Renel1105, was taktische Fouls anbelangt bin ich ziemlich anderer Meinung. Ich meine, dass es im Kinderfußball praktisch keine Situation gibt, in der ein taktisches Foul angebracht ist. Eine Ausnahme bilden vielleicht LZ- und andere ambitionierte Mannschaft im zweiten E-Jugendjahr, die letztlich ihren Altersgenossen um ein gutes Jahr voraus sind. Diese spielen dann teilweise sicher schon mit einer Mannschaftstaktik, in der es dazu kommen kann, dass ein schneller Gegenstoß (mit einem taktischen Foul) unterbunden werden 'muss'.
Ich weiß nicht, ich finde, dass die Notwendigkeit des taktischen Fouls ein Zeichen dafür ist, dass davor etwas nicht gut genug geklappt hat. Mit dem taktischen Foul mache ich es mir leicht, die Situation dann auszubügeln, das mindert die Folgen des Fehlers derart, dass dieser als weniger gravierend angenommen wird. Das empfinde ich im Ausbildungsbereich als verkehrt. Es ist nun mal so, dass wenn z.B. ein Sechser nicht genug Abstand zum Gegner hält, ein Pass (z.B. des AV) zu ihm abgefangen und somit ein Konter eingeleitet werden kann, das ist eine hochgefährliche Situation. Wenn ich ihm jetzt zugestehe, den durchgebrochenen Angreifer z.B. durch Festhalten oder Trikotziehen regelwidrig zu stoppen, so wird er das doch als probates Mittel erleben, und sich weniger einsichtig zeigen, wenn ich versuche, ihm zu vermitteln, dass die Ursache des Problems in seinem Verhalten zuvor lag.
An einem Trainer, den ich recht häufig beobachte, meine ich auch festmachen zu können, wie es sich ein Trainer (zu) leicht machen kann, indem er seine Spielern zur Anwendung taktischer Fouls animiert. So hatte er im 3-5-2 aufgestellt, mit einfach besetzten Flügeln. Beim Gegner spielte aber der AV offensiv mit dem Flügelstürmer/Mittelfeldaußen zusammen, so dass sich der einsame eigene Flügelspieler regelmäßig einer Überzahl gegenüber sah und, obwohl im defensiven 1:1 (gerade am Flügel) einer der stärkeren Spieler des Teams, nur selten in die Zweikämpfe kam und sich daher oft mit dem taktischen Foul behelfen musste. Leider ließ der Schiri das viel zu lange durchgehen. Solange musste der Trainer nicht handeln und seine Taktik anpassen. Und wie hat er reagiert, als der Spieler endlich verwarnt wurde? Er hat ihn ausgewechselt, um keine Zeitstrafe oder rote Karte zu riskieren und einen anderen Spieler auf den Posten beordert... 
Ansonsten verstehe ich durchaus, in welchem Spannungsfeld du dich befindest. Ich kenne das selbst von der Mannschaft meines Sohnes, da ist das ähnlich, obwohl es gut sein kann, dass ihr Niveau noch etwas niedriger ist als das deines Teams. Bei uns geht es nächstes Jahr evtl. in die Hessenliga (C-Junioren), darunter wird es dann noch zwei Verbandsligen und ca. sechs Gruppenligen geben, darunter dann Kreisligen und -klassen. Ich finde, dass das ein sehr schwieriges Thema ist. Die NLZ-Mannschaften haben, so meine Einschätzung, kein großes Problem damit, sowohl in den höchsten Spielklassen dabei zu sein und dennoch ein altersgerechtes Training durchzuführen. Da ist einfach die individuelle Qualität der Spieler, ihre Eigenmotivation und ihr Selbstbewusstsein so hoch, dass das gut klappt. Bei den Teams aber, die einen nicht ganz so starken Kader haben, führt die sehr anspruchsvolle Spielklasse oft mehr oder weniger zwangsläufig dazu, dass man versucht, irgendwie durch zu kommen, indem man z.B. mehr auf destruktives Spiel und Kampf setzt, oder z.B. auf Positionsidioten. Ich weiß nicht, ob das im Sinne der Spieler ist, und ob sie nicht besser dran wären, wenn sie ein oder zwei Klassen tiefer spielen würden, dort dann aber tatsächlich spielen und nicht nur (oftmals verzweifelt) kämpfen würden.
Ich meine also, dass man eine Mannschaft in der Spielklasse melden sollte, in der sie voraussichtlich auch bestehen kann. Es muss, so meine Meinung, im Kinder- und Jugendbereich immer um die Spieler gehen, der Ruhm des Vereins sollte dem gegenüber zurück stehen.