Erst jetzt habe ich mir auch deine Beispiele, @guenter, durch gelesen, und möchte sie kommentieren, obwohl @TW-Trainer und @Else Tetzlaff das bereits stichhaltig getan haben.
Jugendspielgemeinschaft mehrer Vereine, die bisher [...] funktionierte. Bei der Gründung wurde [...] eine Vereinbarung festgehalten, dass beim Übertritt in den aktiven Bereich im 1. Jahr kein Spieler innerhalb der SG wechseln darf.
Welchen Zweck sollte dieses Verbot haben? Teilen alle Mitglieder der SG diesen Gedanken? Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Verbot in der Furcht begründet ist, dass ein SG-Mitglied die (wahrscheinlich besseren) Spieler der anderen Mitglieder zu sich ziehen könnte und so aus der Gründung der SG mittel- bis langfristig eine Stärkung der Seniorenmannschaft des einen Mitglieds bei gleichzeitiger Schwächung derjenigen Mannchsten der anderen Mitglieder hervorgehen könnte.
Ist es aber nicht so, wie @TW-Trainer ja ausführt, dass das Fußballspiel auf der Ebene, um die es hier geht, als freiwilliges Hobby betrieben wird? D.h. dass die Spieler keinen Arbeitsvertrag mit dem Verein haben und dazu verpflichtet sind, für diesen zu spielen, sondern das aus freien Stücken tun, weil es ihnen Spaß macht. Sie genießen dabei die Gemeinschaft und die Gesellschaft ihrer Mannschaftskameraden. Aber sie sind eben freiwillig da. Und dazu passt die Bevormundung durch die Vereine, die bei der Aufstellung des Verbots nur ihre eigene Sichtweise berücksichtigt haben und nicht diejenige der Spieler, überhaupt nicht.
Wenn sich die Vereine einig wären, könnten sie das Wechselverbot übrigens ja auch umformulieren und die Aufnahme des neuen Mitglieds erst entsprechend verzögert durchführen. Allerdings empfinde ich die ganze Angelegenheit als fast schon lächerlich, denn ich habe nur wenig Verständnis für Vereine, die versuchen, ihre Spieler mittels Sanktionen von einem Wechsel abzuhalten. Stattdessen sollten sie sich fragen, warum ihre Spieler denn fort gehen und ob die Vereine, zu denen sie gehen, attraktiver sind als sie und warum das der Fall ist. Ggf. könnte dann eine Anpassung der Ausrichtung oder der Rahmenbedingungen vorgenommen werden, um die eigene Attraktivität wieder zu steigern. Das hängt aber auch vom Selbstbild des Vereins ab. So kann es z.B. sein, dass die stärksten Spieler den Verein häufig verlassen, um sich einem anderen anzuschließen, der höherklassig spielt. Nun könnte der abgebende Verein 'seinen' verlorenen Leistungsträgern hinterher trauern und sich überlegen, ob er auch versuchen möchte, höherklassig zu spielen. Dabei könnte es aber sein, dass er übersieht, dass man neben den zwei, drei Spielern, die zuvor bei ihm waren, noch zwölf bis fünfzehn weitere in ihrer Leistungsklasse benötigt, und dass diese sich eben bei dem 'Platzhirsch' sammeln -- man müsste also den Platzhirsch ablösen. Schafft man das? Wie sieht der Platzhirsch denn sonst aus, gefällt einem das? Will man so werden? Und wie kommt man dahin, hat man die nötige Finanzkraft, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft? Was hätte das für die eigenen Mitglieder bzw. die Mitglieder aus dem angestammten Einzugsgebiet für Folgen? Verlöre man nicht vielleicht mehr Spieler und damit Mitglieder als man erhielte und gewänne?
Ich finde, und da stimme ich @TW-Trainer zu, dass der richtige Weg, um Treue und Verbundenheit der Vereinsmitglieder, also auch der Spieler, zu erreichen derjenige über den Wohlfühlfaktor ist. Wer sich in seinem Verein zu Hause fühlt, als Teil der Gemeinschaft, anerkannt und respektiert, aber sicherlich auch in die Pflicht genommen wie jeder andere, der wird sich ihm verbunden fühlen, teilweise ein Leben lang. Dazu muss aber auch im Verein, und zwar bis hinein in jede einzelne Mannschaft, das Gemeinsame gelebt und verfolgt werden. Dazu braucht es weniger Ver- als vielmehr Gebote.
Nun war ein A-Jugendspieler clever, und wechselt im letzten A-Jugendjahr innerhalb der JSG in einen der beteiligten Vereine, um diese Vereinbarung auszuhebeln.
Die Vereinsvorstände sind nun in der Predouille. Stimmen sie zu, steht unter Umständen die JSG auf dem Spiel, da die beteiligten Vereine ihre bisher bestens funktionierende Regelung umgangen wird.
Tja, klassisches Schlupfloch, wenn man es so sehen will. Also stimmen sie zu, auf welcher Grundlage sollten sie die Zustimmung auch verweigern? Wenn sie in dieser Situatiuon die Vereinbarung ausgehebelt sehen, können sie anschließend ja eine andere Regelung einführen oder die bestehende entsprechend erweitern, um weitere Fälle dieser Art auszuschließen. Ich halte nach wie vor nichts von dieser Regelung, aber wenn sie sie unbedingt wollen... Es geht aber nicht, dass man einerseits Regeln aufstellt und dann einzelne, vollkommen regelkonforme Verhaltensweisen verbietet. Das wäre Willkür.
Stimmt der abgebende Verein einem Wechsel nicht zu, wird der Spieler [...] bis zum 1.11. für die A Jugend gesperrt, in einer Mannschaft in der er bisher 7 Jahre spielte.
Und genau dieses Druckmittel empfinde ich als vollkommen ungerechtfertigt. Wenn die Vereine eine ungenügende Regelung formuliert haben, dann ist das ihre Schuld, dann müssen sie sie nachbessern, sich bis dahin aber daran halten. Dadurch, dass der abgebende Verein einem Spieler die Freigabe einfach so, ohne Angabe von Gründen und ohne Einspruchsmöglichkeit, verweigern kann, ist doch der Willkür Tür und Tor geöffnet.
[...] der andere Teil findet den Anspruch des abgebenden Vereines durchaus für vertretbar.
Welcher Anspruch ist das denn?
[SG] auf dem Dorf werden geschlossen, dass die Dorffussballer überhaupt eine Möglichkeit haben, Fussball zu spielen, [...]. Soll nun jeder E oder D-Jugendspieler bei Eintritt gefragt werden, ob er mit dieser Regelung einverstanden ist, oder welche er sich wünscht?
Nein, davon ist doch auch überhaupt keine Rede. Es sollte nur Regelungen geben, die nicht eine Seite über Gebühr benachteiligen und einschränken, sondern solche, in denen die Anerkennung der Interessen beider seiten zum Ausdruck kommt und die aus dem gemeinsamen Interesse entstanden sind und die Erhaltung und Wahrung eben des gemeinsamen Interesses im Sinn haben.
Ich habe nicht geschrieben [...] dass ich diese Regelung toll finde, ich kenne nur keine bessere.
Naja, wenn man die Ziele einmal klar formulieren würde, sowie die Interessen der von der Regelung Betroffenen, so könnte man sie wahrscheinlich reformieren. Man sollte in die Überlegungen dann auch einfließen lassen, welche Erfahrungen mit der bestehenden Regelung gemacht wurde, wobei hier insbesondere die Problemfälle berücksichtigt werden sollten. So schwer ist das nicht, wenn man denn wirklich will.
Halt eine Grundsatzfrage: Was ist höher zu bewerten? Vereinsinteresse oder das Interesse des Einzelnen?
Beide sind wichtig, und die Kunst bzw. das Ziel liegt darin, beide möglichst überwiegend zum Einklang zu bringen. Wo das nicht möglich ist, weil die Interessen der einen Partei eben notwendigerweise im Widerspruch zu denen der anderen liegen, muss eine Abwägung und eine Gewichtung vorgenommen werden, aus der ein Kompromiss entsteht, mit dem sich beide Seiten einverstanden erklären können (und dies letztlich auch tun).
Die Vereine und Trainer, die sich ihre Spieler anderweitig heranziehen wird gegen die bestehende Regelung sein. Diejenigen[...], die von G an was aufbauen, und deren besseren [...] Spieler jährlich ab einem bestimmten Alter von speziellen Vereinen abgeworben werden sehen in der jetztigen Regelung durchaus eine Möglichkeit Auswüchsen [...] entgegenzusteuern.
Das ist mir aber eine zu kurzsichtige Betrachtungsweise. Wenn ich auf Verbote und einseitige Druckmittel angewiesen bin, um Spieler daran zu hindern, meinen Verein zu verlassen, dann ist es meiner Meinung nach um das Klima in meinem Verein nicht sonderlich gut bestellt, und dann werde ich nach und nach immer stärker auf diese Mittel setzen müssen, bis der Druck und die Ablehnung irgendwann so groß sind, dass eine ganze Mannschaft oder zumindest große Teile geschlossen abhaut und ein Dominoeffekt einsetzt.
Sicher kann man es nicht jedem Recht machen und man sollte auch nicht nur nach der Pfeife der Mitglieder, die ja durchaus auch unterschiedliche Klänge haben können, richten, so als Fähnchen im Wind. Aber der Verein muss begreifen, dass er aus der Gesamtheit seiner Mitglieder besteht und nicht nur aus dem Vorstand. Dass es um die Interessen der Mitglieder geht, welche der Vorstand im Sinn haben muss, und nicht anders herum.
(Forts. folgt)