Hattest aber nicht du, Don Quijote, geschrieben, dass in der NLZ-Mannschaft, in der dein Sohn kickt, auf knappe Spielstände nur wenig geachtet wird, dass dies teilweise zu Unverständnis bei den Eltern führt? Da würden mich etwas nähere Ausführungen durchaus interessieren, denn zu dem Thema stecke ich ja gerade in der Diskussion mit meinem auch ergebnisorientierten Mit-Trainer.
Hierauf will ich noch kurz antworten: Aktuell wird in unserem Team rotiert, der Trainer überlegt sich dafür offenbar vor jedem Spiel recht genau, wen er wann ein- und auswechselt und zieht das dann auch durch. Für's Ergebnis ist das nicht immer optimal: Letzthin hat das Team z.B. ein Testspiel z.B. 5:3 verloren. Unser spielerisch überlegenes Team ging mit einer 2:1 Führung in die Pause, dann wurden 2 der stärksten Spieler gegen schwächere getauscht, woraufhin der Gegner in rascher Folge auf 2:5 davonzog. Die beiden Guten wurden dann erst wieder für die letzten 5 Minuten eingewechselt. Es hat nur noch für das dritte Tor gereicht, aber nicht dafür, das Spiel noch zu drehen. (Das Spiel ist übrigens auch ein guter Beleg für die Inhomogenitäten in der Mannschaft).
Aus Sicht des Trainers war das Spiel vermutlich durchaus ein Erfolg: Er konnte die Spieler auf vielen Positionen Erfahrungen sammeln lassen und das gegen einen Gegner, der so ziemlich dieselbe Kragenweite hatte. Trotz massiver Rotation ist das Team nicht untergegangen, sondern hat sich insgesamt gut behauptet, wie das recht knappe Ergebnis zeigt. Wobei es sich ja ohnehin um ein Testspiel handelte, d.h. das Ergebnis ist ohnehin uninteressant. Es gab zahlreiche spannende Spielsituationen vor beiden Toren. Insgesamt also ein Spiel, in dem die Kinder einiges gelernt haben dürften.
In der Elternschaft waren demgegenüber einige ziemlich angefressen. "Gegen diese Mannschaft darf man doch nicht verlieren", "Wieso wechselt der Trainer den XXX nicht aus, der spielt doch ohnehin viel zu eigensinnig" usw. Am meisten aufgeregt hat sich der Vater des Spielers, der im Tor spielen musste ("Mein Sohn hat noch nie im Tor gespielt, was soll der denn da?"), obwohl sich sein Sohn sehr wacker geschlagen hat (und auch kein Problem mit seiner TW-Rolle an diesem Tag zu haben schien). Die Eltern haben da ganz offenbar weniger die Ausbildung ihrer Kinder im Blick als vielmehr das Ergebnis. Ich versuche dann immer, meine Sicht der Dinge zu erläutern ("Rotation finde ich gut, auch wenn man eventuell dadurch mal ein Spiel verliert, denn es dient der Schulung der Spieler"), ernte aber oft nur ungläubige Blicke. Hier müsste aus meiner Sicht der Trainer ein bisschen in die Offensive gehen und erläutern, was er da macht, und vor allem warum. So sehe ich die Gefahr, dass Unfrieden in die Elternschaft und mittelbar dann auch ins Team kommt.
Ich denke gerade das Konzept, dass Sir Alex oben erläutert hat (alle spielen mittel- bis langfristig gleioch viel, aber es erfolgt eine Anpassung der Einsatzzeiten an die Gegnerstärke) ist so einleuchtend, dass sich das auch sehr gut verkaufen lässt. Das setzt natürlich voraus, dass man ein solches Konzept auch hat. Ob schriftlich oder nicht sei mal dahingestellt, wobei ein schriftliches Konzept mehr Verbindlichkeit besitzt als eine rein mündliche Darstellung, zumal wenn es nicht nur für eine einzige Mannschaft gelten soll, sondern für einen kompletten Verein. Und das Niederschreiben hilft ja auch beim Sortieren der Gedanken.
Grüße
Oliver
