Ich kenne die Inhalte und Ziele des Kinderfussballs, vor allem aber kenne ich die Herangehensweise. Hier möchte ich mich speziell auf das Buch von Horst Wein beziehen. Seinen Ansatz zur Entwicklung der Spielintelligenz finde ich vorbildlich. Wieso nicht auch das Positionsspiel in diesen Prozeß integrieren (das macht Horst Wein in vielen Übungen und Spielformen übrigens auch)?
Hier würde mich interessieren, welche Stellen du genau meinst. Nicht, weil ich das bezweifle, sondern weil ich das Buch selbst noch nicht vollständig gelesen habe und mich das tatsächlich interessiert. Ohnehin finde ich deine Frage durchaus interessant. Insgesamt bin ich der Meinung von ExilRaute und habe auch seine Erfahrung gemacht: Kids in der F sehr erfolgreich (an den Ergebnissen gemessen) in einem 2-3-1 spielen lassen, wenig Rotation, die meisten Spieler auf einer oder zwei Positionen spielen lassen. In der E dann festgestellt, dass das nix war und auf das 3-3 mit unbedingter Rotation umgestellt. Einen (sehr guten) Spieler verloren, der nur vorne spielen wollte, ein weiterer ging mit. In der Zwischenzeit hatten, so meine ich, einige Spieler unter dem Fehlen der Rotation gelitten. Seit ich sie eingeführt habe, haben sich viele von ihnen, wie ich meine, positiv entwickelt, insbesondere ist die Spielfreude allgemein gestiegen.
Daher empfehle ich, von vornherein eine Positionsrotation zu betreiben, damit sich gar nicht erst Gewohnheiten etablieren. Natürlich gibt es Kids, die lieber stürmen und solche, die defensiver orientiert sind. Ich würde heute aber versuchen, das weder zu hemmen noch zu unterstützen, sondern sie vielmehr gleichmäßig vorne wie hinten spielen lassen. Ob sie in der Dreierreihe links, in der Mitte oder rechts spielen, sollte keinen wirklichen Unterschied machen.
Ich denke nur, dass die Kinder es auch selber spannend finden, wenn sie eine Position bekleiden und vielleicht selbstverantwortlich die Ordnung in ihrere Kette regeln.
Es ist halt wirklich die Frage, was du an spezifischen Eigenschaften einer der Positionen in den zwei Dreierreihen erkennst oder zu erkennen glaubst. Ich würde hier übrigens nicht von Ketten sprechen, sondern von Reihen, da das Wort 'Kette' schon sinnvolle Gruppentaktik impliziert, für die es in diesem Alter noch zu früh ist. Ja, sie sollen irgendwann dorthin kommen, noch stehen sie aber ganz am Anfang des Weges.
Ich sehe nicht viele positionsspezifische Aufgaben im 3-3. Gewisse taktische Grundregeln können sicher vermittelt und auch erlernt werden, s. hierzu z.B. Horst Weins Buch, wenn es bspw. um Dreiecksbildung geht, dass es sinnvoll ist, dass der Ballführende immer mehrere Anspielstationen hat, dass ein Spieler zur Absicherung zurück bleiben sollte, etc. Er thematisiert (in der zweiten Entwicklungsstufe) auch geschicktes Offensiv- und Defensivspiel. Aber das findet immer in der Kleingruppe statt, d.h. typischerweise mit drei Spielern (inkl. Ballführenden). Solche Konstellationen findet man überall auf dem Feld, der Ort ist letztlich irrelevant, so dass es keinen Bezug zur Position der Spieler mehr gibt, es gibt nur Angriff oder Abwehr. Oder siehst du das anders?
Mindestens die Hälfte der Kinder haben schon eine gute Spielübersicht, erkennen Freiräume und Unterzahl- bzw. Überzahl-Situationen in ihrer gröbsten Form. Wieso nicht darauf aubauend den Kindern einen groben Rahmen geben. Fördert das nicht auch die Spielintelligenz? Kann man damit etwas falsch machen?
Hier müsstest du etwas konkreter werden. Wie gesagt, ich meine, dass Horst Wein sich stets mit Spielsituationen beschäftigt, an denen maximal sechs Spieler (aus zwei Teams) auf eher engerem Raum beteiligt sind. Es gibt im Minifußball keine Flugbälle, keine langen Abschläge, ja, nicht mal Einwürfe oder Ecken. Wo sind da die Positionen? Tatsächlich muss ich meine Frage wiederholen: was meinst du hier mit Positionen?
Zu Ketten und Dreiecken: Ich denke, der DFB empfhielt die Kette als Grundlage für das spätere ballorientierte Verteidigen im Mannschaftverbund.
[...]
Der DFB empfiehlt ab der F-Jugend mit zwei Dreierketten zu spielen.
Es wird aber, soweit ich weiß, in diesem Zusammenhang nie von Ketten gesprochen, sondern vom System 3-3.
Da bilden sich ja von ganz alleine Dreiecke und vertikale Verschiebungen. Wenn man den Bambinis das instinktive Spiel nicht verbietet, habe ich da auch keine Sorgen, dass die Jungs stur in einer Kette verharren 
Und dennoch ist die große Gefahr, die bei der Etablierung eines 'Spielsystems' vorhanden ist, dass die Kids sich zu sehr an ihre vermeintlichen Positionen halten und entweder das Angreifen oder das Abwehren einstellen.
Was mir auffällt: Viele dribbelstarke Rechtsfüßler zieht es im Spiel auf die linke Seite und sie bekommen dann an der Grundlinie Probleme. Die Kinder lachen zwar schon selber drüber, aber können das selbst nicht komplett abstellen. Woran liegt das?
Hmm, laufen sie schon ohne Ball nach links oder nur, wenn sie ihn haben? Eine mögliche Erklärung dafür gab es ja schon, ich habe selbst sowas noch nicht beobachten können, daher fällt mir dazu keine ein. Wohl habe ich einen Spieler, der früher häufig nach rechts gezogen ist, evtl. weil er dann auf der Außenbahn seinen Tempovorteil in Kombination mit der Ballführung mit dem gegnerfernen, stärkeren rechten Fuß nutzen konnte. Vielleicht auch, damit er dann mit rechts abschließen konnte. Das hat sich mittlerweile jedenfalls von selbst gegeben, ich würde mir darüber keine Sorgen machen.
Warum bekommen deine Spieler auf der Grundlinie Probleme? Weil sie nach links 'abgetrieben' sind und nun den Ball nicht mehr über die Linie tragen können? Dann sollten sie beim Dribbling zumindest ab und an vielleicht mal den Kopf hoch nehmen und sich orientieren. Das könntest du ja trainieren, bspw. indem du in einen Dribbelparcours verschiedenfarbige Hütchen einbaust und sie zum Hütchen der Farbe dribbeln müssen, die du hoch hältst.
Zudem haben wir Kinder die instinktiv "hinten absichern" oder sich instinktiv in die freien Räume bewegen (und dann enttäuscht sind, wenn sie von ihren Mitspielern übersehen werden
).
Klingt doch erst einmal schon gut. Wobei man da auch Defizite hineininterpretieren könnte: die Absicherer könnten mehr Offensivinitiative ergreifen, und diejenigen, die sich in die freien Räume bewegen, könnten sich vielleicht auch mal einen Ball erobern. Aber ich kenne deine Kids nicht und kann daher keine Beobachtungen anstellen.
Es gibt auch Kinder, die ich derzeit eher auf dem Tennisplatz sehe, weil sie eigentlich immer ihr eigenen Spiel durchziehen und mit Mannschaftsspiel nix am Hut haben. Aber da soll man bei den Bambinis ja noch Geduld haben (nur: wieso können es die anderen Kinder schon?).
Das ist in der Tat die unterschiedlich schnelle Entwicklung. Ich meine auch, eine gewisse Entwicklung erkannt zu haben: Anfänger sind zunächst recht zurückhaltend, können den Ball gar nicht lange halten, sondern treten zumeist einfach nur dagegen. Nehmen ihre Fähigkeiten in der Ballbehandlung und im Dribbling zu, so werden sie oft erst einmal sehr eigensinnig. Wenn sie später dann den Ball noch besser beherrschen und auch noch in der Lage sind, Pässe zu spielen sowie sich davor zu orientieren, kommt das dann fast wie von selbst dazu. Natürlich gibt es nach wie vor Egoisten und solche, die selbst frei vorm Tor noch den Mitspieler suchen. Aber es gibt sich zunehmend.