Deine Sammelantwort bringt mich zu folgenden Schlüssen:
1. Dir ist leider zu spät bewusst geworden, was sich da zusammenbraut. Jetzt ist da schon was an Suppe zum Auslöffeln da..
2. Du scheinst nicht so richtig zu wissen, wohin du willst, außer, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrsche
3. Du bist dir nicht sicher, wo die Ursachen liegen: im sportlichen oder im zwischenmenschlichen Bereich
4. Du nimmst die DFB-Philosophie sehr wörtlich
Verstehe das jetzt bitte nicht als Vorwurf oder gar Ansammlung von Vorwürfen, so ist es nicht gemeint.
Zu den einzelnen Punkten:
1. Suppe-Auslöffeln
Ich weiß nicht, ob du Neuling im Trainer-Job bist. Ich war es, als ich mit 'meinem' Team begann und ich würde heute einiges anders machen, wäre ich nochmal in derselben Situation. Dazu gehört ganz eindeutig, dass man seine Philosophie klar schriftlich formuliert und sie den Eltern sowohl in dieser Form über- als auch in einem Elternabend verbal vermittelt. So schaffst du eine gemeinsame Ausgangsbasis und machst deutlich, was deine Ziele sind (eben z.B. nicht die Ergebnisse sondern die Spielerlebnisse aller Spieler) und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, also z.B. dass keine Anweisungen reingerufen werden, dass nur gelobt werden darf und aber z.B. auch, dass es keine Belohnungen für Tore geben darf. Als sich das bei uns mal andeutete, habe ich klar gesagt, dass ich Kinder, bei denen ich davon erfahre, nicht aufstellen werde.
Auch im regulären Trainings- und Spielebetrieb ist es wichtig, ein Auge auf seine Spieler zu haben, damit man frühzeitig erkennt, wie sie sich fühlen. Kinder haben zarte Seelen, du bist als Kinder-Trainer oft pädagogisch gefragter als sportlich. Und es ist auch wichtig, dass du immer mal wieder mit den Eltern sprichst, einfach so, am Spielfeldrand während des Spiels oder danach, da kannst du dann sagen, das war jetzt aber gut, guck mal. Und wenn sie mal kritisch sind, dann kannst du sagen, macht nix, liegt erstens am Alter und zweitens hat er es probiert, ist doch fein. Und zu Vorkommnissen, die tatsächlich kritikwürdig sind, kannst du ankündigen, dass du das im Training ansprechen wirst.
Aber nun mache mal den Elternabend, sei dir aber klar, worin du die Gründe siehst, zeige den Eltern auf, wie du es dir vorstellst und wie der Weg dahin sein soll. Und falls Streit aufkommen sollte, agiere als Mediator und Schlichter, schlage dich keinesfalls auf eine Seite, sondern betone, dass dein Ziel ist, dass alle möglichst zufrieden sind.
2. Du scheinst nicht so richtig zu wissen, wohin du willst, außer, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrsche
Du hältst die DFB-Philosophie hoch, super. Leider ist sie aber halt in großen Teilen recht abstrakt, es liegt an uns Trainern, sie zu konkretisieren. D.h. du musst dein Ziel bzw. deine Ziele klar formulieren und daraus konkrete Maßnahmen, Trainingsinhalte, Bewertungsmaßstäbe, etc. ableiten. Ein Ziel könnte z.B. sein, dass die Kinder ungestört spielen sollen. Zu den sich daraus ergebenden Maßnahmen könnte zählen, dass du und die Eltern die FairPlay-Regeln einhalten. Ein weiteres Ziel könnte es sein, jedes Kind entsprechend seiner Möglichkeiten bestmöglich zu fördern. Konsequenz daraus könnte sein, im Training auch mal Gruppen nach Leistungsstand zu bilden und geringfügig unterschiedlich zu trainieren. Team-Spirit könnte ein weiteres Ziel sein. Dazu könnten gemeinsame Unternehmungen helfen, Kooperationsspiele im Training, Mannschaftsrituale. Transparenz könnte auch ein Ziel sein. Gute Organisation, eine gute Informationspolitik, bekannte, nachvollziehbare und umgesetzte Regeln sowie allgemein hohe Kommunikationsbereitschaft gehören da rein.
Du verstehst, wo ich hin will?
3. Du bist dir nicht sicher, wo die Ursachen liegen: im sportlichen oder im zwischenmenschlichen Bereich
Tja, du eierst halt etwas herum, einserseits liege das Problem auf dem Platz, weil einige Spieler nicht abgeben, weiter unter schreibst du aber, dass sie meistens gar nicht abspielen sollten und es auch gar nicht können. Und dass du ihnen das Passspiel nicht vermitteln willst, weil es dem freien Spiel widerspreche. An anderer Stelle berichtest du von Belohnungen für Tore für einzelne Spieler, dass es einzelne gibt, die 'richtig' Fußball spielen wollen und denen das verwehrt wird, sowie von Eltern, die bestimmtes Verhalten verlangen, egal ob Alleingang oder Pass. Und die fehlenden Pässe erkennst du einerseits als Problem, willst sie aber andererseits nicht fördern..
Ich habe den Eindruck, die Probleme entstanden dadurch, dass die Eltern deiner Spieler nicht um deine bzw. die DFB-Philosophie wissen. Sie stören sich am egoistischen Spiel einiger Spieler und sehen ihre Kinder benachteiligt. Bei diesem Thema reagieren viele Eltern äußerst empfindlich, aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich da nur zu größter Sensibilität raten. Sie wollen, dass gepasst wird, wie bei den Großen, das Passspiel ist ja schließlich die Seele des Fußballs, gerade der modernen Ausprägung. Das haben sie den Kindern auch schon vermittelt, die interessierten Kids wissen das aber auch aus den Kommentaren von Bela Rethy und Konsorten.
An dieser Stelle komme ich zu Punkt 4:
4. Du nimmst die DFB-Philosophie sehr wörtlich
Ich bin mir nicht sicher, ob deine Interpretation der DFB-Philosophie nicht zu radikal ist. Ja, der DFB fördert das freie Spiel, aber er sieht es im Gegensatz zum Trainings- und Spielbetrieb, in dem Kinder wie kleine Erwachsene behandelt werden. Ich halte es nicht für sinnvoll, die Lütten einfach nur sich selbst zu überlassen, das führt schnell zu darwinistischen Erscheinungen. Du bist als Trainer meiner Meinung und Überzeugung nach schon gefragt als derjenige, der die Losung ausgibt, der dafür sorgt, dass die Gruppe funktioniert, und der die Kinder sowohl sportlich als auch menschlich fördert. Dazu gehört aus meiner Sicht unbedingt, dass man den Kindern, gerade im Wissen um ihren Egozentrismus und Egoismus, nahe bringt, sich in andere hinein zu versetzen, sie verstehen zu lassen, wie sich der andere fühlt, wenn ihm vom eigenen Mannschaftskameraden der Ball abgenommen wird. Und das als Einwurf: mir ist egal, wie es der jeweilige Spieler konkret macht, man nimmt dem Mannschaftskameraden den Ball nicht ab, punkt, fertig, aus. Man geht ihm vielmehr aus dem Weg, wenn man ihm in selbigem steht. Auch als Bambino.
Auch denke ich, dass die Trainingsinhalte des DFB nicht unumstößlich sind. Wenn du bei deinen Bambini ein paar dabei hast, die schon passen könnten, dann darfst du ihnen das ruhig auch mal beibringen. Keinen Schwerpunkt daraus machen, aber sie halt auch nicht mit ihrem Wunsch, das zu lernen, völlig im Regen stehen lassen.
Ich habe in meiner Gerade-noch-E2 auch ein paar Kinder, die durchaus schon gruppentaktisch denken können und entsprechende Überlegungen anstellen. Das ist laut DFB erst Thema der D, aber wenn diese (wenigen) Jungs schon so weit sind, dann halte ich es sogar für geboten, ihnen Antworten auf ihre Fragen zu geben und ihr Interesse nicht zu ersticken.
Auch die DFB-Philosophie gibt aus meiner Sicht 'nur' einen Rahmen vor. Diesen zu füllen und konkret auszugestalten ist deine Aufgabe. Dabei muss auch auf individuelle Eigenschaften, Anforderungen und Eigenheiten deiner Mannschaft eingegangen werden.
Abschließend wünsche ich dir viel Erfolg. Werde dir klar darüber, was deine Ziele sind und was das für dich, deine Kids und ihre Eltern bedeutet. Kommuniziere das, erkläre es allen Beteiligten, habe ein achtsames Auge und offene Ohren, und bleibe flexibel.