Dies stelle ich mir dann in der Umsetzung, besonders im Vermitteln gegenüber anderen, schwierig vor. Wenn das Spiel auf die Minitore so toll ist, warum dann doch ein paar plötzlich Spielfelder mit normalen Jugendtoren?
Naja, damit sie halt auch den Torschuss haben. Aber wenn das wirklich zu schwierig wäre, würde ich eher auf die großen Tore verzichten. Allerdings glaube ich andererseits auch nicht, dass 'mein' Modus die Leute überfordern würde, wenn man ihn ihnen denn erklären würde.
Ich finde aber auch, dass einzelne Entscheidungen, die zunächst und bei einigen Leuten auch dauerhaft unpopulär sind, durchaus dennoch sinnvoll und richtig sein können, und demnach auch durchgesetzt werden sollten. Im KiFu ist ein Beispiel, das nicht auf ungeteilte Gegenliebe stößt, ja die FPL, bei der ich meine, dass wenn Kindertrainer es nicht hinbekommen, mit FPL-Regeln für ein erfreuliches Spiel der Kinder zu sorgen, dann steht es um den Kinderfußball in Deutschland aber ganz schön schlecht. Dann sollten die Kids vielleicht eher Handball spielen. Da wird übrigens in der kompletten F-Jugend das 2x3:3 (zweimal Drei gegen Drei) gespielt, bei dem das Spielfeld an der Mittellinie in zwei Teilfelder aufgeteilt wird, in das jede Mannschaft drei Spieler entsendet, welche die Mittellinie nicht übertreten dürfen. So spielen also in den beiden Hälften jeweils drei Angreifer gegen drei Verteidiger. In der E-Jugend gibt es diese Spielform ebenfalls, sie ist für die Hinrunde verpflichtend, in der Rückrunde wird dann 'offen', also im konventionellen 6+1 gespielt -- dabei wird aber vom Verband die Raumdeckung, insbesondere das aus dem Fernsehen bekannte 6-0, untersagt, da man eine offensive Spielweise und das 1:1 fördern will. Das 2x3:3 ist bei vielen Leuten auch nicht so beliebt, aber ich bin der Meinung, dass es für die Kinder in diesen Altersklassen viel besser ist als das offene Spiel.
Der DFB empfiehlt für F-Junioren übrigens Mannschaften mit weniger als sieben Spielern. Das wird zwar nicht in den Leitlinien auf fussball.de deutlich, wohl aber im aktuellen DFB-Buch zum Kinderfußball. Es liegt mir gerade nicht vor, daher versuche ich, am Nachmittag den entsprechenden Passus hier nachzureichen. Auch auf fussball.de werden jedoch für diese Altersklasse Spielformen vom 5:5 bis 7:7 empfohlen -- aus dem Buch wird deutlich, dass man das 7:7 etwas zähneknirschend mit Rücksicht auf die bestehende Realität toleriert..
Witzig fand ich übrigens worauf ich gestoßen bin, als ich die Publikation des Hessischen FV namens "ABC des Fußballspiels -- Ein Lehrwerk für Schule und Verein: 4-8 Jahre" von 2003, das ich mir ziemlich zu Beginn meiner Trainertätigkeit besorgt habe, vor zwei Tagen nach längerer Pause wieder ansah. Da heißt es auf S. 27 im Abschnitt "4.3 Methodik und Organisation -- Reduzierung des Fußballspiels auf seine Spielidee, Reduzierung der Spieleranzahl und des Spielfeldes":
Zitat
Ein entscheidender Aspekt, den der Trainer [...] berücksichtigen muss, ist die noch schwach ausgeprägte Kooperationsfähigkeit der kleinen Fußballanfänger. Diesem Problem kann ein Fußballtraining dahingehend begegnen, dass es das Fußballspiel auf seine wesentlichen Elemente, die Spielidee -- Tore schießen und Tore verhindern, angreifen und abwehren -- reduziert und die Anzahl der Spieler ebenso drastisch verringert. Ausgehend vom Spiel 1:1 können die Spielerzahlen nach und nach, in Abhängigkeit von den individuellen Leistungsvoraussetzungen, auf etwa vier Kinder pro Mannschaft gesteigert werden. Dadurch erleichtert man ihnen die Spielübersicht und garantiert einen häufigen Ballkontakt.
Und in Abschnitt 4.5, "Entwicklungsgemäße Wettkampfformen", steht bereits in dieser Publikation:
Zitat
Auch das Spielfeld muss verkleinert werden [...], die Größe der Tore den Kindern angepasst und die Mannschaftsstärke reduziert werden. Das 4:4 sollte sowohl bei den G- als auch bei den F-Junioren gespielt werden. Erst im zweiten F-Junioren-Jahr sollte das 7:7 über das 5:5 vorbereitet und in Freundschaftsspielen erprobt werden. Bei einer größeren Anzahl von Mit- und Gegenspielern können die Kleinen das Spiel aufgrund ihrer Wahrnehmungs- und Orientierungsprobleme gar nicht mehr überschauen. Auch sind die Entfernungen, die sie auf einem großen Spielfeld überwinden müssen, um von dem einen zum anderen Tor zu kommen, viel zu weit. Sie haben also im Spiel kaum Ballkontakte und Torschussmöglichkeiten und müssen daher, ebenso wie der Torwart, der in einem großen Tor fast chancenlos ist, über kurz oder lang die Freude daran verlieren.
Und dann bedenke man, dass sich die Grundsätze sowohl in den Empfehlungen zum Training wie auch dem Spielbetrieb bei Kindern in den letzten zehn Jahren durchaus noch weiter in dieser Richtung und über den damaligen Standpunkt hinaus weiter entwickelt haben, was man z.B. recht deutlich sieht, wenn man auf fussball.de eine F-Juniorentrainingseinheit aus 2014 mit einer aus den Anfangstagen von Training Online vergleicht -- dabei gab es damals wie heute, das bitte ich zu berücksichtigen, natürlich auch Perlen, aber auch nicht ganz so gelungene Einheiten.
Ich finde das 3+1:3+1 im Minifußballfeld mit rotierendem Torhüter eine gute Alternative zum 4+1:4+1. Man kann die funino-Regeln weitgehend anwenden und verwendet ein bekanntes Feld mit klaren Zonen. Ich würde weiterhin eindribbeln lassen und ohne Ecke spielen -- das Toraus nach letzter Berührung des Balls durch einen Verteidiger wird im funino behandelt wie ein Seitenaus im Strafraum unter diesem Umstand: das Spiel wird von den Angreifern in drei Metern Entfernung zum Strafraum auf der Seitenauslinie per Eindribbeln fortgesetzt -- ich lasse die Kids i.d.R. und im Sinne von Einfachheit und schneller Spielfortsetzung auf der torfernen Seite der Hütchen, die den Strafraum markieren, eindribbeln.
Bei der TSG Hoffenheim vereinfachen sie übrigens, soweit ich weiß, das funino-Feld, indem auf die Strafräume verzichtet und stattdessen eine Mittellinie markiert wird. Tore dürfen da ab der Mittellinie erzielt werden. Ich selbst markiere häufig auch eine Mittellinie und erlaube Wechsel nur dort, achte dann, wenn ich es mit stärkeren Mannschaften zu tun habe, auch darauf, dass Einwechselspieler erst aufs Feld laufen, wenn der Auswechselspieler es verlassen hat -- hat eine Mannschaft einen Spieler zu viel auf dem Platz, so gibt das dann ein Gegentor. Da sorgen die Kids dann untereinander schon sehr schnell für eine fabelhafte Wechseldisziplin und die entsprechende Eile dabei.
Desweiteren nutze ich die Mittellinie gerne, um gemeinsames Angreifen und Verteidigen zu belohnen, indem Tore verdoppelt werden, wenn sich alle Angreifer zum Zeitpunkt der Erzielung in der gegnerischen Hälfte befanden und/oder sich mindestens ein Verteidiger noch in der Hälfte der Angreifer aufhielt -- ein Treffer zählt also einen, zwei oder sogar vier Punkte.
In einer Trainingseinheit kann ich natürlich verschiedene Variationen einbringen, aber als "Pflichtform" im Spielbetrieb?...Da habe ich so meine Bedenken...
Ich nicht. Wenn etwas im Training gut funktioniert, dann kann man auch gut den Spielbetrieb so machen. Horst Wein empfiehlt in seinem Buch sowie seinen Videoseminaren übrigens tatsächlich funino als Pflichtspielform.
Die Regelung ab dem zweiten E-Jugendjahr ist zumindest dann schwierig, wenn gemischte Jahrgänge eine E-Jugend bilden.
Naja, zu meiner Aufteilung passen die deutschen Altersklassen ja sowieso nicht, ich würde auch die international üblichen U-Einteilungen favorisieren, welche ja stets nur einen Jahrgang umfassen, auch wenn ab U15 häufig zwei Jahrgänge zusammengefasst werden. Da wäre das dann nicht das zweite E-Jugendjahr sondern die U11. In vielen Kreisen ist es in den KiFu-Altersklassen auch heute schon durchaus üblich, im Spielbetrieb nach Jahrgängen und nicht nach Altersklassen zu trennen, also innerhalb einer Altersklasse unterschiedliche Spielklassen für die verschiedenen Jahrgänge vorzusehen. Beim Handball ist es sogar möglich, in der E-Jugend zur Saisonmitte den Spielmodus zu ändern, und das sogar für alle Spieler in zwei aufeinander folgenden Saisons aufs neue, da fällt es mir schwer zu glauben, dass jährliche, graduelle Änderungen, das Fußballvolk wirklich überfordern würden.
Ich selbst habe im Zuge einer Trainingseinheit im Prinzip auch schon "Minifußball" gespielt, aber wohl nicht mit allen Regeln, sondern dann wohl eher in einer einfachen "Spielform" auf vier Hütchentore. Spielen lassen habe ich es im Grunde genommen in der gleichen Variante. Da ich derzeit keine Mannschaft inne habe, kann ich es auch nicht weiter testen, werde mir aber womöglich mal unsere F-Jugend "leihen" 
Urteile dann aber nicht zu schnell, sondern gib dir und den Spielern etwas Zeit, das Spiel kennen zu lernen.
Wenn in meiner näheren Umgebung mal ein solches Turnier durchgeführt wird, werde ich es mir auf jeden Fall mal anschauen.
Hmm, viel Erfolg bei der Suche, es würde mich zwar freuen, aber auch wundern, wenn du da schnell fündig würdest.