Ich hatte mein Aha-Erlebnis, als wir zu G1-Zeiten auf einem Feldturnier waren. Damals war ich noch Co-Trainer, sowohl der damalige Trainer als auch ich waren, wie Ihr, wie die Jungfrauen zum Kinde gekommen. Wir hatten ein paar ganz gute Spieler im Kader, spielten mit einem letzten Mann und vier oder fünf Spielern davor, hat gut geklappt. Natürlich haben wir auch reingerufen, wie intensiv weiß ich jetzt nicht mehr, aber sicher im Zweifel eher mehr als weniger. Als klitzekleine Ehrenrettung mag vielleicht dienen, dass wir dabei zu den Jungs stets positiv waren, also niemanden rund gemacht haben und auch Fehler nicht oder zumindest kaum kritisierten -- um das mit Gewissheit auszuschließen, ist es zu lange her.
Bei einem Spiel unseres Teams, bei dem es aber recht unaufgeregt zuging, sprach mich dann der Trainer der Gastgeber an, erwähnte, dass er eine Lizenz habe, und erzählte, dass bei ihm ganz bewusst alle Spieler überall spielen, dass unser letzter Mann sich doch langweilen würde, sowas in der Art. Aber nicht im vorwurfsvollen und belehrenden Ton, sondern auf eine kollegiale Art. Sein Team kam bei dem Turnier übrigens ziemlich unter die Räder, am Alter der Spieler lag das, glaube ich, nicht, aber dennoch hat er mich zum Nachdenken gebracht. Kurze Zeit später hat sich dann der Trainer ausgeklinkt und ich übernahm den Posten. Da hatte ich dann begonnen, mich zu informieren, hatte das DFB-Buch gekauft, etc. Der Rest ist Geschichte.
Kurz und gut: Es kann funktionieren, die Anderen anzusprechen. Ich würde es eher aber nicht machen, wenn Eure beiden Teams gerade gegeneinander spielen, das kann sonst sehr schnell als Affront verstanden werden. Und gib schwer auf deinen Ton und die Art und Weise, wie du auf den Anderen zugehst, acht, damit sie sich nicht angemacht fühlen. Was ich als sehr hilfreich empfunden habe, sind ein paar Regeln, die Ihr bei Heimspielen umsetzen könnt:
1. Keine Zuschauer auf dem Platz, dort dürfen sich nur Trainer (max. 2) und die Spieler aufhalten -- das reduziert den Lärmpegel und die Anspannung auf dem Platz ungemein
2. Du stellst sich auf die selbe Seite wie es der gegnerische Trainer tut -- so kommst du viel leichter dazu, ab und an ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Es kommt dabei immer gut an, wenn du etwas Positives über seine Spieler sagen kannst
Wenn du eine positive Grundstimmung erzeugen kannst, wird das, was du anschließend zu sagen hast, viel bereitwilliger aufgenommen.