Spannendes Thema! Nach zwei Jahren mit einem sehr stillen Trainer hat mein Sohn jetzt ein deutlich aktiveres Trainergespann. Beide Traner geben während des Trainings und während des Spiels sehr viele Anweisungen, es wird viel gelobt, aber auch viel kritisiert. Mir ist das eigentlich zu viel, vor allem im Spiel. Ich habe meinen Sohn gefragt, aber ihn stört das nicht. Fundamental ist das (oben schon angesprochene) enge Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Spielern. Das basiert auf dem gegenseitigen Respekt. Der Trainer muss respektiert sein, klar, aber genauso umgekehrt muss der Spieler wissen, dass der Trainer ihn als Person und als Spieler respektiert. Wenn dieses Grundgefühl da ist, ist vermutlich die Lautstärke kein allzu großes Problem. Wenn aber dieses Grundgefühl fehlt, dann resultiert Angst - und das braucht nun wirklich keiner.
Was man nach dem Trainerwechsel direkt merkt: Die vielen Anweisungen helfen, dass die Mannschaft (U12) deutlich strukturierter spielt. Alle Jungs werden sehr unmittelbar an ihre Aufgaben erinnert. So passiert es z.B. nur noch extrem selten, dass das Team durch Konter überlaufen wird, weil z.B. beim eigenen Eckball die Absicherung fehlt. Auf die Ergebnisse wirkt sich das natürlich positiv aus.
Was ich aber problematisch finde: Dadurch, dass die Jungs praktisch permanent an der kurzen Leine geführt werden, haben sie mMn zu wenig Freitraum, auch mal etwas verrücktes oder überraschendes zu machen. Thomas Müller wird immer gelobt, weil er da hingeht, wo ihn keiner erwartet. Das geht nicht mehr, wenn jede Abweichung von der Sollposition sofort vom Trainer angemeckert wird. Mir als Beobachter blutet da immer ein wenig das Herz. Aus meiner Warte sehe ich die Gefahr, dass die (zu?) enge Führung durch den Trainer verhindert, dass die Jungs ihre Fehler machen dürfen und dadurch aber eigene Lösungen entwickeln. Das ist aus meiner Sicht die Gratwanderung, die der Trainer zu bewältigen hat: Einerseits den oben angesprochenene Freiraum geben, andererseits aber auch zeitnahe Rückmeldung geben. Denn viele Fehler erkennt der Spieler alleine vielleicht gar nicht als solche. Und auch das würde ich erst ab E oder D sehen. Bei Bambini hat ein Brülltrainer definitiv nix verloren.
Aber um das nochmal zu betonen: Der klassische Brülltrainer ist der, der seinen eigenen (!) Frust an den Spielern auslässt. Jeder kennt die Situation, dass z.B. der Torwart einen Abschlag zum Gegner spielt, sofort das Tor fängt und dann vom Trainer zur Sau gemacht wird. Das sind dann Momente, die keiner braucht, das sollte klar sein.
Grüße
Oliver
