immer mal wieder etwas anders gestalten.
Wenn dieses System, das übrigens Andre hier im Forum vorgeschlagen hatte, funktioniert, ist es recht einfach umzusetzen und es gewährleistet sehr ausgeglichene Einsatzzeiten. Es ist allerdings völlig statisch und unflexibel, außer bei Verletzungen sind keine individuellen Wechselvorgänge vorgesehen. Führt man doch welche durch, so geht das zu Lasten des ausgewechselten Spielers und ist sofort als trainermotivierte Maßnahme erkennbar, wenn ich das mal wertneutral ausdrücken darf.
In der älteren E-Jugend bin ich flexibler verfahren. Wir hatten zwei Mannschaften gemeldet und dadurch ohnehin nur noch maximal neun Spieler dabei, damit hätte sich obiges System nicht mehr in Reinform durchführen lassen, es hätte ein Spieler drauf bleiben und in zwei Reihen spielen müssen, bei nur acht Spielern, die wir häufiger dabei hatten, sogar schon zwei, da wird das System schon ziemlich unhandlich. Da habe ich mir also vorher überlegt, wie lange ca. jeder Spieler spielen sollte, um auf die selbe Spielzeit zu kommen. Dementsprechend habe ich dann gewechselt, so dass am Ende jeder Feldspieler ähnlich lang auf dem Platz wie draußen war. Eine Besonderheit war noch dabei, ich habe nämlich i.d.R. zur Halbzeit im Tor rotiert. Die beiden Torhüter standen schon vor dem Spiel fest, sie haben im Normalfall das komplette Spiel durchgespielt, eine Halbzeit auf dem Feld, eine im Tor. Die übrigen Spieler haben sich die Feldspielerminuten geteilt. Streng mathematisch bin ich dabei nicht vorgegangen, aber doch so sehr, dass alle Beteiligten sich einig waren, dass es gerecht zuging. So hatte ich durchaus eine gewisse Flexibilität und konnte z.B. darauf reagieren, wenn ein Spieler offensichtlich platt war und ein frischerer draußen. Hat sehr gut funktioniert. Ach so, ich habe dann auch darauf geachtet, dass am Ende der Saison jeder Spieler sowohl vorne als auch hinten gespielt hatte. Manche haben öfter während eines Spiels mehrere Positionen besetzen müssen, andere seltener und eher von Spiel zu Spiel, da habe ich darauf geachtet, wer besser zu ersterem in der Lage ist.
In der Halle mit 4+1 würde ich entweder blockorientiert oder individuell wechseln. Generell würde ich versuchen, bei so wenigern Spielern darauf hin zu arbeiten, dass die Mannschaft sehr fluide agiert, d.h. die Positionen nur die Startaufstellung wiedergeben und während des Spiels alle Spieler in Bewegung sind und möglichst aufeinander abgestimmt agieren. In der Halle bei so weniger Spielern muss, wie ich finde, sowieso jeder alles ganz gut können, da würde ich beim Wechseln darauf achten, dass ich nie ein Team auf dem Platz habe, das abgeschossen werden muss.
