Am liebsten würde ich zu den Kids sagen: Gehts raus und spielts Fußball. Aber dann kriegen sie die Bälle um die Ohren gehauen, weiljeder nur das macht, was er will und das will ich nicht (und die Kinder auch nicht, und so viel Siegeswille ist auch in Ordnung).
Hmm, dann können sie vielleicht das nicht umsetzen, haben es nicht verstanden. Am Ende soll ja jeder machen, was er will, irgendwann soll Eigeninteresse mit dem Interesse der Mannschaft übereinstimmen. Im F-Alter sind Kinder sehr, sehr ichbezogen. Das ist so, fertig aus. Wenn sie den Ball haben, ist das für sie eine Gelegenheit. Und das ist ja auch klasse so, wir wollen ja auch Spieler haben, die den Ball haben wollen. Sie werden ihn dann typischerweise zu lange halten, nimm das hin. One-Touch ist noch nicht angesagt. Bringe ihnen bei, wie sie den Ball so annehmen, dass er nicht gleich wieder weg ist. Da ein guter Pass Voraussetzung für eine saubere Ballannahme ist, solltest du ihnen den auch beibringen. Dann, wie sie das an die Ballannahme anschließende 1:1 gewinnen, wenn die Zeit dazu da ist, oder, wie sie den Ball abschirmen, wenn sie schon bedrängt werden. Lasse sie aber selbst entscheiden, ob sie dann abspielen oder alleine weiter machen.
Da Spieler in diesem Alter auch einen ziemlichen Tunnelblick haben, musst du die anderen natürlich auch dazu animieren, sich bemerkbar zu machen, wenn der Ball zu ihnen gespielt werden könnte und sollte. Sie sollen sich ja ruhig gegenseitig coachen.
Aber damit Du mich nicht nochmal zu falsch einordnest: Ich brauche bei 80 Spielen keine 70 Siege, ich will nur nicht untergehen, mehr nicht.
Mit der richtigen kämpferischen Einstellung sollte das gehen. Wichtig ist halt, dass sie wirklich alle schnell umschalten und laufbereit sind. Und dass dein Torspieler mitspielt und nicht nur auf der Linie klebt.
Recht gebe ich Dir, dass eine Grundformatiuon 1:3:1 für eine F zu anspruchsvoll sein kann. Daher rührte ja auch meine Frage. Beim 2:3 oder 3:2 war mir halt alles zu statisch. Hinten die sind nicht genug mit nach vorne und vor allem umgekehrt. Daher die Überlegung mit der Mittelreihe, die quais eine Doppelfunktion haben soll.
Hoppla, na, das ist ja eine Überraschung (kein Scherz). Ich würde erwarten, dass eine tiefere Aufstellung statischer ist als eine flache. Ich glaube, du musst ihnen deutlich machen, dass alle zu verteidigen haben, wenn der Gegner den Ball hat, und dass auch alle angreifen müssen, wenn ihr in Ballbesitz seid. Dass es eben keine reinen Stürmer und Abwehrspieler gibt.
Ich werde die Kids aber mal bei nächster Gelegenheit im Turnier (im Training lasse ich sie eh meist frei spielen) ohne Grundformationsvorgabe spielen. Schaun ma mal, was rauskommt. Ich gebe Dir Bescheid.
Belasse es nicht bei nur einem Versuch. Es wird zu Beginn grauslig aussehen. Ich bin, hier im Gegensatz zu Andre, auch nicht der Meinung, dass völlig freies Spiel automatisch zu guten Spielern führt, sondern denke schon, dass der Trainer die Aufgabe hat, Positives zu fördern und Negatives einzudämmen. Sonst macht bald tatsächlich jeder, wonach ihm am ehesten ist, die Kinder gewöhnen sich das an, was ihnen leicht fällt und womit sie kurzfristig den meisten Erfolg haben, der Team-Spirit leidet.
Gewisse Vorgaben sind sinnvoll. Z.B. kann man schon verlangen, dass jeder im Spiel den vollen Einsatz bringt. Dass jeder zurück rennt, wenn der Gegner den Ball hat und dass jeder mit nach vorne rennt, wenn wir den Ball haben. Und der Trainer sagt auch, wie die Grundformation aussieht und wer darin wo steht -- da ist es beim 3-3 durchaus sinnvoll, dass die mittleren Positionen von starken Spielern besetzt werden. Und, dass bei ruhendem Ball in diese Formation zurück gekehrt wird. Was sie aber tun, wenn der Ball rollt, sollte ihre Sache sein.
tobn
finde deine Philosophie/Einstellung hoch modern. Das was du beschreibst finde ich so klasse.
Und da musste ich mir neulich noch Erfolgsbesessenheit vorwerfen lassen.. ![]()
Zudem hast du es schließlich so schon in der Praxis gemacht und sollte den Leser dazu animieren, dass doch auch mal so mutig zu praktizieren. Danke für dein Statement.
Es ist aber in der Tat nicht so einfach. Ich habe das Ding beim vorletzten Pflichtspiel durchgezogen, habe die Rotation durchgeführt und die Kinder jeweils für sich selbst entscheiden lassen, wer in welcher Hälfte vorne bzw. hinten spielen will. Das war nix, ich bekam zwei sehr unterscheidlich starke Reihen, so dass wir in der ersten Halbzeit defensiv sehr solide standen und nur unglücklich mit 0:1 in Rückstand gerieten, aber nach vorne viel zu wenig lief. Und die zweite Hälfte spielte sich dann fast nur in derjenigen des Gegners ab, da er aber mit einer massiven Verteidigung spielte, liefen wir uns da meistens fest und erzielten selbst nur ein Tor. Unsere Defensivreihe in der zweiten Halbzeit war die deutlich schwächere und so führten lange Bälle auf die beiden guten Spitzen des Gegners dann zu einem Endstand von 1:7 oder 1:8. Fand ich nicht schlimm, den meisten war klar, dass das Ergebnis nicht den Spielverlauf widergab. Aber als ich später meinem Co, der auch anwesend war, schrieb, dass wir natürlich die Höhe der Niederlage hätten begrenzen können, wenn wir in der zweiten Halbzeit ein oder zwei der Spieler der Angriffsreihe nach hinten gezogen hätten, fragte sogar er mich, warum wir das dann nicht gemacht haben...
Jetzt stelle ich die Reihen zusammen und achte dabei darauf, dass keine von ihnen völlig abfällt.
Und es ist ein harter und steiniger Weg...
