natürlich mag in Ausnahmefällen ein Vereinswechsel sinnvoll sein, wenn Heimatverein so gut wie gar nichts mehr geht!
Da sind wir einig
Das gilt dann allerdings nicht nur für das Talent, sondern auch für alle anderen Spieler, die unter größtenteils unwürdigen Bedingungen Vereinsfussball spielen sollen. Denn einen Anspruch auf Ausbildung haben alle Nachwuchsspieler eines Vereins.
Und da ebenfalls
Wäre es so, wie du sagst, das Talente einen nicht einholbaren Trainingsrückstand zu verzeichnen haben, warum gibt es dann in den überwiegenden Fällen eine klare Trennung der Talentverantwortlichkeit (Bis einschließlich D-Jugend = DFB Stützpunkt und ab der C - Jugend die NLZ der Leistungs- und Profivereine)!
Wo gibt es denn diese klare Trennung? Alle mir bekannten NLZ haben auch schon U10, 11, 12, 13, also genau den Bereich, den nach Deiner Definition der Stützpunkt abdeckt. Ich denke, es ist eher so, dass durch die Stützpunkte ZUSÄTZLICHE Talente eingesammelt werden solle, die es eben (warum auch immer) noch nicht ins NLZ geschafft haben.
Denn fast überall, wo es Jugendkonzepte gibt, hat man aus den Sünden der Vergangenheit gelernt!
Aber scheinbar noch nicht überall! Wenn man die Talente zu früh in einer Mannschaft konzentriert, dann gibts in den meisten Fällen keine Gegner mehr auf Augenhöhe und auch keine gute Weiterentwicklung der Talente! Denn die werden in (normalen) Heimatvereinen weitaus mehr im Wettkampf gegen gleichstarke Gegner gefordert. Gerade diese Wettkampfsituationen lassen sich nur schwer im Trainingsbetrieb simulieren!
Das habe ich doch oben schon widerlegt! Ich stelle die These auf, dass es keinem Spieler im NLZ an sportlicher Herausforderung mangelt, dafür sorgen schon die vielen Turniere und Testspiele. Davon ausnehmen würde ich lediglich Bankdrücker (also nicht eingesetzte Spieler), aber das ist kein NLZ-spezifisches Problem. aber natürlich würde ich niemandem zum Wechsel in den Leistungsverein raten, um dann dort die Bank zu drücken, das ist klar.
Ich denke, dass Trainer, die wie ich schon sehr lange in der Talentförderung tätig sind, dies auch bestätigen können. Leider erhalten wir meist erst dann eine Nachricht, wenn es schon zu spät ist! Denn die Abwerber arbeiten in ihren Argumenten nicht nur mit der Intransparenz von erst nach erfolgtem Vereinswechsel überprüfbaren Aussagen, sie arbeiten auch mit dem Zeitfaktor! Die Aussage: ... wenn das Kind nicht sofort wechselt, dann kann es später nicht mehr im Leistungsfussball spielen..." ist dabei eines der am häufigsten eingesetzen Argumente.
Selbstverständlich macht es auch einen Unterschied, welchen Weg die meisten Talente nehmen, die es nicht bis in den Profifussball geschafft haben oder irgendwann ein anderes Ziel bekommen haben! Denn, wenn du dir später von deinem dann erwachsenen Kind sagen lassen mußt, dass es nach deiner Vorstellung "funktionieren" sollte, dann wird diese Form der Fremdsteuerung eure zwischenmenschliche Beziehung stören können.
Ja, das Risiko ist da, das sehe ich wie Du. Da ist man als Eltern immer gefordert, aber auch das ist nicht spezifisch für den Leistungssport. ich dränge meinen Sohn daher zu nichts. Aber ich biete ihm die Möglichkeit, den Leistungsverein zu besuchen. Wenn er nicht mehr will, melde ich ihn ab, das ist klar. Aber nochmal: Als Eltern hat man immer auch die Rolle, die Kinder auch zu den unangenehmen Dingen motivieren oder "zwingen" zu müssen. Zähneputzen ist bei unserer Kleinen gerade ein Reizthema. unser Mittlerer steht nicht gerne auf, um in die Schule zu gehen. Da kommt mir viel öfter der Begriff "Funktionieren müssen" in den Sinn, als beim Fussballtraining unseres Großen.
Wer einem D-Jugendlichen eine Erfolgspronose für den Profibereich ausstellt, der ist in meinen Augen unseriös. Mir ist persönlich kein Fall bekannt, indem ich in dieser Altersklasse einem Talent soetwas hätte vorher sagen können. Eher war es der Fall, dass ich denen, die es später bis in den Profibereich (tw. ins Nationalteam) geschafft haben, soetwas zu diesem Zeitpunkt gar nicht zugetraut hätte. Soviel zum angeblichen Trainingsrückstand von D-Jugendlichen, der später nicht mehr aufholbar wäre.
Ich bin vollkommen bei Dir, dass man keinem D-Spieler die Profikarriere voraussagen kann. Nicht jeder Spieler, der in der D im NLZ kickt, wird Profi. Dazu gibt es viel zuwenig Plätze in den Profi-Kadern. Aber es gilt eben der Umkehrschluss: Wer in der C noch im Dorf in der untersten Liga spielt, der wird kein Profi mehr. Oder kennst Du aktuelle Gegenbeispiele?
Leider gibt es ja keine neutrale Beratungsstelle für Talente und deren Eltern, weshalb Jahr für Jahr die überwiegenden Vereinswechsel von Talenten im unteren Jugendbereich gar nicht nötig wären. Aber vielerorts, wo die Neutralität der DFB-Trainer gewährleistet ist, kann man auf Wunsch eine persönliche Beratung bekommen.
Ja, so eine Beratungsstelle wäre Gold wert. Man fühlt sich als Eltern schon ein bisschen allein gelassen, da fast jeder, mit dem man spricht, ein Eigeninteresse hat, das nur schwer zu durchschauen ist.
Ein wesentliches Problem dieser eigentlich sehr sinnvollen Unterstützung von meist unerfahrenen Eltern liegt darin, dass der DFB nur Empfehlungen aussprechen kann, da er sich als Partner der Vereine versteht und deshalb in deren Kompetenzen eingreifen möchte.
Der DFB will NICHT in die Kompetenzen der Vereine eingreifen, oder?
Grüße
Oliver