Es ist ja schön für dich, wenn man bei euch so offen ist, nur: wieso gibt es dann überhaupt diese doch recht schwachsinnige Modi der Klassenzuteilung über andere bzw. Vorgänger-Teams?
Tatsächlich würde mich das auch interessieren. Bei uns ist es auch noch so. Vermutlich ist es auch schon lange so, wurde halt schon immer so gemacht. Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass die Spielordnung zu Beginn einfach von den Senioren übernommen wurde, maßgebliches Kriterium für die Zahl der Ligen und Ligastufen wohl die Zahl der Mannschaften war. Ich habe in den eigentlichen Betrieb der Verantwortlichen bisher keinen großen Einblick, es scheint mir aber so zu sein, dass auf Kreisebene eine relativ kleine Gruppe über viele Themen entscheiden muss. Bei uns gehören dieser Gruppe, soweit ich weiß, fast nur Altgediente im fortgeschrittenen Alter an. Da wundert es mich nicht, dass eine eher konservative Einstellung vor zu herrschen scheint. Ich kann auch zum Teil verstehen, dass die Verantwortlichen gegenüber Neuerungen skeptisch sind, wenn das derzeitige System doch zu funktionieren scheint. Schließlich könnten Neuerungen unangekündigte Nebeneffekte haben und Beschwerden Anderer nach sich ziehen, mehr Arbeit bedeuten, oder Vorschriften des Landesverbands widersprechen. Das heißt nicht, dass Reformen unmöglich sind, man muss jedoch bereit sein, sehr viel Engagement für sie aufzubringen.
Das ist doch völlig unangebracht und wider den gesunden Menschenberstand, 11- o. 12-jährige so einzuteilen und dadurch Zwängen zu unterwerfen, die dann den Teamgeist brechen lassen per Leihspieler. Natürlich wirst du immer sagen, dass doch alle mit machen, aber das ist nur äußerer Zwang zum Opportunismus.
Die meisten Trainer, die ich kenne, finden das System auch eher unglücklich. Aber die meisten fügen sich einfach dem Diktat des Systems und versuchen, das Beste daraus zu machen. Vor allem, vermutlich, weil sie sich nicht dazu berufen fühlen, einen Kreuzzug gegen das System zu führen, ihnen die Aufgabe zu groß erscheint und sie mit ihren Aufgaben, die sie ja auch alle ehrenamtlich erfüllen, schon mehr als genug zu tun haben. Dazu kommt aber, und das sehe ich auch äußerst kritisch, dass die ergebnistechnisch Erfolgreichen das Bild deutlich dominieren, dem sportlichen Erfolg, der sich in Ergebnissen ausdrückt, wird bei uns im Kreis nahezu überall die größte Beachtung geschenkt. Das liegt auch daran, dass, wie ich meine, Viele, die im Fußball tätig sind, lange im System sind und auch als Aktive sehr engagiert waren, auch sehr ehrgeizig. Und als Trainer, der in der Vergangenheit auch die Möglichkeit hatte, mittels einer entsprechenden Zusammenstellung der Mannschaft im Kreis auch sehr 'erfolgreich' spielen zu können, weiß ich auch, wie groß die Versuchung dazu sein kann. Da muss man schon sehr stark sein, um der Versuchung der 'Dunklen Seite der Macht' zu widerstehen. Außerdem muss man sich gleichzeitig fragen, ob man damit den stärkeren Spielern auch noch gerecht wird.
Ich bin der Ansicht, dass der Spielbetrieb, wie er in Ranwies und auch unserem Kreis organisiert ist, nicht kindgerecht ist und unbedingt reformiert gehört. In einem anderen Thread haben Don Quijote und ich gemeinsam mit ein paar anderen Teilnehmern auch schon postuliert, was uns vorschweben würde: das Schweizer System auf Kreisebene, bei ca. 40 bis 50 Teams und ungefähr 20 Runden sollte das eigentlich ganz gut passen. Man bräuchte keine Auf- und Abstiege, Mannschaften würden gegen ähnlich starke Gegner antreten. Die Spielordnungen mit Qualifikationsturnieren und Umsortierung der Ligen nach der Hinrunde sind auf jeden Fall schon mal besser als unser System, wenn auch, nach meinem Dafürhalten, noch nicht das Gelbe vom Ei. Da z.B. schon länger in unserem Nachbarkreis so verfahren wird, frage ich mich hier tatsächlich, warum es noch nicht bei uns übernommen wurde..
Jeder, der mal selbst spielte, weiß wie man sich fühlt, wenn man auf die Bank muss, gar für Leute, die gar nicht zum Team gehören, für fremde Ziele. Mit Kindern kann man es leicht machen, bei Herren würdest du damit in der Regel große Probleme kriegen.
Längerfristig kann man es mit Kindern auch nicht machen, sie verlassen dann einfach den Verein, vermutlich sogar den Fußballsport. So geschehen bspw. in unserem Nachbarverein..
Vielleicht sollte jeder KiFu-Trainer erstmal Herrentrainer sein, sich da beweisen - ich weiß, nicht umsetzbar, nur von der Idee her, um zu lernen, wie man "Menschen" behandeln sollte.
Nein, das wäre aus meiner Sicht völlig falsch, weil man mit Erwachsenen ganz anders umgehen muss als mit Kindern. Und Erwachsenen-Training muss auch ganz anders sein als Kinder-Training. Kinder-Trainer sollten wissen, wie man mit Kindern umgeht. Dazu sollten sie in der Lage sein, mit deren Eltern umzugehen. Den Umgang mit erwachsenen Spielern hingegen müssen sie nicht beherrschen. Da machst du es dir zu einfach.
Der DFB, dem du ja vorwirfst, "dieses System" zu unterstützen, ist übrigens viel weiter, als dir bewusst zu sein scheint. Hast du dich schon mal in der Rubrik "Training und Wissen" auf http://www.dfb.de umgeschaut? Außerdem hat, soweit ich weiß, der DFB keine Weisungsbefugnis gegenüber den Landesverbänden, da diese älter sind als er. Daher kann er ausschließlich Empfehlungen aussprechen, die Landesverbände sind nicht verpflichtet, diesen zu folgen. Die Verantwortlichen in den Kreisen sind ausschließlich den Landesverbänden verpflichtet. Das ist in meinen Augen durchaus ein Problem, da ich schon beobachtet zu haben glaube, dass die LV-Vertreter viele Aktivitäten des DFB als Einmischung in ihre Angelegenheiten verstehen und Gefühle der Konkurrenz recht verbreitet zu sein scheinen...
Fußball ist Krieg, zum Glück nicht, jedenfalls meistens, aber wenn es schon bei Kinderspielen zu Prügeldrohungen bzw. sogar -szenen kommt, ist es aller Marketing-Inszenierung zum Trotz soweit nicht mehr... Sorry, aber all diese Selbstgewissheit der System-Insassen regt mir auf: ...
Das ist verständlich, es ist aber niemandem damit gedient, wenn du dich in eine Rage hinein steigerst, in der du Alles und Jeden verdammst. Tatsächlich leistest du so auch der Sache, um die es dir geht, eher einen Bärendienst, weil du Alle außer den völlig Radikalen, die von den Übrigen als Spinner betrachtet werden, vor den Kopf stößt und gegen dich aufbringst.
... bei uns verloren mehr als die Hälfte der Kinder im Verein die Lust an ihrem Sport, allein über 100 Austritte letztes Jahr und man soll nicht mal drüber reden dürfen zwecks Verharmlosungsstrategie?
Wie du siehst, funktioniert es so, wie ich oben sagte: Auch die Kinder stimmen mit den Füßen ab. Sie verlassen die ganz schlimmen Vereine. Leider auch häufig damit gleichzeitig den Fußball-, hoffentlich nicht allzu oft den Sport überhaupt.
Wegschauen ist zu einfach, der Horror betrifft Kinder. Meine Kritik hast du Null verstanden: es geht nicht um die guten, sondern die schlechten Trainer, die das System per Wegschauen und Ignorieren zulässt, auf Kinder loslässt - und nicht mal Hinweise und Fragen betroffener Eltern beantwortet! Nur schöne Sprüche für die Gutwilligen, das ist viel zu billig, wo Brülltrainer vielerorts unbehelligt die Regel sind! "Die Realität in einem kleinen Verein ist völlig anders" sagst du: Kennst du alle?
Vorschlag: Packe das Breitschwert, mit dem du hier wie ein Berserker um dich schlägst, weg, und steige in eine fruchtbare Diskussion ein. Viele der Forumsteilnehmer sind ja durchaus deiner Meinung und könnten dir evtl. auch Rat geben, falls du selber etwas an den Missständen, die du erkannt hast, ändern möchtest, wenn du sie auf deine Seite bringst, statt ihnen Vorwürfe zu machen und für das Übel der Welt verantowrtlich zu machen. So kommt das nämlich rüber, auch wenn es nicht so gemeint sein mag. Vergiss nicht, dass du hier hauptsächlich mit Trainern kommunizierst, die, wie man im englischen Sprachraum sagt, ihren Dienst "in the trenches", also an der Basis verrichten, in der Mehrzahl den hehren Zielen des Kinder- und Jugendfußballs folgend, und nicht mit den Verantwortlichen der Kreise, der Landesverbände oder gar des DFB.
