Beiträge von tobn

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    Ach, @Andre... :huh: Nun sei doch nicht so anstrengend. :P


    Es ging nicht um`s runtermachen und auch nicht, jemandem nicht helfen zu wollen. Es gibt für mich in diesem Bezug Altersgruppen, da hilfst du/man eher durch "Unterlassen"...im Wissen, ich kann es später tun...

    Ist schon klar, damit hast du Recht, wir sind ein und derselben Meinung, schon lange. Du rennst damit, indem du Eulen nach Athen trägst, bei mir offene Türen ein.


    So erkläre ich einem G oder F - LIng nichts von Passstafetten, nichts von Flanken und auch noch nichts vom Doppelpass usw. und dem E - Kind noch nichts vom Verschieben und der Viererkette.

    Überwiegend ja. Natürlich kann es auch schon in der G-Jugend Flanken geben, wenn auch wahrscheinlich nur selten. Den Begriff dürfen die Kids aber ruhig zu Ohren bekommen. Ihnen dieses Mittel angedeihen würde ich hingegen natürlich nicht. In der F vielleicht schon, je nachdem, auch eher in der älteren F, da kann das teilweise schon funktionieren. Passstaffetten natürlich nicht und ebensowenig Doppelpässe. Zu letzteren sind aber einige meiner jungen E-Junioren übrigens durchaus in der Lage, wir haben sie ihnen noch nie gezeigt, aber sie kennen den Begriff und zeigen gelegentlich auch Doppelpässe. Ob dieser zweite sein Ziel findet steht dabei auf einem anderen Blatt..


    Und die Kette ist natürlich noch kein Thema für E-Junioren, wohl kann es aber, in Ansätzen natürlich nur, das Verschieben sein. Dabei geht es nicht darum, die Bewegungsmuster der Kette zu erlernen, sondern sie dazu zu animieren, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Spiel- bzw. in diesem Fall die Defensivsituation zu erfassen und sich danach zu verhalten. Das fängt mit dem Spieler an, der dem ballführenden Gegner am nächsten ist, geht dann aber durchaus noch weiter. Denn was man ja oft beobachtet ist, dass alle Spieler bis auf den dem ballführenden Gegner am nächsten befindliche auf Zuschauermodus schalten. Dabei sind sie, zumindest gar nicht so wenige von ihnen und in der E-Jugend, schon dazu in der Lage, die Umgebung zu scannen und zu versuchen zu überlegen, was als nächstes passieren könnte.


    Du hast zwar damit Recht, dass sie es wahrscheinlich alle irgendwann von ganz alleine machen. Aber viele können es schon eher und profitieren davon dann auch bereits früher, ohne dass ihnen dabei ein Schaden entsteht. Im Gegenteil, man erweist einigen Kindern einen Bärendienst, wenn man ihnen nicht auf die Sprünge hilft oder sie zum nächsten Schritt ermutigt. Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass sie wirklich zu diesem Schritt fähig sind, dass er nicht zu groß ist, und dass man sie richtig begleitet. Horst Wein macht nichts anderes. Im Minifußball/funino wird bei ihm ganz viel gepasst. Ich rede dabei nicht von One-Touch, Tiqui-Taqua oder Passstaffetten. Aber schaue dir doch mal dir 3:0-Übungen zur Einführung des Minifußballs an, da werden Pässe gefordert. Pässe sind in der F-Jugend mitnichten verboten, auch beim DFB nicht. Der Fokus liegt nicht auf ihnen, vollkommen richtig, aber sie gehören auch da schon zum Spiel dazu.


    Dennoch biete ich - das ein oder andere Vorbereitungstraining im Rahmen der Individualtaktischen oder Gruppentaktischen Ausbildung an. Das kann angenommen werden, muß aber noch nicht. Die holen das ab dort ab, wo es möglich ist.

    Exakt.


    So denke ich für mich, wäre es besser, [...]

    Ich würde heute keine F, und schon gar keine G mehr zum Spielbetrieb, wie er bei uns durchgeführt ist, melden. Dafür ist es aber inzwischen mit meiner Truppe zu spät, die Jahre sind vorbei..


    Tobn....ich muss das hier mal ausgraben. Es geht hier ja um die F. Eure rechte Seite war also offen?
    F Jugend....= Antwort: "Na und?" war sie wohl offen.

    Nein, es geht um eine (junge) E. Und um einen Spieler, der sich, wenn man ihn lässt, vornehmlich in der gegnerischen Hälfte aufhält, und dort gerne alles alleine macht. Der nur sehr gemütlich den Weg nach hinten sucht und in der Defensive in der eigenen Hälfte kaum Initiative zeigt. Der sich andererseits aber darüber beklagt, wenn man dann zur Halbzeit mit mehreren Toren in Rückstand liegt. Der dabei für die Verhinderung der Gegentore kaum einen Finger gerührt hat und auch vorne teilweise bewusst egoistisch gespielt hat -- denn es gibt da immer mal wieder Situationen, in denen ihm die freien Mitspieler zurufen, dass er ihnen den Ball zuspielen könnte, man sogar sieht, dass sein Blick zu seinen möglichen Anspielstationen geht, selbst wenn diese nicht auf sich aufmerksam machen. Und er dann trotzdem den Offensivzweikampf sucht. Glaube mir, ich kenne meine Pappenheimer..


    Außerdem, wie gesagt, wir sind in der E, nicht mehr in der F.


    Ich finde das man schnell dazu neigt, das Spiel der F/der entsprechenden Altersgruppe - sogar als Wissender - den Erfordernissen/den Möglichkeiten/den Notwendigkeiten des Erwachsenenfußballs...bzw. ...des "fertigen" Fußballs zu hinterlegen...es damit zu bewerten.

    Keine Angst, ich bin mir dieser Gefahr aber mal sowas von bewusst. Frag mal "meine" Eltern.


    Jepp...in dieser Folge...das dürfen sie auch und das abgewöhnen kommt später. Genau so NOCHMALS der Hinweis, dass sie spätestens im zweiten Jahr der D das was du abgewöhnen könntest ....so mitten in der E über Trainers gutes Training (ernst gemeint)....AUTOMATISCH....in der D. Du kannst es etwas vorverlagern...über die Lerneffekte der guten Trainings....aber es käme auch später von ganz allein. Deshalb sagte ich auch in anderen Threads....das "Trainer" sich nicht zu wichtig nehmen sollten und der tatsächliche Lerneffekt durch die Trainertätigkeit - für mich - viel kleiner ist, als der Einzelne das meint. Sorry...hart...aber für mich ist es so...nach ein wenig Abstand.

    Nee, ist schon OK. Aber halt Wolkenkuckucksheim, tut mir leid. Die Realität erfordert manchmal leider, dass man die Theorie etwas an sie anpasst. Keine Sorge, mir ist das Ziel weiterhin bewusst. Aber ich verweise nochmals auf das offene Messer, in das man die Kinder laufen lässt, wenn man es mit den Idealen allzu dogmatisch sieht. Es bringt den Kids nichts, wenn sie mit ihren selbst angeeigneten Lösungsansätzen nie Erfolgserlebnisse haben, das frustriert sie nur und führt dazu, dass ein nicht unerheblicher Teil von ihnen die D-Jugend gar nicht erst erlebt.


    Nochmal: es geht nicht um den Joysticktrainer, es geht auch nicht darum, G-Junioren den Spielstil des FC Barcelona von vor fünf Jahren beibringen zu wollen. Sondern darum, ihnen Lösungs- und Handlungsoptionen zu geben, die sie ausdrücklich nicht überfordern und mit denen sie zu mehr Erfolgserlebnissen kommen.

    Passt schon, @Andre, meine letzten Beiträge waren nicht mehr auf @paterminator mit seiner F-Jugend gemünzt, sondern nur noch auf meine eigene Truppe. Ich dachte, das wäre deutlich genug geworden.


    Ansonsten kann ich dir versichern, dass ich das Ausbildungskonzept des DFB sehr gut kenne. Ich habe sowohl die alte als auch die neue DFB-Kinderfußballbibel daheim, darüber hinaus auch noch das Buch zu D- und C-Jugend, sowohl das alte wie auch das neuere Horst-Wein-Buch, außerdem einige seiner DVDs. Ich bin Abonnent der ft Junior und besitze sämtliche Ausgaben dieser für Kindertrainer sehr lohnenswerten Zeitschrift. Ich weiß, dass du das Ausbildungskonzept des DFB sehr schätzt, ich glaube aber nicht, dass du es besser kennst als ich. Das möchte ich umgekehrt allerdings ebenfalls ausdrücklich nicht für mich beanspruchen. Vielmehr denke ich, dass wir beide wissen, wovon wir reden. Und das trifft hier im Forum durchaus auf noch eine ganze Reihe anderer Kollegen zu.


    Eigentlich möchte ich hier keine erneute Diskussion über das Ausbildungskonzept des DFB vom Zaun brechen.. Es ist grundsätzlich gut. Aber es generalisiert halt auch recht stark, und enthält nur recht wenige Schlagworte pro Altersklasse, die wiederum einen recht langen Zeitraum umfassen, nämlich zwei Jahre. In zwei Jahren tut sich bei den Kids unheimlich viel. Es ist auch nicht mehr ganz taufrisch und zwar immer noch ziemlich gut, aber an der einen oder anderen Stelle etwas überholt -- womit ich meine, dass die neueren Infos des DFB ihm teilweise widersprechen oder es ergänzen oder teilweise korrigieren. Darüber hinaus wirst du mir darin zustimmen, dass eine wesentliche Forderung an den Trainer ist, dass er seine Spieler individuell fordern und fördern sollte. Und natürlich werde ich nur den wenigen Kandidaten, die in das beschriebene Muster passen, erklären, warum das, was sie machen, sie in eine Sackgasse führt und was für sie der nächste Schritt ist, um noch besser und erfolgreicher zu werden -- denn sie sind dazu ja schon in der Lage, im Gegensatz zu vielen ihrer Mitspieler. Keine Sorge übrigens, was die Abwägung von Fördern und Fordern anbelangt. Ich überlege mir schon ziemlich genau, was ich von welchem Spieler verlange, was ich ihm 'nur' empfehle und wie ich das formuliere. Ab und an kann es übrigens durchaus auch geboten sein, etwas deutlicher zu werden, wenn man dabei darauf achtet, dass man gleichzeitig deutlich macht, dass man niemanden fertig machen oder runterputzen will, sondern ihnen vielmehr helfen will. Um klar zu machen, was ich damit meine: beim vorletzten Spiel turnte der Rechtsaußen, einer der besten Spieler im Team, in einem Angriff mit auf der linken Angriffsseite herum. Als die Gegner in Ballbesitz kamen war folglich unsere rechte Seite nahezu völlig entblößt, und der gegnerische Angriff kam natürlich über eben diese Seite. Als dabei unser fraglicher Spieler nur äußerst gemütlich nach hinten trabte, forderte ich tatsächlich lautstark von ihm, dass bitteschön die Hufe schwingen möge und hinten mit verteidigen möge, schließlich liefe der Angriff gerade über seine Seite. Anschließend holte ich ihn zu mir an den Rand und erklärte ihm ganz ruhig, freundlich und sachlich, dass es OK ist, wenn er im Angriff seine Position recht frei interpretiert (meine Wortwahl war selbstverständlich eine andere), dass die Positionen aber vor allem in der Defensive tatsächlich insofern wichtig sind, als sie dafür sorgen, dass wir dem Gegner keine großen Lücken für seine Angriffe bieten. Und dass er, da er sich über die vielen Gegentore ja auch ärgert (und zwar er speziell nicht zu knapp), auch seinen Beitrag dazu leisten muss, diese zu verhindern. Dabei habe ich ihm versichert, dass er ein guter Fußballer ist und ich ihn sehr schätze. Kurz darauf hat er einen fantastischen Spurt nach hinten gezeigt und eine gefährliche Flanke geklärt -- da hat man sehen können, dass er etwas mit genommen hatte. Nicht nur dafür hat er von mir auch Lob erhalten. Und ein Tor hat er auch noch geschossen, es war alles gut.


    Es ist halt auch so, dass viele Kids sich bestimmte Verhaltensweisen angewöhnen, sei es im Spiel mit den Kumpels oder in den Jahren, in denen man sie noch nicht trainiert hat. Bei uns z.B. wurde in der G-Jugend noch einiges (in meinen Augen) falsch gemacht, da wurde viel zu sehr der Blick auf das Ergebnis gerichtet. Es wurde im 2:2:2 gespielt und nie rotiert, und das bis zum Ende des ersten F-Jugendjahrs. Und auch im zweiten F-Jugendjahr wurde nur sehr sparsam rotiert, da war ich dann zwar schon dabei, konnte die Kids aber aus Zeitgründen nicht im Spielbetrieb betreuen. Im durchaus gut gemeinten Wunsch, die Kids nicht zu überfordern, spielten sie meistens dort, wo sie am besten zurecht kamen. So lernen die nur als Stürmer aufgestellten Spieler aber nie nach hinten zu arbeiten. Und die Verteidiger klären vielfach nur den Ball, werden von den anderen Kindern aber praktisch überhaupt nicht ins Angriffsspiel einbezogen, bleiben ja auch (zumindest von sich aus) gerne am oder sogar im eigenen Strafraum stehen. In diesem Zusammenhang halte ich auch, das habe ich ja auch schon mehrfach geäußert, das bei uns bis in die jüngsten Altersklassen hinunter übliche und im Regelspielbetrieb vorgeschriebene Spiel im 6+1 für kontraproduktiv und schädlich. Aber es ist nun mal vorgeschrieben. So viel zu den Hintergründen, die zu der Situation führen, in der sich meine Kids und ich aktuell und konkret befinden. Zu dieser Situation gehört übrigens auch ein Feld, das ca. dreimal so groß ist wie das der Vorsaison. Vor wenigen Monaten noch mögen Dribblings vom eigenen bis in den gegnerischen Strafraum noch funktioniert haben, da musste man vielleicht vier Zweikämpfe bestreiten, aber mittlerweile haben sich beide Größen um mindestens 50%, wenn nicht noch mehr, erhöht. Aus all diesen Begebenheiten folgen gewisse Notwendigkeiten. Die Kunst besteht darin, weiterhin altersgerecht zu bleiben, den Kids aber dennoch die Mittel an die Hand zu geben, um die Aufgaben, denen sie sich Woche um Woche ausgesetzt sehen, lösen zu können. Wenn man sich weigert, diese Aufgaben wahrzunehmen, und sich nur in seinem theoretischen Elfenbeinturm, um nicht zu sagen Wolkenkuckucksheim aufhält, so läuft man Gefahr, seine Schützlinge alleine zu lassen und sie immer wieder ins offene Messer laufen zu lassen. Und das bringt ihnen auch nichts. Denn sie brauchen Erfolgserlebnisse, der Trainer muss ihnen Lösungsoptionen vermitteln, wenn sie diese selbst nicht finden können, und diese müssen für sie nachvollzieh- und umsetzbar sein. Natürlich sind sie für jede Altersklasse und innerhalb der Mannschaft auch für jeden Spieler im Detail unterschiedlich.

    @TW-Trainer, ich stimme deinem Beitrag voll und ganz zu. Aber in folgendem Punkt muss ich dich leider korigieren:


    Übrigens: Man braucht erst ab den Profiligen eine Trainerlizenz.

    Zumindest in Hessen ist es so, dass man in einigen Altersklassen ab einer gewissen Spielklasse eine bestimmte Lizenz vorweisen muss. Ich kann zwar nicht sagen, welche das genau sind, aber für die C-Junioren-Hessenliga wird, soweit ich weiß, die B-Lizenz, ehemals C-Lizenz Leistungsfußball, verlangt. Ich meine, dass das auch auf die zu Saisonbeginn neu eingeführte Verbandsliga gilt. Unterhalb davon wird aber, zumindest ist das mein Kenntnisstand, keine Lizenz verlangt.

    Die Kontaktbegrenzung ist eine ganz klassische Provokationsregel in diesem Bereich. Bei uns kann ich sie nur bedingt anwenden, weil wir in unserer jungen E-Jugend noch viele Spieler haben, die mehrere Kontakte benötigen, um den Ball überhaupt unter Kontrolle zu bekommen. Bereits recht gut funktioniert hat die Regel, dass ein Tor erst erzielt werden darf, wenn alle Mitglieder der Mannschaft am Ball waren -- sobald ein Gegenspieler den Ball kontrolliert, geht es wieder von vorne los. Da darf man aber natürlich nicht zu viele Spieler pro Team haben, sonst dürfen sie nie aufs Tor schießen -- das gilt es zu vermeiden. Aktuell überlege ich, das Spielfeld in mehrere Zonen, die durch Linien getrennt sind, einzuteilen, und zu verbieten, dass der Ball über mehr als eine Linie gedribbelt wird. Mal schauen, wie das läuft.

    Mich würde aber noch interessieren, was denn die tatsächlichen und konkreten Kritikpunkte der fraglichen Eltern sind, und evtl. auch, was die Gründe der zwei Spieler waren, welche die Mannschaft bereits verlassen haben. Sicher herrscht in einer Fußballmannschaft keine Demokratie und natürlich muss der Trainer von dem Weg, den er geht, überzeugt sein. Aber die Kinder und Eltern machen da auch nur freiwillig mit, wenn man ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt, dann steht es ihnen frei, die Mannschaft und den Verein zu verlassen. Insofern tut man als Trainer gut daran, sie erstens von dem eigenen Weg zu überzeugen und zweitens für ihre Interessen auch ein offenes Ohr zu haben und zumindest zu prüfen, ob ihre Vorschläge umsetzbar sind. Wenn sie den Vorstellungen des Trainers widersprechen, so kann er dies ja auch sagen und erklären, warum er anders verfährt.


    Kommunikation ist in einem sozialen Gebilde, wie es eine Fußballmannschaft nun mal ist, ganz wichtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die von dir angeführten Gründe dafür, dass die fraglichen Eltern ein Problem mit dir haben, nämlich dass Ihr weder drei Autos noch ein Einfamilienhaus besitzt, tatsächlich das Problem sind.


    Ich erlaube mir die kritische Frage: Wie trittst du gegenüber den Eltern deiner Spieler auf?


    Übrigens: D-Junioren sind IMHO sehr wohl noch Kinder. 2004er sind aktuell ja überwiegend elf, teilweise aber noch zehn Jahre alt. Das sind in meinen Augen defintiv noch Kinder, zwar nicht mehr Kindergartenkinder oder Grundschüler, aber noch keine Jugendlichen. Und vor wenigen Monaten waren sie auch noch in der E-Jugend, also dem Bereich des Kinderfußballs unterwegs. Da kann man sie und auch ihre Eltern jetzt noch nicht so behandeln, als wären sie B- oder A-Junioren. Das nur so als gutgemeinter Hinweis, weil ich anhand deiner Beiträge hier den Eindruck habe, dass du eher den Harten Hund als der Liebe Onkel gibst.


    Übrigens: du schreibst, dass die Jugendleitung viele Dinge anders sieht als du. Ich fände es interessant, wenn du das näher ausführen würdest.


    PS: Es mag hier so klingen, als wollte ich dir die Schuld an der Situation zuschieben. Dem ist nicht so, zumindest noch nicht. Aber ich habe für meinen Teil noch nicht genügend Informationen, um dich von jeder (Mit-) Schuld auszunehmen. Ich gehe davon aus, dass die Fragen, die ein paar Kollegen weiter oben schon gestellt haben, ähnliche Gründe hatten.

    @tobn das Kreuzen ist der Anfang vom Ende - um es mal drastisch zu Formulieren. :D Dem Gegenspieler dahinter lade ich quasi dazu ein, dass er ein taktisches Foul macht und durch die Kreuzbewegung braucht der Defensivspieler nichtmal mit einer Gelben Karte rechnen.

    Nun, das hängt natürlich davon ab, wie nah der Gegenspieler ist -- zu spät darf ich damit nicht beginnen. Ich habe aber übrigens schon erlebt, dass es für ein Foul in einer solchen Situation glatt rot gab. Und selbst wenn es "nur" den Freistoß gibt, so ist der in dieser Position, nämlich ca. 20 bis 25 m vor dem Tor in zentraler Position doch ein ziemliches Geschenk, oder? Und wenn Blau-10 ein Rechtsfuß ist und Rot-6 (ohne Ball) schneller als er, dann bleibt ihm, wenn er nicht nach rechts zieht, um Rot-6 den Weg zum Ball zu versperren, doch nichts anderes übrig als nach links abzudrehen und dem Angriff direkt 50% seines Potenzials zu nehmen.. Nee, ich bleibe dabei, dass ich ihm empfehlen würde, den Laufweg des Verfolgers zu kreuzen. Ich bilde mir auch ein, dass im Fernsehen auch immer wieder erfolgreich praktiziert zu sehen, und tue das selbst auch desöfteren.

    Ich habe in meiner jungen E-Jugend auch mindestens zwei solcher Kandidaten, also solche, die den Ball gerne mal vom eigenen Strafraum aus bis ins gegnerische Tor führen wollen. Sie sind im offensiven 1:1 wirklich gut, aber dennoch ist dieses Verhalten erstens dumm, zweitens sehr egoistisch und drittens kontraproduktiv (für den Mannschaftserfolg). Und zwar aus den folgenden Gründen:

    • Dumm, weil die Aussicht auf Erfolg minimal ist, wie sich recht einfach rein mathematisch darlegen lässt. Nehmen wir an, der Spieler sei so gut im offensiven 1:1, dass er dabei eine Erfolgsquote von 80% hat. Dann gewinnt er also vier von fünf Zweikämpfen. OK, die Wahrscheinlichkeit, dass er am Ball bleibt, beträgt nach dem ersten Zweikampf noch 80%. Nach dem zweiten ist sie aber schon auf 80% * 80% = 64% gesunken, nach dem dritten auf nur noch 51,2%, und die Wahrscheinlichkeit, auch nach dem vierten Zweikampf noch am Ball zu sein, beträgt insgesamt nur noch 40,96%. Wie viele Zweikämpfe muss dieser Spieler nun auf dem Weg vom eigenen Strafraum bis zum gegnerischen Tor bestreiten? Im Spiel vor zwei Tagen waren es in dem einzigen Fall, wo die Reise tatsächlich am gegnerischen Torhüter endete, der unserem Angreifer schließlich den Ball abnahm, acht oder neun. In den anderen Fällen kam er (natürlich) gar nicht erst so weit. Meistens war beim dritten oder vierten Gegenspieler Schluss, einen Ball hat er direkt an unserem Strafraum verloren, das führte dann auch gleich zu einem Gegentor.. Der mit dem gegnerüberwindenden Dribbling naturgemäß verbundene langsame Angriffsvortrag führt auch dazu, dass praktisch alle gegnerischen Spieler genügend Zeit bekommen, um hinter den Ball zu kommen und den Angriff weiter zu erschweren.
    • Egoistisch, weil diese zwei Spieler zuweilen wirklich überhaupt nicht dazu bereit sind, den Ball abzuspielen, völlig egal, wie gut die Mitspieler sich freigelaufen haben und anbieten und wie torgefährlich sie gerade postiert sind. Stattdessen wird noch mal die Richtung gewechselt, wobei ja aber das ohnehin eher geringe Tempo weiter sinkt und man, huch!, auf einmal drei Mann um sich herum hat und nun wirklich kein Mitspieler mehr angespielt werden kann. Dann wird übrigens ganz gerne darauf geschimpft, man sei gegen drei Gegenspieler alleine gelassen worden und habe ja keinen anspielen können... Die Mitspieler, die sich wunderbar frei gelaufen hatten, aber ignoriert wurden, verlieren nach zwei, drei solcher Aktionen natürlich die Lust, umso mehr, wenn sie dann auch noch zu Unrecht angemacht werden.
    • Das ist auch der erste Grund, warum solches Verhalten kontraproduktiv für die Mannschaft ist. Solche Angriffe sind praktisch nie erfolgreich und der Rest der Mannschaft ärgert sich immer mehr. Außerdem sind meistens, da das gegnerüberwindende Dribbling ja eher langsam ist, fast zwangsläufig alle anderen eigenen Angreifer vor dem Ball und die Abwehr nur dünn besetzt, wenn der Ball dann verloren geht. Darüber hinaus ist diese Form des Angriffs so ungefähr das anstrengendste, was es gibt. Der Spieler schwächt sich selbst immer mehr, je öfter er zu solchen Angriffen greift, bis er schließlich mehr oder weniger völlig ausfällt.


    Daher finde ich schon, dass es meine Aufgabe als Trainer ist, auch meinen Spielern, die im offensiven 1:1 spitzenmäßig sind, zu vermitteln, wann es angebracht ist, wann eben aber auch nicht.


    Sanktionieren würde ich dieses Verhalten aber nicht, sondern im Training eher mit Provokationsregeln arbeiten, über die sie erfahren, dass es auch für sie zielführender ist, wenn sie das gemeinsame Spiel suchen, in dem ja durchaus häufig 1:1-Situationen zu bestreiten sind. Dass sie es können, zeigen sie mir ja durchaus auch immer mal wieder.

    Das klingt nach einem 3-5-2, welches in den letzten Jahren ja wieder unter dem Stichwort der Dreierkette populärer geworden ist. Ich habe natürlich nicht deine Spiele gesehen, als mein Sohn in der letzten Saison im ersten C-Jugendjahr spielte, hat sein Trainer die Mannschaft aber öfters in diesem System auf den Platz geschickt. Ich fand das allerdings nicht so dolle, habe das aber auch auf das, wie mir schien, nicht ganz so ausgeprägte taktische Verständnis des Trainers geschoben, der, so mein Eindruck, seine geliebten Bayern imitieren wollte.


    Grundsätzlich hat die Dreierkette ja die Vorteile, dass man einmal einen Mann mehr im Mittelfeld hat, und dass man zweitens im Spielaufbau mit drei Spielern gegen ggf. zwei Spitzen des Gegners in der hintersten Reihe in Überzahl ist. Nachteile sind die Anfälligkeit über die Flügel, da die Dreierkette die Breite des Platzes nicht abdecken kann, und die nur einfache Besetzung der Flügel durch die Mittelfeldaußen.


    Aber zu deinen Beobachtungen:

    Bei den Spielen die ich gesehen habe fiel mir immer auf, das

    • -der Zentrale in der 3er Kette eigentlich mehr ein Libero war.

    So sollte es eigentlich nicht sein, vielmehr sollte die Dreierkette tatsächlich als Kette spielen. Schwierig wird es, wenn der Angriff über außen kommt. Denn eigentlich besteht die Dreierkette aus drei Innenverteidigern, die Außenbahn sollte normalerweise von den Mittelfeldaußen (MA) besetzt werden. Ist der MA aber zu weit vorne, so bleibt dem ballnahen äußeren Verteidiger ja nichts anderes übrig, als nach außen zu gehen und den Angreifer auf dem Flügel zu stellen. Seine Nebenleute müssen dann natürlich nachschieben. Da der ballferne Verteidiger dabei aber bis vor das eigene Tor durchschieben muss, entsteht hinter ihm eine sehr gefährliche Lücke für einen Diagonalball auf den ballfernen gegnerischen Flügelstürmer. Deshalb muss die Dreierkette in solchen Situationen rasch von einem Mittelfeldspieler auf eine Viererkette ergänzt werden, außerdem muss der Raum im Zentrum vor der Kette unbedingt besetzt werden, da diese im Zentrum ja recht weit zurückweichen muss und so keinen Druck auf einen nachrückenden Gegner im Zentrum ausüben kann, der daher von der Strafraumgrenze oder kurz davor frei zum Schuss kommen könnte.


    • -kaum druck über den Flügel entstanden ist
    • -kaum einer Hinterlaufen hat

    Diese Punkte hängen zusammen. Tatsächlich müssen beim 3-5-2 die MA die Breite schaffen, durch die Überzahl im Zentrum ist das System jedoch eher darauf ausgelegt, dass Angriffe eben durch die Mitte erfolgen. Da die Flügel einfach besetzt sind, ergibt sich dort kaum die Gelegenheit zum Hinterlaufen, denn die drei Verteidiger bleiben ja eher tiefer und greifen nicht mit an, sondern bieten sich eher als Rückpassoption für die Spielverlagerung an. Wenn der MA den Ball in bereits recht hoher Position hat, kann es mal sinnvoll sein, dass ein Achter ihn hinterläuft, um Überzahl gegen den stellenden gegnerischen AV herzustellen und die dortige Pattsituation möglicherweise aufzulösen. Aber eigentlich sucht man beim 3-5-2 eher den Abschluss im Zentrum, dort hat man ja zwei Stürmer und noch einen Zehner. Die Außen sind also eher dazu da, um den Ball nach innen zu einem der drei zentralen Angreifer zu befördern, die dann (aus typischerweise ja auch viel besserem Winkel) das Tor erzielen sollen.


    • -wenn man es einmal breit spielen wollte, war in der Mitte immer ein riesiges Loch.

      Das ist verwunderlich, da man im Mittelfeld ja fünf Spieler hat, dazu noch zwei Stürmer. Sind da denn die Achter auch mit nach außen gerannt? Und zwar auf beiden Seiten? Das wäre ja blödsinnig. Sicher kann es, wenn der Gegner z.B. das zentrale Mittelfeld stark verdichtet (z.B. im 4-5-1 oder 4-1-4-1), sinnvoll sein, den Weg über außen zu suchen, so dass dann ein Achter gemeinsam mit dem MA über den Flügel angreifen sollte, Zehner oder Sechser können da fürs AMA (au0en-mitte-außen) oder das Spiel über den Dritten mitmachen. Aber der ballferne Achter sollte dann nicht auch auf (seinen) Flügel gehen, sondern im Zentrum bleiben.

    [/quote]

    Welche Spielanlage muss ich bei diesem System von meiner Mannschaft fordern um es richtig zu spielen?

    Das System bietet sich an, um sich in Überzahl durch das Zentrum zu kombinieren, mit gelegentlicher Einbeziehung der Außen. Durch die Überzahl im Zentrum wird das Kurzpassspiel gegenüber dem Dribbling favorisiert. Man hat zwei Spitzen, die gut harmonieren müssen und sich durch gegenläufige Bewegungen Räume schaffen, in die dann der tödliche Pass erfolgen kann.

    Ich stelle mir eine gute Lösung ungefähr so vor:

    • Blau-10 dribbelt mit Tempo auf die Rot-3 zu, um dadurch den Weg von Rot-6 zu kreuzen und ihn auf Abstand zu halten und daran zu hindern, ihn nach links zu drängen.
    • Blau-11 weicht seitlich in Richtung Blau-8 aus. Entweder zieht er so Rot-3 mit und öffnet dadurch den Raum für Rot-10, oder er steht für den Doppelpass oder für das Spiel über den Dritten zur Verfügung.
    • Blau-9 geht zwei Schritte zurück, ebenfalls um Rot-4 aus der Kette zu ziehen und die Lücke für Blau-10 zu vergrößern, auch um den Doppelpass mit Blau-10 zu spielen oder den Ball zu einem Dritten weiter zu leiten.
    • Blau-7 und Blau-8 starten explosiv nach außen und laufen im Bogen in den Rücken von Rot-5 und Rot-2.


    Ich habe dein Bildchen mal entsprechend ergänzt und füge es bei.


    Was nun optimal ist, hängt von der Reaktion der roten Mannschaft bzw. ihrer Spieler ab:

    • Lässt Rot-3 sich weg ziehen und macht für Blau-10 den Weg frei, so zieht dieser aus 18 bis 20 m Torentfernung aufs Tor ab.
    • Bleiben Rot-3 oder Rot-4 in der Kette, so erfolgt der Doppelpass mit Blau-9 oder Blau-11. Blau-10 geht dabei mit Tempo zwischen Rot-3 und Rot-4 durch und erwartet den nach innen gerichteten Pass in die Tiefe zwischen Rot-4 und Rot-5 bzw. Rot-2 und Rot-3.
    • Alternativ könnten Blau-9 oder Blau-11 zwischen Rot-3 und Rot-4 auf die einlaufenden Blau-8 respektive Blau-7 passen, die dann entweder selbst abschließen oder vor dem Tor quer auf den jeweils anderen legen.
    • Der Spieler aus dem Pärchen Blau-9 und Blau-11, den Blau-10 nicht anspielt, lässt sich fallen, um den Rückraum im Zentrum zu besetzen. Sollte der Ball dorthin abgewehrt werden, so hat er sogleich eine weitere Chance. Außerdem ist er so gleich auf die Defensive vorbereitet, sollte der Angriff scheitern -- dann sind schließlich vier Spieler sehr weit vorne.. Geht Blau-10 alleine über halbrechts durch, so sollte Blau-11 sich auf die nominelle Position von Blau-10 fallen lassen.


    Doof ist es aber, wenn sämtliche vier blaue Spieler vor Blau-10 direkt nach vorne laufen. Sie sind dann effektiv nicht anspielbar und behindern sich gegenseitig. Außerdem machen sie es der Kette relativ einfach, denn diese muss nur im Zurückfallen weiter verdichten, um die Passwege zu allen blauen Angreifern zu schließen. Und sie machen es den Gegnern leicht, in Ballnähe Überzahl zu schaffen: Rot-3 rückt heraus, um Blau-10 zu stellen, Rot-2 und Rot-4 verengen hinter ihm zum Abwehrdreieck, Rot-5 rückt ein, um die Lücke zu Rot-4 zu schließen, und Rot-6 doppelt (Blau-10) von rechts hinten. Inzwischen sind alle blauen Angreifer im Deckungsschatten oder im Abseits.


    Das Stichwort zum richtigen Verhalten lautet hier übrigens: Staffelung in Breite und Tiefe.

    Ja, das fand ich nicht nur übertrieben, sondern scheußlich anzusehen

    Stimmt. Ich habe mindestens zwei, drei mal laut gesagt: "Jetzt schieß doch!" Aber sie haben nicht auf mich gehört.. Von den drei Chancen, die Marco Reus in der elften, dreizehnten und achtzehnten Minuten hatte, darf er aber auch gerne eine oder zwei machen.. Die waren auch schön heraus gespielt. Auch das Ding in der 31. vergibt er fast schon fahrlässig. Interessanterweise hat aber sonst scheinbar kaum einer aufs Tor der Georgier geschossen. Kroos einmal einen Drehschuss aus einem Abpraller, Schürrle, glaube ich, einmal. Tja, und dann kam der Elfer.


    Denn erinnern wir uns! Dem 1 : 0 ging ein Dribbling von Özil aus dem Halbfeld kommend in den 16-er voraus.

    Stimmt. Und die Einladung zum Stolpern über das Bein des Abwehrspielers..


    Ich will in solchen Situationen auch keinen Sicherheits-Rückpaß sehen, sondern ein Dribbling und möglichst viele (erfolgreiche) Torabschlüsse.

    Es wäre interessant gewesen, wie die Situation weiter gelaufen wäre. Özil hätte nach noch ein, zwei Schritten "abziehen" können, das macht er ja aber eigentlich nie, sondern schlenzt den Ball fast immer mit Effet auf den langen Pfosten. So gut, wie der georgische Torhüter da schon drauf war, hätte es mich nicht gewundert, wenn er den auch gehalten hätte.


    2 oder 3 Torchancen pro Spiel empfinde ich als langweilig. Außerdem: je eher ich ein Führungstor erzielen kann, je eher muß auch der Gegner seine Defensivtaktik ändern und bekomme die Räume, die ich mir wünsche!

    Naja, aber beim Spiel gegen Georgien haben sich die Deutschen schon genügend Chancen heraus gespielt. Und der Wunsch nach dem frühen Tor war schon zu erkennen. Der unbedingte Wille dazu, davon bin ich wiederum nicht so überzeugt. Das ist aber auch nicht die Art von Spielern wie Reus, Schürrle, Kroos und Gündogan, zumindest noch nicht.


    Allerdings würde ich mir auch bei Ballbesitz mehr Spieltiefe wünschen, um nicht bei einem einfachen Befreiungsschlag des Gegners in ein 1 vs 1 zu geraten. Da kann man auch nicht immer dem 6-er alle Schuld zuschieben, wenn gleichzeitig einer der beiden IV pennt und man gar keinen Druck mehr auf den Ball bekommt.

    Da stimme ich dir zu. Ich finde zumindest auch, dass die IV der Nationalmannschaft öfters bei eigenem Ballbesitz zu hoch stehen. Natürlich möchte man den Druck auf die andere Mannschaft erhöhen und den Ball nicht unnötig weit nach hinten spielen, wenn man das Spiel verlagert. Aber ein etwas mehr nach hinten versetzter IV hat z.B. noch den freien Raum vor sich, um z.B. einen Diagonalflugball zu schlagen. Und er gerät nicht so schnell unter Gegnerdruck. Außerdem kann er die Stürmer des Gegners auch ein Stück auf sich ziehen und so den Zwischenlinienraum für den Sechser oder einen Achter öffnen. Und er hat halt fünf Meter Vorsprung vor dem Gegner, wenn denn mal ein langer Ball kommt.


    Es ist ja nicht das erste mal, dass die hoch aufgerückten deutschen Innenverteidigern dem Konterstürmer hinterher rennen..


    Sicherlich würde eine heutige Vereinsspitzenelf jede Nationalmannschaft schlagen, aber darum gehts nicht!

    Wenn es um die Frage geht, wo die taktischen Akzente gesetzt werden, schon. Und darauf habe ich in dem Zusammenhang geantwortet. Bzw. habe ich die Meinung geäußert, dass es weniger die Nationalmannschaften als die Spitzenmannschaften im Vereinsfußball (und vor allem ihre Trainer) sind, von denen die meisten taktischen Innovationen stammen.

    Natürlich muß und darf auch die DFB-Elf in einigen Phasen experimentell tätig sein, um Impulse für die Bundesliga zu geben. Aber wie auch bei VW und anderen üblich, geht das Meiste davon in die Hose. So auch die Experimente mit 4 Innenverteidigern und/oder 2 Außenverteidiger als offensive Außenbahnspieler.

    Ich vermute, dass für Löw die Aufstellung von vier Innenverteidigern bei der WM 2014 auch nicht die Optimallösung war, sondern halt so sein musste, bis Schweinsteiger wieder spielen konnte. Denn solange brauchte er Lahm im zentralen Mittelfeld, das ist die wichtigere Position als die des Außenverteidigers.


    Mit den AV als offensiven Außenspielern spielst du wahrscheinlich auf die letzten zwei Spiele zur EM-Qualifikation an. Da verstehe ich nicht ganz, worauf du hinaus willst. Selbstverständlich müssen doch die Außenverteidiger die Offensive mit tragen, oder? Die Rolle als Flügelläufer ist doch eine ganz klassische Interpretation der Rolle des AV. Dabei muss er technisch gar nicht so stark beschlagen sein, dafür schnell und in der Lage, den Ball von der Außenlinie vors Tor oder in den Rückraum zu bringen. Wenn AV und offensiver Flügelspieler es schaffen, eine 2:1-Überzahl zu schaffen, können sie sich weiter nach innen kombinieren, das sieht man ja auch ziemlich häufig, meistens als Doppelpass, ggf. als Anschlussaktion zum Hinterlaufen des AV.


    Offensive Außenverteidiger sollten jedenfalls keine Achillesferse einer Mannschaft sein, dieses Risiko geht man bewusst ein, weil es lohnender ist, im Angriff zwei zusätzliche Spieler zu haben. Die Absicherung übernehmen ja immer noch die beiden Innenverteidiger. Und wenn der Gegner mit zwei Spitzen attackiert oder wenn er in seinen Kontern gerne die freien Flügel bespielt, wohin sich dann ein Innenverteidiger begeben muss und so das Zentrum zu dünn besetzt wird, dann begegnet man dem, indem man einem Sechser eine defensivere Interpretation empfiehlt. Das Problem der Deutschen Nationalmannschaft in den letzten zwei Spielen war in dieser Hinsicht ja aber doch, dass zeitweise gar kein Sechser auf dem Platz stand. Kroos und Gündogan sollten das zwar machen, aber das sind beides keine Sechser, sondern Achter oder Zehner. Kroos kann ganz fantastisch spielen, aber ich teile da die Meinung von @Sir Alex, defensiv empfinde ich ihn häufig als ein reines Ärgernis, und auch im Angriff spielt er mir oft mit zu wenig Drive. So manchmal fällt mir zu ihm, aber auch zu ein paar anderen Spielern "der Mannschaft" der britische Begriff des Flat-Track Bully ein.


    Allerdings glaube ich auch, dass ein paar der Spieler der nach der WM ja doch stark gewandelten Nationalmannschaft sich erst noch in ihre Rollen finden müssen, einige Spieler müssen da noch dazu kommen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Mich würde die Kritik von @Sir Alex zum Offensivspiel gegen Georgien noch interessieren, ich fand eigentlich, dass die deutschen Spieler sich da eigentlich recht gut durch das ja sehr dicht besetzte Zentrum spielten. Aber sie übertrieben es damit meiner Meinung nach, zeitweise kam es mir so vor, als wollten da ein paar Spieler gar nicht abschließen, sondern lieber den Ball noch eine und noch eine Station weiter schieben.. Aber auch da ist es so, dass zumindest ich dieses Spiel nochmal sehen müsste, und zwar mit Rückspulmöglichkeit, um dann einzelne Situationen genauer unter die Lupe nehmen zu können.


    Hoch stehende AV waren übrigens ja nicht das Problem bei den Gegentoren. Beim Treffer der Iren haben die Innenverteidiger kurz gepennt, als der lange Ball kam -- das ist eine klassische Situation: kein Druck auf den Ballführenden, der zum langen Ball in den Rücken der Abwehr ansetzen kann. Verlege alle Spieler um zehn bis zwanzig Meter nach hinten, dann findest du das in einer Vielzahl an Lehrmaterialien.

    Ich weiß nicht, ob mich mein Gedächtnis täuscht, aber war das nicht die Taktik-Variante der Holländer, um das Ballbesitzspiel bereits im Mittelfeld zu unterbinden? Man glaubte auch zunächst an einen genialen Schachzug von van Gaal, bis sich herausstellte, dass das spanische Team über seinen Leistungszenit hinaus keine weitere Bedeutung mehr hatte.

    Du sprichst das erste Spiel beider Teams an, in dem die Spanier grandios gegen die Niederlande verloren. Ich müsste es nochmal ansehen, um eine eigene Analyse erstellen zu können. Wenn ich mich recht erinnere, dann klappte aber an dem Tag bei den Spaniern so gar nichts und sie machten zum Teil haarsträubende Fehler, die ihnen in dieser Form und Häufung nie zuvor und später auch nie wieder unterliefen. Iker Casillas avancierte ja zur tragischen Figur, aber auch seine Vorderleute standen an diesem Tag scheinbar neben sich. Und dann gelangen auch gerade den niederländischen Offensivleuten an dem Tag Dinger, die sonst meistens daneben gehen. Van Persies Kopfballtor z.B., das ja unheimlich spektakulär und ungeheuer schwierig war. Die niederländische Kontertaktik, die darauf basierte, dass der Ball zwischen dem eigenen Strafraum und der Mittellinie erobert und dann direkt vertikal zu den drei Spitzen gespielt wird, ging gegen völlig indisponierte Spanier voll auf. Im weiteren Turnierverlauf trafen sie dann doch aber auf Mannschaften, die hinten nicht so offen standen und da so fehleranfällig waren, und das wurden dann unheimlich zähe und unattraktive Partien. Soweit ich mich erinnere zumindest. Ich weiß aber nicht mehr, wie viele Spiele der Niederländer ich komplett gesehen habe.


    Auch die Brasilianer kamen mit diesem Mittelf- teilweise sogar Offensivpressing gar nicht klar.

    Die brasilianische Mannschaft hatte ja aber das ganze Turnier hindurch deutliche Schwierigkeiten..


    Allerdings hat er mit dieser Variante, das Mittelfeld zu stärken, um den Gegner hier am Spielaufbau zu hindern, Nachahmer gefunden.

    Nun, bei der WM 2014 gab es doch ohnehin einen deutlichen Trend zu defensiv sehr stabilen Formationen. Die situative Fünferkette und 4-5-1- und 5-4-1-Formationen bei gegnerischem Ballbesitz sah man ja gar nicht so selten, verstärkt, naheliegenderweise, bei den eher weniger favorisierten Teams. Dabei war es dann ja ziemlich erstaunlich, dass die arrivierte Fußballnation Niederlande auch mit situativer Fünferkette verteidigte.


    Eine WM zeigt immer auch den Puls der Zeit an und man justiert die Rädchen in einer Mannschaft neu. Im kleineren Rahmen ist das sicher auch bei der EM der Fall, weshalb ich mich schon jetzt darauf freue.

    Ja, so sieht es zumindest ja auch der DFB. Wobei ich finde, dass die Spitzenvereine eigentlich näher am taktischen Puls der Zeit sind und heutzutage eher die Trends setzen, weil dort eben kontinuierlicher gearbeitet werden kann, wohingegen die Nationalmannschaften ja doch im Vergleich viel seltener zusammen treffen und auch in ihrer personellen Zusammensetzung stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind.


    Zur taktischen Analyse sind die TV-Übertragungen aber leider ja nur bedingt geeignet, da sie ja häufig nur die unmittelbare Umgebung des Balles zeigen. Und, wie es ein Kollege hier neulich schon schrieb, für die taktische Analyse ist ganz wichtig zu sehen, wie sich die anderen Spieler bewegen, nicht nur diejenigen, die sich innerhalb eines Zehnmeterradius um den Ball befinden.


    Natürlich hat ein taktisches Grundkonzept in der Ausbildungszeit wichtig! Ich habe es deshalb auch heraus gestellt, weil es noch vor 10 Jahren hierzulande ein Sammelsurium von Taktik-Varianten im Nachwuchsbereich gab. Dies hatte zum Nachteil, dass die Spieler manchmal gar nicht mehr unterscheiden konnten, wie die Lauf- und Paßwege in welcher Variante waren.

    Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung davon habe, wie ab der B-Jugend aufwärts mannschaftstaktische Inhalte typischerweise oder auch nach Lehrbuch vermittelt werden. Ich weiß zwar, wie es auf dem Platz aussehen soll, wie nach gängiger Meinung aber die Didaktik aussieht und was man da in welcher Reihenfolge macht, das weiß ich nicht. Vielleicht überschätze ich diesen Bereich aber auch.. Ich habe halt selbst noch keine praktischen Erfahrungen mit ihm.


    Aufgrund fehlender Vorgabee lernte der Nachwuchsbereich jeweils Puzzleteile und konnte sich kein taktisches Fundament aneignen.

    Hier hätte ich halt gedacht, dass man den Junioren, die ja hoffentlich schon individualtaktisch qualifiziert sind, erst einmal grundsätzliche gruppentaktische Lösungen vermittelt, welche dann, indem man den Fokus immer weiter auf die ballfernen Bereiche erweitert, in die Mannschaftstaktik münden. So würde ich das zumindest angehen.


    Wichtige Litertur über die unterschiedlichen Taktiksysteme sind in den letzten 10 Jahren dazu entstanden. Denn die Weisheit, dass Fussball vom Kopf in den Fuss gespielt wird und man ein umfangreiches Verständnis dazu braucht, die ist so alt noch nicht!

    Ich habe den Eindruck, dass die taktischen Systeme in den letzten zehn Jahren immer flexibler und fluider interpretiert werden. Und dass man bestehende Systeme nimmt und mit punktuellen Anpassungen entweder auf deren Schwächen oder auf spezielle Stärken des Gegners reagiert. Siehe z.B. den Sechser beim 4-1-4-1, welches man defensiv ja als Abwandlung des 4-4-2 mit flacher Vier ansehen kann, bei dem man einen zusätzlichen Spieler im Zentrum hat, um im besonders torgefährlichen Bereich Überzahl herzustellen. Der Sechser wandert dort ja zwischen den Linien und agiert fast dem früheren Libero etwas ähnlich. So kann man der sonst beim Gegner im zentralen Mittelfeld vorhandenen Überzahl z.B. beim 3-5-2 oder dem 4-3-3 mit offensiven AV -- das sieht dann ja aus wie ein 2-5-3 oder 2-1-4-3 -- begegnen. Und in dem Buch über den niederländischen Nachwuchsfußball klingt es, wie ich sagte, schon so, als hätte van Gaal damals das 4-2-3-1 erfunden, indem er das 4-3-3 nahm und die vertikale Ausrichtung der Mittelfeldspieler veränderte, also aus einem Sechser und zwei Achtern Doppelsechs und Zehner machte. Ich müsste es mal nachlesen, aber ich glaube, Hyballa und te Poel zitieren ihn auch hinsichtlich seiner Überlegungen dazu.


    Außerdem passen Trainer in den letzten Jahren, so sie denn müssen, häufiger ihre Taktik an das vorhandene Personal an. Also z.B. die Nationaltrainer oder auch Trainer, die eine bestehende Mannschaft neu übernehmen.

    Hatte van Gaal nicht bei der WM im letzten Jahr den Offensivfußball abgeschrieben, weil er meinte, nicht die Spieler dafür zu haben, und hat stattdessen in einem 6:3 gespielt, also mit sechs Defensivkräften und den drei Stürmern van Persie, Robben und Sneijder, die es vorne zu dritt irgendwie richten sollten, ggf. unterstützt noch vom nachrückenden Dirk Kuijt? So, wie ich es damals vernahm, verlautbarte van Gaal, dass das zwar nicht so schön und eigentlich auch unniederländisch sei, ihm aber nichts anderes übrig bliebe, wenn man nicht sang- und klanglos untergehen wolle.


    Als entsprechend unattraktiv empfand zumindest ich dann auch die Spielweise der Elftal bei der WM in Brasilien.. Was aber seitdem genau passiert ist und wie die Entwicklung bis dahin war, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Interessant fand ich übrigens deine Kritik am 4:3:3, @TW-Trainer. Ich gebe dir zwar darin Recht, dass heutzutage im Spitzenfußball ein hohes Maß an taktischer Flexibilität erforderlich ist und dass die Spitzenmannschaften, -spieler und -trainer dazu in der Lage sind und sein müssen, mehrere Systeme zu spielen, vor allem auch in Offensive und Defensive unterschiedlich spielen zu können. Aber ich halte das 4:3:3 für eine Grundordnung, in der sehr viele Varianten gespielt werden können. So hat, wenn ich das Buch "Mythos Niederländischer Nachwuchsfußball" richtig verstehe, van Gaal das 4:2:3:1 zunächst noch als 4:3:3 bezeichnet. Und auch das in den letzten Jahren sehr beliebte 4:1:4:1 kann man als Variante des 4:3:3 sehen. Ich denke daher, dass das System nicht das Problem ist. Vielmehr ist es meiner Meinung nach von Nachteil, wenn man seine Spieler eben zu früh auf nur eine Position in einer bestimmten Interpretation des 4:3:3 festlegt.

    Im Laufe der Jahre habe ich reichlich unterschiedliche Feldgrößen in der E-Jugend kennengelernt:
    [...]
    Nach meiner Erfahrung kommt ein Fußballspiel am ehesten beim Halbfeld mit Einrückung zustande.

    Hmm.. Für unsere jungen E-Junioren ist das Feld in dieser Form noch sehr lang, der Weg vom eigenen Strafraum zum gegnerischen Tor sehr weit. Wenn die Mannschaft bereits in der Lage dazu ist, den Raum geschickt durch mehrere Pässe zu überbrücken, wenn sie schnell auffächern und sich in der Tiefe staffeln, und dazu noch die Pässe ankommen und gut verarbeitet werden können, dann ist es OK. Sind die Spieler weniger spielstark oder umsichtig, oder klinken sich zwei Spieler eher aus der Laufarbeit aus, so pumpen sie bzw. die anderen Spieler ziemlich schnell.. Mein Mittrainer meinte, ihm gefalle das große Spielfeld gar nicht schlecht, da kämen auch Spieler wie XY besser zurecht. Dieser ist ein unheimlicher Sprinter, der allerdings in der Ballbehandlung deutliche Defizite hat. Noch ist es bei uns so, dass das große Feld solchen Spielern entgegen kommt: sie können die von mir selbst als Kind (bin und war auch ein Sprinter) bevorzugte Angriffstaktik anwenden: sich selbst den Ball in den freien Raum spielen und dann so schnell hinterher rennen, dass kein anderer mitkommt. Spielerisch ist das allerdings äußerst dürftig..


    Ein Ziel der kleinen Felder ist es ja, viele 1:1-Situationen zu schaffen.

    Ja, wahrscheinlich, indem der Raum durch die abwehrende Mannschaft besser abgedeckt werden kann. Das ist aber für mich nicht der entscheidende Punkt. Ich finde vielmehr, dass die pro Spieler vorhandene Fläche sich mit dem Alter der Kinder ähnlich allmählich steigern sollte, wie es ihre körperlichen Maße tun. Wenn 18-Jährige mit einem Feld von 105 m x 68 m zurecht kommen, dann sind das pro Spieler (einer Mannschaft) ca. 650 m^2 (mit Torhüter, ohne ihn 714 m^2). Ein Erwachsenenfeld für eine Siebenermannschaft müsste, wenn man einfach die Großfeldmaße mit 7/11 multipliziert, ca. 67 m x 43 m groß sein. So groß ist das Feld für E-Junioren ungefähr bei uns.. Aber diese sind teilweise noch neun Jahre alt... Das passt meiner Meinung nach nicht. Ein Feld von 55 m x 35 m ist ziemlich genau zwei Drittel so groß wie das herunter gerechnete Erwachsenensiebenerfeld. Das erscheint mir, rein von den Zahlen her, deutlich vernünftiger für E-Junioren. Es passt auch eher in die Folge der Steigerungen der Fläche pro Spieler in den verschiedenen Altersklassen, siehe dazu beigefügtes Bild, welches die Empfehlungen des DFB darstellt:


    Spielt man stattdessen in der E auf 67 m x 43 m , so wird das Feld beim Sprung von F- zur E-Jugend pro Spieler um 106% bis 182% größer, beim Übergang von der E- zur D-Jugend hingegen schrumpft es um 6%. Das erkläre mir mal einer. Siehe die folgende Tabelle:


    Man beachte, so ganz nebenbei, aber auch den deutlichen Sprung von der G- zur F-Jugend..


    Zu kleine Felder machen es für viele Kinder (und leider auch Trainer) allerdings attraktiv, die Distanz mit einem einzigen langen Ball zu überbrücken. 1:1-Situationen hat man dann nur noch kurz vor dem Tor.

    Das stimmt, und diese Befürchtung gab es bei uns, als beim Wechsel von der ersten zur zweiten F-Jugendsaison das Feld im Zuge der Einführung der Fair-Play-Liga von ca. 55 m x 43 m auf ca. 40 m x 35 m verkleinert wurde, speziell auch, weil die Torhüter bei uns in der F den Ball grundsätzlich aus der Hand abschlagen dürfen. So sehr schlimm scheint es aber nicht gekommen zu sein.


    Umgekehrt gilt das aber übrigens genauso: zwar reicht auf dem großen Feld vielleicht nicht ein einziger Pass, um vom eigenen zum gegnerischen Strafraum zu kommen, aber einige Torhüter schaffen das durchaus. Und mit zwei "Pässen" schafft man es durchaus, den vorne wartenden Stürmer zu erreichen, der von keinem der aufgerückten Abwehrspieler mehr eingeholt werden kann.


    Mit der Platzlänge haben Kinder ohnehin selten Probleme - an beiden Enden stehen schließlich Tore, um die es bekanntlich geht.

    Hmm, naja, das kommt halt darauf an, was man als Probleme definiert. Meiner Beobachtung gibt es bei dem großen Feld recht häufig Situationen, in denen sich die Teams mehr oder weniger in Abwehr- und Angriffsfraktion aufteilen, das Mittelfeld große Lücken aufweist und der Ball in rascher Folge zwischen diesen Bereichen wechselt, während das für die Spieler in nur viel geringerem Maß gilt. In meinen Augen spricht das dafür, dass das Feld zu lang ist.


    Viel wichtiger ist es einen Blick auf die Breite zu haben. Mir geht es in der E-Jugend darum, Lösungskompetenz für unterschiedliche Spielsituationen zu entwickeln. Dabei soll auch die Breite des Platzes entdeckt und Ideen entwickelt werden, was man mit der Breite anfangen kann. Der Bereich von 16er bis Mittellinie ist auf vielen Plätzen dafür zu eng.

    Ich stimme deiner Intention unbedingt zu. Aber der Platz darf auch nicht zu breit werden, denn sonst ist der Umweg über die Außenbahn erstens unattraktiv, weil zu groß, und zweitens nimmt der freie Raum im Zentrum bei zu großer Breite zu sehr zu, wenn die Außenspieler sich weit nach außen bewegen, so dass die in der Mitte verbleibenden Spieler dazu animiert werden, eben durchs Zentrum anzugreifen..


    Ich müsste aber mal beide Felder ausprobieren, sowohl das eingerückte Halbfeld als auch das vom DFB empfohlene von ca. 55 m x 35 m.

    Ja, @Dornpunzel, wenn man aufgrund der Berührung fällt, dann fällt man, das sehe ich wie du -- ich würde auch nicht sagen, dass ein Spieler versuchen muss, unbedingt noch auf den Beinen zu bleiben. Und natürlich hat auch @fak damit Recht, dass ein fallender Spieler ein deutlicher Hinweis an den Schiri, der vielleicht ja auch nicht optimal steht oder dessen Sicht nicht ganz frei ist, darauf ist, dass da etwas passiert sein könnte, das nicht den Regeln entspricht. Umgekehrt hat er natürlich, wenn der Gefoulte auf den Beinen bleibt und sich auch nicht verbal meldet, keine Möglichkeit dazu, zu erkennen, dass es ein Foul gab, wenn ihm die Sicht versperrt ist. Die Anwesenheit weiterer Unparteiischer, also neutraler Linienrichter, dürfte die Situation verbessern. Aber ganz auszuschließen sind übersehene Fouls ebensowenig wie unberechtigte Pfiffe.


    Wogegen ich aber schon etwas habe ist, wenn ein Stürmer bei nahezu jeglicher Berührung im Strafraum zu Boden geht. Nicht jeder Kontakt ist ein Foul. Umgekehrt könnte und sollte man für die oben geschilderte Situation der hoffnungslosen Grätsche im Strafraum, bei der der Angreifer dem Kontakt, der ihn unweigerlich zu Fall gebracht hätte, noch ausweichen, aber dadurch den Ball nicht mehr erreichen konnte konnte, auf Strafstoß entscheiden.


    Ich finde, man sollte seinen Spielern vermitteln, dass sie zwar keine Frei- oder Strafstöße schinden sollen, sich aber, wenn man es mit einem Schiri mit eingeschränkter Wahrnehmung zu tun hat, durchaus bemerkbar machen sollte.

    Ich finde die Einstellung hochgradig bedenklich, aber sie ist weit verbreitet. Wie oft hört man als Rechtfertigung für den Strafstoßpfiff die Worte: "der Kontakt war da." Ja, meine Herren, ist denn aber im Fußball jeder Kontakt verboten? Unfug. Genauso sind ja aber, zumindest soweit ich weiß, beabsichtigte, jedoch nicht vollendete Fouls auch strafwürdig. Das führt die Begründung mit dem Kontakt noch weiter ad absurdum. Versteht mich aber nicht so, dass ich finde, die Weicheier sollen sich nicht so anstellen und es sollte nie einen Strafstoß geben. Nein, da sollte genauso gepfiffen werden wie an jeder anderen Stelle des Platzes. Und die Angreifer sollten sich dort eben auch genauso verhalten wie anderswo, oder zumindest ähnlich. Sie sollen dort ebensowenig versuchen, auf Teufel komm raus auf den Beinen zu bleiben, sollten dort aber eben auch nicht schneller fallen. Ist doch komisch, dass es Leute gibt, die im Strafraum viel mehr mit ihrem Gleichgewicht zu kämpfen haben und die dort viel empfindlicher auf Impulse reagieren als außerhalb...

    Ich trainiere eine E2-Jugend Mannschaft in Südbaden. Laut Sudbadischer Fussballverband ist eine Spielfeldgröße von 55 m x 35 m "wünschenswert.

    So ist das in Hessen auch. Bei uns im Kreis wird diese Empfehlung des Landesverbandes, die sich mit der des DFB deckt, ignoriert. Da in der E-Jugend der Spielbetrieb aber noch ausschließlich auf Kreisebene stattfindet und in den Händen der Kreisjugendausschüsse liegt, dürfen sie das auch.


    Gestern haben wir auf eine Spielfeldgröße von 70x45m gespielt. Unser Jugendleiter meinte, dass er sich nicht erinnern kann jemals ein E-Jugend Spiel gesehen zu haben bei dem das Feld auf 55 x 35 m abgegrenzt war. Ist das wirklich so? Wie sieht es bei Euch aus?

    Bei uns wird quer über die volle Breite des Platzes gespielt, man hat also eine Feldlänge von ca. 68 m. Typischerweise wird in der Breite von 5er bis kurz vor die Mittellinie gespielt, das sind dann ca. 45 m. Es ist also ähnlich wie bei Euch. Und meiner Meinung nach für junge E-Junioren viel zu groß.


    In der F-Jugend haben wir auf 40x25m Spielfelder gespielt (5+1) und nun mit nur einem Spieler mehr (6+1) ist das Spielfeld fast doppel so groß und meine Meinung nach, ganz schlecht für Kinderfussball.

    Es ist nicht doppelt, sondern drei mal so groß: 40 m x 25 m = 1000 m^2, 70 m x 45 m = 3150 m^2.


    Gibt es DFB Regelung bzw. neue Empfehlungen?

    Vom DFB gibt es die selbe Empfehlung wie die Eures Verbandes. Ich vermute aber, dass bei Euch auch auf Kreisebene den Kreisjugendausschüssen weitestgehend freie Hand gelassen wird.

    @coach1995: Aus welchem Raum stammen denn die Teams in der Leistungsstaffel? Kommen sie alle immer noch aus dem selben geografischen Gebilde wie in der "ganz normalen Kreisstaffel"? Dann wäre letztere bei uns die Kreisklasse und die Leistungsstaffel die Kreisliga. Ab der D-Jugend gibt es (bei uns in Hessen) darüber noch eine Spielklasse, die Gruppenliga, pro "Region" eine, und Hessen ist in sechs Regionen aufgeteilt. Unsere Region umfasst dabei z.B. vier Kreise. Ab der C-Jugend kommen über der Gruppenliga noch die (mit dieser Saison neu eingeführte) Verbandsliga hinzu, davon gibt es die VL Nord und die VL Süd. Und ganz oben dann die Hessenliga.