da man uns nächste Saison für Zeitvertretungen im Bereich F-Jugend auch die FPL aufs Auge drück, schaue ich mich hier um nach Meinungen anderer Trainerkollegen die damit Erfahrung haben.
Schade, dass du die Einführung der FPL als auferzwungen ansiehst. Tatsächlich sind ja sämtliche Regelungen des Spielbetriebs von den Verantwortlichen vorgeschrieben und man muss sich ihnen als Vereinstrainer fügen. Insofern hoffe ich, dass du die FPL-Einführung nicht als größere oder schlimmere Bevormundung empfindest als sämtliche andere Regeln, wie z.B. der Feldgrößen, der Ballgrößen und -gewichte, der Strafakataloge. Diese werden allenthalben und größtenteils unkritisch hin genommen. Vielleicht liegt das zum Teil daran, dass die meisten, die als Erwachsene im Vereinsfußball aktiv sind, als Kinder und Jugendliche, also Unmündige, in dessen Welt traten, und "es schon immer so war." Darüber wird dann nicht mehr reflektiert und daher auch nicht kritisiert.
Ich bin zwar inzwischen seit sechs Jahren Trainer, war aber selbst vorher nie im Vereinsfußball aktiv, ich kannte das vorher überhaupt nicht. Mir sagten die Begriffe Kreisliga, Kreisklasse, Berzirksliga, Oberliga, weiß der Teufel was noch alles überhaupt nichts. Erst nach zwei Jahren Trainertätigkeit erfuhr ich überhaupt erst davon, dass es Geldstrafen für die Vereine gibt. Seit sechs Jahren lerne ich nun das deutsche System Fußball immer besser kennen. Dabei stoße ich auf viele Dinge, die ich in Ordnung finde, viele, die ich für verbesserungswürdig halte, und auch einiges, das ich grundweg ablehne. Ich empfinde aber die FPL nicht als Bedrohung, sondern eher als Chance für eine Verbesserung. Aber man kann nicht von ihr erwarten, dass sie funktioniert, wenn man sie nicht einfach nur vorschreibt, ohne den Betroffenen zu erklären, worum es bei der FPL geht, welche Ziele sie verfolgt, warum diese hehre Ziele sind und sich ihre Verfolgung lohnt, und wie die Maßnahmen der FPL zur Erreichung dieser Ziele dienen. Aber auch, dass sie alleine nicht reichen, sondern das aktive und im Sinne des Kindeswohles Füllen dieser Regeln und des Spielbetriebs mit kindergerechtem Verhalten dazu gehört, dass es ohne das nicht geht.
Desto mehr Beiträge ich lese dest nachdenklicher wird man. Selbst in den Beiträgen gibt es manche Unfairness, ob nun für oder gegen die FPL argumentiert wird. Mittlerweile stehe ich auf dem Standpunkt das wir nicht über Vor-und Nachteile reden sollten, sondern warum es soweit gekommen ist.
Sicher sollte man auch Ursachenforschung betreiben, keine Frage, das ist ganz sicher wichtig, um vermeiden zu können, dass es bleibt, wie es ist, oder es, sollte es sich zwischenzeitlich bessern, dass es wieder so weit kommen kann. Jedoch sind eine Anzahl an Ursachen doch mitterweile zweifelsfrei erkannt:
- Übermäßiger Ehrgeiz von Erwachsenen, seien dies Trainer oder Eltern
- Häufig zu geringe Entfernung von Eltern (und anderen Zuschauern) vom Spielfeldrand
- Lautstarkes Coaching nahezu jeder Bewegung von Kindern auf dem Platz
- Sofortige, deutliche Rückmeldung über vermeintliche Fehler der Spieler
- Deutliche, teils unangebrachte Kritik am Schiedsrichter
- Versuche der Einflussnahme auf den Schiedsrichter
- Behandlung der anderen Mannschaft und ihres Anhangs als Gegner
usw.. Ein paar dieser negativen Faktoren schaltet die FPL aus oder mindert sie zumindest. Noch wirksamer sind ihre Maßnahmen, wenn die Antwort auf die Frage gesucht, wird warum denn die Zuschauer einen Mindestabstand zum Spielfeld einhalten sollen, warum denn beide Trainer gemeinsam auf einer Seite stehen und sich nicht die gesamte Außenlinie entlang bewegen sollen. Und, zu guter letzt, warum es keinen Schiedsrichter gibt und sich stattdessen Spieler und Trainer einigen sollen.
Die Kinder für sich, brauchen keine FPL! Leider haben es die beteiligten Erwachsenen (Trainer, Eltern...) so lange getrieben, dass nun eine Lösung gesucht und gefunden wurde ( FPL) um die Kinder zu schützen.
Genau.
Und trotzdem denke ich, dass es so ist wie immer, wegen einer Minderheit die sich nicht an Regel halten kann oder will, müssen alle anderen ein System annehmen was auch von fair eingestellten Erwachsenen nicht unbedingt gemocht wird. Weil, nicht jeder der die FPL nicht befürwortet ist unfair eingestellt!!!
Hmm, aber was magst du denn nicht an der FPL? Und tatsächlich ist es doch so, dass die die Linie ständig auf und abschreitenden Brüllaffentrainer, die Zuschauer, die die ganze Zeit über aufs Spielfeld blöken, die nicht unparteiischen Heimschiedsrichter -- im Gegensatz zu den Kreisen einiger anderer Forumsteilnehmer stellt bei uns von G bis E der Heimverein den Schiedsrichter -- sämtlich gegen keine einzige Regel verstoßen. Sie sind die unangenehme Minderheit, aber sie machen sich zumeist keines Vergehens schuldig. D.h. man kann sich innerhalb der Regeln bewegen und trotzdem eine Schande für den Kinderfußball sein und ihm großen Schaden anrichten. Dagegen sollte etwas unternommen werden, die FPL tut es.
Meiner Meinung nach sollte das Übel von den Vereinen angenommen und geregelt werden.
- der Verein kennt (oder sollte) die Einstellung seines Jugendleiters kennen und sollte dementsprechend besetzen
- weiter kennt der Jugendleiter seine Trainer und sollte sich mit Ihnen immerwieder austauschen ( unter anderen auch das Thema Fairness)
- Vorteil wäre eine Verpflichtung zum Grundlehrgang Teamleiter Kinderfußball
- Trainer sollten auf Elternversammlungen grundsätzlich über das Thema Fairness reden und sagen wir sie das handhaben wollen und was Sie von den Eltern erwarten.
- Grundsätzlich bei Heimspielen einige Dinge zum fairplay regeln. (Elternzone, Berüßung des Gegners, gemeinsame Tranerzone wenn gewünscht!...)
Würden alle Vereine die Prinzipien des kindgerechten Kinderfußballs kennen und beherzigen, ginge das vielleicht. Ich kenne indes keinen Verein, in dem sich die Jugendleitung wirklich so darum kümmert, wie du es beschreibst. Ich kenne einige Vereine, in denen halt so vor sich hin gewurstelt und hauptsächlich verwaltet wird, und alles so läuft, wie es schon immer gelaufen ist. Dann kenne ich noch ein paar, die unheimlich ehrgeizig sind und wo bereits spätestens ab F-Jugend nur der an Ergebnissen fest gemachte Erfolg zählt. Einen Verein, in dem alle deiner Wünsche umgesetzt werden, kenne ich hingegen nicht.
Außerdem wirst du fest stellen, dass die Öffentlichkeit den Erfolg eines Vereins hauptsächlich an dessen Ergebnissen fest macht. Wenn es um Vereinsjubiläen geht, wird stets auf die Meisterschaften und die Spielklassen wert gelegt. Irgendwo wird zwar auch beiläufig erwähnt, wie viele Mitglieder und Mannschaften man hat, wichtig sind aber vor allem die erzielten Titel und Platzierungen. Vereine, die auch schon im Kinderfußball diese Ziele verfolgen, werden hervor gehoben, bewundert und/oder beneidet, zumindest von der unkritischen Mehrheit. Von Kindergarten- und Grundschulkindern wird erwartet, dass sie die Disziplin und das Engagement von Profisportlern aufbringen. Sie sollen bereits in diesem Alter die Ellenbogen ausfahren, zusehen, dass sie auf keinen Fall zu kurz kommen. im Zweifel ihren Vorteil suchen, Leistung bringen, oder gar "abrufen". Natürlich alles im Rahmen der Regeln, aber diese stören dabei auch nicht wirklich...
Trotzdem stehe ich dazu, dass Fußball ein Wettkampfsport ist. Selbst die Kleinsten wissen das es nen Gewinner im Spiel gibt, meine Aufgabe sehe ich dann darin zu vermitteln, dass es "keine" Verlierer gibt. So lange ich den Kindern vermitteln kann, dass Niederlagen zum Sport dazu gehören finde ich das vollkommen in Ordnug. Auch diese Seite gehört zum Sport dazu und die Kinder können nur gewinnen wenn man Ihnen das auch vernünftig und fair vermittelt.
Natürlich gibt es in 80% der Spiele einen Sieger und einen Verlierer, und so richtig befriedigend sind die restlichen 20%, die gemäß der Statistik unentscheiden ausgehen, auch nicht. Das ist auch in Ordnung, soll so sein. Aber das Ergebnis eines Fußballspiels sollte auch nur genau so wichtig sein wie das Ergebnis einer Partie "Mensch Ärgere Dich Nicht". Sicher steckt die emotionale Komponente ja schon in dem Namen dieses Brettspiels, aber es zeigt doch deutlich, dass es wichtig ist, auch mit Niederlagen umgehen zu können. Tatsächlich fahren doch viele Trainer und Eltern von Fußball spielenden Kindern die Strategie, dass es wichtig sei, die Zahl der Niederlagen zu minimieren, um die Zahl der unangenehmen Erfahrungen möglichst gering zu halten. Aber das ist doch Quatsch. Beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gewinnt nur einer der vier Spieler, macht es deshalb den anderen dreien keinen Spaß? Spielen sie es nie wieder, weil sie mal in einer Partie überhaupt keine Figur ins Ziel brachten? Vermitteln wir nicht unseren Kindern, dass das Spiel selbst, die Erlebnisse während des Spiels, die Freude und den Reiz ausmachen? Ist es nicht Paradebeispiel für verfehlte Erziehung, dass man ein Kind dauernd gewinnen lässt, ihm alles recht macht, usw.? Hat aber nicht das Hochhalten von Siegen im Kinderfußball auch etwas davon?
Fortsetzung folgt.