Man muss aber auch nicht so tun als wäre im Dorf alles Friede, Freude, Eierkuchen, so dass es für ein Kind immer die optimale Lösung ist, im Breitensportverein am Wohnort zu bleiben. Die Probleme, die mein Sohn (als Spieler) und ich (als Trainer) dort hatten, habe ich ja ausführlich hier im Forum erörtert.
Verfahrene Situation Dorfverein (Vorsicht, langer Text)
Sport hat in meinen Augen viel damit zu tun, seine persönlichen Grenzen zu erfahren und auszuweiten. Das erfordert aber eine kontinuierliche und rechtzeitige Förderung, die ein Dorfverein aus verschiedensten Gründen nicht immer leisten kann. Das hat mit Träumen vom BuLi-Spieler noch gar nichts zu tun. Natürlich hat auch mein Junge diese Träume, aber ich bin realistisch genug ihm zu vermitteln, dass da ein Lottogewinn wahrscheinlicher ist. Dennoch begrüße und unterstütze ich es, wenn er sein bestes gibt, um dieses Ziel anzustreben. Für ihn war es aus meiner Sicht richtig, aus dem Dorfverein in die E2 (=U10) eines leistungsorientierten Vereins zu wechseln.
Ich bin mir bewusst, dass einige das vielleicht in den falschen Hals kriegen werden, aber dennoch ein Kommentar zum Werdegang aktueller Top-Spieler: Die Biografien sprechen eine eindeutige Sprache, das haben wir ja schon mehrfach durchdekliniert. Keiner der jüngeren Nationalspieler war bis in die C-Jugend beim Dorfverein. Die meisten wechselten spätestens in der U12 ins NLZ, oft sogar noch deutlich früher. Daraus schließe ich, dass es aus sportlicher Sicht sinnvoll ist, in der E oder in der D zumindest zu einem leistungsorientierten Verein zu wechseln. Natürlich gibt es auch noch andere Aspekte, die an dieser Entscheidung dran hängen (Zeitaufwand, Fahrweg, Freunde...). Nur muss man sich klar darüber sein, dass man so oder so eine Entscheidung trifft, die man später kaum noch revidieren kann. Anders gesagt: Wer in der D-Jugend noch im Dorf kickt, der wird sein Potenzial nicht mehr ausschöpfen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ob die eine oder die andere Entscheidungsmöglichkeit das Kind zum glücklicheren Menschen heranwachsen lässt, das ist nur individuell beantwortbar. Hilfreich dabei wäre die neutrale Beratung, die TW-Trainer da anmahnt.
Grüße
Oliver