hab mir eure beiden letzen Beiträge nochnmals intensiv durchgelesen, übrigens sehr gute.
Vielen Dank für das Lob.
lässt mich zu folgender, immer schon vorhandenen Überlegung kommen:
ist es wichtig und richtig bei den gegebenen Lehren, bis ins letzte Detail zu gehen?
ist es nicht viel bedeutender der Grundphylosophie der einzelnen Lehren Beachtung zu schenken und zu folgen.(kritische Bemerkungen zu Wein sind für mich nur stellvertretend)
dabei die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, auch eigene Vorstellungen und die gegeben Realitäten des Umfeldes (Mannschaft, Eltern,Verein) mit ins Boot zu nehmen?
Ich verstehe nicht ganz, was du damit meinst, wenn du davon schreibst, "bis ins letzte Detail" zu gehen. Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber meine persönliche Erfahrung ist die, dass ich einen zuvor fremden Gedankengang erst einmal bis in die Details und in seine konkrete Manifestation ausdeklinieren muss, bevor ich das Gefühl habe, ihn wirklich bewerten zu können. Der Grad der Fremdheit ist hier natürlich wichtig, bei einer einfachen Variation von Bekanntem komme ich viel schneller zu einem Urteil.
die Ansprüche dieser Lehren an die Trainer, von Andre ständig stark gefordert, sind zwar schöne Zielvorstellungen, aber in der Realität von der Masse nicht zu erfüllen.
Da bin ich mir nicht so sicher, das würde ich gerne im einzelnen überprüfen. Es mag auch sein, dass einige Ansprüche leichter zu erfüllen sind als andere, es kann auch sein, dass man in einigen Punkten anderer Meinung ist. Jedoch einfach zu sagen, das sei ja alles Theorie und Wunschdenken, während die Realität ganz anders aussehe und deren Umsetzung gar nicht möglich sei, ist mir viel zu pauschal und verkommt so zur billigen Ausrede. Folgt man dieser Denkweise konsequent, so zementiert man letztlich den Status Quo und behindert den Fortschritt. So extrem meinst du es nicht, das ist mir klar. Unterschätze jedoch nicht die Attraktivität von bequemen Gedanken auf die Masse der Leute da draußen..
wieviele Trainer haben von Wein,Coerver, Schreiner noch gar nichts kennengelernt. Ich bin schon zufrieden, dass die DFB-Leitlinienen immer mehr Beachtung finden, aber auch die kennen immer noch nicht alle. wir hier sind nicht repräsentativ.
Die Leitlinien des DFB sind großartig, sie brauchen den Vergleich z.B. mit Weins überhaupt nicht zu scheuen. Ich hatte mir vor gefühlten Ewigkeiten, es muss so ca. vier Jahre her sein, das DFB-Buch "Fußball von morgen, Bd.1: Kinderfußball" gekauft, sehr interessiert gelesen, und dann auch vieles von dem umgesetzt, was in ihm steht. Dann kam aber der Trainingsalltag, als Vatertrainer, der zwar in der Kindheit Fußball spielte, aber nie im Verein war (ich war als Kind im Ausland, da war ich in der Schulmannschaft), ging ich dann aber viel auf die Suche nach Übungen und legte das Buch wieder weg. Drei Jahre später schlug ich es, nachdem ich dieses Forum entdeckt und eine Zeit lang gelesen hatte, wieder auf, um fest zu stellen, dass unheimlich viel von dem, was hier diskutiert wird, in ihm behandelt wird. Das merke ich jetzt auch im Lehrgang zum Trainer C-Breitenfußball. Die Inhalte z.B. zu den Themen "Anforderungen an einen Kindertrainer" oder auch an die zeitgemäße Vereinsarbeit sind richtig gut.
Es stimmt, was du sagst, leider sind nicht mal sie überall bekannt, ich gehe sogar weiter und behaupte, dass sie nur einer Minderheit bekannt sind. Hier wünsche ich mir ein deutlich größeres Engagement der Verantwortlichen, um dies zu ändern. Diese sehe ich auf fünf Stufen: ganz oben den DFB, darunter dann die Landesverbände, Kreise, Jugendleitungen und schließlich die Trainer. Dabei habe ich den Eindruck, dass der DFB dazu absolut gewillt ist und bereits großes Engagement zeigt. Bei den Landesverbänden meine ich aber, bereits deutliche Unterschiede zu erkennen, wobei 'mein' Hessischer Fußballverband eher weniger gut abschneidet. In den Kreisen sieht es sehr unterschiedlich aus, wobei ich den Eindruck habe, dass hier noch mehr als in den Landesverbänden Cliquen von Altgedienten den Ton angeben. Bei uns im Kreis ist es zumindest so. Dieses Thema alleine könnte mindestens einen ganzen Thread beschäftigen. Bei uns wird vom Kreis her jedenfalls auf den Kinderfußball noch kaum geachtet, Tabellen wurden in G- und F-Jugend zwar abgeschafft, ich vermute aber, dass das nur daran lag, dass es eine entsprechende Weisung des LV gab. Der Posten des Beauftragten für die Qualifizierung war einige Jahre lang und bis vor einem Dreivierteljahr völlig unbesetzt... Und ständig ist nur von Vorschriften, Verboten und Pflichten die Rede, deren Nichteinhaltung bzw. Übertretung natürlich auch sämtlich bestraft werden.. Bei den Jugendleitungen reicht das Spektrum von sehr engagierten und modern eingestellten, die allerdings noch recht selten anzutreffen sind, über reine Verwalter -- auch dafür kann es unterschiedliche Gründe geben, z.B. Desinteresse oder Überforderung -- bis hin zu erfolgsgeilen, die unbedingt in jedem Jahr bis in die F hinunter mit mindestens einer Mannschaft in der Hallenkreismeisterschaft vertreten sein müssen. Ja, bei uns gibt es in der F-Jugend eine Hallenkreismeisterschaft.
Es gibt nicht viel, was ich lieber machen würde, als diese Strukturen aufzubrechen oder zumindest aufzuweichen. Ich bin mir aber auch dessen bewusst, dass es eine herkuleanische Aufgabe wäre und dass ich als einfacher Kindertrainer, zumal noch ohne Stallgeruch, dafür nicht die beste Ausgangslage habe. Außerdem hat meine Jugendleitung auch einfach Schiss davor, bei den Verantwortlichen anzuecken... Ich habe dieses Brötchen daher auch noch nicht angerührt, die Gefahr, mehr abzubeißen, als man, d.h. ich kauen kann, ist durchaus nicht gering.
es ist halt ein langer Weg, und ich vermute, bis dahin gibt es schon wieder neue Erkenntnisse.
mit seinen ständigen Ergänzungen, ist da der DFB schon auf dem richtigen Weg, auch wenn ich weiterhin auch hier einiges kritisch betrachte.
Zu der Erkenntnis, dass der zu gehende Weg noch ziemlich lang ist, pflichte ich dir unbedingt bei, das hoffe ich oben deutlich gemacht zu haben. Was neue Erkenntnisse anbelangt, bin ich aber skeptischer. Ich erwarte zwar auch im Kinderfußball neue Erkenntnisse, gehe aber davon aus, dass sie kaum bahnbrechend sein werden oder den jetzigen widersprechen werden. Es wird immer mal wieder Korrekturen und Verbesserungen geben, ja. Aber ich glaube nicht, dass es zu einem Wechsel der Paradigmen kommen wird.
Ich glaube auch nicht, dass es ihn jemals gegeben hat. Allerdings fehlt mir hier jetzt die persönliche Erfahrung, ich war, wie oben bereits kurz angerissen, als Kind oder Jugendlicher selbst nie in einem Fußballverein und habe dazu noch große Teile meiner Kindheit im Ausland verbracht. Mir kommt es aber so vor, als hätten Kinder früher erst mit neun oder zehn Jahren angefangen, im Verein Fußball zu spielen. Inzwischen gehen schon Vierjährige zum 'Fußballtraining'. Wenden ihre Trainer dann die Methoden an, die sie selbst kennen gelernt haben, und orientieren sie sich auch inhaltlich an ihren Erfahrungen, so kommt dabei das heraus, was Andre immer wieder vehement anprangert, wovor aber auch der DFB warnt: das Überstülpen des Erwachsenenfußballs auf Kinder. Auch bei meinen Trainerkollegen im C-Breitenfußball-Lehrgang ist es doch so, dass sie sich hauptsächlich an ihre C- bis A-Jugendzeit erinnern, das haben mir auch die Eltern meiner Kinder, die früher selbst aktiv gespielt haben, bestätigt. Da ist es dann doch kaum verwunderlich, dass im Kinderfußball die Gefahr so groß ist, dass der Trainings- und Spielbetrieb eben nicht kindgerecht ist.
In diesem Forum versammeln sich ja hauptsächlich Reformierte und Wissende, da ist es natürlich häufig so, dass man das tut, was im englischsprachigen Raum als "preaching to the choir" bezeichnet wird, diese Redewendung passt, wie ich finde, noch besser als ihr deutsches Pendant der offenen Türen, die hier eingerannt werden. Nichtsdestotrotz ist es wichtig und richtig, dass wir im Zweifel eher den Wunschzustand vertreten als die behauptete Realität zu sanktionieren, weil viel mehr Leute dieses Forum lesen als es zu ihm Beitragende gibt, und von diesen vermutlich noch nicht viele mit den Gedanken des kindgerechten Fußballs vertraut sind.