zumThema Fairplayliga: Ich habe oft und regelmäßig - wie in der Failplay-Liga - ohne Schiedsrichter gespielt.
Eigentlich jedes Freundschaftsspiel (oder Freundschaftshallenkick, jeder 2-3 Teams die gegen die Teams des anderen spielen, gut praktikabel in der Hallentrainingszeit) absolvieren wir ohne Schiedsrichter. [...] Trotzdem sind diese Spiele gerade wegen des fehlenden Schiedsrichters die unsaubersten Spiele. [...] Da wird gehalten, geschubst, etc. das steigert sich von Spielminute zu Spielminute. [...] erstens ist das alles eben nicht regelkonform und zweitens will ich gerade die jungen Kinder dahingehend ausbilden, die Zweikämpfe fair zu bestreiten (also ohne Ziehen und Zerren, wenn gleich schon mit Körperkontakt), [...]
Hier denke ich, dass die Fairplay-Liga, speziell das Spielen ohne Schiedsrichter, wenn man auf andere Mannschaften trifft, nicht alleine dafür sorgen kann, dass Kinder fair spielen. Dazu müssen die Trainer sie bringen. Man kann nicht von dieser Regel erwarten, dass sie aus allen Kindern vorbildliche Spieler macht (in Bezug auf Fairplay). Sie sollen es ihnen vielmehr erlauben, eigenverantwortlich zu spielen. Dazu gehört auch, dass sie lernen müssen, sich selbst gegenüber den Spielern der anderen Mannschaft zu behaupten und z.B. den Mut aufbringen, das Spiel zu unterbrechen, wenn es ihnen zu bunt wird. Das fällt vielen Kindern schwer, klar, und ich finde durchaus, dass die Trainer dazu Hilfestellung geben sollten, indem sie auch das eine oder andere mal von sich aus einschreiten, wenn die Unsauberkeiten sich zu sehr häufen. Ich habe das mal so gemacht, dass ich unterbrochen habe, als mein Team in Ballbesitz war, und dann meine Spieler angewiesen habe, den Ball nach meiner Ansprache der anderen Mannschaft zu überlassen.
Aber generell muss Fairness auch bzw. vor allem im Training vermittelt werden. Sicher bleibt das Problem, dass andere Trainer durchaus andere Vorstellungen von den Grenzen der erlaubten Härte oder der zulässigen Unsauberkeit haben. Ich kann da nur auf mein Beispiel aus der letzten Saison verweisen, als ich wie beschrieben vorging, weil ein Spieler des gegnerischen Teams deutlich übermotiviert zur Sache ging. Nach meiner Bitte an ihn, bei all seinem Engagement doch bitte darauf zu achten, dass nicht nach fast jedem seiner Zweikämpfe sein Gegenspieler am Boden liegt, habe ich das Gespräch mit seinem Trainer gesucht und um Verständnis für diese Ansprache an seinen Spieler gebeten, was auch OK ging -- ich hatte mich natürlich auch um Freundlichkeit bemüht. Wäre es so weiter gegangen und hätte sich vielleicht noch gesteigert, dann hätte ich meinen Kollegen (d.h. den Trainer der Gegner) darum gebeten, einzuschreiten. Hätte er es nicht gemacht, so hätte ich evtl. damit gedroht, das Spiel abzubrechen.
Und ein anderes Argument von Crow findet meiner Meinung nach zu wenig Beachtung in vielen Diskussionen.
Das man den leistungsschwächeren Spielern gerecht werden muss, darüber besteht hier meist Konsens. Gerne verallgemeinert unter dem Deckmantel allen (gleich) gerecht zu werden.[...] Was aber muss man machen, um den leistungsstarken Spielern voll zu entsprechen? Warum soll man sich immer an den schwächsten orientieren? Ist das nicht ungerecht (den Starken gegenüber?) Haben denn starke und schwache Spieler wirklich stets die gleichen Interessen, Bedürfnisse, etc.?
Ich denke nicht einmal, dass die meisten hier das so sehen. In vielen Vereinen ist es einfach nicht anders möglich, weil es nicht genügend Spieler für eine Trennung nach Leistungsgesichtspunkten gibt. Viele versuchen dann, die Mannschaft in zwei oder mehrere Trainingsgruppen zu trennen, sofern genügend Trainer da sind und sie genug Zeit und Fachverstand haben, um die Übungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden anzubieten. Ist das aber nicht möglich und trainieren alle Leistungsklassen gemeinsam, so kommen vermutlich weder die starken noch die schwachen Spieler voll auf ihre Kosten, damit ist wohl zu rechnen, denn ich gehe davon aus, dass sich die Trainer überwiegend am Mittelmaß ihres Teams orientieren, die Schwachen sollen halbwegs mitkommen, die Starken beherrschen die Übung schon im zweiten Durchgang voll und ganz, beim sechsten schludern sie wegen der Unterforderung dann schon, während der schwache Spieler sie zum ersten mal ohne groben Fehler schafft.. Diese Schilderung mag jetzt übertrieben sein und hoffentlich auch nicht die Regel, soll aber darstellen, welcher Zustand einem erheblichen Teil der Spieler nicht die wünschenswerte Förderung angedeihen lässt.
Daher denke ich, dass bei entsprechenden Spielerzahlen eine Trennung nach Leistung auch in Kinderjahrgängen durchaus sinnvoll sein kann. Was ich da aber für wichtig halte ist, dass man mit dieser Trennung ganz deutlich keine Wertung verbindet, dass die stärkere Gruppe eben nicht mehr Beachtung findet als die schwächere, dass sie auch nicht gegeneinander antreten, vielleicht sogar nicht als Mannschaften in derselben Zusammensetzung zum Spielbetrieb angemeldet werden. Sie sollten gleichzeitig trainieren, eine Durchlässigkeit zwischen den Teams sollte gewährleistet sein, es sollte einheitliche Trainingspläne geben. Vorbildlich finde ich hierbei das in fußballtraining 10/09 vorgestellte Konzept des TSV Wäldenbronn-Esslingen (s. http://www.imspiel-magazin.de/…_TSV_W_Vereinskonzept.pdf). Bei Andre scheint es ja auch ganz gut zu funktionieren. Aber sowas scheint mir eher die Ausnahme zu sein.
Muss man nicht versuchen allen Spielern gerecht zu werden? Gerecht im Sinne der individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten eines jeden Spielers - egal ob gut, durchschnittlich oder schwach - (In der Schule, der Musik, der Kunst - in jedem anderen Bereich- wird doch auch differenziert, nach Bedürnissen/Interesse und nach Fähigkeiten. Nicht jeder 11 jährige Pianist klimpert Tschaikowsky, aber auch nicht jeder beschränkt sich auf einfache Kinderlieder)
Nun wird Musik und Kunst typischerweise in Einzelunterricht gelehrt, da ist der Unterricht natürlich auf den Stand des einzelnen Kindes zugeschnitten. Aber Fußball wird in der Gruppe gelehrt und praktiziert, da kann, wie auch in der Schule, leider nicht auf alle Individualbedürfnisse der Spieler eingegangen werden. Sicher kann man dem näher kommen, wenn man kleine Gruppen mit höherer Leistungshomogenität bildet, dazu braucht man aber entsprechend viel Personal. Letztlich könnte man es ja bis zum Einzelunterricht treiben, aber einen Personal Trainer können sich halt nur ganz wenige leisten...
Und bevor hier irgendetwas runtergepostet hat, was ich nicht geschrieben habe. Ich stelle diese Frage ganz allgemein, ohne auf ein bestimmtes Themenfeld - wie die Verteilung der Spielzeit - abzuzielen. Im Gegenteil, bei mir spielen zwar auch in der E-Jugend nicht mehr alle gleichviel - habe ich früher mal gemacht -, aber keiner spielt durch und jeder mindestens die halbe Spielzeit, eher mehr.
Anlass der Diskussion mit meinem Mit-Trainer war aber seine Vorstellung, dass vier Leistungsträger (inkl. des Torhüters) grundsätzlich bei jedem Spiel dabei sein sollten, wenn sie verfügbar sind. Ich würde sie lieber auch mal aussetzen lassen, von mir aus auch ähnlich oft wie die schwächeren, wobei man ja noch das Instrument der Freundschaftsspiele hat. In meinem Fall (d.h. mit ihrer Einsatzgarantie) werden also aktuell die Stärkeren eher bevorzugt, oder siehst du das anders?
Ist Gleichmacherei nicht ungerecht und vor allem ist Gleichmacherei wirklich im Interesse eines jeden Kindes/Jugendlichen?
Sicher ist Gleichmacherei nicht wünschenswert, aber in einem gewissen Maße eben nicht zu vermeiden. Ungerecht ist sie damit aber nicht unbedingt, wenn ich zwei Spieler auf Stufe acht und zwei auf Stufe vier habe und alle gemeinsam gemäß Stufe sechs behandle, so ist es schon gerecht. Aber völlig synthetisch und realitätsfremd, natürlich.